Sie hat Schluss gemacht: Wie es sich anfühlt, wenn es vorbei ist

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Ein Text von Willhelm Worran.

Noch vor dem ersten Frühlingstag sitze ich wieder alleine da. Sonntag, 9 Uhr früh. Meine Freundin hat sich gerade von mir getrennt, vorbei. Fassungslosigkeit macht sich breit. Sie sagt all die kleinen Sätze, die helfen sollen, aber in dieser Situation alles nur noch schlimmer, noch schmerzhafter machen: „Du bist mir trotzdem wichtig“, „Ich konnte dir immer alles erzählen, ich will einfach nur ehrlich sein“, „Es passt nicht mit uns“, „Es reicht nicht mehr für eine Beziehung, aber du bist mir so unsagbar wichtig.“ Bla bla bla. Es fühlt sich beschissen an.

Wer sich in so einer Situation erleichtert fühlt, hatte wohl einfach nicht den Arsch in der Hose, selbst Schluss zu machen. Ich dagegen fühle mich schlecht, allein, verletzt, unnütz und nochmal schlecht.

Dabei ist es egal, ob es nach einer kurzen Honeymoon-Phase vorbei ist oder man nach sieben Jahren wieder alleine da steht – das Gefühl ist stets dasselbe, Ohnmacht und Hilflosigkeit übernehmen.

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Und jetzt? Sich zurück ziehen oder wieder mit Vollgas nach draußen gehen – über die Jahre habe ich so ziemlich jede Art der Liebeskummer-Bewältigung mitgemacht. Habe mich zu Hause eingekerkert, tagelang mit niemandem gesprochen, still und fast regungslos über jeden noch so kleinen Schritt gegrübelt. Jede Sekunde der Beziehung auseinander genommen und versucht, eine monströse Fehleranalyse zu erstellen. Ohne Erfolg.

Ein anderes Mal voller Wut und Enttäuschung aus meinem Habitat ausgebrochen. Grenzen verloren. Mit der erstbesten Bekanntschaft in ihr Bett gestolpert, selbiges am nächsten Morgen voller Scham verlassen und den Walk of Shame nach Hause angetreten.

Da steht man nun, umgeben von unzähligen Fragezeichen auf der Suche nach Antworten und Lösungen. Mich umhüllt ein fieses Gerüst aus Aufbruchstimmung  und dem Wälzen in Trauer und Frustration. Ich kann nicht einfach aufgeben, was ich liebe. Ich kann aber auch nicht so tun, als ob die Welt sich federleicht weiter dreht und es mir überhaupt nichts ausmacht, dass es vorbei ist. Man kann mir ansehen, dass ich planlos bin und mich völlig verwirrt durch die Tage schleppe. Immer in dem Wissen, dass ich Stück für Stück den Faden verliere, der mich hier raus bringen soll. Es fehlt mir an Kraft für ein Aufbäumen gegen die Trauer und die Verzweiflung, gegen die Leere in mir.

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So langsam, aber sicher gehen die Methoden aus, den Liebeskummer und den Verlust des Menschen, den ich liebe, zu bewältigen. „Der Schmerz wird mit der Zeit weniger“, Du wirst neuen Leuten begegnen, dich neu verlieben“, „Irgendwann fängst du an, dich Stück für Stück wieder zu finden.“ Standardphrasen eben. Natürlich ist etwas Wahres dran an diesen Sätzen, die Freunde sagen, um dich zu trösten, aber helfen können sie – jetzt, in diesem Moment – nicht.

Die Fragen bleiben doch.

Wird es jemals wieder erträglich? Wie lange wird es so erdrückend bleiben? Wann löst sich der Krampf im Herz?

Ich habe keine Antworten darauf.

Fotos: Melanie Ziggel <3
Model: Davy Jones <3

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