Verliebt euch oder: Die große Verknallung

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Ein Text von Virginia Heart

Das Problem mit dem Verliebtsein ist ja, dass niemand erklären kann, wie es wirklich funktioniert. Wie sich verliebt sein anfühlen soll. Also stolpert man so umher, hofft, träumt und beißt sich fest, bis man doch wieder loslassen muss oder will.

Unzählige Hollywoodproduktionen beschwören die eine große Liebe, die, die alles richtet. Die, mit der das ganze Leben durch den Weichzeichner läuft. Doch Scheidungsraten und gesunder Menschenverstand signalisieren, dass all das Blödsinn ist. Dass unweigerlich Probleme auftreten, wenn Menschen ihr Leben miteinander teilen. Und irgendwo dazwischen hält man sein weiches Herz wurfbereit in den Händen, zielt wie Opa nach dem sechsten Korn aufm Schützenfest und hofft, dass der Aufprall nicht zu dolle klatscht.

Es klatscht ein bisschen, aber es ist okay. Jemand hat es aufgehoben, kurz angewidert die Nase gerümpft, dann aber bemerkt, dass es im richtigen Licht und abgespült ganz brauchbar ist. Also teilt man jetzt ein bisschen sein Leben. Ist ein wenig verliebt und doch wieder nicht. Es zwickt und drückt an vielen Enden, aber da sind auch Gemeinsamkeiten. Das Reisen, das Kino, 40 Prozent des Humors. Das Gesamtpaket, die Person, die alles hat, gibt’s doch eh nur im Film.

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Anfangs funktioniert das erstaunlich gut, und ja, daran man könnte sich gewöhnen. Aber früher oder später wird klar, dass beide auf Sparflamme kochen. Das beide hier etwas Bequemes, aber nicht Passendes gefunden haben. Frustration entsteht, weil man doch so viel gibt. Für eine Person, die nicht wirklich das ist, was so viele Lieder, Bücher und Filme versprochen haben, für die man sich aber trotzdem bemüht. Wo bleibt der Dank? Der Sex ist gut, nichts Besonderes, aber man kennt sich inzwischen und hat sich aufeinander eingestellt. Ab und an wagt einer einen Sprung nach vorne, will was riskieren, will es größer werden lassen. Aber nee, der andere tritt auf die Bremse. Denn verliebt, so richtig, ist man nicht.

Inmitten all dieses Ziehen und Schubsens passiert es, dass man eines Abends ausgeht. Ein paar Freunde trifft. Am Tisch sitzt jemand, der merkwürdig bekannt scheint, es aber nicht ist. „Hey, ich bin…“, stellt man sich vor. „Hallo, mein Name ist…“, kommt zurück. „Freut mich.“ Und das ist nicht gelogen. Plötzlich sind zwei Stunden um, ohne, dass man auch nur einen Blick aufs Handy geworfen hat.

Später auf dem Heimweg guckst du ständig drauf, obwohl er weder deine Nummer, noch deinen Facebook-Kontakt hat. Du bist nicht nervös, nicht gehetzt, wie du es sonst nach halbwegs vielversprechenden Begegnungen von dir kennst. Eher ruhig. Eher zuversichtlich. Dabei war das gerade doch mehr als nur halbwegs vielversprechend. Und doch, und doch. Ihr findet euch über die üblichen Social Media Wege und weiterhin sind die Tage viel zu kurz und die Umstände viel zu kompliziert. Die Zuversicht bleibt.

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Du investierst, ohne Kosten-Nutzen-Rechnungen aufzustellen. Das Nehmen und Geben, zwischen Musikempfehlungen und Unterstützung, funktioniert ohnehin wie von allein. Das Vertrauen ist endlos. Du hast dich verliebt. Ihr werdet ein Team, ride or Die. Natürlich wird es Schwierigkeiten geben. Natürlich kann er dir das Herz brechen. Aber all das nimmst du für 113 Prozent in Kauf. Du denkst plötzlich nicht mehr nur Tage, sondern Monate, Jahre voraus. Und bist glücklich dabei. „Du bist richtig verliebt. Genau so soll es sich eigentlich anfühlen“, sagt eine Freundin. „Ich wusste doch aber nicht, dass das wirklich geht“, sagst du und lächelst.

Fotos: David Szubotics
Models: Nasti van der Weyden und ihr Liebster <3

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