Verbotene Liebe: Wie fühlt es sich an, „die andere“ zu sein?

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Ein Blick in seine grüngrauen Augen, und du wirst schwach. Die leichteste Berührung seiner Hände lässt dich erzittern, ein Lächeln von ihm, und du wähnst dich im Himmel. Du könntest so glücklich sein. Dass er ein Mädchen hat, hat er mal beiläufig erwähnt, als das mit euch noch easy war, als ihr Buddys wart.

Wenn er Zeit hat und seine Freundin zu Besuch bei ihren Eltern in der weit entfernten Stadt ist, ruft er dich an, schickt dir Nachrichten, die deine Haut kribbeln lassen. Von alleine schreibst du ihm nur selten, schließlich weiß man nie, ob und wann die Frau, seine Nummer eins, neben ihm sitzt, liegt. Eine verbotene Liebe, das ist es, was euch verbindet.

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Manchmal besucht er dich. Natürlich. In seiner Wohnung könntet ihr euch nicht treffen, selbst, wenn die Freundin am anderen Ende der Welt weilt. „Das würde sich falsch anfühlen“, hat er mal gesagt, „irgendwie respektlos.“ Du verstehst nicht, warum ein Fick mit dir, der Affäre, im Pärchennest respektlos ist, er es andererseits aber in Ordnung findet, wenn ihr es in deiner Eineinhalbzimmerwohnung treibt wie die Affen. Ficken ist ficken, Betrug ist Betrug, egal, wo er stattfindet. Oder nicht?

Während dir die Grübelei, die Eifersucht auf sein Girl und die Angst, ihn zu verlieren, die Sinne vernebeln und dich langsam irre machen, hat er euer gemeinsames Geheimnis lange Zeit genossen, die Küsse, von denen niemand wissen darf, die verbotenen Momente, die so einzigartig sind, weil verboten und auch ein bisschen wehtun, weil verboten. Er liebt seine Freundin noch immer, nach vier Jahren lösen sich Gefühle ja nicht einfach in Luft auf. So viel, das sie miteinander geteilt haben, dazu die gemeinsame Wohnung, der Freundeskreis, den sie sich teilen, der Alltag, der durch ihre schlechten Witze und ihr schönes, breites Lachen ein bisschen weniger trist ist. Aber seitdem er dich getroffen hat, hat sich etwas in ihm verändert. Sein Herz schlägt schneller, wenn ihr euch begegnet, wenn ihr fickt, fühlt es sich an wie Liebe machen. Er denkt viel mehr an dich, als er sollte, und er fühlt sich mies deshalb. Mies, weil seine Freundin ihm vertraut. Mies, weil er ahnt, dass die alte Liebe am Ende ist, mies, weil er weiß, dass ihm der Mut fehlt, einen Schlussstrich zu ziehen, auf die Bequemlichkeit, in der er sich eingerichtet hat, zu scheißen. Mies, weil er sieht, wie du leidest, wenn er sich anzieht, um zurück zu seiner Freundin zu fahren. Er ist kein schlechter Mensch. Nur feige.

„Mach endlich Schluss“, sagen deine Freundinnen, „der wird die Alte niemals verlassen. Ist doch Scheiße, so eine verbotene Liebe, such dir lieber einen, der dich wirklich will!“

Und ja, du weißt, dass Schluss machen das einzig Richtige wäre, wenn du bei dieser Sache nicht draufgehen willst. Und ja, alles könnte so einfach sein. Wenn du dich ihm nicht beizeiten geschenkt hättest, mit den besoffenen Schmetterlingen im Bauch, dem Schluckauf, einem viel zu hohen Puls und allem, was dazu gehört.

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Es könnte so einfach sein, wenn du wieder du wärst. Großmäulig, dickköpfig, abenteuerlustig, stolz. Leider hast du dich irgendwo auf dem Weg verloren, bist verschwunden ohne eine Spur, einfach weg, keine Ahnung, wohin. Alles, was von dir übrig ist, ist dieser verliebte Feigling ohne Ansprüche und Rückgrat. Unfähig sich zu verteidigen, den Launen eines Menschen ausgeliefert, der Schwarzenegger für den besten Schauspieler aller Zeiten und Charles Bukowski für deinen Nachbarn aus dem dritten Stock hält. Das kann doch alles nicht wahr sein.

Idiot, denkst du und weißt gar nicht so genau, wen du damit eigentlich meinst. In deinem Kopf veranstalten die Gedanken Wettrennen. Warum machst du das alles mit? Warum verlässt er seine Freundin nicht? Warum tut es so weh, die Nummer zwei zu sein? Sollten die Dinge, die verboten sind, nicht viel mehr Spaß machen als alles andere? Eine Million Mal warum. Trotzdem richtest du dein Leben  weiter nach seinem Terminplan, bist dankbar für jede Minute, die du mit ihm verbringen darfst, bleibst die verbotene Liebe.

Nicht mit mir, schnaubst du da vor dich hin und nimmst dir vor, ihn zur Rede zu stellen. Weil du mehr sein willst als das schöne Spielzeug, das bei Bedarf aus der Schublade gekramt wird. Fick dich, verbotene Liebe, ich habe keinen Bock mehr darauf, die Nummer zwei zu sein, denkst du dir. Mutig stellst du dich ihm entgegen, ignorierst den überraschten Ausdruck auf seinem Gesicht und schreist deine Vorwürfe, Ängste, Wünsche in seine heile, beschissene, kleine Welt hinein. Dein Kopf ist rot vor Aufregung, deine Wangen brennen, deine Stimme zittert. Er küsst dich sanft auf die Nase und sagt, dass er dich gar nicht verdient hat. Im Moment könne er das noch nicht, sein altes Leben aufgeben, aber er will dich trotz allem nicht verlieren. Einen Moment starrst du ihn fassungslos vor Wut an, bevor du ihm dankbar in die Arme fällst. Dankbar, weil er dich noch haben will. Irgendwie. Wie schön. Warum tut es dann immer noch weh?

Du könntest so glücklich sein.

Fotos: Luna <3

Disclaimer: Der obige Text spiegelt nicht meine aktuelle persönliche Situation wieder. Dafür Momente, die ich in vielen Jahren wieder und wieder erlebt habe, ob am eigenen Leib oder durch Erzählungen anderer, die sich mir anvertraut haben. Der obige Text beinhaltet Gedanken, die ich aus den Köpfen meiner Freunde geklaut habe, Gedanken, die mir selbst so manches Mal durch den Kopf rasten. Fragen, die sich jeder stellt, der mal der heimliche Geliebte war. Oder heimlich einen anderen Menschen liebte, obwohl es da doch diese Person gab, der das eigene Herz offiziell gehörte. Obigen Text schrieb ich nach einem Gespräch mit einer Freundin, die immer wieder die Affäre ist,  die verbotene Liebe, nie die Frau an der Seite der Männer, denen sie sich schenkt. Danke für dein Vertrauen, Bébé.

13 Comments

  1. Vanni

    3. September 2016 at 15:23

    So passend zu meiner aktuellen Situation. Der Wahnsinn.
    Die Verzweiflung, die Abhängigkeit. Unfassbar, dass wir das immer wieder mitmachen..

    Ich habe vor 4 Monaten meinen Ex wieder getroffen, frisch getrennt, ich schwanger..von meinem Ex.
    Wir haben uns wieder total ineinander verloren. Unsere Liebe damals war sehr emotional und intensiv, wenn auch kurz.
    Umso schlimmer quasi das Wiedersehen, wenn alles hochkommt, was nie abgeschlossen war. Über Monate haben wir uns immer wieder getroffen, er gab mir das Gefühl die Einzige zu sein und das Beste, das er hat..
    Bis ich nach 3 Monaten rausfand, dass er 2 Wochen nach unserem Wiedersehen wieder mit seiner Ex zusammengekommen ist .. Ich wusste es nicht. Sie wusste nichts von mir. Ich habe mir über die Monate ständig die Frage gestellt, wo wir stehen und dadurch, dass nie etwas Klares war, war klar, dass sie noch irgendwie in seinem Leben ist, auch wenn er das stets verneinte. Ich wollte ihn immer zur Rede stellen, ab und zu tat ich es und er hat es nie geschafft ehrlich zu sein.
    Trotzdem fühle ich mich schuldig.. Trotzdem habe ich immer das schlechte Gewissen gehabt und bis heute noch.. Warum auch immer. Ich bin eigentlich zu stark für solche Gedanken, aber er hat mich schwach werden lassen. Und der Witz an der Sache ? Er passt gar nicht wirklich zu mir. Ich könnte mir mein Leben nicht mit ihm auf die Art und Weise vorstellen, aber ihn jetzt ganz zu verlieren ist die Hölle, weil die Freundschaft, die wir nach der Beichte aufgebaut haben war wunderbar, aber auch die ist jetzt verloren gegangen, weil er meint, er hat zu viele Gefühle für mich, scheint aber wieder bei ihr zu sein.

    So langsam komme ich darüber hinweg, aber ich will mir nicht vorstellen was passiert, wenn er wieder vor mir steht, wenn er wieder Kontakt aufnimmt.. Dann geht das wohl wieder von vorne los.

    Und man will doch einfach nur den einen Mann, der einen auf Händen trägt, behandelt wie eine Königin, für den man Alles ist. Das Traurige ist, er hat mir dieses Gefühl gegeben. Vielleicht schafft das mal jemand in ehrlich.

  2. Pingback: Pornosucht – Hass-Liebe und Dauer-Dicke-Hose - Mimi&Käthe

  3. A

    22. Juli 2016 at 20:06

    Nie wieder . Bescheiden, so fühlt es sich an. Man lügt sich selbst an wenn man denkt , es könnte später funktionieren . Nein. Die Freundin oder die Frau bleibt immer die erste. Ich habe es jedoch nie bereut , weil ich davon unglaublich viel gelernt habe . Ich werde nie wieder so naiv sein und jemandem alles geben , der mir nur die Hälfte gibt.

  4. Rheintochter Esme

    21. Juli 2016 at 19:38

    Whoa! Dahlink, BITTE, tu‘ mir den Gefallen und setz‘ das Kursive nächstes Mal an den Anfang – ich bin hier fast mit spontaner Schnappatmung vom Stuhl gekippt und wollte schon zu Fuß in die Metropole durchstarten, um Dich in den Arm zu nehmen. OK, wach bin ich jetzt wenigstens wieder… ;-)
    Spaß beiseite, davon abgesehen, dass der Text unfassbar toll ist, ist es auch ein verflucht empfindliches Thema. Und es fängt ja schon mit der Verurteilung an, nichwa. Weil wir mal wieder alle meinen, die monogame Beziehung sei die einzig wahre und wer sich in jemanden „vergebenen“ verliebt, sei gleich ein Homewrecker, eine Schlampe und der schlechteste Mensch des Planeten. Mindestens. Ich übertreibe natürlich – Du verstehst mich schon.

    Dazu kommen dann noch die im Text beschriebenen Gefühle, die das Hirn nicht zur Ruhe kommen lassen. Wunderbar: ein gesellschaftlich schlechtes Gewissen UND das Gefühlschaos bei sich selbst und dem geliebten Menschen. Und letzteres macht einen auch fertig, denn man (oder frau) ist ja auch empathisch. Ach Mensch…

    Verzeih mir, ich schwafle – ich finde einfach keine Worte, um auszudrücken, wie und wie sehr mich dieser Text berührt hat. Und die Diskussion hier zeigt ja, dass es ein Thema ist, das viele beschäftigt, sei es als „Betroffene“ oder rein als Kopfexperiment.

    Liebe vom Rhein, Dahlink! <3

  5. Cäcilia

    20. Juli 2016 at 21:18

    Ich hatte das auch schonmal. Im Dezember. Mein Vater starb und ich lernte (online) jemanden kennen, der mir gefiel. Der mir so ähnlich war. Bei dem ich jedes Mal lachen musste und lächeln musste, wenn ich wieder eine Gemeinsamkeit entdeckte, dass wir sogar unseren Kaffee gleich tranken. Mit viel Milch und ohne Zucker. Gespräche bis tief in die Nacht, manchmal an einem Tag über 12 Stunden geschrieben. Irgendwann konnte ich aufrichtig Danke sagen, weil er dafür gesorgt hat, dass ich mal einen Tag hatte, an dem ich nach Papas Tod nicht geweint habe. Ich denke auch nicht, dass ich das irgendwann vergessen werde, wie auch.
    Dass er die Freundin hat, das wusste ich von vornherein, aber letztlich war mir das egal. Weil ich mit nichts gerechnet hatte. Weil’s mich auch nicht betraf. Weil ich sie nicht kannte. Als die Gespräche irgendwann verrucht wurden, tat es mir gut, dass da jemand war, der mich trotz meiner Wehleidigkeit, meiner Trauer, meiner Verzweiflung attraktiv und interessant fand. Der mich wollte. Und ich hab mich drauf eingelassen und nicht Nein gesagt. Und wieso hätte ich auch. Beim ersten Treffen landeten wir im Bett, beim zweiten Treffen, ein drittes gab es leider nicht mehr.
    Es tat mir einfach gut und er sagte mir, ich lasse ihn aufleben. Irgendwie hat es eben einfach gefunkt. Manchmal passiert das. Er ist bei seiner Freundin geblieben und ich hätte auch nie irgendetwas verlangt. Ich hätte nichtmal gewusst, ob ich etwas Festes gewollt hätte. Wäre eine Fernbeziehung gewesen. Aber es war jemand, bei dem ich gesagt hätte „Wenn ich die Chance hätte, würde ich dich gern besser kennen lernen.“ Obwohl ich das Gefühl hatte, ihn zu kennen.
    Ich vermisse die Gespräche heute noch und alles, was sich daran gut angefühlt hat. Ich glaube auch nicht, dass er seine Freundin nicht liebt und er ihr damit bewusst wehtun wollte. Ich denke, er war auch einfach unglücklich und dann kam eben jemand. Ich hatte nie das Gefühl „die zweite Geige“ zu sein, weil ich keine Ansprüche hatte, es war an sich einfach nur.. gut.
    Das verteufeln sicherlich viele. „Wie kannst du“, „Du Schlampe, er hatte ’ne Freundin“, „Da lässt man die Finger von“, aber ich bereu es nicht. Und manchmal hätte ich das gern noch wieder. Wir reden leider nicht mehr. Aber ich kann mich irgendwo in diesem Text wiederfinden und find’s schön geschrieben und ich denke nicht, dass man grundsätzlich das Mädchen, das nicht Nein gesagt hat, beschimpfen oder beleidigen sollte. Fremdgehen kann passieren, unter ganz verschiedenen Umständen und mit ganz verschiedenen Hintergründen. Danke für den Text.

    • Mimi

      Mimi

      21. Juli 2016 at 15:45

      Ich danke dir für die ehrlichen Worte <3 Fühl dich geherzt.

    • Mells

      22. Juli 2016 at 17:45

  6. Angel-a

    20. Juli 2016 at 20:28

    Wenn man selbst keine Worte findet…Du hast mir aus der Seele geschrieben… Vielen Dank! <3

  7. Romy

    20. Juli 2016 at 19:52

    Jesus – das hatte ich vor einigen Jahren ganze 14 Monate. Furchtbar. Nie wieder.

  8. JudgeDark

    20. Juli 2016 at 17:39

    Sehr schöner Text … vielen Dank dafür; man kann richtig mitfühlen, auf den Punkt getroffen wie ich finde.

    Scheiß Situation! Ja, es mag Spaß machen, aber auf Dauer die zweite Geige spielen kann es irgendwie nicht sein. Aber da sind sie wieder, die Gefühle und Emotionen, die das scheiß Leben so scheiß kompliziert machen. Der Kopf weiß wie es geht, aber der bestimmt nicht immer … eigentlich viel zu selten wenn man hört wie oft es genau diese Situation gibt.

    Ich bin da „altmodisch“, sowas würde ich für mich kategorisch ausschließen und das von beiden Seiten (als zweite Geige oder als Partner, der zweigleisig fährt). Wäre da ne andere, ich würde klare Fronten machen, das ist fair allen Beteiligten gegenüber! Und es erspart einem viel Stress und viele unnötige Gedanken.

    • Mells

      20. Juli 2016 at 20:54

      Das habe ich auch geschworen! Bis passiert ist, was ich nie für möglich gehalten hätte…

      Der Spaß steht bei dieser Art Verbindung nicht im Vordergrund. Es ist viel mehr ein Sehnen, eine unglaubliche Anziehungskraft … Liebe. Und wenn es „nur“ eine zweite Liebe ist.

      • JudgeDark

        21. Juli 2016 at 18:18

        Vor Gefühlen kann man sich meist nicht schützen, das ist leider so, die treffen einen manchmal eben einfach. Und natürlich, es tut gut … man findet Bestätigung, man fühlt sich begehrt! Aber auf lange Sicht zerfleischt es einen, wer will schon dauernd die zweite Geige sein, gibt es glaube ich nur höchst selten.
        Und als der, der zweigleisig fährt wird es irgendwann auch schwer; emotional aber auch von den Ausreden, die vielleicht nötig sind, je nachdem wie die intensiv die Zweigleisigkeit ausfällt.

        • Mells

          22. Juli 2016 at 17:43

          Da gebe ich dir absolut Recht! Und es tut gut, an den Punkt zu kommen und liebevoll zu sich selbst zu sein und kein/e „Spielpartner/in“ mehr, den/die der andere Mensch einfach mal so aus der Schublade kramen kann wie es passt.
          Dennoch, ich habe geliebt und tue es jetzt immernoch – so wie er vermutlich auch…

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