We had the greatest expectations oder: Horrordatum Valentinstag

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Ein Text von Curly Sue Glander.

Normalerweise mache ich mir nichts Großartiges aus Feiertagen wie dem Valentinstag. Schreibe keine ellenlangen Texte und Blogposts, die es in den Medien ohnehin en Masse gibt. Treffe keine wochenlangen Vorbereitungen und plane nichts minutiös. Keine Veranstaltungen, die dann ganz anders laufen als gedacht. Keine Erwartungen, die nicht erfüllt werden. Und genau das ist es, was mich letztendlich diesen Text schreiben lässt: Die vielen Erwartungen. Die Enttäuschung, die genau damit einher geht und der du schließlich nicht entkommen kannst. Deshalb widme ich diesen Text dem schon bald anstehenden Valentinstag und sehe ihn als das, was er ist: Ein Tag wie jeder andere, ein Tag der Liebe. Kein Tag des Zwangs, der Anspannung und der Erwartung.

Gefühlt zehntausende Artikelbeiträge in x Magazinen habe ich auch in diesem Jahr wieder gelesen – „35 Super-Geschenke zum Valentinstag“, „So wird dein Valentinstag unwiderstehlich“, „Tipps für den perfekten SEXY Valentinstag“, „Wie du ihn/sie am Valentinstag garantiert überraschen wirst.“ Wow. Muss ja ganz schön wichtig sein, dieser Valentinstag.

Stell dir vor, du erwartest vom Herzmenschen den allergrößten Liebesbeweis mit Rosen, dauerverliebten Blicken und einer Liebeserklärung, die nur noch durch die mega kreativen, von Herzen kommenden oder aber irre kostspieligen Geschenke getoppt wird, das alles an einem einzigen, winzigkleinen Tag. Und dann passiert nichts davon. Weil dein Freund zu müde war, um noch beim Blumenladen vorbei zu schauen. Weil er Geschenke zum Valentinstag unsinnig findet und dich stattdessen lieber in den Arm nimmt. Oder einfach vergessen hat, dass der Valentinstag vor der Tür steht. Wie würdest du dich fühlen?

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Vielleicht bist du aber auch Single und erwartest, im Romantik-Rausch des Tages die Liebe auf den ersten Blick anzutreffen, wenn du abends in deine Lieblingsbar schlenderst. Vielleicht stresst dich der Anblick der verliebten Paare so, dass du spätestens um Mitternacht bei herzzerreißenden Schnulzen mit Schoko-Eis auf dem Sofa landest – und eine Handvoll Enttäuschung liegt mit dir auf der Couch.

Warum ist das so? Weil wir Menschen häufig zu viele, zu große Erwartungen in feierliche Tage wie den Valentinstag legen. Mit Weihnachten ist es ähnlich. Wir tun so, als beinhalte dieser Tag den einen magischen Märchenschloss-Moment, der eigentlich nur dann kommen kann, wenn wir ihn entspannt und geduldig auf uns zukommen lassen. Vielleicht liegt es an den gerne zitierten Medien, vielleicht an den zahlreichen US-Serien und RomComs, die uns so gerne die perfekte Romantik-Illusion vorgaukeln. Immerhin hat der Valentinstag in den USA einen weitaus höheren Stellenwert als es hierzulande lange der Fall war. Doch wir haben aufgeholt. Der Valentinstag ist inzwischen auch bei uns zu einem Tag geworden, an den viele, gerade wir sehr jungen Menschen, große Erwartungen stellen. Selbstverständlich sind wir Realisten, aber ganz tief drin wünschen wir uns doch den Strauß roter Rosen und eine romantische Fahrt ans Meer, bei der uns der Liebste sagt, wie tief er für uns empfindet. Oder wir erhoffen uns, dass wir an diesem Tag eben doch unserer großen, einzigen Liebe begegnen.

Diese Erwartungen führen dazu, dass wir den Moment aus den Augen verlieren. Wir verfallen in bizarre Gedankenkonstrukte und klammern uns an die Vorstellung, dass wir uns am Valentinstag volle Kanne verknallen werden. Mit Anlauf und ohne Rücksicht. Aber so ist es nur in seltenen Fällen. Vom Druck auf unseren Partner, romantisch abliefern zu müssen, ganz zu schweigen.

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Und jetzt? Wenn es dir schwerfällt, deine Erwartungen an den Valentinstag loszulassen, werde selbst aktiv. Versuche es mit kleinen, feinen Dingen, die dich und andere strahlen lassen. Nicht gleich die ganze Hochzeit ins Haus holen, sondern lade deinen Freund zum Essen ein. Bitte den hübschen bärtigen Typen aus dem Uni-Seminar endlich mal um eine Verabredung. Plane keine großen Events, die dich wochenlange Mühen kosten, sondern organisiere spontan etwas, das dir und deinem Liebsten Spaß macht. „Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen“ – das wusste schon die amerikanische Schriftstellerin Pearl S. Buck.

Natürlich darfst du dich am Valentinstag mit Schokoeis auf dem Sofa verkriechen – weil es dir gut tut und du Lust darauf hast. Nicht, weil der 14. Februar mal wieder nicht so verlaufen ist, wie du es dir gewünscht hast. Ich möchte nicht sagen, dass du die Feste nicht feiern und ihnen keine Bedeutung zutragen darfst. Nein, nein – nur zu! Doch überstürz es nicht, überfordere dich und deinen Partner nicht, und denke nicht zu viel und zu kompliziert darüber nach. Davon ab: Um deinem Partner ein liebevolles Geschenk zu machen, musst du nicht auf den Valentinstag warten. Jeder Tag kann zu einem Besonderem werden.

Am Ende solltest du den Valentinstag als das sehen, was er ist: Ein Tag zum Liebe-verbreiten, zum Glücklichsein. Bleib locker, lass dich auf Überraschungen ein und sorge dafür, dass es dir an diesem Tag gut geht – ob allein mit der Lieblingsserie auf der Couch oder bei einem Date. Das ist ganz dir überlassen.

Fotos: Sarahlikesprettygirls

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  1. JudgeDark

    27. Januar 2018 at 16:38

    Vielen Dank für diese wahren Worte!
    Der Valentinstag ist wie z. B. auch der Muttertag zu einem Konsumfest verkommen; ähnlich wie man uns Halloween aufgedrängt hat, hat früher niemanden interessiert (aber das nur am Rande). Und sind wir doch mal ehrlich, wenn ich meinem Partner oder meiner Mama eine Freude machen will, dann kann ich das an jedem Tag tun, wo es für mein Gegenüber auch eine echte Überraschung ist. ;)

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