Unsicherheit und Pornos? Pfui! Oder: Das Porno-Verbot

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Wenn ich einen Text für unseren sehr liebgehabten Blog schreibe, bin ich mir meist sehr klar darüber, über was ich schreiben möchte. Und wie ich darüber schreiben möchte. Mal versuche ich, euch über Bukkake, Creampie und Konsorten aufzuklären, dann wieder ist mir nach Hose-Runterlassen und danach, euch von privaten Sex-Erfahrungen, von oller Unsicherheit und neu gewonnenem Mut zu berichten, auf dass euch so manches erspart bleibt und ihr vielleicht sogar von einigen meiner Ansichten und Erfahrungen profitieren könnt. Diesmal aber bin ich ein wenig ratlos.

Vor einigen Tagen erreichte uns die Mail eines jungen Fräuleins. Die Mail begann so:

„Hey ihr beiden :)
Ich bin zufällig auf euren Blog gestoßen, als ich Infos über Audrey Hollander gesucht habe^^ Ich bin sehr dankbar dafür, denn ihr helft mir, dieses Pornoding von einer ganz anderen Seite zu sehen. Ich würd euch gerne erzählen, was mir so untergekommen ist und euch fragen, ob ihr vielleicht wisst, wie ich mich am besten mit dem Thema Porno beschäftigen kann, um besser damit und mit meiner Unsicherheit diesbezüglich klarzukommen. Wenn ich bei euch falsch bin, dann sagt es mir bitte gleich direkt. Vielen Dank :)“

Bereits an dieser Stelle kratzte ich mich hinter meinem rechten Ohr (das ist mein Nachdenk-Ohr), wiederholte murmelnd „… ob ihr vielleicht wisst, wie ich mich am besten mit dem Thema Porno beschäftigen kann, um besser damit klarzukommen“, und sagte dann laut „Hä?“ Warum, so grübelte ich, muss eine so feine, schöne Dame denn bitte mit dem Thema Porno „klarkommen“? Wenn sie Pornos mag, wird sie sie gernhaben und sich mit ihnen vergnügen, findet sie Pornos blöde und ist die Unsicherheit zu fett und stressig, muss sich das Fräulein die Streifen ja nicht ansehen.

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Passen Unsicherheit und Pornos zusammen? Nee, findet Mimi. Foto: Jan Doe

Damit ich es besser verstehen würde, berichtete das Mächen von seinem ersten Freund.

„Mit 17 lernte ich einen speziellen Mann kennen. Ich mochte ihn, was zu einer Beziehung führte. Nach ungefähr einem halben Jahr wurde ich immer wieder mit Pornos und Darstellerinnen konfrontiert, die ihm gefielen, und irgendwann fing er an, mich mit ihnen zu vergleichen. Da kamen so Sachen wie ,Warum machst du das nicht so?‘, oder ,Bei ihr sieht das besser aus.‘ Irgendwann sagte er mir dann auch, dass es scheiße aussähe, wie ich es mir mache. Was ist ein schöneres Geschenk, als wenn sich die Partnerin öffnet, alle Tabus über Bord schmeißt und es sich vor ihrem Kerl macht? Das Vertrauen, das man dem Partner entgegenbringt, indem man sich so verletzlich präsentiert…?“

Im weiteren Verlauf der Mail berichtete das Fräulein Unsicherheit von weiteren Männern und Beziehungen, die alle nach einem ähnlichen Schema abgelaufen waren – stets hatte es sich mit anderen Frauen vergleichen lassen müssen, auch mit den Frauen in den Pornos seiner Freunde – besonders mit denen. Das Selbstbewusstsein des Mädchens war zusammengeschrumpelt, bis es nur noch die Größe einer höchst verkümmerten Rosine hatte. Zwar könne es mit dem jetzigen Herzmann über seine Ängste sprechen, aber, so schrieb das Fräulein:

„Ich sehe in Pornodarstellerinnen meine absoluten Feinde. Ich versuche unbewusst, ihnen die Menschlichkeit abzusprechen, damit ich mich nicht mit dem Gedanken auseinandersetzen muss, dass mein Freund auf andere Frauen steht. Auch wenn ich weiß, dass es in Ordnung ist. Ich habe immer Angst, nicht zu genügen, nicht schön genug zu sein, nicht zu passen. Und so stecke ich irgendwie fest in diesem Porno-Thema und der Unsicherheit. Habt ihr einen Dunst, wie ich in Zukunft damit umgehen soll? Im Allgemeinen ist es ja hilfreich, sich seinen Ängsten zu stellen und sich selbst damit zu konfrontieren.“

Ja, dachte ich, ich weiß, wie du mit deiner Porno Unsicherheit umgehen kannst. Und mit Pornos. Nämlich gar nicht.

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Klare Sache: Das unbekannte Fräulein hat nun Porno-Verbot und soll sich stattdessen die wildesten Sachen mit Ryan Gosling ausmalen <3 Foto: Jan Doe

Ich erteilte dem Fräulein umgehend strengstes Porno-Verbot und stellte folgende Regeln auf, die sie ab jetzt zu befolgen hat, weil Käthe und ich sie sonst besuchen und ihr kräftig auf die Pfoten hauen, Regeln, die für alle Menschenskinder überall im Universum gelten sollten:

1. Ihr müsst nicht lernen, mit Pornos klarzukommen, weil ihr nämlich gar keine Pornos gucken müsst! Wer hat euch diesen Unsinn eingeredet? Kein Mensch muss sich Pornos anschauen, schon gar nicht, wenn es ihm Bauchweh und hässliche Gedanken macht. Pornos können wunderbar und inspirierend sein, wenn ihr Lust darauf habt. Wenn ihr euch jedoch nur einredet, Lust darauf zu haben, weil Schatzi sonst wieder Kacklaune hat, werdet ihr dem Treiben allerhöchstens mit Grummeln im Magen folgen und euch ausmalen, wie die Porno-Uschi wohl aussieht, wenn ihr ihr beizeiten die Extensions rausreißt. Bitte merken: Keine Pornos für euch, wenn euch der Konsum aufgezwungen wird oder ihr glaubt, die Streifen schauen zu müssen, weil es doch „alle“ tun.

2. Mädchen, die ihr Pornos doof findet: Ich verstehe euch und eure Unsicherheit. Aber genauso, wie euer Freund im Idealfall Verständnis für eure Abscheu gegenüber den XXX-Streifen hat, solltet ihr ihm seine Begeisterung für Pornos lassen. Macht ihm das nicht schlecht. Er holt sich ab und an einen auf MILF Pornos runter, wenn ihr mit euren Mädels shoppen seid? Ist doch schön. Pornos schauen ist kein Betrug. Es ist Kopfkino mit manuellem Support. Ihr seid die Frau, die er liebt, die er hart rannehmen will und der er danach einen Kuss auf die Stirn gibt. Porno-Frauen sind Freundinnen und Musen, sie nehmen uns NICHT die Männer weg. Außerdem sind die Mädels sowieso alle verheiratet, haben Kinder und sind nicht die Bohne an eurem Hans-Joachim interessiert. Gönnt ihm den Spaß und euch selbst erst ein neues Paar Jeffrey Campbell High Heels und dann ein verruchtes Stelldichein mit Hans-Joachim <3

3. Solltet ihr zu den Menschen gehören, die ihrer Freundin oder ihrem Freund einreden, sie oder er müsste sich Ficki-Ficki-Filme reinziehen, weil sie oder er sonst ein langweiliges, frigides Stück sei, das sich einen feuchten Kehricht um eure Bedürfnisse schert – macht euch vom Acker. Deppen wie euch würde ich niemals auch nur einen guten Tag wünschen, dafür nur zu gern die Pest an den Hals.

4. Freundinnen und Freunde – euer vermeintlicher Herzmensch bringt euch zuerst durch viel gutes Zureden dazu, die Stellungen aus den Bumsfilmen nachzuturnen und sagt euch dann, dass das, was ihr da tut, scheiße aussieht? Überhaupt vergleicht er oder sie euch gerne mit seinen Lieblings-Pornodarstellern, nur um euch wissen zu lassen, dass ihr ganz schön fett geworden seid, eure Möpse hängen und dass euer Schwanz sowieso schon immer voll hässlich war? Sofort rausschmeißen! Zum Teufel jagen! Und wenn der Typ oder die Tante über alle Berge ist, empfehle ich euch, euch statt eines Pornos eine Folge „Homewrecker“ reinzuziehen – befriedigt die ersten Rachegelüste der erlittenen Schmach wegen auf stilvoll-widerliche Weise, ohne sich selbst die Fingerchen schmutzig zu machen.

5. Kommen wir noch einmal zurück zu den Pornos. Es gibt so liebe Herzis wie unser Fräulein Unsicherheit. Die wissen, dass das Schauen von Pornos sie überfordert, die aber ahnen, dass die Turnfilmchen und ihre Darsteller gar nicht ihre Feinde sind. Menschen, die trotz aller Bedenken neugierig sind. Was also tun? Dem Fräulein Unsicherheit habe ich folgende Kur verordnet:

„Was du brauchst, liebes Mädchen, ist Abstand. Du musst zuerst lernen, dich selbst lieb zu haben, ohne Wenn und Aber. Beschäftige dich mit dir. Hab dich lieb, mach‘s dir selbst, so, wie du es magst, ohne Mann, der dich dabei unter Druck setzt (ob nun bewusst oder unbewusst), lass dir die Haare färben, kauf dir ein neues Outfit, mach alles, was dir hilft, zu erkennen, dass du ein wunderschönes, sexy Biest bist. Denn was du brauchst, um Lust auf Pornos zu haben, ist eine große Portion Selbstliebhabung. Natürlich wirken die Frauen in den Pornos auf den ersten Blick häufig wie Konkurrentinnen für uns Normalo Mädchen. Das sind sie aber nicht. Sie dürfen uns Inspiration und Lehrerinnen sein, aber sie sind keine Rivalinnen. Doch um das zu erkennen, ist es nötig, dass du dich selbst mega findest. Um Pornos zu genießen, muss dein Sex-Fundament stabil sein. Wenn du unsicher bist, wird das nüscht. Schließ das Kapitel doch einfach mal für eine Zeit aus deinem Leben aus, kümmere dich erst um dich, dann darum, was dich geil macht, was du toll findest und was nicht. Vielleicht dauert das ein paar Monate, vielleicht zwei Jahre, nimm dir Zeit. Und wenn du eines Tages beschließt, dass dein Leben und auch dein Sex-Leben ohne Pornos ganz wunderbar sind, ist auch das Bombe.“

Im Grunde geht es doch nur um eines – lasst euch von niemandem in eure Angelegenheiten reinquatschen, ob es nun um Pornos, Sex, euren Körper oder darum geht, dass ihr trotz Scheiß-Saison noch immer an den BVB glaubt.

9 Comments

  1. 64er

    29. Dezember 2014 at 12:08

    Was sind das für Schwachköpfe die ihre Gefährtin mit den Darstellerinnen in Pornos vergleichen? Wie dumm muss man sein, im Glashaus zu sitzen und dann mit Steinen zu schmeißen? Bringen die Jungs das überhaupt nur ansatzweise was die männlichen Darsteller leisten? Hat von denen noch keiner begriffen, dass nur äußerst selten eine Szene ohne Schnitt und ohne Pause entsteht?

    Ja ich rede mit Mädels auch mit denen die meine Lust teilen über Pornos, auch über die Schauspieler und die Schauspielerinnen. Dabei reden wir über den Körper und das was die mit ihrem Körper leisten (oder anstellen).
    Nie ist mir dabei in den Sinn gekommen meine Partnerin mit einer der Darstellerinnen zu vergleichen oder gar von ihr das Nachspielen von Szenen zu verlangen. Wie lächerlich werde ich wohl aussehen, wenn…

    Also wenn so ein Mitmännchen von Euch Frauen mal wieder so nen Schwachsinn verlangt:
    1. Den Typen der sowas verlangt mal direkt mit den Männern aus seinen Filmen konfrontieren
    2. Den Typen zum Teufel jagen
    3. Mit nem „Chaka“ und ner Tasse Kaffee (wahlweise auch was anderes) erst mal still vor sich hinlächeln
    4. Es sich selbst richtig gut gehen lassen und entspannen
    5. Wenn er ein Riesenarschloch war, ne WhatsApp an ihn: „der erste Sex ohne Dich und endlich wars mal wieder großartig“

    Und wenn ihr selbst mal auf die Idee kommt nachzuspielen, rechnet mit dem größten Slapstick ever, aber nicht mit nem erregenden Erlebnis.

    Mädels und Jungs so wie es für Euch gut ist, ist es richtig. Ob mit oder Pornos ist Eure Entscheidung.

    • Mimi

      Mimi

      29. Dezember 2014 at 14:04

      amen, bruder!

  2. badmoischder

    26. Dezember 2014 at 12:19

    „…Da kamen so Sachen wie ,Warum machst du das nicht so?‘, oder ,Bei ihr sieht das besser aus.‘ Irgendwann sagte er mir dann auch, dass es scheiße aussähe, wie ich es mir mache. …“ ich würd der lady gerne ne schrotflinte schenken, die sie solchen kerlen in den a… schieben kann, bevor sie abdrückt. im normalen leben rennt man(n) ja auch nicht 25 km in die nächste stadt um brötchen zu holen, n ur weil mr. ironman das auch vorm frühstück macht, sondern geht gemütlich 1-2 straßen weiter zum nächsten bäcker. als mann sollte man sich freuen, wenn sich die partnerin soweit für ihn öffnet und ihn dabei zuschauen lässt, denn sowas ist doch der intimste moment überhaupt.

  3. Jinx

    22. Dezember 2014 at 14:13

    Schönster Mimi&Käthe-Artikel der Welt. Und „In meinen Pornos sieht das aber besser aus“-Kerle gehören allerdings zum Teufel gejagt. Da lob ich mir meinen Herrn Vonundzu, der auf einen Motzanfall über konstant perfekte Haare der Pornomädchen anfing zu lachen und mir liebevoll über die völlig verdorbenen Zotteln strich. Ich bin jetzt auch nich so die Pornoguckerin (Ich glaube das erwähne ich in fast jedem Kommentar haha) und bin tatsächlich zu verklemmt um vor meinem längstjährigen Freund an mir rumzumachen, deswegen hat mir die Nachricht ein bisschen das Herz gebrochen. Ich finde es so herzallerliebst dass ihr als bekennende Pornoverfechterinnen mit uns scheuen Häschen so muttimäßig verständnisvoll seid, hehe. Und wo ich grade eh am Rumliebhaben bin: Ich wünsche euch zwei Zuckerschnuten eine ganz wundervolle Weihnachtszeit, ob ihr sowas nun feiert oder einfach die freien Tage genießt. <3

    • Mimi

      Mimi

      22. Dezember 2014 at 14:37

      ach, du liebstes mädchen! wir haben uns ganz doll über deinen schönen kommentar gefreut :) ich kann diese unsicherheit gut nachfühlen, mir ging es früher nicht anders. und auch heute noch gibt es momente, in denen ich keine lust auf porn und übersexy babes habe, weil ich mich selbst an manchen tagen unschön und klumpig fühle. völlig legitim :) hab du auch ein wunderbares, zuckersüßes weihnachtsfest mit deinen liebsten <3

  4. Aniken Uhlwalker

    21. Dezember 2014 at 22:40

    Mal wieder herzallerliebstfantastomenaloschöni. <3 <3 <3.

    • Mimi

      Mimi

      22. Dezember 2014 at 14:50

      ui, danke, fräulein aniken :) <3

  5. JudgeDark

    21. Dezember 2014 at 18:40

    Respekt … ich denke da hast du genau die richtigen Worte für Fräulein Unsicherheit gefunden!

    Dabei finde ich Punkt 4 am wichtigsten … solche Typen gehört die Tür gezeigt, von außen! Sowas darf und muss man sich nicht gefallen lassen! Wenn man Respekt vor seinem Gegenüber hat, dann darf man solche Vergleiche nicht anstellen und schon gar nicht aussprechen. Über Wünsche und Fantasien reden, ja … aber daraus Vorwürfe zu machen geht gar nicht.

    Da hat Fräulein Unsicherheit wohl zu oft den falschen Typen erwischt, sowas tut mir leid, denn der falsche Partner bzw. die falsche Partnerin kann einem echt viel kaputt machen! Ich denke aber, dass wenn sie die Ratschläge beherzigt und sich erstmal selber findet, dann wird sie auch einen Weg aus diesem Problem finden! Sie hatte den Mut sich zu offenbaren, dann wird sie auch den Mut und die Kraft haben, ihr geschildertes Problem zu lösen.

    • Mimi

      Mimi

      22. Dezember 2014 at 14:55

      ich danke dir, recht haste. und ja, ich glaube auch, dass das fräulein auf einem guten weg ist. sie wird das schon meistern, das glaub ich ganz fest! :)

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