Kein Glitzer, kein Porn, aber aufs Maul – unser Jahresrückblick

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Ein Jahresrückblick von Hans Pørnflake.

Ich habe das an dieser Stelle schon häufiger geschrieben, aber wenn die ganz liebreizende Mimi den ollen Hans fragt, ob der Hans nicht mal einen Text für ihr kleines Schiffchen namens Mimi&Käthe schreiben kann, werden Hänschens Augen immer ganz flauschig. Ich kann der Mimi nämlich keinen Wunsch abschlagen.

Aber diesmal habe ich wirklich eine ganze Weile überlegt, ob ich nicht „Nein“ sage. Denn das kleine Bündel bunt bemalter Liebe fragte mich doch tatsächlich, ob ich nicht einen Jahresrückblick schreiben wollte.

Einen Jahresrückblick. Über dieses fleischgewordene Arschloch von einem Jahr. Über den AfD-Wähler unter den Jahren. Über das Jahr, das uns einen so fetten Haufen auf den Wohnzimmerteppich gejagt hat, der selbst in 2020 noch stinken wird.

Aber gut. Als Mimi mich dann mit ein paar selbst gebackenen Keksen und einem Tee aus ihrem feinsten Porzellan mürbe gemacht hatte, konnte ich nicht mehr. Also „Nein“ sagen.

Reden wir über 2016.

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Ein Jahr, das scheiße anfing, ziemlich scheiße weiterging und auch keine Anstalten machte, weniger scheiße zu enden. Selbst, wenn es in ein paar Stunden vorbei ist, würde es mich nicht wundern, wenn das Arschlochjahr noch ein halbes Dutzend Horrormeldungen in der Hinterhand hat. Ob es die Katastrophe biblischen Ausmaßes ist, die sich seit Jahren in Syrien abspielt und dieses Jahr einen mörderischen Gipfel nach dem anderen erlebte, ob es die schmerzhafte Spaltung der Gesellschaft – ach was, der ganzen Welt ist oder der kalte und widerwärtige Hass, der sich, insbesonders im Internet, kübelweise den Weg in die Lande bahnt – dieses Jahr hatte alles, was sich ein Mephisto gewünscht hätte.

2016 hat sich zwölf Monate lang dahin gewürgt wie die Verdauung einer Schlange, dabei an diversen Wegkreuzungen geliebte Menschen verschlungen, um jetzt mit einem dicken Stinkefinger ganz kafkaesk in den ewigen Jagdgründen zu verschwinden. Im Gegensatz zu 2016 werden wir Umberto Eco (†84), Harper Lee (†89), Bud Spencer (†86), Prince (†57), David Bowie (†69), Alan Rickman (†69), Peter Lustig (†78) oder Roger Willemsen (†60) vermissen.

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Eingebrannt hat sich auch das Wort des Jahres, das schmerzhaft treffend das Jahr besser als alles andere beschreiben kann: Postfaktisch. Trump ist postfaktisch, die AfD ist es, Chemtrail-Idioten und Impfgegner sind es und Reichsbürger sowieso. Immer dreister trauen sich solche Gestalten, die vor 30 Jahren vielleicht gerade mal ihr örtliches Käseblatt mit Leserbriefen belästigt hätten, in die Öffentlichkeit, denn – auch das hat 2016 gezeigt – kein Geschwafel ist zu dumm, als dass es nicht ein paar noch Dümmere glauben. Die BRD ist eine Firma, die Erde eine Scheibe, Klimawandel eine Lüge und Feminismus ist Cancer.

Wir haben eine in der jüngeren Geschichte ihresgleichen suchende Flüchtlingskrise gemeistert, haben gezeigt, dass in Deuschland nicht alles verloren ist und viele Menschen ihr Herz noch nicht völlig zu Stein haben werden lassen. Und das, obwohl der Staat und unzählige rechte Dumpfbacken alles versucht haben, den Flüchtenden das Leben zur Hölle zu machen. Noch dazu war das so verhasste „Wir schaffen das!“ von Merkel, von der man sicherlich viel halten kann – und vor allem Schlechtes – der fetteste und wirkungsvollste Stinkefinger, den der IS bisher vor den Latz bekam. Keine Bombe, keine Drohne, keine Armee schadet dem IS so sehr wie ein von Herzen herausgebrülltes „Ihr werdet uns nicht spalten, egal, wie viele LKW ihr in unsere Weihnachtsmärkte jagt.“

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Seht ihr, es gibt doch etwas Positives zu berichten in diesem Jahresrückblick. Es gibt Menschen, die täglich ihre Zeit, ihre Gesundheit und ihr Geld opfern, um denen zu helfen, die nichts haben. Seien es Flüchtlinge, seien es Obdachlose oder Kranke. Es gibt sie, die, die sich nicht entmutigen lassen von Hass und Gewalt, von menschenverachtenden Parolen und unzähligen Lügen.

Vielleicht sollten wir einfach abschließen mit 2016, ihm den Mittelfinger zeigen und in den letzten Stunden des Jahres an die denken, die sich für ihre Mitmenschen, unsere Umwelt, unsere Tiere und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt kümmern. Die unermüdlich dafür kämpfen, dass die Welt ein besserer Ort wird und wir unseren Kindern nicht eine hass- und kriegverseuchte Ödnis hinterlassen.

Scheiß auf rechte Idioten der Afd und Putin-hörige Reichsidioten. Scheiß auf den IS und Al Quaida, Scheiß auf Trump und Le Pen. Danke an alle, die einen Unterschied machen.

Und jetzt verpiss dich endlich, 2016.

Fotos: Ika Fan

2 Comments

  1. JudgeDark

    1. Januar 2017 at 16:19

    Es hat sich verpisst … 2016 ist Geschichte. Und ich befürchte der beschriebene Trend wird sich noch ein Weilchen fortsetzen. Btw fehlt mir bei dem „scheiß auf“ ein gewisser Diktator in der Türkei.
    Aber es wird auch immer Menschen geben, die sich dagegen stellen, die Helfen und alles dafür tun, dass der Mensch aus seiner Geschichte vielleicht doch irgendwann mal seine Lehren zieht und nicht immer wieder die gleichen Fehler macht.

    Allen ein gesundes und schönes Jahr 2017 … !

  2. Marie le Parfum

    31. Dezember 2016 at 19:37

    Lieber Hans Danke für diesen wundervollen Jahresrückblick. Ich hätte ihn nicht besser verfassen können. Ich musste hin und wieder eine kleine Träne verdrücken, weil ich mich als eine Pflegerin auch ein bisschen angesprochen fühle. Und niemals aufgeben werde, auch mit meinen Blog nicht, die Herzen der Menschen mit Liebe zu füllen. Egal was man mir antut oder wie tief der Nagel des Hasses versucht den Boden meines Herzens zu kratzen. Ich denke das beste was man tun kann, ist den Hass zu ignorieren. Dann kann er uns nichts an tun. Liebes Mimi und Kaethe Team ich wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr. Bleib stark Berlin – für jene Menschen wie die vom Mimi und Kaethe Team werde ich nie aufhören können dich zu lieben- Berlin. Danke!! auf 2017. die Gläser hoch!

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