Trockenficken – eine erotische Short Story

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Ein Text von Romy Dietrich.

Es beginnt mit Begierde. Diese Begierde ist schon lang da, begleitet unsere Freundschaft seit Jahren und stellt uns immer wieder vor Herausforderungen. Beide sind wir fest gebunden, beide sind wir glücklich damit. Und doch gibt es da diese Momente, in denen wir nicht an uns halten können.

Weil das so ist und weil wir das wissen, haben wir Regeln aufgestellt, an die wir uns halten. Die wichtigste ist: kein Sex. Keine Penetration, egal mit was. Kein Anfassen des anderen unter der Gürtellinie. Keine Küsse. Klingt alles etwas harsch, aber es hilft ungemein dabei, der Verlockung zu widerstehen.

Dieses Mal ist es schwieriger. Wir sind allein, seine neue Freundin ist im Urlaub, mein Partner auf einem Seminar, und auch sonst ist da nichts, was uns voneinander ablenken könnte. Wir reden über uns, unsere Leben, unsere Beziehungen, über alles, nur nicht über den Alltag. Davon haben wir beide genug.

Irgendwann liegt mein Kopf an seiner Brust, meine Arme um seinen Oberkörper geschlungen, seine Hände bewegen sich unaufhörlich über meinen Rücken. Wir wissen beide, dass wir das nicht mehr unter „freundschaftliche Umarmung“ verbuchen können, aber wir können es auch nicht lassen.

Wir hängen zusammen auf der Couch in seiner Männerbude rum, der Hund beäugt uns von seinem Platz vor der Couch aus und fragt sich ganz offensichtlich, was ich hier mache, wo ich doch gar nicht hierher gehöre. Das Ding ist: Ich fühle mich nicht so. Ich fühle mich genau richtig hier, meine Beine über seinen Schoß gelegt, während wir darüber reden, dass wir beide Anteile in uns haben, die wie ein gefangenes Tier im Käfig umher tigern. Die mehr wollen als das Leben 1.0. Mehr als Trockenficken.

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Seine Finger streichen über die nackte Haut zwischen meinen Sneakersocken und meiner Jeans, und plötzlich ist es da. Das Verlangen nacheinander, die unbändige Lust, den anderen zu spüren. Meine Sicherungen brennen durch.

Ich drücke meinen Hintern an seine Oberschenkel, und er reagiert prompt mit einem scharfen Zischen und packt meinen Knöchel fester, zieht mich näher zu sich, drängt seine Erektion, die vor einer Sekunde noch nicht da war, gegen meinen Schenkel.

Ich schnappe nach Luft und frage mich für eine Sekunde, wie ich aus der Situation rauskomme, aber er nimmt mir das Dilemma ab, indem er mich an sich zieht und mir ins Ohr raunt, dass das Tier in ihm gegen die Gitterstäbe drängt. Meine Selbstbeherrschung kapituliert, und ich beschließe, das Spiel mitzuspielen, schmiege mich an ihn und beiße durch seinen Pulli in seinen Brustmuskel, während meine Hand sich in seinen Nacken krallt. Das hier ist mehr als Trockenficken – oder?

Keine Sekunde später finde ich mich auf dem Bauch liegend wieder. Er presst seine Härte durch die Jeans gegen meinen Hintern, stößt, keucht und packt meinen Nacken. Das Bild von Raubkatzen bei der Paarung drängt sich mir auf und macht mich unglaublich an, führt aber auch dazu, dass ich beginne, mich gegen ihn zu wehren. Das alles ist ein Spiel, denn ich will ihn, will das hier. Doch das Spiel mit Macht und Unterwerfung macht mich an. Er bringt mich tatsächlich dazu, ihn anzufauchen, was er mit einem tiefen Grollen in seiner Brust erwidert.

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Die Bewegungen seiner Hüfte sind grob, und die Laute, die er von sich gibt, lassen mich vermuten, dass er die Kontrolle verliert, aber als er seine Finger mit meinen verflicht, weiß ich, dass er trotz des Nebels der Begierde weiß, dass es Grenzen gibt, die er respektiert. Diese Erkenntnis lässt mich endlich abschalten, und ich lasse raus, was in mir schlummert – mein eigenes Raubtier.

Wir wälzen uns über die Couch, stöhnen, schnurren und knurren zusammen, lassen uns so weit gehen, wie wir es uns erlauben, und als er mir in die Haare packt, wehre ich mich eigentlich nur pro Forma gegen seinen festen Griff, weil ich weiß, dass er es genießt. Und nicht nur er. Sein Griff in meinem Nacken, mit dem er mich kontrolliert, bringt mich der Befriedigung so nah, wie es beim Trockenficken ohne Anfassen eben geht.

Er raunt mir ins Ohr, was er mit mir machen würde, gäbe es die Regeln nicht, gesteht aber gleichzeitig ein, dass ihn dieser Grenzgang unglaublich anmacht. Sein Flüstern über Sex, darüber, wie er mich nehmen würde, dass er die Raubkatze in mir liebt, die sich auch wehren kann, darüber, dass eine Frau ihn auch aushalten können muss – und das meint er rein körperlich, ganz zu Recht – und darüber, dass wir „one of a kind“ sind, bringt mich dazu, mich zu winden.

Meine Muskeln scheinen sich alle zugleich anzuspannen, und ich kann spüren, dass es ihm genauso geht. Er krallt sich in den Kissen um uns herum fest, und ich weiß, dass das so besser ist – wäre es meine Haut, würde man die Spuren seiner Lust noch tagelang auf meinem Körper sehen.

Und dann, mit einem Mal, setzt er sich auf. Öffnet seinen Gürtel, was mich kurz nach Luft schnappen lässt, und rückt sich zurecht. Er sieht mich an, nimmt mein Gesicht in die Hände und sagt mir, dass ich jetzt wirklich gehen muss. Ich weiß warum, denn ich fühle das Gleiche. Ich will ihn so sehr, dass es fast körperlich schmerzt und weiß doch, dass ich ihn nicht haben kann. Es ist kein Bedauern bei diesem Gedanken, nur die Freude, eine solche Erfahrung machen zu dürfen.

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Er flieht vor mir, indem er mich vor die Tür setzt, und ich kann es ihm nicht übel nehmen, denn die Grenze zum Nicht-Machbaren ist an diesem Abend verflucht dünn geworden.

Als er die Tür schließt, höre ich ihn sagen, dass er mir dankt und mich dafür liebt, ihm das gegeben zu haben, was er brauchte. Mir geht es genau so.

Und die Moral von der Geschicht: Gib dich hin. Genieße Begehren. Teste Grenzen aus. Sex ist mehr als Stecker A in Loch B (oder C oder D) zu stecken. Klingt komisch, ist aber so. Sex kann auch ganz wunderbar im Kopf stattfinden. Trockenficken entsteht ja im Grunde meist, weil man das, was man haben will, nicht haben kann. Es ist die alkoholfreie Alternative zu Sex, schmeckt aber deswegen nicht fade – wenn man es richtig anstellt.

Fotos: Anneliese Moder 
Model: Lullu Gun

6 Comments

  1. Cat

    13. August 2017 at 21:04

    Ooohh, das hat mich gerade Monate zurück katapultiert… habe ich genau so mit meinem besten Freund erlebt. Es ist dabei geblieben, wir sind noch immer beste Freunde und bereuen beide nichts. Im Gegenteil, uns hat es bereichert und unsere Freundschaft vertieft.

    • Romy

      25. August 2017 at 20:30

      Ja, so geht uns das auch – und das ist der beste Weg, denke ich :)

  2. aliceking

    12. August 2017 at 13:41

    Danke, dass ich hier mal wieder genau das zu lesen bekomme, was ich lesen musste. Seit drei Jahren mache ich diesen Blödsinn jetzt mit einem Freund, der jetzt bald mit seiner Freundin ein Kind bekommt (was ich mir auch seit geraumer Zeit wünsche). Es wird nur leider nicht leichter, wenn man erstmal merkt, dass aus Begierde, ständiges-an-ihn-denken geworden ist. Langsam muss ich ihn loslassen. Ihn und diese winzige Hoffnung, er könnte irgendwann vor meiner Tür stehen, mir sagen, dass es aus ist zwischen den beiden und mit mit durchbrennen. Weil jetzt sind es nicht mehr nur diese beiden Leute, die ich so liebe. Jetzt bekommen diese beiden Leute auch noch ein kleines Mädchen… Wer wäre ich, mir zu wünschen, dass er die beiden mir zu liebe verlässt? Kurz gesagt: An den Grenzen herumzuturnen ist oft wunderschön. Aber wenn es nacher anfängt wehzutun, ist man allein. Und er ist bei seiner Familie…

    • Romy

      25. August 2017 at 20:26

      Ach Liebes, das kenne ich auch.
      Nicht mit dem Mann, um den es hier ging, aber vor Jahren ist mir exakt das passiert, was du beschreibst.
      ER hat seiner Freundin einen Antrag gemacht, aber mich geküsst.
      ER hat seine Freundin geschwängert, sie geheiratet und mich geküsst.
      ER hatte ernsthaft noch die Frechheit, mich zu seiner Hochzeitsfeier einzuladen.
      Zu dem Zeitpunkt habe ich die Freundschaft (oder was auch immer es war) dann beendet.
      Geh deinen Weg, ohne ihn. Er hat sich entschieden, und es gibt einen Beweis aus Fleisch und Blut dafür.
      You go, girl!

  3. Miss M1ndfuck

    11. August 2017 at 21:14

    Puh, ja… Das verbotene Verlangen… Respekt dafür, dass ihr es bei Trockenficken belassen habt!
    Sehr heiß auch geschrieben von dir..

    • Romy

      25. August 2017 at 20:28

      Ich finde ja, verbotenes darf beschnuppert werden, aber eben nicht gekostet. Wäre es sonst so spannend? ^^

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