Ridin‘ solo: Tinder gibt euch keine Liebe

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Rothaarige Frauen sind meine heimliche Liebe. Weil sie so sophisticated wirken vielleicht. Weil sie, wenigstens in meinem Kopf, ein Mix aus Bauarbeiter und Fee sind – große Fresse und zauberhafte Zartheit unite <3 Tennessee Rose, neue Autorin in der Mimi&Käthe Squad, ist so eine foxy Lady. Umso unverständlicher für mich, dass Tennessee Single ist. Damit sich das ändert, hat sich die Lady ins Land des Online-Datings gewagt und Finya, Tinder und Lesarion getestet. Ob Tennessees Suche erfolgreich war oder ob sie spätestens seit ihren Erfahrungen mit Tinder alle Männer zwangskastrieren möchte, verrät sie jetzt.

Von Tennessee Rose

„Hey Tennessee!“
„Hallo!“
Du hast aber ein schönes Tattoo auf der Hand.“
„Danke.“
„Das würde sich echt mega gut auf einem bestimmten Körperteil von mir machen (hehe, Zwinkersmiley, Zungerausstreck-Smiley)!“

Mittelfinger-Smiley. Alter. Nee. So nicht.

Ich bin Tennessee, Single-Mom und teilzeitberufstätig. So richtig viel Zeit, um einen Mann kennenzulernen, habe ich nicht. Also wollte ich diverse, nennen wir sie mal grob verallgemeinert, ähm, Partnervermittlungsangebote der heutigen Zeit zu Hilfe nehmen. In meiner kleinen, naiven Mädchenwelt hatte ich mir tatsächlich vorgestellt, per Dating-App einen Menschen für eine ernsthafte Partnerschaft zu finden. So mit Vertrauen und Treue und Liebe und Respekt und Commitment und so ’nem Zeug.

Besonders schwer vermittelbar bin ich eigentlich nicht. Dachte ich zumindest immer. Nerdserien-Fangirl, trinkfest, fußballaffin, lockeres Mundwerk, sexuellen Aktivitäten – gern auch zu dritt (w/w/m) – nicht abgeneigt, tageslichttauglich, sozial durchaus kompetent und mit recht großzügigem Herz, Hirn und E-Körbchen ausgestattet.

Einen „echten“ potentiellen Partner zu treffen, gestaltet sich trotzdem schwierig. Auch auf einschlägigen Dating-Portalen. Oder gerade da. Das sind alles mehr so Bumsbasare, auf denen frau gerne mit Sprüchen wie dem eingangs erwähnten angemacht wird. Versteht mich nicht falsch, werte Damen und Herren. Wenn ich jemanden zum Ficken – und nur zum Ficken – suche, habe ich mit derartigen Nachrichten absolut kein Problem. Aber wenn ich explizit darauf hinweise, dass ich an One Night Stands NICHT interessiert und auf der Suche nach „was Festem“ bin, dann nervt mich das.

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Um meinem Liebesglück auf die Sprünge zu helfen, habe ich mich auf verschiedenen Seiten angemeldet. Auf Finya zum Beispiel, einer netten, kleinen Plattform, die nur über den PC zu erreichen ist. Eine App gibt es bislang nicht. Auf dem Smartphone oder Tablet ist Finya dank eines ganz guten Responsive-Designs zwar okay zu händeln, dennoch finde ich das Ganze etwas umständlich und unübersichtlich. Dafür sind auf Finya wirklich, wirklich niedliche Menschen unterwegs, die sich, um dich anzuschreiben, einiges einfallen lassen. Da wird nach deinem Befinden gefragt, wie es dir geht, was du dir wünschst und überhaupt: „Erzähl doch mal was über dich, ich möchte mehr über Tenneessee erfahren!“

Ich merke: Die Singles bei Finya lesen mein Profil aufmerksam, gehen darauf ein und stellen Fragen, die mir zeigen, dass sie sich mit mir beschäftigen. Das ist toll und hat schon einige nette Gespräche ergeben – auch, wenn es noch nicht zu einem Treffen kam. Denn zwar haben mich die Herren dort sehr freundlich kontaktiert, aber nach anfänglicher Begeisterung ging die weitere Konversation nur noch von mir aus. Ich frage nach und werde abgespeist, ich will den Kontakt aufrecht erhalten und mein Gesprächspartner ist kurz ab. Was ist da los?

Kinder, ganz ehrlich: Dafür bin ich zu alt und habe Besseres zu tun. Entweder, man ist aufs Schlimmste begeistert von mir und zeigt mir das – ich umwerbe sehr gerne, möchte aber ebenso umworben werden – oder man verpisst sich. So einfach ist das. Dennoch habe ich den Glauben an Finya noch nicht verloren. Schließlich ist so ziemlich alles besser als die „Tinderlein“, die Typen, die per Tinder nach neuen Girls zum Flachlegen suchen.

Tinder User sind die Schlimmsten. Tinder, diese Wischi-Waschi-App, bei der ihr per Links-und-rechts-Wischen entscheiden könnt zwischen „Find ich scheiße“ oder „Find ich heiß“. Habt ihr ein Match mit einem Typen, der euch gefällt – das bedeutet, der Typ hat euch ebenfalls in die „Heiß-Richtung“ gewischt – könnt ihr miteinander chatten. Yay. Im Vergleich aber zu den Chat-Startern bei Tinder, war die Hand-Anmache vom Anfang dieses Textes noch ein nettes Gespräch. Sprüche wie „Ficken?“, „Wie groß sind deine Titten?“ und „Du kleine Drecksau bläst doch bestimmt gerne!“ waren während meines Tests als erste Kontaktaufnahme an der Tagesordnung. Nicht, dass ihr denkt, mein Profilbild sei besonders offensiv. Nein, nein. Es ist ein ganz normales Pic, dass mich zeigt, wie ich privat bin. Einer auf Finya sprach mich sogar mal auf das Bild an: „Ach, bist du hübsch. Du siehst aus wie Andrea Berg!“ Ich wusste nicht, ob ich zuerst ihn oder mich erschießen sollte.

Gefiel mir dann doch mal eine Nachricht bei Tinder, passierte dasselbe wie bei Finya: Nach den ersten zwei, drei enthusiastischen Mails wurden die Herren relativ schnell relativ einsilbig und machten dann ganz die Biege.

Mein Fazit zu Tinder? Kann man machen, wenn man jemanden zum vögeln sucht, muss man aber nicht.

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Ebenfalls krasse, aber andersartige Erfahrungen, habe ich auf Lesarion, einer Lesben- und Bi-Community, gemacht. Von mir vorrangig als App genutzt, gibt es auch eine tolle Webseite mit Suchfunktion und Diskussionsforum. Apropos Diskussion: Bisexualität ist bei Lesarion nicht so gern gesehen. Zwar konnte ich „bisexuell“ als sexuelle Orientierung angeben, aber ich wurde von den lesbischen Mädchen deshalb oft blöd angemacht. „Du weißt doch gar nicht wirklich, was du willst“, „Das ist dann doch nur eine Phase bei dir“, „Ich bin sowieso schon eifersüchtig, soll ich dich dann auch noch mit Frauen UND Männern teilen, oder was?“ Das sind Dinge, die ich ungefragt zu hören bekam. Sehr tolerant. Nicht.

Interessant: Die Mädels, die mich nicht bezüglich meiner sexuellen Orientierung nervten und die ich wirklich süß fand, unterschieden sich nicht von oben beschriebenen Kerlen bei Finya oder Tinder. Erst zeigten sie sich begeistert, dann zogen sie sich schmallippig zurück. Was ist denn bloß los mit den Singles?

Ich glaube, ich versuche es jetzt mal mit einer klassischen Partnervermittlungsagentur. Eine Freundin von mir kennt eine, die tatsächlich seriös arbeitet. Ich lasse euch wissen, wenn ich Erfolg hatte.

Fotos (3): Ferdie Binger
Mädchenmodel: Kim Mortenroe

7 Comments

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  2. Henning

    29. Mai 2016 at 15:37

    Also, ich würd‘ auch mal ganz gern aus männlicher Sicht Stellung dazu nehmen.

    Ich hatte Tinder im Spätsommer letzten Jahres ausprobiert: Hier bei uns hat sie den Ruf als Fick-Plattform definitiv weg. Das Konzept als solches finde ich nicht mal schlecht, so fern man denn nur aufs Eine aus ist. Ich glaube, wenn ich das hier so lese, habe ich mir allerdings deutlich mehr Mühe bei der Kontaktaufnahme gegeben, als andere Männer.

    Wisst Ihr, was mich mit Abstand am meisten an dieser App gestört hat? Dass man Nachrichten ausschließlich im scheiß Hoch-Format tippen kann. :D
    Das war dann letztendlich auch der Genickbruch des Ganzen. Aber im Endeffekt hatte ich 2 Dates aus denen 2 nette Freundschaften entstanden. Einmal sogar ganz ohne Vögelei…

    Männliche Freunde von mir hatten da teilweise deutlich mehr Erfolg. Auch welche, bei denen Malz & Hopfen schon fast verloren waren. In sofern hat die App deren Leben durchaus bereichert.

    Finya höre ich übrigens heute zum ersten Mal. Wie groß ist denn die Community?

    Ich frage nur aus Neugierde. Ich habe dem Onlinedating mittlerweile wegen einiger „Fehlversuche“ nämlich endgültig den Rücken gekehrt.

    LG, Henning

  3. pacman42

    27. Mai 2016 at 15:34

    „Du weißt doch gar nicht wirklich, was du willst“ und „Das ist dann doch nur eine Phase bei dir“ – klassische Bi erasure. Da nehmen sich homos und heten nix. Was meint ihr, wie lustig das ist, wenn man pansexuell nicht mal auswaehlen kann, geschweigedenn auf Verstaendnis dafuer trifft…

    • Mimi

      Mimi

      27. Mai 2016 at 17:17

      Das Problem ist mir leider zu bekannt. Muss ich dringend mal was zu schreiben..

  4. Sophie

    26. Mai 2016 at 14:05

    Also ich habe schlechte Erfahrungen bei Finya gemacht.
    Ein Kerl wollte unbedingt sofort telefonieren ohne mehr von sich zu erzählen und als ich mich geweigert habe, schrieb er ich sei bestimmt nur ein schwarzes Arschloch, das Männer verarschen wolle. Und dann hat er mich geblockt, so dass ich seine Beschimpfung nicht einfach der Webseite melden konnte. Weil die Funktion verloren geht, wenn die andere Personen einen blockt. Schlau.
    Hatte sie also separat angeschrieben und auf den Rassismus, die Bedrängung und Beschimpfung hingewiesen und nie eine Antwort bekommen.
    Demnach: doofe Nutzer_innen und entweder uninteressiertes oder überfordertes Personal der Webseite.

  5. Ben Froehlich

    26. Mai 2016 at 8:46

    Vielen Dank für diesen Eintrag, denn ich habe mich schon gefragt, ob ich virtuell stinke. Dieses kurzzeitige interessant sein und dann relativ schnell wie der kalte Satz Kaffee im Becher stehen gelassen zu werden. Positiv daran ist, dass man auf diese Weise den eigenen Account schnellstmöglich löscht und stattdessen wieder mehr in der realen Welt unterwegs ist. ;-)

  6. JudgeDark

    25. Mai 2016 at 18:58

    Servus und danke für den interessanten Text.

    Ich glaube ja, dass gerade bei diesen schnellebigen Kontaktmöglichkeiten oftmals die schnelle Nummer gesucht wird und eben der Reiz des Neuen in der Luft liegt. Darum schläft der Kontakt auch so schnell ein, weil man wieder auf der Suche nach was Neuem ist und auf Tiefe keinen Wert legt.

    Dir jedenfalls viel Erfolg bei der weiteren Suche … möge der Richtige mit Dir sein! ;)

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