Tattoomodel Tara Joan: Share some love – seid stolz auf euren Sex!

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Ein Text von Mimi Erhardt.

Tara Joan – das klingt wie ein Name aus dem alten Hollywood, als die Gurls noch Damen waren und man statt Rotzigkeit und Fake-Ärschen Glamour und Attitude zur Schau trug. Tara Joan, das ist der Name einer Lady, die mich just auf Facebook anschrieb. Es gefiele ihr, dass wir auf Mimi&Käthe nicht nur über die Art von Beziehungen schrieben, wie sie uns unsere Eltern vorlebten. Dass wir auch die zu Wort kommen ließen, die anders leben, anders lieben. Sie selbst sei so jemand, und sie würde gern davon erzählen, andere damit vielleicht inspirieren und ihnen Mut machen, dass es okay ist, nicht so zu sein wie die anderen. Nachdem ich das gelesen hatte, klickte ich mich sofort und ohne einmal Luft zu holen, aufs Facebookprofil der Schönen, fand ich ihre Nachricht doch sehr mutig. Denn auch, wenn wir wissen, dass zur Liebe nicht immer und unbedingt nur zwei gehören müssen, dass Polyamorie kein Teufelswerk ist, dass manche Paare offene Beziehungen leben oder swingen, ist es für viele nichtsdestotrotz noch immer ein großer Schritt, öffentlich dazu zu stehen.

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Ich klickte mich durch die Fotogalerien von Tara Joan, verliebte mich auf der Stelle in die tätowierte Beauty und schrieb ihr: „Liebe Tara Joan. Bitte ja, erzähl mir, wie du lebst und liebst und warum, denn ich als monogamer Mensch kann mir das so gar nicht vorstellen. Ich rufe dich nachher an und löchre dich mit Fragen. Und sag, magst du mir auch ein paar Fotos von dir schicken und dich den Mimi&Käthe Lesern zeigen? Das wäre schön, sonst ist es doch immer schrecklich schwierig, sich den Menschen hinter der Offenbarung vorzustellen.“ „Liebend gerne schicke ich dir Fotos“, antwortete mir Tara Joan, „die mache ich extra für euch, und ihr dürft sie behalten, als Geschenk!“ Wuhu, dachte ich mir, griff zum Telefonhörer und stellte Tara Joan eine Handvoll Fragen. Und die Lady? Gab mir eine Handvoll Antworten. Und alles zusammen dürft ihr euch jetzt durchlesen und euch dabei die Fotos dieser sehr besonderen Frau anglotzen.

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Mimi: Du hast mir erzählt, dass du, was dein Sex- und Liebesleben angeht, sehr offen bist. Was kann ich mir genau darunter vorstellen?

Tara Joan: Ich finde, Sex ist etwas sehr Schönes, und man sollte sich nicht einschränken müssen, was diese Art von Gefühlen angeht. Liebe und Sex sind in meinen Augen zwei ganz unterschiedliche Dinge. Das Wichtigste ist, dass man niemanden verletzt. Solange du das beachtest, ist es dir vollkommen selbst überlassen, was du tust.

Mimi: Führen du und dein Freund also eine offene Beziehung oder würdest du dich eher als polyamor bezeichnen?

Tara: Hm, eine solche Bezeichnung würde ich uns nicht geben. Ich empfinde es als normal, Menschen Liebe zu schenken und Liebe mit unterschiedlichen Menschen empfinden zu dürfen.

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Mimi: Du sagst, es wäre für dich der Himmel auf Erden, deinen Freund im Bett mit einer anderen zu sehen. Ich hätte aus Eifersucht vermutlich beide in die Luft gejagt. Kennst du Eifersucht so gar nicht?

Tara: Haha, das höre ich oft, sehr oft. Sachen wie „Tara, aber du kannst doch nicht…!“, „Warum stört dich das nicht?“ oder „Ach, dann bist du gar nicht richtig verliebt“, musste ich mir schon oft anhören. Ich empfinde auch Eifersucht, aber anders. Wenn ich zum Beispiel merke, dass ein Mädel anfängt, Gefühle für meinen Freund zu entwickeln oder diese Gefühle schon von Anfang an hatte. Damit habe ich große Probleme. Aber genau das meine ich mit „Solange man die Gefühle des anderen nicht verletzt, kann man machen was man will.“ Ich glaube, hoffe, dass ich eine gute Menschenkenntnis habe, und da ich diese Art von Beziehung lebe, seitdem ich 15 bin, denke ich, ein wenig Erfahrung auf diesem Gebiet zu haben.

Mimi: Was genau macht dich daran an, wenn dein Freund es mit einem anderen Girl macht?

Tara: Ich mag es, zu sehen, dass er auch von anderen vergöttert wird. Aber das Tollste ist für mich, zu erleben, dass es meinem Freund sehr, sehr gut geht. Das macht mich glücklich.

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Mimi: Schaust du nur zu oder machst du auch mit, wenn du Bock hast?

Tara: In den meisten Fällen ist die Rollenverteilung für alle gleichberichtigt, aber natürlich ist es schwierig, immer allen gerecht zu werden. Und wenn mein Freund und die zweite, dritte, vierte oder fünfte Frau total Spaß haben, presche ich nicht dazwischen. Ich finde es großartig, zu sehen, dass mein Mann der König der weiblichen Befriedigung ist :)

Mimi: Du sagst, dass dein Freund dir vorher Bescheid sagen muss, wenn er mit einer anderen schlafen will. Machst du das genauso?

Tara: Da ich mit meinen aktuellen Freund sehr „ausgelastet“ bin, habe ich nicht das Bedürfnis, mit anderen Männern neben ihm zu schlafen. Wenn, dann habe ich das Bedürfnis bei Frauen. Warum, kann ich gar nicht sagen, wahrscheinlich, weil ich die Abwechslung mag. Dazu kommt, dass wir niemals Männer in der Überzahl im Bett haben wollen. Das haben wir irgendwann so ausgemacht, und ich finde die Vorstellung, beim Sex als Frau in der Unterzahl zu sein, so gar nicht anturnend. Meinem Freund geht es genau so. Um aber zu deiner Frage zurück zu kommen: Natürlich sage ich Bescheid – alles andere ist für mich Fremdgehen.

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Mimi: Wie sieht das konkret aus: Dein Freund kündigt also an, dass er Sex mit einer anderen haben wird. Was machst du in dieser Zeit? Sitzt man dann zu Hause, guckt Shopping Queen oder bereitet was Leckeres zum Abendessen vor, während der Partner mit einer anderen im Bett ist? Oder nagt das auch schon mal an dir? Fragst du dich: Was machen die jetzt wohl gerade? Und: Wie begrüßt du ihn, wenn er zu dir kommt? „Hey Schatz, wie war’s?“ Ich frage, weil das der Punkt ist, den ich mir als monogamer Mensch so gar nicht vorstellen kann…

Tara: Oh Mann, so viele Gedanken habe ich mir darüber nie gemacht. Ich mache „währenddessen“ das, was ich sonst auch machen würde. Wenn ich mir darüber den Kopf zerbrechen würde, wäre ein solches offenes Beziehungsmodell nicht die richtig Lebenseinstellung für mich, denke ich.

Mimi: Wenn du auch auf Sex mit Frauen stehst: Bist du bisexuell? Oder magst du gar nicht so gelabelt werden?

Tara: Ob ich „bisexuell“ bin? Schwierige Frage. Es gibt ja leider kein anderes Wort dafür, wenn man beidgeschlechtlich Liebe empfinden kann (Anm. von Mimi: Doch, die gibt es, siehe diesen Artikel, klick-klick :) ) Also würde ich die Frage bejahen –  oder doch verneinen? Denn ich hatte noch nie eine Beziehung mit einer Frau. Zwar hat sich während meiner Zeit als Single einige Male fast eine Beziehung ergeben, aber am Ende sind wir doch nicht zusammengekommen. Was ich genau weiß, ist aber, dass ich mich auch in Frauen verlieben kann.

Mimi: Was macht dich an einem Menschen an?

Tara: Loyalität, Selbstbewusstsein, die Fähigkeit, Gefühle zeigen zu können, sich für andere Lebewesen stark zu machen. Körperlich kann ich das gar nicht sagen. Der Mann meiner Träume war immer groß, braunhaarig und zutätowiert, und nun bin ich sehr glücklich mit einem zuvor nicht tätowierten, großen, durchtrainierten, blonden, netten Mann. Eine sehr schwierige Frage. Aber ich weiß was mich abturnt: Dummheit, Hass und Egoismus.

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Mimi: Zwischen Sex und Liebe unterscheiden zu können, ist eine Eigenschaft, die man vor allem Männern nachsagt. Was hältst du von Genderklischees dieser Art? Ist da was dran, also: Bist du eine Ausnahme? Oder sind das alles Vorurteile?

Tara: Eine Menge Frauen, die sich mir gegenüber geöffnet haben, sagen, dass sie zwischen Sex und Liebe genau so unterscheiden können, wie man es Männern nachsagt. Viele Frauen sprechen nur  nicht offen darüber. Schließlich werden sie, wenn sie Single sind und sich ausleben, noch immer als Schlampen oder Huren bezeichnet. Ich bin mir nicht sicher, ob das die Dummheit der Menschen ist oder der Neid der Männer, die gerne mal einen wegstecken würden. Oder der Neid der Frauen, die selbst so frei seien wollen, es aber nicht können oder sich nicht trauen, weil die Gesellschaft es ihnen „verbietet“. Ich würde sagen, dass dieses Unterscheiden-Können weder ein Männer- noch ein Frauen-Ding ist. Und dass es genau so wenig verwerflich ist, wenn man es nicht kann. Das Allerwichtigste ist doch, dass man sich gut fühlt, bei dem, was man tut, denn Liebe und Sex sollen Spaß machen und keine Zwangsveranstaltung werden.

Mimi: Any last words? :)

Tara: Ich grüße meine Mama, meinen Papa, meine Oma … Nein, jetzt mal im Ernst: Ich hoffe, dass sich der/die ein oder andere in meinen Antworten wieder finden konnte. Und dass ich euch ein bisschen das Gefühl schenken konnte, dass es nicht falsch ist, was ihr macht – so lange es euch und euren Mitmenschen dabei gut geht. Ich bin übrigens immer für ernst gemeinte Fragen zu dem Thema zu haben. Hier findet ihr mich bei Facebook. Share some Love! Küsse, eure Tara Joan.

Fotos: Vanessa Marie <3

4 Comments

  1. Chaos.Cat

    2. August 2017 at 17:21

    Toller Bericht und schönes Interview 😊👍. Man ahnt nie was hinter manchen Menschen so steckt, ich finde es auch sehr schade, dass so viele Menschen festgefahren sind bei diesem Thema und wenn ich könnte würde ich was das betrifft auch ein anderes Leben führen. Aber was tut man nicht alles aus Liebe zu einem Menschen der mit sowas nie klar kommen würde. Aber so lang man glücklich ist sollte man alles ausleben was man möchte, gerade wenn man noch jung ist und in seinen besten Jahren. 😊💕

  2. Pingback: Tara Joan: Alles ist vergänglich – Kinkats

  3. JudgeDark

    7. November 2016 at 20:13

    Bin ja ehrlich und kein Freund von blauen Haaren (jeder Jeck ist anders), aber Tara ist wirklich ein sehr ansehnliches Geschöpf.
    Und die Einstellung, dass man die Gefühle eines anderen nicht verletzen darf, halte ich für sehr wichtig und richtig, das sollte generell gelten.
    Ansonsten soll jeder so glücklich werden, wie es ihm beliebt, solange man eben das mit dem Verletzen von Gefühlen beherzigt.

    Und vieles Danke für das Interview … wirklich sehr interessant!

    Allerdings ist die Frage nach der Begrüßung ohne Antwort geblieben. ;)

  4. Der Ulli

    6. November 2016 at 20:20

    Super toll ich folge der holden Maid auch schon ne ganze weile und finde die bilder sehr toll….
    Nach dem Interview noch viel mehr

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