Mach‘s dir: Eine Ode an die Selbstbefriedigung

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Ein Text von Artie Shaww.

Unlängst war ich im Urlaub. Da ich immer mit einer Freundin reise, sind wir meist nonstop 24 Stunden zusammen. Was prinzipiell okay ist, da wir ein gutes Reiseteam bilden. Doch bin ich ein sehr sexueller Mensch und mag es, mich selbst zu befriedigen. Allerdings müssen die Bedingungen stimmen, sprich: Ich bin gern allein.

Daher lag ich an einem Nachmittag am Strand mit meiner Lust, presste meine Schenkel zusammen und war rollig wie Schmidts Katze, während meine Freundin fröhlich in der Sonne vor sich hin schmorte.

Ich musste mich bewegen, ging am Strand entlang, betrachtete Bäuche, Brüste, Beine und Popos, als mein Telefon klingelte. Mein Lieblingsboy rief mich an. Ihm konnte ich meine Lage schildern. Während er heiser auflachte, zog sich alles in mir zusammen. „Los, geh auf so ein ekliges Strandklo und mach es dir selbst. Stütz dich ab, mach es dir im Stehen, und finger dich richtig durch!“

Ich bedankte mich für den Tipp, aber das Strandklo nutze ich doch nicht, wenn ich die Ägäis vor der Nase hab.

Ich beendete das Telefonat und ging schwimmen.

Weit genug draußen, ließ ich mich treiben, zog mein Höschen aus und fing an, es mir selbst zu machen. Der weite blaue Himmel über mir, die Sonne brannte heiß auf mich, während ich sanft in der kalten Strömung schaukelte. Meine Gedanken überschlugen sich. Feuchte Münder schoben sich in enge Löcher, Penisse drangen in Muschis, Brüste wackelten im gestoßenen Takt. Ich kam lang und heftig.

Ein gutes Gefühl. Ich war ruhig, schwamm zurück an den Strand und schlief dort erst einmal ein.

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Selbstbefriedigung ist für mich etwas ganz Normales. Ich mag und mache ES sehr gerne. Selbstbefriedigung bringt mich runter, befriedigt mich, ich weiß, dass ich komme es mir gut tut.

Daher wunderte es mich, als mir – wieder zu Hause – meine Freundin Louise erzählte, dass eine ihrer Freundinnen Selbstbefriedigung rigoros ablehne, sie sogar als „eklig“ und „widerwärtig“ bezeichne – seitdem sie wieder in einer Beziehung ist.

Die Frauen aus Louises Clique sind alle Anfang bis Mitte zwanzig, tummeln sich in der „gehobenen Hamburger Gesellschaft“, sehen gut aus, haben feste Brüste, straffe Körper, kleiden sich geschmackvoll und haben alle einen Studienplatz. Und eigentlich doch wohl auch Lust. Oder? Auf Nachfrage gab die Bekannte preis, dass ihr Freund Selbstbefriedigung bei ihr eben nicht gut fände. Schließlich sei er ja Manns genug, um es ihr zu besorgen.

Louises Bekannte zwitscherte munter weiter, dass man Selbstbefriedigung mit einem Partner an seiner Seite ja ohnehin nicht mehr brauche. Louise warf noch schwach ein, dass man es sich ja auch vor dem Partner selbst machen könne, das wäre doch eine schöne Variante.

Die Antwort der Freundin: „Ich brauche das nicht mehr. Ich fand das sowieso eklig, mich da anzufassen. Ich will das nicht.“
„Aber deine Lust zu befriedigen ist doch auch wichtig.“
„Dafür hab ich ihn doch!“

Nein. Dafür habe ich weder IHN noch SIE. Meine Lust ist voll, läuft über und will befriedigt werden. Von mir selbst, weil niemand meinen Körper so gut kennt wie ich. Weil Selbstbefriedigung der erste Schritt zur sexuellen Selbstbestimmung ist.

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Und ich frage mich: Wie kann ein (Geschlechts-)Partner behaupten, Selbstbefriedigung sei falsch? Den würde ich sofort aus mir drücken und aus dem Bett schubsen. Ich kann das für mich gut finden oder auch nicht. Aber ich sollte es nicht schlecht reden.

Selbstbefriedigung als eklig, gar als abstoßend zu bezeichnen, ist eine Abwertung. Denen, die es genießen, sich selbst zum Höhepunkt zu bringen, wird so unterstellt, „widerwärtige“ Handlungen an sich vollziehen.

Sich selbst Lust zu verschaffen ist, keinesfalls eklig, sondern zeugt von einer guten Portion Eigenliebe (wobei Menschen, die keine Lust auf Selbstbefriedigung haben, sich natürlich auch selbst lieben). Masturbation bedeutet: Ich kümmere mich um meine Sexualität, weiß, was ich mag und wie ich funktioniere. Wobei es wurscht ist, ob ich mir den Riesendildo bis zum Anschlag reinschiebe oder meine Brustwarzen so lange reize, bis ich komme.

Wichtig ist für mich, dass ich mich sowohl dabei als auch danach gut fühle.

Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der mir vermittelt wurde, dass Selbstbefriedigung etwas Schlechtes, Verdammenswertes sei. Daher war für mich Masturbation immer etwas Verbotenes, Dreckiges. Diese Gedanken waren ganz lange tief in mir drin, bis ich irgendwann auf den richtigen Partner traf, der mich langsam, aber bestimmt auf den richtigen Weg brachte. Sodass ich mich irgendwann sogar vor ihm selbst zum Orgasmus brachte. Danach weinte ich lange und war so unendlich glücklich, dass mir jemand erlaubte, mich selbst zu befriedigen und dass dieser jemand ich war.

Seitdem weiß ich, dass Onanie nichts Unrechtes oder Ekliges ist und dass niemand deshalb Schuldgefühle haben muss. Seitdem masturbiere ich genussvoll, unter anderem eben auch im Meer. Ich habe immer noch Schwierigkeiten, im Beisein eines Partners zu masturbieren, denn für mich ist das meine Sexualität, die ich nur mit mir teile. Aber wie Louise schon sagte: Es kann auch eine Variante sein. Und definitiv keine eklige.

Fotos: Melanie Ziggel // Melanie Ziggel bei Facebook

2 Comments

  1. JudgeDark

    6. August 2017 at 18:33

    Selbstbefriedigung halte ich für sehr wichtig, gerade wenn man in der eigenen Findungsphase ist und seinen sich veränderden Körper kennen lernt. Zudem ist es ein Ding mit mir selbst, dass sollte anderen doch egal sein; diese verstaubte Meinung, das wäre Sünde ist albern, die Angstmacherei funktioniert nicht mehr.
    Ich kenne auch Frauen, die davon nichts halten, was ich irgendwie schade finde. Natürlich, jeder so wie er mag … aber nachvollziehen muss ich das nicht unbedingt. Von Männern kann ich da nicht berichten, denn es ist wohl eher ein Tabuthema unter Kerlen wie mir scheint.

  2. Romy

    4. August 2017 at 19:41

    Ja! Ja, ja, ja!
    Ich erinnere mich tatsächlich, dass ich ziemlich früh entdeckt habe, wie schön Lust mit mir selbst sein kann. Jahre, bevor irgendein Mann (naja – damals eher Junge) in meinem Leben war. Ich wusste bereits mit acht Jahren, wie ich mich berühren muss. Dass es dafür einen Namen gibt, war mir nicht mal bewusst. Dafür aber umso eher, dass das im Geheimen stattfinden muss. Wie blöde eigentlich.
    In meinen Zwanzigern traf ich dann auf einen enorm dominanten Mann, der mich dazu gebracht hat, es mir vor ihm zu besorgen, und zack: Damm gebrochen – seine Lust daran, mir zuzusehen war sowas von Grund genug, das verschämte Getue aufzugeben!

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