Sag, was dich anmacht oder: A guide to better Sextalk

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Mal unter uns Gebetsschwestern – ist euer Sex so, wie ihr es euch vorstellt? Bekommt ihr das, was euch rote Wangen macht und euch einen Schauer nach dem nächsten den Rücken herunterjagt? Oder ist das, was ihr mit dem Lieblingsmenschen oder der Tinder-Affäre treibt, optimierbar? Dann solltet ihr dem Mann oder der Frau unbedingt sagen, was euch auf Touren bringt. Nur wie? Die Frage hat sich unsere neue Mimi&Käthe Autorin Romy Dietrich gestellt und einen ziemlich sexy Guide für einen ehrlichen und effektiven Sextalk geschrieben. Lest und genießt :)

Von Romy Dietrich

„Ich fänd‘s ja unglaublich heiß, wenn du mich mal so richtig hart anpacken würdest. Wenn du mir die Luft abdrückst, während ich spüre, wie du deinen Schwanz tief in mich stößt…“

Hast du sowas schon mal jemandem entgegen gesäuselt und auf seine Reaktion gewartet? Ich schon. Ich sage dir: Es ist eine Offenbarung! Also oft. Leider nicht immer.

Denn zugegeben, dies ist die radikale Variante, jemandem mitzuteilen, auf was du im Bett so stehst. Möglicherweise geht der sexy Sunnyboy nach dieser Ansage heim zu Mama, weinen (aber ganz ehrlich, willst du den dann überhaupt?) oder der angehende erfolgreiche Businessmann packt seinen Aktenkoffer und verlässt empört das Fünf-Sterne-Restaurant.

Ganz vorsichtig geht Sextalk natürlich auch: „Manchmal stehe ich auf etwas härteren Sex. Also, wenn du, hm, naja, wenn du so und ich so und wir beide dann irgendwie… ähm… Weißt du, was ich meine?“ Fatalerweise steht dann eine Frage im Raum, die der oder die andere, eventuell ebenso schüchtern wie der Fragensteller selbst, nicht beantworten kann – oder will. Kann gut gehen, muss aber nicht.

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Fotos (4): Anneliese Moder <3

Die Sache ist die: Ohne ehrliche, offene Kommunikation kein ehrlicher, offener Sex. Man muss sich rantasten. Klar, sich langsam den Wünschen und Bedürfnissen des anderen zu nähern, kann sehr schön und sexy sein, aber auch zu unangenehmen Überraschungen führen, wenn es zu langsam geschieht. Im schlimmsten Fall hast du am Ende drei Jahre langweiligen, unbefriedigenden Sex mit einem tollen Mann, der gar nicht weiß, dass der Sex für dich langweilig und unbefriedigend ist. Und der dabei vielleicht sogar heimlich auf dieselben Dinge steht wie du.

In Gesprächen mit meinen Mädels höre ich erschreckend oft die Aussage, dass sie sich an den Sextalk mit dem Liebsten nicht heran wagen, dass sie sich nicht trauen, ihrem Partner zu sagen, wovon sie träumen. Was sie sich wünschen. Was sie so geil macht, dass sie direkt auf das nächste Mannsbild springen könnten. Was für Pornos sie sich angucken. Und was davon sie gern im echten Leben ausprobieren würden, denn das muss nicht zwingend das sein, was sie sich gern in Pornos angucken. Gut, all holes stuffed sieht in Pornoclips geil aus und macht geil, denn die Vorstellung, von mehreren Männern „benutzt“ zu werden (im gegenseitigen Einvernehmen selbstverständlich) spricht den Urmenschen in uns an. Überraschung: Auch Frauen haben ein Quäntchen Höhlenmensch in sich! Doch ist die Umsetzung in der Realität möglicherweise stressig und schmerzhaft. Trotzdem bleibt für viele der Wunsch nach diesem pornösen Gefühl. Rücksichtslos gevögelt werden, dass dir Hören und Sehen vergeht, während er dir seine Finger in den Mund steckt? Ja, bitte!

Und wie bringe ich das jetzt an den Mann oder die Frau? Wie funktioniert Sextalk, ohne dass einer völlig verwirrt, enttäuscht oder beleidigt auf der Strecke bleibt?

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Mund auf und reden, reden und zeigen – wird euren Sex besser machen, versprochen!

Nun, ich vertrete bereits seit meiner Zeit als hormongeplagtes Teeniegirl mit schrägen Wünschen die Auffassung, dass Ehrlichkeit das Risiko, abgelehnt zu werden, absolut wert ist. Denn stell dir mal vor, deine Fantasien treffen unerwarteterweise einen Nerv deines Sexmitspielers! Stell dir vor, ihm weicht das Blut aus dem Gesicht, um sich weiter unten sinnvoller zu betätigen. Stell dir vor, in seinem Kopfkino hat sich deine Mascara bereits zu schwarzen Schlieren auf deinen Wangen verflüchtigt, die sich mit deinem Schweiß mischen… oh, genug davon!

Doch sind allgemeine Ansagen à la „Ich mag Hardcore Sex“ nicht immer das richtige Mittel zum Zweck. Als ich meinem Liebsten beibringen wollte, dass ich nicht aus Zucker bin, habe ich das einfach so gesagt – erfolglos. Auch ein während des Sex gehauchtes „Fick mich“ brachte nicht das gewünschte Ergebnis. Also habe ich meinen Mut zusammen genommen und ihn an einem dieser Tage, an denen meine Muschi mit dem üblichen, sehr schönen Sex nicht auf Touren kommen wollte, gebeten, mich fester anzufassen und ihm ganz konkret gesagt, was ich brauche. „Grab deine Finger in meine Seite“, flüsterte ich, „ich brauche den Schmerz, das katapultiert mich höher.“ Gesagt, getan, wir waren auf dem Weg in rauere Gefilde. Wenn ich jetzt so einen Müde-Mumu-Tag habe, drücke ich seine Hand fester an meine Rippen, und er weiß, was ich brauche.

Genau so kann das mit allem anderen funktionieren. Beruf dich beim Sextalk auf einen Porno, den du magst, oder eine tolle Sexszene in einem Buch und beschreib ihm, was du da gesehen oder gelesen hast und was das mit dir gemacht hat. „Ich habe gelesen, wie er ihre Schamlippen spreizt, während sie sich gegen seine Kraft stemmt, und da habe ich gespürt, wie mir das Blut zwischen die Beine geschossen ist. Ich hatte solche Lust auf dich, aber weil du nicht da warst, musste ich mir eben selbst helfen…“ Glaubt mir, das wird zünden.

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Ach ja, ey: Lachen nicht vergessen!

Auch ein guter Einstieg ist es, an etwas anzuknüpfen, das ihr schon tut. Doggystyle läuft schon, aber du würdest einen festen Griff in deine Haare begrüßen? Prima! Die Voraussetzungen sind im Grunde schon gegeben, denn dein hochgereckter Hintern bringt nun mal eine gewisse Unterwürfigkeit auf deiner und eine Dominanz auf seiner Seite mit sich. Daran anzuknüpfen, was beiden bereits Spaß macht, und seine Hand in deine Haare zu schieben, ist ein guter Weg zu mehr.

Bei sensibleren Themen ist das natürlich schwieriger. Du magst Schläge, Finger im Po oder Fisting? Okay. Das ist nicht jedermanns Sache, aber oft braucht es auch nicht gleich 110 Prozent. 50 können vollkommen ausreichen und sind durchaus ein netter Katalysator.

Wenn du davon träumst, dich gegen einen Mann zu wehren, muss es nicht gleich hartes Rapeplay, also die einvernehmliche Nachahmung einer Vergewaltigung in Form eines Rollenspiels, sein, nach dem du am ganzen Körper Abdrücke seiner Finger hast. Starke Hände um deine Handgelenke oder Beine, die im Spielverlauf auseinander gedrückt werden, tun für den Anfang den gleichen Dienst und sind viel leichter zu kommunizierende und zu erfüllende Wünsche.

Oder träumst du davon, deinen Liebsten an einen Stuhl zu fesseln, dich in ein Lackkorsett zu werfen und ihn zu reiten, bis er kurz vorm Kommen ist, um dann stillzuhalten und ihn betteln zu lassen, während deine Fingernägel Spuren auf seinem Nacken hinterlassen? Nun, bitte ihn fürs Erste, ruhig auf dem Rücken liegen zu bleiben und sich reiten zu lassen – ein bisschen Schimpfe, wenn er sich nicht daran hält, wird er verkraften, und vielleicht macht es ihm ja mehr Spaß, als er dachte.

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Oh hi!

Wenn der innere Schweinehund, vielleicht auch die Scham, zu viel von sich preiszugeben, zu groß ist, empfehle ich Trick 17: Anonymität. Melde dich in einem Chatroom an, in dem es zur Sache geht und erzähle wildfremden Leuten im virtuellen Sextalk deine Wünsche und Fantasien. Blöde Blicke sind nicht ausgeschlossen, aber die siehst du ja nicht. Die Resonanz, die kommen wird, hilft ungemein dabei, sich nicht wie eine perverse Irre zu fühlen und stärkt dich in deiner Sexualität. Und wer weiß, wenn du einen anonymen Fremden dazu gebracht hast, sich auf deine Fantasie einen runterzuholen, glaubst du vielleicht auch bald daran, dass es mit deinem Partner funktioniert.

Last but not least: Nicht überfordern. Dich nicht und deine Beziehung nicht. Empathie für das Gegenüber ist beim Sextalk unerlässlich, und auch die Rücksichtnahme auf das manchmal sehr empfindliche männliche Ego ist ausgesprochen wichtig. Auf keinen Fall darf der andere den Eindruck gewinnen, alles falsch und dich nicht geil zu machen. Wenn der Versuch also nicht zündet, solltest du für den Moment aufhören und den Tag mit nettem, liebevollen Kuschelsex abschließen. Und es eine Woche später nochmal versuchen. Vielleicht mit einem anderen Thema.

Natürlich kann es unendlich schwierig sein, über den manchmal übermächtigen Schatten des „Das macht man nicht“ zu springen, aber das Ergebnis ist es wert. Meist ist es nur dieser eine, kleine Schweinehund, den es zu besiegen gilt. Was also hilft gegen den inneren Angsthasen? Mut. Gut gewählte Worte. Und manchmal eine Flasche Cabernet Sauvignon.

Liebst, eure Romy

12 Comments

  1. Pingback: Komm schon küssen! - Mimi&Käthe

  2. Deelyla

    2. Juni 2016 at 13:13

    Über meine Vorlieben zu reden habe ich oft versucht. Ich habe allerdings immer das Gefühl, dass diese zu pervers sind, egal ob in einer Beziehung oder bei Affairen. Deshalb bin ich irgendwann auf die oben beschriebenen anonymen Chats im Internet umgeschwenkt um dort zu üben … und bin an der Stelle hängen geblieben. Mittlerweile bin ich in vielen verschiedenen Chats unterwegs und habe mich dabei im realen Leben sexuell sehr zurückgezogen.

    • Mimi

      Mimi

      2. Juni 2016 at 20:29

      Wenn es dich zufrieden macht, finde ich es gut. Wenn nicht und dir etwas fehlt… schwierig. Wie ist es denn, jemanden online kennenzulernen und dann das, was euch Bock macht, im realen Leben umzusetzen?

      • Deelyla

        3. Juni 2016 at 10:07

        Ich vermeide im Internet zu langen Kontakt mit einem Menschen, deshalb kommt es selten dazu, das man sich verabredet. Wenn es doch mal soweitist, kneife ich im letzten Moment, weil ich Angst habe, dem Menschen real gegenüber zu stehen, der so viel über mich weiß.

        • Mimi

          Mimi

          3. Juni 2016 at 13:26

          Aber befriedigt dich das denn?

          • Deelyla

            3. Juni 2016 at 15:20

            Nein, tut es nicht. Aber das wollte ich auch gar nicht diskutieren. Nur die Tatsache aufzeigen, dass grade ein „vorher üben“ auch so ziemlich das Gegenteil bewirken kann. Man wird damit nicht offener, sondenr stellt irgendwann fest, sich in die Welt, wo es einfacher ist drüber zu reden zurückgezogen zu haben.

          • Mimi

            Mimi

            4. Juni 2016 at 8:37

            Ich habe das Gegenteil erlebt und würde auch trotz deines Kommentars ein „vorher online üben“ jedem empfehlen. Schade, dass es bei dir so gelaufen ist.

  3. Pingback: Sascha Superstar: Neukölln Sex Magic - Mimi&Käthe

  4. Eri

    12. Mai 2016 at 20:53

    Ich hab ja schon Probleme, das „Oh Jesus, sieht er grade scharf aus!“ zu verbalisieren. *lach* Schade eigentlich, er würde es bestimmt gerne hören. Aber ich schaffs nicht. Jedes Mal geht der Moment vorbei und ich hab den Schnabel gehalten. Mist. Als mir doch mal was Unanständiges entschlüpft ist, wurde drüber gekichert (aus purer Überforderung, nehme ich an), und als er dann später ungeschickt versucht hat, es wieder anzusprechen, war ich wiederum zu unscharf ;) Hach, es ist schon schwierig… Ich bewundere Leute ungemein, die es schaffen, auf „Eventuell passiert dann das“-s zu scheißen. Echt. Ich kanns nicht.

  5. JudgeDark

    11. Mai 2016 at 19:05

    100% Zustimmung!

    Wie bei vielen Dingen im Leben hilft Kommunikation, „dem sprechenden Menschen kann geholfen werden“!

    Wenn man damit zu lange wartet, dann steigt die eigene Unzufriedenheit und das kann nicht gut sein. Gerade in einer Beziehung führt das dann zu Problemen, zwangsläufig! Also lieber drüber reden und sich überraschen lassen, was passiert. ;)

    • Mimi

      Mimi

      11. Mai 2016 at 19:22

      Du weiser Mann triffst es mal wieder hart auf den Punkt :)

      • JudgeDark

        11. Mai 2016 at 21:25

        Ich danke Frau Mimi für diese Worte. :)

        Ob ich weise bin, keine Ahnung. Aber ich habe Erfahrung und spreche darüber … wenn das Weisheit ist, dann bitte gerne!
        Samuel Coleridge hat mal gesagt, „dass gesunder Menschenverstand in ungewöhnlichem Maße das ist, was die Welt Weisheit nennt“. Soweit möchte ich gar nicht gehen, denn ich glaube wir alle tragen unsere Weisheiten in uns, nur müssen wir auch darüber reden, damit man sieht, wie weise wir alle eigentlich sind.
        Das ist auch ein Grund, warum ich diesen Blog so mag, hier werden Dinge ausgesprochen, die in der Gesellschaft nicht alltäglich sind … und das in einem sehr ansprechenden Rahmen. Ich verneige mich für diese Offenheit und hege die Hoffnung, dass wir noch mit vielen solcher Texte von weisen Menschen wie euch beglückt werden.

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