Un-simplify your life – Sex mit dem Ex

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Sex mit dem Ex. Ohä. Ich halte mich ja von Ex-Liebschaften am liebsten a) so fern wie möglich oder werde b) nach der Trennung zum kumpelhaftesten Kumpel, den du je hattest und mit dem du garantiert niemals wieder Sex haben magst, weil man Kumpels nun mal nicht bumst. Was aber, wenn der einstige Lieblingsmensch noch immer ganz schön sexy ist? Wenn du ihn unbedingt willst? Ist man nach dem Sex mit dem Ex wieder zusammen? Wird es peinlich sein oder traumhaft schön? Wird die Nummer Folgen fürs Herz haben, wenn du feststellst, dass aufgewärmt manchmal besser schmeckt als frisch geköchelt? Antoinette Blume, neue Autorin im Mimi&Käthe Team, hat sich auf das Wagnis eingelassen. Und einen sehr ehrlichen Text geschrieben. Über Erwartungen, Lust auf Vertrautes, Geilheit und die Folgen ihres Experiments.

Von Antoinette Blume

Wenn einmal alles nass ist, ist es nass. Er liegt auf mir, sein Schwanz in mir, Hand an (oder wahlweise in) meinem Arsch. Mein Ex-Freund, offener Beziehungspartner, en ce moment Sexpartner. Nicht genau deklariert, weil muss man ja nicht. Nicht genau definiert, weil sonst uncool.

Besuch von oben Genanntem. Übernachtungsgast für drei Tage. Sex mit dem Ex.

Rückblende.

Ich wollte diese Beziehung mal nicht mehr, mal nicht nicht mehr, mochte ihn, mich aber nicht, und jetzt will ich sie nicht mehr hergeben. Das, was davon übrig ist, will ich f(l)icken und bügeln, dann wird das wieder. Kann es nicht hergeben. Hingeben möchte ich mich doch viel lieber. Ihm. Da war mal eine Zeit, da wollte ich mich jedem anderen hingeben, nur ihm nicht. Tat’s einmal, danach nie mehr. Dann traf ich  ihn wieder. Und ließ mich drauf ein – auf ein Tête-à-Tête mit dem Ex.

Jetzt will ich ihn, mit allem, mit Sex, vaginal, anal, etwas, das ich seit Jahren nicht wollte und deshalb auch nicht praktiziert habe. Wo kommt das plötzlich her? Welche Hormone werden da bloß gerade überproduziert? Na, aber „wenn man schon mal da ist“, warum die knisternde Stimmung zu zweit nicht effektvoll nutzen, hopp! Vorne, hinten, rechts, links, abends, morgens, mittags. Sex hatten wir ja schon mal, vier Jahre lang. Dann nicht mehr, jetzt vielleicht wieder. Körperliche Nähe wird zu emotionaler Verbundenheit, manchmal. Manchmal auch nicht.

Sollte ich ihn fragen: „Hattest du Sex „nach mir?“ Eine Zeiteinteilung wie bei Christi. „Vor mir, nach mir”, so wird die Zeit gerechnet und nicht anders. Kennengelernt habe er jemanden, sagt er da von allein, geküsst hätten sie sich. Wo genau geküsst und kennengelernt will ich gar nicht wissen, phantasiere mir lieber alles so zurecht, dass da natürlich nichts war, nichts sein wird und keine so passgenau zu ihm und seinem Schwanz, seinen Wünschen kombiniert werden kann wie ich – niemals, jemals. Das wäre ja verrückt. Kränkung wird also erstmal weggeküsst. Alles wie früher, nur besser. Klar, weil alles Vergangene, dass es in die Gegenwart und vielleicht sogar in die Zukunft schafft, besser wird, besser sein muss.

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Wir haben beide Lust auf einander. Auf Sex mit dem Ex. Mit der Ex. Und ich frage mich: Wie früher – ohne Kondom? Anknüpfen an alte Gewohnheiten oder sauberes Terrain bevorzugen? Ein unromantischer Gedanke in einer romantischen Situation. Wieso eigentlich unromantisch? Fremd ist er doch nicht, sage ich mir. Oder zerstört diese hauchzarte, wundervolle Erfindung vielleicht die Intensität zwischen uns, weil wir es eben ohne kennen, oft getan haben, nur im Pille-vergessen-Fall mal mit tun mussten? Sich jetzt sexuell weiter vorwagen, Post-Beziehungs-Experimentalismus? Verschwendet er eigentlich auch ein bis zwei Gedanken daran oder bin das nur ich? Ich sage ihm, dass mir das alles zu schnell geht, setze mich auf, er nimmt mich in den Arm, sagt „Alles gut.“

Ein paar Tage später.

Sehe ihn bald wieder. Da ich nicht nur auf Händchenhalten aus bin, periodisch getimed: Habe mir einfach kurzerhand die Entscheidungsfindung zu „Kondom, kein Kondom? Mit Fremden mit, mit der Ex-Liebelei ohne oder doch nicht?“ abgenommen und die Pille abgesetzt – Problem solved. Kondompflicht für alle. Keine Diskussionsmomente heraufbeschwören. Ich fühle mich in etwa so, wie auf der Suche nach diesem Tütchen, das man erst vor dem Türsteher, dann vor sich selbst versteckt. Von Lösung kann man (noch) nicht so recht sprechen.

Wir hatten Sex.

Es war schön, aufregend, natürlich auch naiv von mir. Sex mit dem Ex – so verführerisch und heiß es in der Vorstellung sein mag, am Ende ist es, was es ist: Sex mit dem Ex. Ja, wir kennen uns. Und es tat gut, wohl genau in dem Maße, in dem es weh tat. Zumindest mir. Emotional. Beim Sex in alle möglichen Öffnungen (ja, ich meine es genau so, wie ich es schreibe) waren wir vorsichtig genug, gleichzeitig unzüchtig, geil aufeinander, permanent ineinander. Toller Penis, auch das muss ich zugeben, vermissungswürdig. Am Ende war ich zu sehr mit der ganzen Sache beschäftigt, man könnte ruhig sagen: Ich bekam Liebeskummer davon.

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Fotos (2): Luna <3

Na ja, so ist das wahrscheinlich oft, wenn man sich auf dieses Spiel einlässt, auf den Sex mit dem Ex. Diesen vertrauten, widersprüchlich dazu aber doch ganz schön aufregenden Sex, gebunden an eine (wie auch immer) vorbelastete Person. Tja, Probieren geht über Studieren, sage ich immer. Und damit geht die Rechnung diesmal Null auf Null auf – befriedigt und doch nicht zufrieden. Zur Ablenkung will ich mir noch fix ein e-Book ausleihen (aka Pornos durchklicken), surfe kurz (stundenlang) herum. Na also. Amazon zeigt mir (mal wieder!), wie gut der Konzern mich, meine Wünsche, Probleme und meine Chronik kennt: Interessieren Sie sich vielleicht für Analgleitgel, liebes Fräulein? Ja? Kunden, die Analgleitgel gekauft haben, kauften auch: „Generation Beziehungsunfähig“ von Michael Nast, „Aftercare“ (oh, wie ich solch Wortspielerei liebe!) und „Simplify your Life – das Hörbuch“. Äh, what? Amazon wird’s wissen.

8 Comments

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  3. Raoul

    19. Mai 2016 at 20:31

    Wie schmeckt Sex mit der Ex? Leidenschaftlich und intensiv, wenn man sich dafür öffnet, und es nicht als stumpfes hämmern für sein eigenes Ego benutzt.
    Die Ernüchterung kommt manchmal danach, wenn man realisiert das die Dame noch ein anderes Leben in den letzten Jahre hatte, andere Beziehungen, und man gerade direkt dort zwischen reinrutscht. Bei Fragen über den Ex rechne ich nach: okay das war vor 7 Tagen, das ist alles noch zu frisch. 3 Monate später, das Gleiche. In welchem Spiel bin ich eigentlich?
    Der Geschmack schmeckt bitter, vielleicht lässt er sich auch nicht so definieren.. zumindest nicht so süß wie die erste Liebe.

  4. auch eine Mimi

    15. Mai 2016 at 14:15

    Also, ich steh aktuell mal wieder so richtig auf einen Ex. Ist schon lange her und wir waren nur kurz zusammen, aber irgendwas hat da total gezündet und seit etwa 8 Jahren sind wir unsere gegenseitigen Schattenmenschen. Seit Februar bin ich nun wieder Single und schreibe mit dem Mister ganz nett so rum und schicke Videos und Selfies vom Gesicht und andren Körperzonen und ich glaube, wir sind ganz geil aufeinander – geht ja nun auch nicht besser, wenn auf einmal beide Single sind und nicht nur der eine und man gegenseitig weiß, dass man sich nice findet. Ich glaube, es wäre mir sogar egal, wenn sich da wieder Gefühle entwickeln. Tolle Gefühle wären das, oder vielleicht auch verwirrend weil „hä, is doch der Ex“, aber Liebeskummer ist da ausgeschlossen. Ist halt lange her.

    Beim aktuellen Ex (also der letzte halt) würde die Sache schon wieder anders aussehen. Wir wohnen offiziell noch zusammen auch wenn er nicht oft da ist aber manchmal hab ich beim gemeinsamen Serienschauen so Anflüge von „och, wenn du dich jetzt rüberdrehst, so wie früher, und ihn einfach küsst…“ oder auch mal „mhm, wie sah sein Schwanz nochmal aus? ich könnte eigentlich ja mal nachschauen“. Aber irgendwie ist die Vernunftsmimi in letzter Zeit ganz schön erwachsen geworden und hält mich ganz gut von solchen Sachen ab. Mal abgesehen davon dass ich nicht denke dass er auf aufgewärmten, lauwarmen Ex-Sex Bock hätte würde es mir das Herz brechen selbst wenn ich eigentlich von mir behaupten kann dass ich ihn nicht mehr liebe.

    Es geht beides. Und beides ist okay auszuprobieren. Schlussendlich ist es eben nur Sex und kein Vertrag aus dem man nicht mehr rauskommt. Und solange das beide wissen geht das klar, finde ich.

  5. Stefan

    14. Mai 2016 at 11:14

    Ich muss echt schmunzeln, wenn ich diese tollen und erfrischenden Worte lese….Hut ziehe ich vor dem Mut sich auf dieses Wagnis einzulassen….ich könnte dies denke ich nicht…..Toll geschrieben….weiter so und bitte gerne mehr :-)

  6. JudgeDark

    14. Mai 2016 at 9:58

    Sehr feiner Text … und ein nicht so einfaches Thema. Körperlich ja, irgendwie steigt die Lust auf das „Verbotene“ und es ist irgendwie verrucht mit der/dem Ex. Emotional eine schwierige Kiste … sowas kann eben in einem Gefühlskarussell enden, welches das Leben nicht einfacher macht, insbesondere wenn man in einer neuen Partnerschaft steckt.

    Es wird wohl auch so sein, dass dabei ggf. die letzten Barrieren fallen, auch was die Praktiken betrifft. Vielleicht ist man nun eher bereit das zu tun und auszusprechen, was man vorher sich nicht getraute zu fragen (wir sprachen ja kürzlich drüber).

    Ich hab mit dem Thema schlechte Erfahrungen gemacht … und darum würde ich versuchen diesem aus dem Weg zu gehen und das durch Distanz. Für mich treffen es Revolverheld mit „Freunde bleiben“, das hat mir mein Leben bisher gezeigt; wenn aus dann aus.

  7. Lena

    13. Mai 2016 at 19:51

    Ganz mutiger Text, in dem ich mich teilweise selbst wieder finde. Es ist wichtig ehrlich zu sich zu sein. Und sich solche Tatsachen ein zu gestehen. Auch, wenn es manchmal verdammt weh tut.

    Diese komplizierten Gefühle ;)
    Super, straighter Schreibstil! Weiter so Antoinette ❤️

    • Rheintochter Esme

      14. Mai 2016 at 2:20

      Was Lena sagt. Kann dem höchstens hinzufügen, dass ich mich zwar in der Situation nicht wiedererkenne (weil’s mir nicht passiert ist), sie aber dennoch nachempfinden kann (weil ich überraschenderweise über Empathie verfüge).
      Weiter so! Gerade mit dem Ehrlichsein, GERADE WENN es wehtut, so bescheuert das klingt (Ende mit Schrecken etc, Ihr kennt das Sprüchlein).
      Liebe vom Rhein! <3

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