Buddha Bowl vs. Omas Eintopf: Un-instagrammable Self Care

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Ein Text von Virginia Heart.

Mit funkelnden Augen bewundere ich die durchschlagende Ästhetik der Clean Living Boho Babes auf Instagram und Tumblr. Ich will auch durch einen Nebel ätherischer Öle zu meiner freistehenden Badewanne schreiten, wo ich dann in Rosenblüten und glitzernden Badebomben versinke, während meine Haut eine Organic Maracuja-Öl Sheetmask aufsaugt und der Detox Flat Tummy Tea aus pastellfarbenen Dosen (125g, schlappe 18 Euro) dampfend zur Hand ist. Denn nur das, so scheinen die entsprechenden Kanäle zu vermitteln, ist die vollkommene Erholung – der Inbegriff des Schlagwortes SELF CARE.

Allerdings ist zum Schreiten in meinem Bad zwischen Katzen- und Menschenklo zu wenig Platz, weil die Gesichtsmaske ständig verrutscht, habe ich einen bitteren Film auf den Lippen, und selbst wenn der nicht da wäre, würde der Tee mir vermutlich nicht schmecken, weil mich jeder Schluck daran erinnert, dass die gleichen getrockneten Pflanzen im DM um die Ecke vermutlich nur einen Bruchteil kosten.

Nixe 3

Das Konzept, auf sich selbst zu achten, wird ad absurdum geführt. Hashtag Self Care ist ein Wahnsinns-Marketing-Tool. Das ergibt Sinn: Niemand hat einen so detaillierten Einblick in unsere täglichen Anstrengungen – emotional und physisch – wie wir selbst. Wenn also jemand einen 7-Euro-Superfood-Smoothie verdient, dann bin das doch wohl ich?! Absolut! Nur scheinen die trivialen, aber fundamentalen Aspekte des Für-sich-selbst-Sorgens irgendwo zwischen Lululemon und Goop.com unterzugehen.

Was wirklich wichtig für das eigene Wohlbefinden ist, ist meist nicht sonderlich instagrammable. Der regelmäßige Check-Up beim Urologen/Gynäkologen. Ein ungestylter Spaziergang um den unspektakulären Block – ohne Handy. Ausreichend Schlaf. Zu Hause bleiben, #Fomo, die „Fear of missing out“ oder „Angst, etwas zu verpassen“, ignorieren, weil die langen Nächte einfach nicht erholsam sind. Noch zwei Monate warten, bis man sich die Stiefel/das Handy/ die Jacke kauft, um ein finanzielles Polster zu behalten. Gesund und zu angemessenen Zeiten essen – übrigens ist es deinem Körper scheißegal, ob die Nährstoffe in Form einer Buddha Bowl oder Omas Gemüseeintopf kommen, entspann dich. Vielleicht mal ein paar Wochen keine Gin Tonics, gar keinen Alkohol trinken. Die verdreckte Küche putzen. Endlich keine Energie mehr auf „Freunde“ verschwenden, die nie welche waren.

Kauft euch diese duftende Badebombe, wenn ihr sie wollt. Esst schickes Foodie-Food, wenn ihr Zeit, Lust und Ressourcen dafür habt. By all means, TREAT YO‘ SELF. Achtet aber darauf, dass ihr nicht – darauf hoffend, euch endlich wohl zu fühlen – wieder und wieder fancy Kram kauft, weil es einfach kein Wohlfühlen innerhalb eures Alltags gibt.

Fotos: Luna

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