Mach‘s dir: Selbstbefriedigung aus Selbstliebe 

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Ein Text von Christina, Girl Boss beim Blog Time For Girl Power.

Beim letzten Mal habe ich euch meinen liebsten Lesestoff für (Neu-) Feministen vorgestellt. Darunter befand sich auch das wundervolle BLONDE Magazin, das mich dazu inspiriert hat, den folgenden Text zu verfassen. Denn in einem Artikel der letzten BLONDE Basic Issue sind ganze zehn Seiten einem wichtigen Thema gewidmet – der Selbstbefriedigung. Zu sehen sind einige Girls, die sich alle leicht bekleidet in Bettlaken rekeln und berühren, voller Leidenschaft und Hingabe für eine der schönsten und intimsten Sachen der Welt: Sex – mit sich selbst. Sie sprechen über ihre Vorlieben, Gedanken und Orgasmen.

Also all about masturbation. Eine Sache, über die auch heutzutage noch immer nicht viel gesprochen wird. Besonders in Bezug auf weibliche Selbstbefriedigung. Bei den Männern ist das anders,. Wenn man den Klischees glaubt, tun sie ES mehrmals täglich. Und das ist gesellschaftlich absolut okay. Es gehört sozusagen zum „Starterpaket Mann“, sich selbst zu befriedigen, dadurch Druck abzubauen und ununterbrochen an Sex zu denken. Dieses männliche Verhalten ist zur gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit geworden. Im Gegensatz zu Männern haben wir Frauen die Selbstbefriedigungs-Arschkarte gezogen. Kurz und knapp gesagt ist masturbieren tabu, darüber reden peinlich und an Sex zu denken, ohne einen Partner zu haben, schlampig. So schreiben es uns zumindest die Gesellschaft und ihre wundervollen Vorurteile vor.

Wie sehr das Thema Selbstbefriedigung im Zusammenhang mit uns Frauen immer noch tabuisiert wird, konnte ich erst vor ein paar Tagen erneut feststellen, als ich in der Straßenbahn saß und die erste Seite des besagten BLONDE Artikels aufschlug. Dort hieß es: „Feeling myself – Selbstliebe statt bodyshaming. Warum wir uns und unsere Körper nicht nur lieben, sondern das auch mal ganz wörtlich nehmen sollten. Ein Aufruf zur Masturbation.“ Dieses aussagekräftige Statement gepaart mit der Detailaufnahme einer Frau, die gerade dabei ist, sich ins Höschen zu fassen, löste bei den Menschen um mich herum Empörung aus. Plötzlich starrte ein älterer Herr peinlich berührt auf das Magazin, und hinter mir erstummten zwei Twentysomething-Girls erst kurz und tuschelten dann ganz schockiert. Ich drehte mich um und schaute sie fragend an. Am liebsten wäre ich mit den Girls an der nächsten Haltestelle ausgestiegen, hätte mich mit ihnen in ein nahe gelegenes Café gesetzt, sie aufgeklärt und ihnen gesagt, dass daran gar nichts peinlich oder außergewöhnlich ist. Männer tun es, Frauen tun es. Wir alle tun es. Denn es ist eine der normalsten und zugleich auch schönsten Dinge der Welt.

Selbstliebe

Für mich persönlich war Selbstbefriedigung nie außergewöhnlich seltsam, aber auch nie unglaublich wichtig. Gerade in meiner Zeit als Teenie sprachen wir unter uns Freundinnen nicht darüber. Genau so unaktiv war ich damals auch. Mit ungefähr 16 Jahren packte mich aber die Neugier, meinen Körper, meine Sexualität und auch meine eigene Erregung und die anderer kennenzulernen. Leider wurde das ziemlich schnell von meinen bösen Gedanken im Keim erstickt. Denn warum sollte ein Mädchen, das Speckröllchen hat und mehr als Konfektionsgröße 40 trägt, Sex haben? Diese zwei Dinge passten zu diesem Zeitpunkt für mich nicht zusammen, was ich heute immer noch sehr bedauere. Denn ich beschäftigte mich demzufolge wenig mit meinem Körper, meiner Sexualität und allem, was dazu gehört. Diese Abstinenz störte mich zunehmend, und dennoch konnte ich meine eingebrannte Denkstruktur nicht ändern und mein nicht vorhandenes Selbstbewusstsein bekämpfen. Ich fühlte mich darin gefangen und wusste nicht, wie ich mich befreien sollte. Bis ich vor noch nicht einmal drei Jahren eine schlagartige Wendung erlebte. Ich erkannte endlich, dass alle Menschen mit allen erdenklichen Körperformen, die uns die Natur geschenkt hat, Sex haben dürfen. So viel sie möchten. Sowohl mit sich selbst, als auch mit anderen.

So begann ich, Schritt für Schritt meine ganz eigenen Praktiken anzuwenden, um mich selbst zu erkunden und lieben zu lernen. Ich habe mich anfangs immer wieder in schöner Unterwäsche vor den Spiegel gestellt, wild getanzt und gepost. Das machte Spaß und war eine eher leichtere Übung. Als ich dann bereit war, mich zu berühren und mich vollkommen auf meinen Körper einzulassen, bäumte sich eine ganz neue Gefühlswelt vor mir auf, die mich unglaublich faszinierte und glücklich machte. Von dem Moment an kümmerte ich mich zunehmend um mich selbst, meinen Körper und meine Lust auf Sex. Mit anderen und vor allem mit mir selbst. Ganz alleine. Ohne einen Gedanken an eine andere Person zu verschwenden, dachte ich mal nur an mich. Meine Person und meinen Körper. Ich hatte das erste Mal Sex mit mir selbst. Für mich mit die höchste und schönste Form der Selbstliebe und zudem unabhängig von einem anderen Menschen, der uns das Gefühl geben kann, sexy oder nicht sexy zu sein.

Ich möchte alle dazu auffordern, die eigene Sexualität zu entdecken, den eigenen Körper zu ertasten, ihn zu spüren und endlich zu verstehen, dass jeder Körper ein Recht auf Sex hat. Denn all unsere Körper stecken voller Leidenschaft und Lust. Unsere erogenen Zonen möchten entdeckt und liebkost werden, egal, ob mit oder ohne Speckröllchen, Muskeln, Haaren und Co. Denn wir alle sind sexy. Wir müssen es nur selbst fühlen. Und wie Woody Allen so schön sagte: „Masturbation ist Sex mit jemandem, den ich wirklich liebe.“

ALSO LIEBT EUCH, UND MACHT ES EUCH SELBST. ICH WÜNSCHE EUCH VIEL SPASS DABEI!

Illustration: Christina

5 Comments

  1. Anne

    10. Mai 2017 at 21:29

    Der Text ist wahnsinnig gut und es ist so wichtig, diese Meinung unter die Leute zu bringen. Ich selbst habe Freundinnen, die sehr offen über alles reden, was mich auch hat offener werden lassen. Was ich nicht bereue. Ich finde, wenn Typen darüber reden können, dürfen wir Girls das auch!

  2. Rheintochter Esme

    7. Mai 2017 at 20:32

    Wichtige Message, wunderbar präsentiert – vielen Dank, Christina! Danke für’s Aussprechen, für das Teilen Deiner Sicht und den Aufruf an die Ladies! Einfach DANKE! 💝

    • Christina

      8. Mai 2017 at 21:04

      Ich danke dir! Nach den krassen Kommentaren und Diskussionen auf Facebook tut das sehe gut. Danke 💕

      • Mimi

        Mimi

        9. Mai 2017 at 15:23

        Lass dir von Menschen, die unfähig sind, andere Ansichten/Meinungen/Erfahrungen zu akzeptieren, nichts vermiesen, Herz. Der Text ist so groß und du bist wundervoll💕

      • JudgeDark

        10. Mai 2017 at 18:23

        Einer der Gründe, warum ich einen großen Bogen um FB und Co. mache … oftmals hat man da mit so großen Vollpfosten zu tun, das braucht keiner.
        Darum schließe ich mich der Aussage von Mimi an … !

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