Comedy Porn SCHNICK SCHNACK SCHNUCK – no Fake Fuck

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Ich mag ja Männer, also die guten, nicht die Blödiane. Noch besser finde ich Männer, die sich nicht nur regelmäßig Pornos reinziehen, sondern sich außerdem mit der Materie beschäftigen, ich meine, abseits von Fragen wie „Wie viele Penisse passen gleichzeitig in den Allerwertesten von Audrey Hollander?“ Als mich der neue Mimi&Käthe Autor Kaspar ten Boerte fragte, ob er etwas über die Indie Porn Comedy SCHNICK SCHNACK SCHNUCK schreiben solle, bescherte mir das vor Freude hektische Flecken und einen Krampf im kleinen Zeh. Lest, warum jeder SCHNICK SCHNACK SCHNUCK gesehen haben sollte und schmökert euch durch das anschließende Interview mit Darstellerin Jenz. Lohnt sich :)

Von Kaspar ten Boerte

Deutschland hat nicht nur Speed erfunden, kann Autos bauen, für Ordnung sorgen und sich selbst eine Heiden German Angst machen. Deutschland kann mehr, und alle sollen es wissen. 2015 wurde eine Qualität unterstrichen, die alle anderen Fähigkeiten an Bedeutung locker überflügelt: Deutschland kann lachen und vögeln – beides zusammen. Bewiesen ist das spätestens seit SCHNICK SCHNACK SCHNUCK, ein Film, der in der Kategorie geiles Geschichtenerzählen ganz nach oben gesnackt wurde. SCHNICK SCHNACK SCHNUCK ist eine pornografische Komödie, die beim Kinky Film Festival 2016 in New York den ersten Preis in der Kategorie „Beste Erzählung“ gewonnen hat. Gratulation Baby, you got the Cinekink Award! Eine wundervolle Wertschätzung für Regisseurin Maike Brochhaus, Drehbuchautor Sören Störung und die mitspielenden Sternchen.

SCHNICK SCHNACK SCHNUCK zeigt die Unterschiede zwischen verschiedenen Lebens- und Liebesarten durch die Kontraste zwischen einem eigentlich monogamen Pärchen vom Dorf und einem bunten Haufen großstädtischer Porno-Wunderländler. Styling, Dialoge und Szenen des Films thematisieren spielerisch die Unterschiede, Chancen und Schwierigkeiten des Liebens zwischen den Polen Monogamie und Polyamorie. Und erlauben neben Ausblicken auf nackte Körper auch Einblicke in die Möglichkeitswelten menschlichen Miteinanders.

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Man merkt dem Film seine Zeitgenossenschaft an. Es ist eine Produktion des dritten Jahrtausends, die Meta-Ebenen und Kommunikationen auf sozialen Netzwerken so selbstverständlich einbindet, wie sie auch im Real Life stattfinden. Anders, ohne auf anders machen zu müssen, quietschbunt und voll schnuckeliger Menschen, die alle immer Bock haben. „Willkommen in Pornotopia“, sagt eins der Mädels, als ihr beim Baden eine abgefahrene Sexgeschichte aufgetischt wird, und genau dieser Willkommensgruß beschreibt die Atmosphäre des Films.

Was in SCHNICK SCHNACK SCHNUCK außer Vögeln eine Rolle spielt: Nacktbaden und knutschen, kuscheln und absurde Gespräche, Verkleidungen, ein Hauch Crossdressing, und ganz nebenbei werden damit Fragen nach der Beliebigkeit konstruierter Rollen in den Raum gestellt. Immer wieder wird außerdem die Selbstermächtigung von Frauen thematisiert, die mit einem Höchstmaß an Freiheit ihre Körper, ihr Aussehen und ihre Beziehungsgeflechte selbst gestalten möchten. Die auf sich hören, wenn es darum geht, mit wem sie Sex haben wollen. Nicht auf die Stimme der Konvention, die neidisch und ängstlich „Schlampe“ flüstert, weil sie ihre eigenen Vorstellungen durch die Freiheit der anderen bedroht sieht.

Aber auch die Wünsche von Menschen, die fest in ihr konventionelles Leben eingebunden und sich als Pärchen seit zehn Jahren treu sind, werden verschmitzt, aber respektvoll dargestellt – und sanft hinterfragt. Gibste Respekt, kriegste Respekt, das ist der Deal.

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Zum Ende des Films gibt’s nochmal die volle Mischpalette auf die Augen. Ein farbenfroher Maskenball in einem Club, dessen Name Verheißung ist: „Goldene Zeiten“. Dort stöhnen nicht nur alle lieben Liebenden, sondern auch der einzige Konflikt der Erzählung schwillt zwischen einer Menge Ärsche und Titten schnell an. Doch Titten und Ärsche und die dazugehörigen Münder sind schneller und lauter, bewegungsfreudige Mannschaften, die ihre Chancen nutzen. Der Konflikt löst sich auf in zwischenmenschliche Interaktion.

Beim großen SCHNICK SCHNACK SCHNUCK Finale auf dem Spielfeld gibt‘s kein Sportficken und kein Dominanzgebumse, die Mädels versorgen und lassen sich versorgen. Werden penetriert, geleckt und gefingert, bis ihre Öhrchen rot glühen. Und stöhnen sich so herzöffnend hingebungsvoll zum Höhepunkt, dass es nicht nur geil aussieht, sondern auch pervers gut klingt.

Hier werden Porn-Klischees unterlaufen, untergraben und übertrieben, bis die Kulisse quietscht. Und wer bei Porn Comedy eine Weichzeichner-Erotik im Hinterkopf hat, liegt falsch. Es geht explizit zur Sache. In SCHNICK SCHNACK SCHNUCK gibt’s schöne steife Schwänze, die auch mal im Arsch des coolen Checkertypen verschwinden. Buschige und rasierte Muschis, Brüste in allen Größen und Formen, und auch sonst ist alles zu sehen, was die Natur uns zum Ausgleich dafür gab, dass zu viele von uns ihr Sexspielzeug durch beschissen bezahlte Bürojobs mit cholerischen Chefs und neurotischen Kollegen finanzieren müssen.

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Regisseurin Maike Brochhaus und Drehbuchautor Sören Störung beim SCHNICK SCHNACK SCHNUCK spielen.

SCHNICK SCHNACK SCHNUCK liefert außer exzellenten Wichsvorlagen auch die Erkenntnis, dass die Welt einen Sinn haben könnte, wenn wir nur regelmäßig mit witzigen Pornos versorgt würden und jeder von uns problemlos so viel Sex, Knutschen und Kuscheln haben könnte, wie es uns behagt.

Sex-Positivismus, Polyamorie, Beziehungsanarchie, Fremdgehen, Monogamie, Partnertausch, Partnerrausch, Partnerflausch, Feminismus und das große Spiel der Orgie werden quasi im Vorbeigehen thematisiert. Dank der scharf überzeichneten Comedy mit Referenzen auf die Pseudo-Dialoge von Siebziger-Jahre-Pornos, können auch schwierige Themen aufgegriffen werden, ohne dass der innere Schwung dieser abenteuerlichen Erzählung verloren geht.

Ihr könnt den Film zu Hause mit euren Liebsten sehen und gleich nachspielen. Er funktioniert aber wegen des Humors und der teils absurden Wendungen auch in größeren Runden. Neben Erektionen und Gleitbereitschaften kann es zu Dauergrinsen oder spontanen Lachanfällen kommen.

Sex, Partys, Albernheiten und das Anstupsen von Themen, die diskutiert gehören, und das alles in einer Welt, in der alles Spaß macht und gleichzeitig als Utopie behauptet wird. Als Nicht-Ort, den es in dieser Form in absehbarer Zeit nicht geben wird, aber dessen Idealen zu folgen sich lohnen würde. In dieser Form ist Ficken gleich Frieden. Und, Ladys and Gentlemen, wer will dagegen Einspruch erheben? Aye, hier auch niemand! Ficken für den Weltfrieden, sehr verehrtes Publikum, Amen.

Auf der Webseite Schnick-Schnack-Schnuck.net könnt ihr den Film für 18 Euro runterladen oder ihn für 19,99 Euro plus Versandkosten als DVD bestellen. Viel Geld, findet ihr? Au Contraire. SCHNICK SCHNACK SCHNUCK ist eine Low Budget Independent Produktion, die vom Filmteam in finanzieller Eigenregie getragen wurde und an der viele Beteiligte ehrenamtlich mitgearbeitet haben. Unterstützt dieses großartige Projekt, das zeigt, dass Porno sehr viel mehr sein kann als die ewig gleichen Mainstream Wichsclips.

Mit etwas Glück gibt’s den steifen Streifen auch in den mutigen Kinos eures Vertrauens: Fragt einfach nach, und wenn er nicht im Programmheft steht, fragt ihr wieder nach und schickt eure Freunde zum Nachfragen und macht das Ganze so lange, bis der Kinomensch es selbst für eine gute Idee hält, den Film zu zeigen. Ja, es ist Manipulation, aber ihr tut das Richtige. Niemand wird enttäuscht werden. 

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Ich hätte da noch ein paar Fragen vorbereitet. Zufällig hat Jenz, eins der Sternchen aus SCHNICK SCHNACK SCHNUCK, mit mir neulich eine Lesung veranstaltet, also habe ich ihr aus Neugierde noch ein paar Standardfragen gestellt. Weißt ja nie, wozu die gut sind. Und manche Menschen kannste fragen, was du willst, da kriegste keine Standardantworten. Jenz ist so ein Mensch.

Wie kam die Frau zum Porno?

Jenz: Gute Frage. Das war so nicht geplant im Lebenslauf. Ich setze mich schon lange mit meiner Sexualität auseinander und seit einigen Jahren auch mit alternativen Beziehungsformen und mehrfacher Liebe. In einer Hochphase von freier Liebe und Affären, fand mich die Maike Brochhaus, die Regisseurin von SCHNICK SCHNACK SCHNUCK, in meiner Lieblingskneipe. Und so kam es, dass ich in ihrem ersten Film „Häppchenweise“ mitspielte. Damals spielte ich keine Rolle, sondern mich selbst, und hatte zu dem Zeitpunkt auch erst wenig Sex vor der Kamera. Das war ein Projekt, das mir persönlich viel gegeben hat. Eine gute Erfahrung. Dann kam das zweite Drehbuch, und die fragten wieder. Und da hat Maikes bestes Pferdchen im Stall zugesagt.

Rolle vorwärts – von der Selbstdarstellung zur Figur. Und auf einmal dann so Sex mit Darstellen? 

Jenz: Ja, diesmal gab‘s Rollen, und es musste geschauspielert werden. Als ich das Drehbuch gelesen habe, sagte ich auch gleich zu Maike: „Also, die Anke hast du ja wohl für mich geschrieben!“ In unserer kleinen, feinen Porno-Familie achte ich aufs politisch Korrekte, mit einem lieben Augenzwinkern. Ich lege viel Wert drauf, wie das Ganze rüber kommt und mische mich in manche Kleinigkeit energisch ein. Deshalb war mir die Anke nicht fremd. Ich hab mich am meisten über den Satz „Marcuse hat gesagt…“  gefreut! Das war in meiner früheren Politgruppe ein Running Gag. Schön ist, dass wir Darstellenden uns mit unseren Vorstellungen einbringen konnten.

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Gruppenbild mit Herzchen: Die schöne Lady mit der Cap ganz links ist Jenz. Alle Fotos (5): SCHNICK SCHNACK SCHNUCK

Brauchtest du Mut, hattest du Schiss?

Jenz: Wozu brauchte ich Mut? Ich bin eine, die erst kurz vor Betreten der Bühne nervös wird. Und am nervösesten war ich am Morgen vor der Sexszene. Wir saßen mit der Crew bei Maike und Sören zu Hause beim Frühstück, alle um mich herum am brabbeln und erzählen und Trubel. Ich hatte Schiss und saß wie erstarrt dazwischen. Das hat mein lieber Drehpartner gesehen, mich bei der Hand genommen, und wir haben uns im Nebenzimmer aufs Bett aneinander gekuschelt, und er hat mich in den Arm genommen, bis mein Herz wieder langsamer wurde. Dann war ich bereit. Klingt gar nicht so Porno, was? Aber genau dieses Vertrauen und diese Rücksicht auf die Gefühle nehmen macht es möglich, sich ehrlich der Welt zu zeigen. Das macht unser Team auch aus.

Hattest du Schwierigkeiten, dich nackt zu zeigen, dich selbst nackt zu sehen?

Jenz: Damit hab ich inzwischen kein Problem mehr. Ich liebe meinen Körper, wie er ist, und kann ihn ohne Scheu zeigen. Was ich schwierig finde, ist, mich in voller Hingabe zu zeigen. Das ist Verletzlichkeit. Um mit jemandem wirklich guten Sex zu haben, muss ich vertrauen, um mich fallen lassen zu können. Wenn dann noch drei, vier weitere Menschen im Raum sind, muss ich auch denen vertrauen. Also viel Kennenlernen und Einfühlungsvermögen. Mein größter Anspruch an unsere Art, Porno zu machen, ist, dass es echt ist. Das bedeutet, auch wenn man körperlich oder emotional gerade keinen hoch kriegt, darf das auch gesehen werden. Wenn ich im Dreh merke, es geht gerade nicht, ist es fürs Team okay. Aber so kann man als Zuschauer_in sicher sein, dass das, was zu sehen ist, wirklich gefühlt wurde. No Fake-Fuck.

Wie war die erste Kinovorstellung?

Jenz: Ich bin immer nervös, wenn ich bei SCHNICK SCHNACK SCHNUCK mit im Kino sitze. In meiner Heimatstadt, in meinem Lieblingskino, in meiner Hood ums Eck, war meine Schwester dabei. Ich war wohl nervöser als sie. Da zeigt man seinen Arsch der ganzen Welt, und dann sitzt Schwesterchen neben einem. Das war schön. Meine Schwester steht voll hinter mir und unterstützt mich bei all meinen Projekten und Abenteuern. Wir reden über alles. An dem Abend war auch meine ehemalige Chefin da, ich habe während des Studiums in ihrem Sexshop gejobbt. Tolle Überraschung, sie da zu sehen! Ich fiel ihr um den Hals und bedankte mich für die Zeit damals in ihrem Laden, der mir die weite Welt von offen ausgelebter Lust eröffnet hat. Wichtige Zeit! Hätte ich dort damals nicht gearbeitet, wer weiß, ob heute meine eigenen Filme im Ladenregal stehen würden.

Hat’s Spaß gemacht?

Jenz: Ja, oh ja! Es war sehr schön. Wir hatten bei unserer Zweierszene vorher noch einen kleinen Schauspielpart, bei dem wir rumgealbert haben und ein paar Mal wüst knutschend in das Schlafzimmer gestolpert sind. Da waren wir dann schon super eingestimmt, als das im Kasten war. Mein Drehpartner „Kai“ ist einfach ein toller Mensch. Schön, dass man das auch sieht. Aber auch die anderen. Wir haben ja alles klassenfahrtmäßig an einem Stück gedreht, und so war ich auch am Set, als andere gevögelt haben, und es war so schön, das mitzuerleben. Es ist auch auf uns im Off übergesprungen. Auch hinter den Kameras wurde machmal gespielt. So Pornos sind schon anregend.

Kommt noch mehr?

Jenz: Ob da weitere Projekte kommen, werde ich sehen. Kommt immer auf das Angebot an, auf das, was die Macher_innen mit ihrem Film bewirken wollen. Wenn ich dahinter stehen kann, kann ich mir das vorstellen.

Mehr Infos, Bilder und den Trailer zum Film findet ihr auf der SCHNICK SCHNACK SCHNUCK Website.

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