Pro Spanking oder: Ist Arsch voll voll sexistisch?

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Unsere Autorin Penny Calvet ist ein geheimnisvolles Wesen, voller Überraschungen und Mysterien. Dank ihres neuen Textes weiß ich jetzt zum Beispiel, dass sich die Lady nach langen Clubnächten „Berlin Tag und Nacht“ reinzieht. Penny, also ehrlich :D Allerdings brachte der Konsum der Trash-Klatsche Penny auf eine Menge Gedanken. Zum Beispiel auf diesen: Schwächt es unsere Position als starke Frauen, wenn wir uns beim Sex den Arsch versohlen lassen? 

Von Penny Calvet

Ich schaue nicht oft fern. Wenn, dann nachts, wenn ich mich mal wieder schlaflos durchs Bett wälze, oder nach einer Party noch zu aufgedreht bin, um sofort ins Lummerland zu entschwinden. Auch am letzten Wochenende zappte ich mich frühmorgens nach einer durchzechten Nacht durch die Programme und blieb bei einer dieser schrecklichen Fake Reality Soaps hängen. Allabendlich lockt diese Sendung ein Millionenpublikum vor die Flimmerkiste und zeigt meine geliebte neue Heimatstadt in einem denkbar schlechten Licht. Wie Peter Fox schon richtig erkannt hat, ist in Berlin nicht alles perfekt und „überall liegt Scheiße, man muss eigentlich schweben“, aber hey, diese Stadt hat weitaus mehr zu bieten als schauerliche, menschliche Dramen in abgerockten Etablissements. Berlin ist groß, laut, wild und steckt voller Abenteuer.

In der Wiederholung jener Reality Soap tauschten sich zwei superheiße, von oben bis unten tätowierte Bräute über ihre neuesten Sexerlebnisse aus. Und siehe da, krass aussehen heißt noch lange nicht, dass Frau automatisch Lust auf den krassesten Sex hat. Eine herrische Blondine beschwerte sich bei ihrer Busenfreundin – deren Möpse fast aus meiner Mattscheibe sprangen – darüber, dass ihr neuer Lover sie gerne etwas härter rannehmen und ihr den Arsch versohlen wolle. Die Idee fand sie prinzipiell gut, und bei der detaillierten Erzählung dessen, was ihrem Lover so vorschwebte, wurde selbst mein Höschen ganz feucht. Ich überlegte ernsthaft, meinen Vibrator unter dem Bett hervorzuzaubern, als Blondie plötzlich verkündete, dass sie auf die Spanking-Geschichte nach reiflicher Überlegung verzichten würde.

Arsch voll 2

Warum denn das, fragte nicht nur ich mich entgeistert, sondern auch die Busenfreundin die Blondine. Der Plan, sich mal so richtig den Arsch versohlen zu lassen, klang offenbar für uns beide verlockend. Ich fiel unsanft aus meinen heißen Träumen, als Blondie die Begründung für ihre Entscheidung anführte.

Kern ihrer Ablehnung war nicht etwa, dass sie mit heißen SM-Spielchen nichts anfangen könne, sondern, dass ein Klaps auf den Po ihre Position dem Mann gegenüber schwäche. Sex, bei dem er sie härter rannehmen dürfe, würde nur funktionieren, wenn sie im Alltage die Hosen anhätte und über ihren Freund bestimmen könne. Mit diesem Deal war ihr Lover aber verständlicherweise nicht einverstanden.

So ein Bullshit! Am liebsten wäre ich durch meinen Fernseher gesprungen und direkt auf Blondies Sofa gelandet, denn dieses sexy Gerät braucht eindeutig Nachhilfe in Sachen Machtspielchen, Arsch versohlen und zwischenmenschlichen Beziehungen.

Sex, bei dem es ein wenig härter zugeht, hat meiner Meinung nach nichts damit zu tun, wie es sonst in der Beziehung läuft. Ich verrate euch jetzt mal was – ich stehe auch auf Schläge, nicht nur auf den Arsch und lasse mich beim Sex gerne als Flittchen beschimpfen, das macht mich tierisch geil. Es geht darum, dass ich ab und an meine devote Seite ausleben möchte und mein Partner mich deshalb eben mal nicht wie eine Porzellanfigur behandelt.

Arsch voll 1

Starke Frauen machen das, worauf sie Lust haben, im echten Leben und im Bett. Punkt und Peace out :) Fotos (2): Ferdie Binger

Dazu braucht es natürlich Vertrauen und das richtige Verhältnis von Strafe und anschließender Belohnung. Deshalb muss ich aber nicht, nur weil ich es manchmal im Bett hart besorgt bekomme, in allen anderen Bereichen immer die Hosen anhaben und meinen Partner im Alltag dominieren. Dominanz im Bett und Dominanz in der Alltagswelt – beides hat nichts miteinander zu tun, solange die beiden Mitspieler einander respektieren und die gegenseitigen Grenzen akzeptieren und einhalten. Sex ist eben nicht politisch, und es sollte nicht darum gehen, sexuelle Wünsche und Vorlieben nur dann zuzulassen, wenn man dafür eine gleichwertige Gegenleistung erhält.

Macht für Macht herzugeben, erscheint mir der falsche Weg. Besagte Dame hätte ihren Gelüsten einfach folgen sollen, ohne sich ihren wohlverdienten Spaß selbst zu verderben. Wenn sie ihrem Partner vertraut, Lust auf die Nummer hat und der Sex für beide dadurch noch besser wird, verstehe ich nicht, wo das Problem liegt. „Lass dir doch mal ein paar Schläge auf deinen herrlichen Arsch verpassen, Blondie“, würde ich ihr gerne raten, „danach fühlst du dich gleich viel besser. Versprochen.“

Das Model auf diesen Fotos ist Über-Babe und Ex-Porngirl Kim Mortenroe. Folgt der Schönheit auf Facebook :)

8 Comments

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  4. senfdazu

    16. März 2016 at 21:20

    ja und nein.

    selbstverständlich hat die dominante/devote Position beim Sex erstmal nicht automatisch mit dem restlichen Beziehungsalltag zu tun.

    aber: es wäre meiner Meinung nach blauäugig so zu tun, als hätten gesellschaftliche Rollebilder keinerlei Auswirkungen auf derartige Dinge – das erkennt man meines Erachtens z.b. daran, daß es *weitaus* mehr Männer gibt, die an der dominanten Rolle Interesse haben als andersherum.

    (und genauso wie es leider viel zu viele Männer gibt, die kapieren, daß, um mal ein Beispiel dem Text zu nehmen, das Titulieren seines Gegenübers als Flittchen (was dieses auch noch erregt) keinen Rückschluß auf das alltägliche Verhalten bzw. den Wert des Menschen aussagt)

    • Mimi

      Mimi

      20. März 2016 at 17:29

      Wer sagt, dass es mehr dominante Männer als Frauen gibt? Gibt es Untersuchungen dazu, also ernsthaft? Ich erlebe es nämlich genau anders herum.

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  6. Eri

    13. März 2016 at 8:42

    Uuuh yeah Popoklatscher! Bin ich persönlich ja Fan von. Aaaaber… „Also ich find’s ja unmöglich, dass er dir in der Öffentlichkeit (aka meinem Wohnzimmer mit mir und meinem Langweilerfreund drin) auf den Arsch haut!“
    „Was? Wieso???“
    „Das ist dir gegenüber total respektlos.“ – Diese Unterhaltung durfte ich vor einer Weile mit einer Freundin führen. Und ich habe es nicht verstanden. Fand ich jetzt garnicht so respektlos, sondern eher niedlich. Offenbar ist es aber nicht nur beim Sex erniedrigend, einen Klaps auf den Po zu bekommen, sondern auch dann, wenn beide angezogen sind und selbiger Klaps schlicht ein kurzes Aufbäumen des charmant primitiven Männerhirns („Hmmmmm Popo anfassen!“) war. Er hat mich in ihren Augen, ja was, zum Objekt degradiert, und das vor Zeugen?! Gott bewahre, selbige Freundin wüsste, dass mein Mann prinzipiell eine Hand an meinem Arsch hat, wenn ich, Achtung, in der Küche stehe!!! Eklat! Alle Hände gehen entrüstet nach oben! Nur meine nicht, meine Hände warten auf die nächste Gelegenheit, meinen Adonis kurz zu begrabbeln. Oder ihm kräftig in den Po zu kneifen wenn er grade an mir vorbei läuft. Cause we’s chill like that.

  7. JudgeDark

    11. März 2016 at 16:36

    Daumen hoch für diesen Text und die damit verbundene Botschaft!

    Wir hatten das ja schon kürzlich beim Thema Liebe bzw. Kennenlernen und auch hier gilt: man sollte sich durch zu viele Gedankenspiele nicht selbst im Weg stehen!

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