Polyamorie – scheiß auf exklusiv, Liebe ist zum Schenken da

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Barney Borderless – ein neuer Name im Mimi&Käthe Autorenteam, der programmatischer nicht sein könnte. Denn Barney Borderless liebt es grenzenlos – nicht wie ich, die vor allem beim Essen und Trinken gerne mal alle Grenzen vergesse und anschließend doof grinsend ins Foodkoma oder den nächsten Hangover renne. Barney Borderless liebt grenzenlos. Nicht nur eine Frau, sondern die Frauen, die er begehrt. Wenn die Frauen ebenso grenzenlos und vor allem offen sind, ist Gruppenliebe angesagt. Polyamorie nennt sich das Liebesmodell, das weg will von exklusiven Zweierbeziehungen, hin zur Freiheit, sein Herz so oft zu verschenken, wie man lustig ist. Glaubt mir, Barney und ich sind uns wegen dieses Themas schon so oft in die Haare geraten, denn ich betrachte mich selbst als unerschütterliche Anti-Polyamoristin. Dennoch, nein, gerade deshalb möchte ich euch Barneys Gedanken zur Polyamorie nicht vorenthalten. Und ich wüsste gern – was sagt ihr zu polyamoren Beziehungen?

Text von Barney Borderless

Du sitzt verschwitzt in der Bahn nach Hause und hast das Gefühl, zu stinken wie der sprichwörtliche Puma. Ist aber scheißegal – genauso wie das Gefühl, dein Date versemmelt zu haben. Oder war sie es? Der Tag ist gelaufen. Einmal mehr bist du mit deinen hehren Ansätzen grandios gescheitert. Obwohl du nichts anderes gemacht hast, als zu deinen mühsam erarbeiteten Anschauungen zu stehen.

Aber von vorn.

Das Tinder-Date mit dieser wirklich rasend schönen, eloquenten Frau verlief extrem geschmeidig, voller Lachen und Grinsen und grenzwertig-blödem Turteln. Bis zu dem Punkt, an dem sie wissen wollte, wie du es mit der Treue hältst. Nachdem du das Stichwort „Polyamorie“ in den Raum warfst, war ihr Drang, möglichst schnell den Deckel zu begleichen, der einzige Trieb, der sie trieb. Davon. Weg von dir. Futschikato. Aber du wirst nicht von deiner Haltung abrücken, davon, polyamor zu leben, viele zu lieben. Und du weißt auch, warum.

Sie sprach vom „Teilen“, das für sie nicht in Frage käme. Aber wen oder was will sie teilen? Ihren Mann? Das kann sie nicht. Teilen kann man nur, was man besitzt. Einen Menschen aber kann man nicht besitzen, kein Eigentum an ihm erwerben. Seine Gefühle und seine Sexualität gehören ihm, ihr, niemandem sonst. Entscheiden sich Menschen aus freien Stücken, exklusiv zu sein, ist es gut, weil richtig. Wird Exklusivität eingefordert, sind das Handfesseln, die allenfalls ans Bettgestell gehören, nicht an dein Herz. „Ich gehöre nicht dir.“ So einfach ist das.

Polyamorie1

Den liebsten Menschen nicht teilen können – das ist für unseren Autoren kein Argument gegen Polyamorie. Und für euch?

Du denkst an das verpatzte Date zurück. „Man kann nur einen Menschen lieben“, stöhnte sie nach meinen Ausführungen über die Polyamorie, leider nicht im Ansatz lasziv. Wo steht das? Wer sagt das? Und ist das richtig? Nein. Ihr alle seid in der Lage, mehrere Menschen gleichzeitig zu lieben, emotional wie sexuell. Ihr tut es nur nicht. Weil man euch gesagt hat, dass es falsch sei. Die Eltern, die Medien, die Lehrer, die Freunde. Nicht, weil das die Wahrheit wäre, sondern weil eine andere, vielleicht unbequemere Wahrheit nicht in ihre raumbegrenzten Köpfe hinein passt. Ihr könnt Menschen in der Mehrzahl lieben. Dann liebt ihr auch automatisch mehr. Probiert es! Freilich bedeutet Polyamorie nicht, sich durch das Bundesland und darüber hinaus zu vögeln, bis dein Schwanz Feuchtigkeitscreme aus dem Fundus deiner Freundin braucht. Polyamorie bedeutet viele lieben, nicht viele ficken.

„Ich will nicht belogen werden“, war auch so ein Einwand meines Dates gegen das polyamouröse Lebensmodell. Wer spricht von Lüge? Polyamorie funktioniert nur, wenn alles für alle klar ist. Das heißt, dass alle, die an einer polyamoren Beziehung beteiligt sind, klare Absprachen treffen müssen, wer was zu welchen Zeitpunkten wissen will und muss. Diese Absprachen müssen anschließend mit Leben gefüllt werden. Heimlichkeiten, die nicht vereinbart waren, zerstören das Ganze. Das müssen Polyliebende wissen. Keine Lügen also, denn es gibt keinen Betrug, wenn Transparenz herrscht. Und es besteht durchaus die Möglichkeit, dass wieder unter den Liebenden neue, energiereiche Bande entstehen.

Treue, Monogamie, Exklusivität: Ich finde, das alles sind Begriffe, die nicht die Natur uns mitgab. Sie stammen aus unserer Sozialisation, man hat sie uns beigebogen. Wir nehmen unserem Partner nichts weg, wenn wir Liebe auch an weitere Menschen verschenken. Ja, schenken! Nicht damit dealen, nicht gaukeln, um möglichst schnell den Lörres neue Welten entdecken zu lassen. Wo Liebe ohne Fesseln verschenkt wird, da kommt sie auch zurück, von ganz allein.

Polyamorie_2

Polyamor lebende Menschen genießen nicht nur den Sex mit mehreren Personen. Sondern auch die Zweisamkeit mit ihnen. Oder die Dreisamkeit. Viersamkeit. Was auch immer.

Es geht bei Polyamorie nicht darum, Kerben im Bettpfosten zu sammeln. Sondern darum, dass Liebe frei ist, keine Konventionen kennt, sich nur frei entfalten kann, wenn man und frau sie machen lassen. Wenn wir einander nicht vereinnahmen wollen, sondern uns auch Freiheit gewähren, die natürlich nicht zwanghaft ausgelutscht werden muss. Ich kenne Polys, die über lange Distanzen faktisch monogam leben, weil es gerade nur einen Menschen gibt, den sie lieben. Aber sie wissen, dass sie auch andere lieben dürfen. Das macht alle glücklich. Und es macht auch glücklich, wenn der andere mit leuchtenden Augen von prickelnden Tagen und Nächten erzählt.

Wer mehr dazu wissen will, sollte einmal auf dieser Seite nachschauen. Hier haben sich Polys die Mühe gemacht, sämtliche Schattierungen und Ausprägungen der nicht-monogamen Liebe zusammenzutragen.

Wie seht ihr das? Habt ihr das probiert? Lehnt ihr es ab? Haut mir eure Meinungen gnadenlos um die Ohren.

Und jetzt liebt. Begehrt. Versinkt ineinander. Aber kettet euch nicht an. Love is peace. And freedom.

Fotos: Sarahlikesprettygirls
Models: Juliana, Princess Of Pain und Nico Bronson

12 Comments

  1. Haptain

    5. Dezember 2016 at 19:50

    Interessant…ein rhetorisch misratener Artikel bei dem die Rechtrschreibfehler nicht einmal die größte Katastrophe sind…

    Anstatt sich also dem Zeitgeist zu unterwerfen und sich sein unverbindliches Verhalten damit zu rechtfertigen, dass „es ja gerade Trend ist“ für nichts mehr einstehen zu müssen, wofür man auch nur das geringste Opfer bringen müsste, hätte man ja auch mal objektiv an das Thema herangehen können.
    Leider disqualifiziert sich der Text bereits bei „Tinder-Date“, schließlich bekommt man was man sucht (hier besser: „wo“)und um es für alle verständlich zu machen: wenn einer gewinnt, muss ein anderer verlieren.

    Das alberne Argument mit den anerzogenen Werten ist fast so durchsichtig wie die Argumentation der These insgesamt, die Natur hat uns zur Reproduktion motiviert (der Widerspruch im Artikel ist : „Polyamorie bedeutet viele lieben, nicht viele ficken.“), hier verwechselt der Schreiber Ursache und Wirkung.

    Wenn er selbst es jedoch braucht um sein Verhalten damit zu rechtfertigen, dann soll es ihm gegönnt sein, solange er sein eigenes Wort hält, wenigstens offen und ehrlich zu sein…

    Auf einer Plattform von Vice erscheint ein Text über ein Hipster-Thema und der Text beginnt mit Tinder…

    • Mimi

      Mimi

      5. Dezember 2016 at 21:22

      Ein inhaltlich wie rhetorisch missratener Kommentar, bei dem die Rechtschreibfehler noch das Amüsanteste sind. Alles Gute dir dennoch.

  2. Pingback: Tattoomodel Tara Joan: Share some love – seid stolz auf euren Sex! - Mimi&Käthe

  3. Pingback: Immer locker bleiben: Daten für Kerle mit Eiern - Mimi&Käthe

  4. valaki

    14. August 2016 at 8:54

    @Ulli:
    Ja, es kann sehr schön sein, zu sehen, wie der Mensch, dem ich nur das Schönste, Beste wünsche, dieses Schönste, Beste auch mit einem anderen geniessen kann. *hachja*

    Zu dem „man kann nur einen Menschen lieben“ – ich habe mehrfach Menschen, die das sagten, gefragt, wie sie das denn mit ihren (potentiellen) Kindern machen würden, ob sie da auch nur eines von lieben könnten… „Das ist doch ganz was anderes!“ Aber wenn man dann die Frage, ob das wirklich sooo anders ist, weiterdiskutieren kann (kann man eher selten), dann gibts dort manchmal auch ein Umdenken – nicht unbedingt für das eigene Leben, aber doch fürs Verstehen der anderen Position.

  5. Nadine

    12. August 2016 at 11:08

    Ich habe es schon mehrfach erleben dürfen. Allerdings ist es dann doch immer irgendwie gescheitert, meist an Eifersucht eines meiner Partner. Mittlerweile lebe ich in einer offenen Beziehung mit einer Frau. Wir beide wollen poly leben, finden aber niemanden, der das Trio vervollständigen will (und uns auch passt). Anfragen von oft notgeilen Männern gibts genügend, die nur an „zwei Frauen im Bett“ denken, ohne zu begreifen, dass es hier wirklich um Beziehung geht.

    Solange wir niemanden, entweder jede für sich oder gemeinsam finden, lebt sich halt jede von mit Freudnschaften Plus neben der Beziehung noch aus.

  6. Rheintochter Esme

    5. August 2016 at 18:34

    Es sind schon einige Argumente in beide Richtungen gefallen, und ich möchte nur ganz kurz noch meine 2 Cent in den Raum werfen. Als Mensch, der über viele, viele Jahre emotional wachsen musste (und gewachsen ist), kann ich Barneys Argumentation insofern nachvollziehen, dass kein Mensch einem anderen gehört. Davon ausgehend kann eine Poly-Beziehung funktionieren. KANN. Muss nicht. Denn ich z.B. muss mich ebenfalls dazu bekennen, dass ich zwar meinen Partner mitnichten „besitze“ und das auch gar nicht anstrebe, aber doch verletzt wäre, wenn ich nicht die Einzige in seinem Leben wäre. Denn wer möchte sich schon gern „austauschbar“ fühlen? Klar kann ich mir denken, dass Poly-Beziehungen vielleicht sogar mit besonders unterschiedlichen Menschen laufen und funktionieren – aber dennoch bliebe irgendwo das Gefühl, „nicht (gut) genug“ zu sein, meinem Herzensmenschen nicht allein alles bieten zu können, was er/sie braucht oder sich wünscht. Und das tut weh. Mir jedenfalls.

    Keine Ahnung, wäre ich Single, würde ich’s vielleicht ausprobieren und sehen, ob’s mir liegt. Bin ich aber nicht, und ich bin glücklich da, wo ich bin (in einer „spießig“-monogamen Hetero-Ehe, zwinker), darum werde ich es wohl nicht selbst herausfinden. Macht aber nix, dafür habe ich hier einen schönen Gedankenanstoß bekommen, über den ich sicher noch öfter nachdenken (und mit meinem Partner diskutieren) werde. Dafür erstmal vielen lieben Dank!
    Liebe vom Rhein!

  7. JudgeDark

    4. August 2016 at 18:30

    Jede Form hat seine Berechtigung, so sehe ich das. Wenn alle Beteiligten damit einverstanden sind und es eben klare Regeln gibt, dann soll jeder so glücklich werden wie er mag. Für mich hört es eh immer auf, wenn es ans Hintergehen geht … das gehört für mich in keine Beziehung, ob nun mono oder poly.

    Ich für meinen Teil bleibe allerdings monogam, kann mir was anderes nicht vorstellen und sehe für mich persönlich auch keine Erfüllung darin.

  8. Romy

    4. August 2016 at 11:50

    Ooooh ja, auch schon erlebt und gelebt! Und sehr genossen. Mittlerweile funktioniert es für mich nicht mehr, weil ich mich einfach nicht mehr aufteilen möchte und jemanden gefunden habe, der alles erfüllt und meine manchmal sehr heftige Liebe braucht und komplett aushalten kann ;) aber grundsätzlich finde ich, mit einer großen Portion Ehrlichkeit und Reflexion ist Polyamorie eine tolle Sache, die alle sehr glücklich und zufrieden machen kann.

  9. Ilo

    3. August 2016 at 23:01

    Hey,

    ich finde es etwas ungeschickt, dass dieser Text von einem Mann kommt. Denn das bedient eines von vielen Klischees, die es zu Polyamorie gibt. „Männer nehmen sich, was sie wollen und die Frauen haben das Nachsehen“ oder ähnlicher Schmu..
    Bevor du/ihr mich missversteht: es ist eine tolle kulturelle Errungenschaft, dass Polyamorie zunehmend mehr Akzeptanz genießt. Dadurch wachsen die Möglichkeiten der freien Lebensgestaltung, die jedem Menschen zustehen sollten.
    Aber, und das kann und möchte ich mir nicht verkneifen: Die Argumentation finde ich alles andere als charmant und nicht zwingend schlüssig. Natürlich steht Polyamorie in der Kritik, wodurch sich ein Autor in seiner Strategie für einen Text leicht dazu entscheiden kann überzeichnete Gegenreaktionen als ideelen Sparringpartner für seinen Text zu nutzen. Aber … come on: „die Medien“… „raumbegrenzte Köpfe“… Wenn ich als Befürworterin der Monogamie erst einmal als beschränkt und begrenzt dargestellt werde, schwindet meine Bereitschaft zur Akzeptanz. Denn ich könnte wiederum argumentieren, dass der monogame Weg menschliche Beziehungen zu gestalten kulturell gewachsen ist und eine zivilisatorische Errungenschaft darstellt. Denn erst, um diesen Argumentationsweg auszubauen, mit der Monogamie verankerten sich Werte wie Verbindlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Treue in der Gesellschaft (Monogamie = Zivilisation, Polyamorie = Steinzeit). Ebenso könnte ich, als andere Argumentationsstrategie, argumentieren, dass die Beliebigkeit und Austauschbarkeit zu denen der Kapitalismus und „die Medien“ aufrufen in der zeitweilig glorifizierten Polyamorie gipfeln. Ja, dass sie (Polyamorie) richtiggehend der Ausdruck einer Generation ist, die nicht in der Lage ist sich auf einen anderen Menschen einzulassen, sondern sich nach Möglichkeit alle Optionen offen lässt und offen lassen möchte. Denn heutzutage fehle es an Konsequenz und Rückgrat… Blabla.. Und das könnte ich sehr wortreich und argumentativ trickreich machen … möchte ich aber nicht.
    Denn (Zivilisation ist eine mordsfeine Sache!) es sind ja beide Sachen in einer modernen Gesellschaft möglich: Polyamorie und Monogamie. Denn ich habe beispielsweise seit Jahren das Gefühl mich für mein Befürworten monogamer Konstellationen erklären und rechtfertigen zu müssen. Und das erscheint mir nicht als der richtige Weg. Natürlich verstehe ich, dass du als Autor deinem Text ein möglichst negatives Gegenbild zu deiner Argumentation entgegen stellen möchtest. Aber argumentativ lupenrein iss dat nich. Denn den begrenzten Kopf, den du anderen attestierst, scheinst du bei der hier ausgebreiteten Argumentation eher selbst zu haben (Während mich still und heimlich der Verdacht umtreibt, dass du viel unbegrenzter bist als es der Text vermuten lässt).

    Diese normative Wertigkeit finde ich jedenfalls sehr schade und alles andere als konsensstiftend.

    Monoherzlichst
    Ilo

    • Mimi

      Mimi

      4. August 2016 at 15:04

      Ich gebe dir durchaus Recht, was die – auch in meinen – Augen nicht schlüssige Argumentation pro Polyamorie betrifft. Dass du es aber „ungeschickt“ findest, dass dieser Text von einem Mann kommt, halte ich, mit Verlaub, für Unfug und finde es durchaus sexistisch. Wir betreiben hier keine Politik, veranstalten kein Wetteifern der Gender, wer am besten und glaubhaftesten über etwas schreiben „darf“ oder „sollte“, damit sich niemand auf den Schlips getreten fühlt. Sondern ich gebe meinen AutorInnen auf dieser Plattform den Raum, ihre Meinung zu den Themen kundzutun, die sie bewegen. Wenn nun ein Autor über seinen polyamoren Lebensstil schreiben möchte, soll er das bitte tun, möchte eine Autorin etwas dazu sagen, gebe ich auch ihr mit Kusshand die Möglichkeit dazu.

  10. Ulli

    3. August 2016 at 20:07

    Es kann sogar wunderschön sein, den eigenen Partner mit seiner neuen Flamme zu sehn
    ….wenn ich wen liebe,dann will ich dass sich die Person ganz entfalten kann und glücklich ist.
    Dafür ist allerdings eine starke Beziehung nötig und das wissen, dass man zueinandergehört.
    Als ich meine Beziehung nach 7 Jahren geöffnet habe, folgten Nächte voller Gespräche in denen wir unsere gefühle füreinander bestätigt haben.
    Erst so war es möglich zu vertrauen und neues ausprobieren.
    Aber polyamorie ist keine einfache Sache und man muss schon viel an sich arbeiten!

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