Pöbeln für den Weltfrieden ♥

By  |  3 Comments

Es gibt einige Talente, auf die ich wahrlich stolz bin. Ich kann mir gut Songtexte merken, zum Beispiel. Ich habe keine Angst vor Gewittern, schließe schnell Freundschaft mit Insekten, kann bei Fußballspielen gröhlen, bis meinem Gegenüber das Blut aus Nase und Ohren tropft, und wenn ich etwas unbedingt will, weiß ich mindestens meine körperlichen Vorzüge geschickt einzusetzen – mein Augenaufschlag ist super, meine Brüste sind es auch. Eigentlich kommen meine Fähigkeiten ganz gut an. Männer schätzen meine Furchtlosigkeit, mein Brüllaffenorgan, meinen Augenaufschlag und die superen Brüste, Mädchen meine vielsagenden Songzitate auf Instagram und dass ich sie vor bösen Spinnen rette. Und auch meinen Augenaufschlag und die Brüste. Aber es gibt ein Talent, das alle doof finden. Und auf das ich stolz wie Oskar bin: Ich bin ganz groß im Pöbeln.

Wenn es etwas gibt, das ich richtig gut kann, dann ist das schimpfen. Ob ich mich nun über Menschen oder Situationen echauffiere, ob ich jemanden, der es verdient hat, anpöbel oder aber nur so vor mich hinfluche, weil mal wieder alles Scheiße ist.

Leider ist das Feedback selten positiv. Woran das liegt? Ich weiß es nicht, ich finde Pöbeln ja toll. Vielleicht liegt es daran, dass mein Äußeres nicht direkt auf meine ausgeprägte Bierkutschermentalität schließen lässt. Jemand hat mal zu mir gesagt, dass dieses vulgäre Vokabular, wie auch meine Art, es durch die Gegend zu kotzen, gar nicht zu mir passen würde, dass es nicht angemessen sei und viel zu übertrieben. Weil ich so süß sei, mit meinen Sommersprossen und den kurzen Beinen. Und der Augenaufschlag-Brüste-Kombination.

Soso. Danke. Und jetzt? Heißt das, ich sollte mich gar nicht mehr aufregen? Das geht nicht. Ich würde platzen. Oder vielleicht, dass ich mich anders aufregen sollte? „Angemessener“? Aber wie regt man sich „angemessen“ auf? Indem ich eine Schnute ziehe und drollig vor mich hinschmolle? Sollte ich beim Pöbeln damenhaftere Worte wählen? „He Girl, es ist echt nicht so cute, dass du dich vordrängelst, du siehst ja, wie voll es hier ist, und ich stehe ja nun auch schon eine Stunde an der Garderobe an.“ Das bringt doch nichts. Anders ein halblaut geflüstertes und eindeutig adressiertes „Verpiss dich, Fotze.“ Das klärt ohne viel Federlesen, wo die Glocken hängen und beruhigt. Mich jedenfalls.

pöbeln1

Foto: Chris Phillips

Auch sehr zu empfehlen ist saftiges Gefluche an Tagen, an denen alles schief läuft. An denen einem die neue Liebe des Ex über den Weg läuft, man feststellt, dass man soeben ein wichtiges Meeting verpasst hat und das Handy ins Klo fällt. Je kreativer die Wortwahl, desto schneller entspannt sich das Gemüt. Kraftwort-Kombinationen wie „Verkackte Dreckspissekacke“ oder „Beschissenes Scheißdreckarschlochhandy“ lassen sich zudem fabelhaft mit Schlägen gegen die Klowand oder ähnlichen Wutabbautechniken kombinieren. Pöbeln fördert also die Kreativität. Und dient nachweislich dem Abbau von Aggressionen und somit vermutlich auch der Sicherung des Weltfriedens.

Wenn mich auf der Autobahn mal wieder ein Großvater mit Hut in den Wahnsinn zu treiben droht, weil er mit 60 kmh die linke Spur blockiert, hilft es ungemein, lautstark vor sich hin zu schimpfen. In diesem speziellen Fall sollte man sich allerdings die Untermalung mit expliziten Gesten schenken – alte Männer mit Hut zeigen einen immer gleich an, da muss man aufpassen. Aber die Gesten sind gar nicht so wichtig. Es ist der verbale Freilauf für den Frust und den Zorn, der zählt, ein Kanal für die Wut, die laut und unzensiert und roh, durch die Zähne gepresst, auf den Asphalt gerotzt wird. Besser, effektiver als jeder Sandsack.

Ein weiteres Argument für Kraftausdrücke: Beleidigungen können sexy sein. Stichwort Dirty Talk – und was macht man, wenn man dirty talkt? Man pöbelt und ist unhöflich: Die Jungs nennen ihre Mädchen „Hure“, „Du Schlampe, du Drecksau“, die Mädchen sagen „Ficker“, „Wichser“ und auch „Drecksau“. Hauptsache, es klingt halbwegs obszön. Plötzlich sorgen Kraftausdrücke, die in solchen Momenten gar nicht mehr doof und niveaulos sind, sondern so schön vulgär und dreckig, nicht mehr für entrüstete Gesichter, dafür für feuchte Bettlaken und verschwitzte Körper, die sich gegenseitig in den siebten Himmel knallen. Weil Aggression zum Sex und vielleicht auch zum Leben dazugehört, wie wir alle wissen, und allein deshalb irgendwie legitim ist.

Und weil Aggressionen ohne Kraftausdrücke nur heiße Luft und Bauchschmerzen sind, ist auch mein Talent zum Pöbeln irgendwie legitim. Bi-Ba-Bitches <3

Auf dem Bild in diesem Post seht ihr Ex-Pornogirl Paula Rowe <3 Das Set zum Foto findet ihr hier.
Fotografiert wurde Paula von Chris Phillips vom Porn-Art-Blog Pornceptual.com.
Die Badewanne gehört mir. Und Paula Rowe auch ein bisschen :)

3 Comments

  1. Rheintochter Esme

    26. März 2016 at 13:30

    Pöbeleien FTW! Es ist doch ganz genau so, wie Du schreibst; es befreit, gibt dem Ärger ein Ventil und, sind wir ehrlich, macht unfassbar viel Spaß! ^_^
    Und je mehr Fremdsprachen man spricht, umso kreativer flucht es sich (manchmal sogar, ohne, dass die Leute mitbekommen, was man da eigentlich vor sich hingeflucht hat, höhö).
    In diesem Sinne, herzlichste Pöbelgrüße von der Piratenprinzessin am Rhein! <3

    • Mimi

      Mimi

      26. März 2016 at 19:56

      Voller Liebe und im Herzen zurück gepöbelt :) <3

  2. JudgeDark

    25. März 2016 at 10:49

    Ich persönlich versuche es gerne mit Diplomatie und weniger dem Pöbeln … außer im Auto, da bin ich ganz bei dir! Pöbeln im Auto ist ein Muss … der Frust muss raus! :)

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *