Bye bye, Sex Drive, hallo Kilos: Danke für nichts, Pille

By  |  2 Comments

Ein Text von Penny Calvet.

Mein Sexleben war nun einige Monate lang gestört. Nicht etwa, weil es in meinem Hirn „Peng!” gemacht hätte und mir sämtliche Libido-Synapsen mit einem Schlag durchgebrannt wären. Nein. Eine kleine, unscheinbare, rosa Verhütungspille verballerte mir das Hirn. Bemerkt habe ich die schleichenden Veränderungen nicht wirklich – die Hormone nahmen lautlos wie Ninjas meinen Körper ein. Das sollten sie auch, schließlich hatte ich endlich meine jahrelange Bindungsphobie überwunden, um genau einem Mann in meinem Leben dauerhaft einen Platz einzuräumen. Ich wollte ihn erstmal in Ruhe kennenlernen, das Thema Kinder durfte noch warten. Doch dann ließ mein liebestoller Lebens- und Bettgenosse immer öfter entnervt von mir ab, weil ich in Gedanken gut sichtbar beim anstehenden Fensterputz festhing, anstatt mich seinen zärtlichen Bemühungen hinzugeben. Da begann es mir zu dämmern: Irgendwas stimmte hier nicht.

Die Flaute im Bett lag nicht etwa daran, dass sich unsere Körper in fahler Winterblässe präsentierten. Ich wollte nur lieber schlafen statt Liebe machen. Schlaf ist zwar erholsam, und ausgiebiges Kuscheln nicht die schlechteste Idee, um dem anderen zu signalisieren, dass man ihn gerne hat. Aber eben nicht JEDEN Abend.

Pille_IkaFan

Auch meine Obsession für hübsche Frauen, die besonders in Clubs zum Vorschein kommt, verkroch sich zusammen mit meiner Libido in einem tiefen Loch. Mein Leben war, kurz gesagt, aufgeräumt, ruhig, aber auch ziemlich unaufgeregt und langweilig. Ich beschloss, unter Jubelschreien des Mannes, meinem alten Ich noch ein bisschen Auslauf zu gönnen und verpasste der Hormonschleuder eine Zwangspause. Sprich: Ich setzte die Pille ab. Gibt ja schließlich noch andere Mittel und Wege, wie sich sicher verhüten lässt.

Die Horrorgeschichten von Wechselbädern der Gefühle, Akne- und Schweißbrüchen bewahrheiteten sich zumindest nicht in meinem Fall, und gut zwei Wochen nach meiner Entscheidung lief ein ziemlich attraktives Girl an mir vorüber. Ich wäre beinah vor ein Auto gerannt, weil mein Hirn mir endlich mal wieder unzensierte Bilder lieferte. Ich war verzückt, endlich funktionierte er wieder, der Nacktscanner in meinem Gehirn!

Pille 1_IkaFan

Das Gefühl, das mich in diesemMoment überfiel, lässt sich so beschreiben: Nach gefühlten 100 Tagen Regen in der schönsten Hauptstadt der Welt, bricht ganz unverhofft nach einer durchtanzten Nacht der Himmel auf, und die Sonne lässt sich für ein paar Minuten blicken. Die graue, triste Alltagswelt wird in ein sanftes Licht getaucht, und sogar die vorbei drängelnden Passanten vergisst man einen Augenblick lang, mitsamt der Hektik der Stadt. Hach, welch Wonne!

Mit dieser Gefühlsexplosin im Gepäck eilte ich auf direktem Wege nach Hause, um zu überprüfen, ob mir mein Hirn nur einen Streich gespielt hatte, oder sich meine Libido den Weg zurück gekämpft hatte.

Gesagt, getan. Keine halbe Stunde später kam ich zu Hause an und hastete die Stufen zu meiner Wohnung hoch. Ich war sowas von bereit, und ein sanften Kribbeln untenrum verriet mir, dass mir mein Hirn nicht nur einen fiesen Streich gespielt hatte. Mein altes Ich war zurück. Just als ich noch schnell meine Einkäufe auf den Küchentisch schmiss, erhaschte ich einen Blick auf die Titelstory eines Frauenmagazins, in dem mal wieder die Vorteile der perfekten Bikinifigur gelobt wurden. Anstatt mich ins Bett zu werfen, las ich eine Passage, in der es darum ging, dass Frauen mit Modelmaßen mehr Erfolg im Job und Privatleben haben. Ein Blick an mir herunter genügte, um festzustellen, dass die letzten Monate „auf Pille“ nicht nur mein Hirn vernebelt, sondern auch für einige Extra-Kilos gesorgt hatten. Nachdem ich den Artikel zu Ende gelesen hatte, fühlte ich mich schwabbelig und aufgedunsen und nicht mal annähernd so sexy wie noch eine Stunde zuvor, als ich die scharfe Mieze auf der Straße mit einem breiten Lächeln auf mich aufmerksam gemacht hatte. „Sport, ich muss sofort mit Sport anfangen und meine Ernährung umstellen“, schrie meine innere Stimme stattdessen, und das heiße Girl war vergessen.

Pille 3_IkaFan

Zwischen Trauer, Verzweiflung und Wut kam mir der Gedanke, wurde mir klar, dass die Pille und ich vielleicht niemals Freunde werden. Mein Sexdrive war mir abhanden gekommen, ich hatte zugenommen, und nun schien auch noch meine Liebe zu mir selbst auf der Strecke geblieben zu sein.

Vor dem Ausflug in die Welt der geordneten Zweisamkeit mit der Pille als Torwächter, habe ich mir nie sonderlich viele Gedanken um die paar Kilos zuviel auf meinen Hüften gemacht. Sie waren da, gehörten zu mir, machten meine Haut angenehm weich, meine Bewegungen fließend und waren noch nie Anstoß großer Diskussionen. Es war mir egal, was andere über mich dachten. Erst dadurch, dass mein Körper während der letzten Monate nicht mehr so funktioniert hatte, wie er sollte und ich demzufolge verwirrt und verunsichert war, konnte der blöde Text überhaupt erst Eindruck auf mich machen. Also beschloss ich, die Finger von der Pille zu lassen, Alternativen gibt es schließlich genug: Hormonpflaster, Spirale, Verhütungsspritze oder -stäbchen oder eben die guten, alten Kondome.

Wenn es euch ähnlich geht, lasst euch beim Frauenarzt ausführlich dazu beraten. Er wird wissen, was in eurem Fall angemessen und ratsamsten ist. ich selbst habe dieses Gespräch noch vor mir, weiß aber jetzt schon: Ich will mich sexy fühlen, also lasse ich das mit der Pille bleiben.Und bis dahin verhüten mein Liebster und ich einfach weiterhin mit Kondomen.

Fotos: Ika Fan  // Ika Fan bei Facebook

2 Comments

  1. Miss M1ndfuck

    29. Juli 2017 at 14:32

    Ich nehme schon seit Jahren nicht mehr die Pille, sondern habe mir eine Kupferspirale einsetzen lassen.
    Kann ich nur weiterempfehlen!
    Jedoch habe ich seitdem stärker meine Tage und mehr Schmerzen. Ansonsten hat es nur Vorteile.

  2. Marie

    14. Juli 2017 at 21:48

    Danke! Du sprichst vielen Frauen, aber definitiv auch Paaren, aus der Seele. Mit Pille geht meistens einfach gar nichts. Paare, die vor der Pille nicht die Finger voneinander lassen konnten, werden schleichend zu Couchpotatos. Viele Frauen mutieren zu asexuellen, frustrierten, meist auch etwas pummeligen, Wesen, die lieber nichts machen, als sich um die schönste Sache der Welt zu kümmern. Alles ist wie in Watte gepackt, also weder gut noch schlecht, sondern vielmehr egal. Das passiert schleichend, fällt vielen erst nach Jahren wirklich auf.
    Ich befürchte nur, dass es nicht nur „die Pille“ ist, die diesen Zustand hervorruft. Erfahrungen zeigen, dass es an den Hormonen (Pille, Stäbchen, Spritze, Pflaster, Ring) liegt und wir Ladys uns dringend überlegen müssen, ob wir weiterhin Spaß haben wollen beim Sex und lieber Kondome oder Diaphragma verwenden, als uns mit Hormonen aus dem Verkehr ziehen zu lassen. Was soll das für ein Liebesleben sein, wenn Frau/Mann uns nicht mehr heiß macht? Dazu kommen noch die vielen anderen Nebenwirklungen hormoneller Verhütung. Besser die Finger davon lassen und sich Alternativen suchen.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *