Be my Paypig oder: Für 100 Euro schau ich dir beim Wichsen zu

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**Der folgende Text schildert explizit sexuelle Fetische. Just sayin‘! Wem das zu krass ist, der lese doch einfach hier rein :) **

Ein Text von Antoinette Blume.

„Für 100 Euro schau ich Jungs gern beim Wichsen zu.“

Einschlägiger Einstieg, all eyes on me. Ja, es stimmt. Für 100 einvernehmlich ausgetauschte Euros schaute ich via Skype einem Mann beim Wichsen zu. Ich lasse mir recht genau jeden Zentimeter seines Gemächts zeigen, das gefällt ihm. Dann spritzt es auch schon in seine Äuglein, den Bauch hoch, auf den Tisch. Er lacht ganz erleichtert, sagt: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich heute nochmal duschen muss!“ Wir lachen beide. Vergnügt. Er dankt mir, wir sagen „tschüss“, und er verabschiedet sich mit: „Ich schreibe dir dann bei Insta, wann ich wieder Zeit hab, okay?“ Okay! Aber hallo. Er masturbiert, er ejakuliert – ich applaudiere. Für diesen neckischen Ausflug kassierte Fräulein Blume 100 fucking Euro. Kann mein Glück kaum fassen. Bevor ihr neidisch werdet – so schnell, wie er kam (haha), so schnell ging er fort. Leider.

Vorgestellt hat sich mein Paypig via Instagram. Dachte erst, ich sitze im falschen Film, aber hey, aus spaßigem Geplänkel wurden 100 Euro. Ihr merkt, ich komm immer noch nicht drüber hinweg. Später beschäftigten mich dann doch so ein, zwei Fragen. War das ein echtes Paypig? Oder ich nur eine unbeholfene, angekleidete Wichsvorlage? Er ein Exhibitionist mit guten Manieren, wie sie uns kaum der Knigge besser vorschreiben könnte? Hmhm.

Ich frage also meine Freundin Billy*, die sich besser mit Paypigs auskennt. Sie erklärt es mir so: „Ein Paypig ist ein Geldsklave, der sich via Bezahlung unterwirft. Ein bisschen geräumiger versteht man darunter Menschen, die (meistens etwas mehr) Geld für (nicht im herkömmlichen Sinne erotische) geringe Gegenleistungen zahlen. Solch eine Gegenleistung kann ein Foto sein, ein benutztes Sextoy oder getragene Schuhe.“ Oder aber, dass man – wie in meinem Fall – das begeisterte Masturbations-Publikum gibt.

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Billy ist 22, studiert Kunst und lebt seit vier Jahren in einer polyamourösen Beziehung. Pansexuell, bodypositive, offen, sex-positiv, -lustig und -lüstern. Als Studentin arbeitet sie nebenher, mal regelmäßig bei Galerien, mal auf Festivals im Service oder – ja, oder auch mal als Geldsklaven-Herrin ihrer zwei bis drei Paypigs.

Momentan genügt ihr sogar nur eines, nennen wir es Helmut*. Helmut ist 50, verheiratet, arbeitet in einer Agentur in Hamburg und bezahlt Billy so für dies und das… zum Beispiel für Bilder, Videos, vornehmlich getragene Kleidung wie Strumpfhosen und Unterhöschen. Ein Paar Schuhe inklusive zehn exklusiver delikater Fußfotos lässt er sich dabei 200 Euro kosten, um mal eine Dimension zu schaffen. Ein bepinkelter Body kostet zwei, drei Tacken mehr, kommt seinem Natursektfetisch* aber natürlich entgegen.

Hört sich jetzt natürlich alles mega easy an. In einen Slip würde ich auch für weniger pinkeln. Aber so sehr locker von der Hand geht das dann alles doch nicht. Wäre ja auch zu schön, oder?

Billy lässt sich auch ein Stückchen weit emotional auf den Job ein, lernt den Menschen und manchmal auch seine vorerst versteckten Neigungen kennen. Sie muss die Lust aufbringen, sich dem Job und dem Paypig wirklich zu widmen, und es ist ein immenser Anteil an Vertrauensarbeit nötig. Die ständige Wahrung der Anonymität (vor allem des Paypigs) und der Respekt zwischen den beiden erarbeitet sich ebenfalls nicht von alleine. „Für mich ist Helmut mit seinen Neigungen nicht blöd oder eklig – sondern ganz normal“, sagt sie mir. Seinen Fetisch für Natursekt, getragene Kleidung von eben jener Dame, die er bezahlt und verehrt, kann er nur mit ihr vollends ausleben. Vor seiner Frau hält er das Ganze geheim.

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Für Billy ist es gerade die Verehrung, die Hierarchie und die Dominanz, die ihr Spaß machen. Den Begriff des „Kunden“ für Helmut meidet sie: „Es geht mir nicht um Massenabfertigung. Er hat mich unter vielen anderen gefragt, und ich habe ihn ausgewählt. Ich könnte mich auch gar nicht auf vier, fünf oder sechs Menschen konzentrieren und ihnen die Aufmerksamkeit geben, die ich diesem Nebenverdienst schenke“, erzählt sie. Für Helmut ist es der Besitz dieser speziellen Gegenstände und Bilder, die ihn zum untertänigen Paypig machen und dies genießen lassen. Sie gehören ihm. Sie sind nur für ihn.

So – wer nun ganz dringend pinkeln muss, ein letzter Tipp: Wer Interesse an der Szene hat und einfach mal reinzappen mag, der suche und benutze den Hashtag #paypig bei Instagram und Twitter. Aber psssssst.

*Namen geändert
*Natursekt = Pinkelspiele; erotische Spiele mit eigenem und/oder dem Urin des Partners 

1 Comment

  1. laferrassie

    12. Oktober 2017 at 21:56

    super spannende Sache… Wie läuft das mit dem bezahlen? geht das über bitcoins?

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