Oha, offene Beziehung oder: Lässt sich Liebe teilen?

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Käthe und ich sind, was Liebe und Treue anbelangt, sehr konservative Mädchen. Wir teilen die, denen unsere Herzchen gehören, ausgesprochen ungern. Ach was, wir teilen sie gar nicht. Umso erstaunter sind wir jedes Mal, wenn sich unsere Freunde als Anhänger offener Beziehungen outen. So wie unsere neue Autorinnenfreundin Penny Calvet, das kleine, wilde Ding. „Wie soll’n dit gehen, mit der Liebe und dem Teilen?“, fragte ich Penny daher und erwartete die typische „Ach du, wenn mein Freund glücklich ist, bin ich das auch“-Antwort. Aber Pustekuchen. Statt einer Standard-Antwort, wie man sie wenigstens aus Berliner Freificker-Kreisen gewohnt ist („Wenn man sich echt liebt, ist das alles kein Problem“), schrieb Penny diesen ehrlichen, und ehrlich gesagt, ziemlich nachdenklich machenden Text zum Thema „Wie fühlt es sich an, im Leben des Liebsten nicht die erste und vor allem nicht die einzige Geige zu spielen?“.

Von Penny Calvet

Vor einiger Zeit habe ich einen Mann kennengelernt, den ich super spannend finde. Luca ist in meinen Augen nicht nur wahnsinnig attraktiv, sondern auch witzig, voller verrückter und kreativer Ideen, leidenschaftlich und als Sahnehäubchen obendrauf zudem ein toller Liebhaber. Von Anfang an war allerdings klar, dass ich nicht die einzige Frau in seinem Leben bin, sondern eine unter vielen. Daraus machte Luca nie ein Geheimnis. Ich ließ mich dennoch auf ein unverbindliches Kennenlernen ein.

Ich glaube schon lange nicht mehr an den einen Prinzen, der irgendwann auf seinem Pferd angeritten kommt und mich mitnimmt in sein Märchenschloss. Vielmehr glaube ich, die Liebe an Orten zu finden, an denen nie jemand auf die Idee käme, zu suchen. Doch selbst, wenn ich verliebt war, nahm ich wenigstens anfangs parallel das ein oder andere Abenteuer mit, da meine Fluchtinstinkte Alarm schlagen, wenn es zu schnell zu ernst wird. Lieber abwarten und schauen, wohin die anfängliche Begeisterung führt, lautet meine Devise. Warum dabei nicht auch mal einen Blick nach rechts oder links riskieren?

Jetzt kennen Luca und ich uns schon ein paar Wochen. Ich genieße die vielen Stunden, die wir miteinander verbringen wahnsinnig, und unsere Beziehung zueinander wird immer intensiver. Gleichzeitig fange ich an, unsere alternative Beziehungsform zu hinterfragen. Wir können und wollen beide nicht mehr ohne einander, aber bin ich bereit, mich weiterhin auf eine offene Beziehung einzulassen? Bin ich bereit dazu, DIE eine unter vielen zu werden?

Eine offene Beziehung klingt erst einmal nach Abenteuer, großer Freiheit und keinerlei Verpflichtungen. Aber wie jegliche Form zwischenmenschlicher Beziehungen basiert sie auf Regeln und ist immer ein Deal mit Kompromissen, die man im Vorfeld abklären sollte.

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Kann ich meinen Mann mit anderen teilen? Foto: Chris Phillips/Pornceptual.com

Bei Luca und mir ist schon das Grundverständnis einer offenen Beziehung ein völlig anderes. Für mich bedeutet eine offene Beziehung, mir und meinem Partner die Möglichkeit offen zu halten, mit anderen Menschen in der Kiste zu landen. Und zwar nur dann, wenn es rein zufällig zu einer solchen Begebenheit kommt. Dazu zählen ganz sicher nicht vorher geplante Dates oder Bettgeschichten, die sich über Monate hinziehen. Gerade im Moment dreht sich mein Universum ohnehin nur um Luca, und ich bin völlig zufrieden damit, nur ihn zu daten. Wie das in ein paar Wochen und Monaten aussieht, weiß ich jetzt noch nicht. Der Gedanke aber, einem spontanen Verlangen nachgehen zu können, ohne danach vor dem Scherbenhaufen meiner Beziehung zu stehen, beruhigt mich ungemein. Denn genau daran sind schon zu viele Beziehungen in meinem Freundeskreis und bei mir selbst zerbrochen. Ich möchte mich nicht mit einem Treueschwur an einen Menschen binden und diesen Schwur dann doch wieder brechen.

Bei Luca hingegen sieht die Sache anders aus. Neben mir trifft er sich noch regelmäßig mit zwei anderen Damen und findet es völlig okay, auch emotional auf mehreren Partys gleichzeitig zu tanzen. Bei diesen Treffen geht es nicht nur um den Austausch von Körperflüssigkeiten, sondern er versteht sich mit den beiden anderen darüber hinaus richtig gut.

Obwohl ich kein eifersüchtiger Typ bin, ging ich anfangs wie eine Furie die Wände hoch, wenn Luca sich mit einer der beiden verabredete. Es ging mir nicht darum, ihn zu kontrollieren oder einzuschränken, aber es machte mir Angst, dass diese Frauen irgendwann wichtiger werden könnten als ich. Meine Panik zeigte ihr hässliches Gesicht in dem einen oder anderen Wutanfall, der auf Luca einprasselte, bis wir unsere offene Beziehung in einer hitzigen Debatte an klare Regeln gebunden hatten.

Um der offenen Beziehung eine Chance zu geben, versuchen wir nun mit einer Kompromisslösung zu leben, die uns beiden einiges abverlangt. Es ist mir wichtig, die Nummer Eins zu sein, und das bedeutet, dass in seinem (und meinem) Bett nur mit mir gevögelt wird und er bei den anderen beiden nicht über Nacht bleibt. Wenn er sich mit den anderen Frauen treffen möchte, muss er sich eine Alternative überlegen. Ich will mich schließlich bei ihm zu Hause fühlen und nicht erst die Überreste meiner Vorgängerin wegräumen müssen. Genauso bringe auch ich keine Typen mit in meine Wohnung.

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Foto: Chris Phillips/Pornceptual.com

Bisher hat Luca ganz selbstverständlich für alle Ladys in seiner Küche den Kochlöffel geschwungen, und in seinem Bett war Open House. Die Umstellung fällt ihm deshalb nicht immer leicht, aber er akzeptiert mein Verlangen nach einem Ort, der nur uns beiden gehört und den ich nicht teilen muss.

Auch, wie viel Zeit ich ihm für seine Dates lassen kann, ohne mich völlig übergangen zu fühlen, habe ich mir lange überlegt. Ich bin wie ein Ballon, und Luca ist mein Helium, mit dem ich wieder fliegen kann, deshalb verzichte ich nur ungern auf seine Anwesenheit. Wir haben also die Verabredung getroffen, dass er sich auch weiterhin mit den anderen Frauen treffen kann, aber nicht jeden Tag und auch nur dann, wenn wir beide vorher entweder keine anderen Pläne gemacht haben oder ich eh keine Zeit habe. Konkret bedeutet diese Regelung, dass ich ein bis zwei Abende in der Woche auf Luca verzichte und mich mit blödsinnigen Serien ablenke und er sich häufig tagsüber mit den anderen beiden trifft, wenn ich Studium und Jobs nachgehe.

Die wichtigste Übereinkunft, die wir getroffen haben, ist schonungslose Ehrlichkeit dem anderen gegenüber. Ich weiß, was, wann, wie mit den anderen Damen läuft, und auch darüber, wen Luca sonst noch sporadisch trifft, bin ich im Bilde. Meistens höre ich mir interessiert an, was er erlebt hat, und ich verstehe mittlerweile besser, was ihn mit den anderen verbindet. Aber es gibt auch Tage, da zweifle ich unsere offene Beziehung an und hätte meinen Freund lieber nur für mich alleine. Diesen Gedanken laut auszusprechen ist nicht einfach, hilft aber Luca zu verstehen, warum ich manchmal so wütend bin.

Unsere Kompromisslösung verlangt uns beiden viel ab. Für Luca bedeutet sie eine Einschränkung seiner Freiheiten, die er zur Zeit aber gerne in Kauf nimmt. Für mich bedeutet unsere offene Beziehung vor allem, mein bisheriges Verständnis von Treue zu überdenken. Ein Verständnis, das auf der Annahme basierte, dass sexuelle Lust etwas Sporadisches ist und man seinen Partner eigentlich nur dann wirklich betrügt, wenn man eine emotionale Beziehung zu einem anderen Menschen aufbaut.

Für eine glückliche, offene Beziehung gibt es kein Patentrezept, sondern man muss individuelle Absprachen treffen, mit denen alle Beteiligten gut leben können. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich unsere Lösung im Laufe der Zeit noch verändern wird. Nicht sicher bin ich mir dagegen, wie lange ich Luca noch dauerhaft teilen möchte. Aber bisher genügt es mir, die Einzige zu sein, die ihn morgens schlaftrunken wachküssen darf.

Die Fotos in diesem Post haben unsere Art Porn Freunde von Pornceptual geschossen. Wir lieben sie sehr, die Freunde und die Fotos <3 Hier findet ihr den Pornceptual Blog und hier ihre Facebook Seite.

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  6. H. & G.

    19. November 2015 at 22:50

    Man kann ja alles im Leben teilen. Die Immobilie und auch den Partner.

    • Mimi

      Mimi

      20. November 2015 at 12:45

      liebe h&g kommentatoren. nice try, hier mal eben für umme werbung abzustauben, aber nicht mit uns :D ihr könnt gerne unser aktuelles media kit anfordern, darin findet ihr alle preise für werbung in diesem blog. mfg: mimi

  7. Hausverwaltung Schmidt

    17. November 2015 at 22:53

    Man kann alles Teilen, Mann Frau und Lebenspartner. Bei mir klappt das gut.

  8. JudgeDark

    14. November 2015 at 20:01

    Hm … das ist wirklich ein interessanter Text. Aber ich für meinen Teil lese da auch zwischen den Zeilen von einem aufkommenden Unwetter, das wird sich wohl nicht vermeiden lassen.

    Das Thema ansich ist nicht einfach … ! Wo fängt Emotion an wo hört sie auf … kann es nur um körperliche Gelüste gehen oder wird min. von einer Seite immer auch die Emotion eine Rolle spielen? Es gibt so viele Fragen die zu dem Thema zu stellen sind, das macht es eben so kompliziert.

    Klar, man kann durch Kommunikation eine gemeinsame Basis finden, auf der aufbauend man seiner Lust nachgeht. Wobei es eben auch emotionale Lust sein kann, vielleicht will ich gerade bei jemandem anders nur Reden oder gehalten werden. Wie auch immr … Absprachen stellen für mich ganz persönlich schon irgendwie den Todesstoß für die wirklich freie Liebe bzw. die freie offene Beziehung dar. Denn in der Praxis wird es einen oder beide immer wieder einholen, es wird immer wieder Konfliktpotential geben und sind wir ehrlich, das gibt es in einer „normalen“ Beziehung schon genug. Sobald die Gefühle einer Seite verletzt werden, wird das ganze Thema schwierig. Oder irgendwann fangen die Geheimnisse an, denn sind wir ehrlich, das kann genau den Reiz ausmachen, den jemand dabei empfindet, wahrscheinlich zusätzlich zur Befriedigung welcher Gelüste auch immer.

    Ich für meinen Teil tue mich damit sehr schwer, für mich ist eine offene Beziehung aktuell kein Thema. Wieso „aktuell“ … weil man es glaube ich nicht ausschließen kann, dass man mal in die Situation kommt und wer weiß schon, wie man sich dann wirklich entscheiden wird und verhält. Ich bin sicher noch jemand, dem so ein Wort wie „Liebe“ wichtig ist und dazu gehört Vertrauen und Zweisamkeit (ja, altmodisch … ich weiß). Und wenn da ein Partner ist, dann möchte ich dem nicht weh tun, ihn nicht verletzten und gleiches erwarte ich von meinem Gegenüber. Und dazu gehört für mich eben auch Treue, was eine offene Beziehung nach meinem Verstädnis nicht möglich macht.

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