Die schöne Hexe Nala und ihr Prince Ugly Fetisch

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Mimi&Käthe Autorin Virginia Heart gehört zu den schönsten Menschen, die ich je gesehen habe. Sie mir mit einem unattraktiven Partner an ihrer Seite vorzustellen, fühlt sich falsch an. Denn eine Schönheit wie Virginia sollte einen Prinzen daten, der zu gleichen Teilen klug, liebevoll und wunderschön ist. Dabei gibt es Frauen und Männer, die eben das nicht wollen. Die sich in die verlieben und die begehren, die vom Schicksal nicht mit gutem Aussehen gesegnet wurden. Ich frage mich: Warum finden wir das so komisch und unpassend? Das hat sich auch Virginia Heart gefragt, als ihre Babe-Freundin Nala ihr von ihrer Vorliebe für hässliche Männer erzählt. Eine ungewöhnliche Story.

Text von Virginia Heart

Nala ist eine Hexe. Also, im übertragenen Sinne. Sie raubt Menschen Geld, Partner, den Stolz, den Verstand und die Zurückhaltung. Nala ist eine Hexe. Nala ist außerdem meine Freundin. Wir sitzen gern zusammen an Straßenecken und trinken harte Spirituosen aus Omas Porzellan. „Perspektive richten“, nennt Nala das. „Öl ins Feuer gießen“, denke ich, während Nalas Kirschmund sich an den Rand des Geschirrs schmiegt.

Als mir dieser Gedanke zuletzt kam, weiteten sich Nalas waldmeistergrüne Katzenaugen ungläubig. Ich folgte ihrem Blick zu einem Mann, der euphorisch winkend auf uns zu lief. Der Mann war klein, seine Arme und Beine blass und dünn, nur in der Mitte war er ausladend. Von seinem Haupthaar war nur ein Flaumkranz geblieben, und auf seiner Knollennase wackelte eine Nickelbrille. Ich wollte das Ganze schon als eine Verwechslung abtun, doch Nala erhob sich und stolzierte schnellen Schrittes auf den Herren zu. Die Hitze des Gesprächs ließ sich am wilden Gestikulieren der Beteiligten erkennen, und nach einer Minute des Schauspiels verschwand der mir Unbekannte mit glühenden Wangen. Nala nahm wieder ihren Platz ein, und ich begann, die Natur ihrer Bekanntschaft zu erforschen.

„Wir schlafen miteinander“, erklärte Nala. Um mein Erstaunen zu verbergen, fragte ich, warum sie ihren Freund denn nicht ran gewunken hatte. „Oder war’s dir peinlich?“, wollte ich wissen. „Ich bitte dich“, schnaubte sie verächtlich, „peinlich, wieso sollte er mir peinlich sein? Ich will nur nicht, dass er auf komische Ideen kommt.“

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Die Schönheit auf diesen Fotos ist nicht Nala, sondern Marie. Und das komplette Mimi&Käthe Team ist in sie verliebt <3

Ich stimmte Nala zu. Wieso sollte es ihr auch peinlich sein? Hauptsache ist doch, dass er in ihren Augen schön ist. „Oh, ich finde ihn nicht schön. Ich finde ihn ausnehmend unattraktiv. Aber darauf habe ich gerade Lust.“ Ich guckte sie verdutzt an. „Ist das so eine Art Fetisch? Und ist das nicht irgendwie gemein?“, wunderte ich mich laut. Nala lachte. „Immer musst du alles kategorisieren. Nee, ich glaub nicht, dass das ein Fetisch ist. Ich habe ihn kennengelernt, fand ihn abstoßend, und irgendwie wollte ich ihm meine Brüste ins Gesicht drücken. Und jetzt vögeln wir eben, wann immer wir beide Lust darauf haben. Es ist ein totaler Kick, ihn da zu sehen. Wie er sich rotfleckig und schlaff auf mir abrackert. Und nicht nur das! Er ist auch noch so herrlich dumm und prollig. Es macht mich total wahnsinnig!“

Heuchlerin nannte sie mich dann noch. Weil ich mit Menschen ins Bett gehe, nur, weil sie schön sind. Sie habe den Mann dagegen mitgenommen, weil er hässlich ist. Der Unterschied läge lediglich darin, dass die Gesellschaft die eine oberflächliche Entscheidung anerkennt und die andere verurteilt. Recht hat sie. Allerdings haben die heißen Schnitten wohl eine größere Auswahl als das Papageienküken, das wohl für viele erst durch liebestrunkene Linsen schön wird.

Und doch – kann man noch von freiem Willen sprechen, wenn eine Sirene wie Nala ihr metaphorisches Steak vor einem halbverhungerten Löwen baumeln lässt? Und wie würde ich mich fühlen, würde ich ausschließlich wegen mangelnder Attraktivität in die Laken gezerrt? Kann man noch von „hässlich“ sprechen, wenn es doch gerade die äußere Erscheinung ist, die Nala an ihrer Bekanntschaft schätzt? Schließlich zeigt sie vielen durchschnittlich und überdurchschnittlich attraktiven Menschen die kalte Schulter.

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Ich sorgte mich, mein Interesse an diesem Thema entlarvte mich als Teil des Problems. Nala lachte wieder. „Nimm dir doch einfach mal, was du willst und schau danach, wie es dir damit geht. Du merkst ja, dass du andersrum nicht vorwärts kommst.“ Aber ich möchte eben auch niemandem auf die Zehen treten beim Vorwärtskommen. Selbst wenn diese Zehen noch so krumm und dreckig sind.

Vielleicht rebelliert Nala unbewusst gegen das alles. Dieses Diktat, immer nur das glänzendste, teuerste Stück in der Auslage wollen zu müssen, um sich darüber als ebenso erhaben zu definieren. Und ihr Gespiele mit dem unsichtbaren Bizeps und dem sichtbaren Bierbauch rebelliert fleißig mit. Gemeinsamer Widerstand kann sehr aphrodisierend wirken.

Fotos (2): Sarah Bleszynski // Sarah bei Facebook // Sarah bei Tumblr

4 Comments

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  4. JudgeDark

    3. Juni 2016 at 17:01

    Hm … schwierig! Aber jeder Jeck ist anders!

    Klar, man sollte nicht ausschließlich nach der Optik gehen, aber es geht dabei immerhin um einen von vielen Reizen, darum sollte man diesen auch nicht außer Acht lassen finde ich zumindest. Und es ist nunmal das, was man zumeist als erstes wahrnimmt, was eben auch ansprechen und anheizen kann (wobei ich das nicht auf „Schönheit“ bezogen wissen will). Es kommt aber sicher auch viel auf die Situation an; bin ich auf der Pirsch, ist es eine spontane Bekanntschaft, will man einfach nur Druck ablassen …… !

    Wenn sich jemand bewusst für Unattraktivität entscheidet, dann bitte … mein Ding wäre es glaube ich nicht.

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