Not Mr. Right oder: Dann war er wohl nicht der Richtige

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Ein Text von Tori Ford.

„Ja danke, du mich auch“, denke ich.

Mr. Right und ich. Wir waren verdammt richtig zusammen. Wir lachten über die gleichen flachen Witze, konnten die Sätze des anderen beenden und verschmolzen im Bett wie zwei Cornetto auf dem Asphalt an einem heißen Sommertag. Also erzähl mir doch nix! Aber genau das ist wahrscheinlich das Problem, wenn sich zwei Menschen zu euphorisch verknallen. Wenn beide bei 150 Prozent starten und einer davon plötzlich merkt: Huch, jetzt könnte es ja tatsächlich ernst werden. Bisher waren wir zwar Protagonisten in einer Vorzeige-Hollywoodschmonzette, aber wenn es sich zu schön anfühlt, um wahr zu sein, ist es das dann nicht meist auch?

Mr. Right_6_Stefano Bosso

Will ich gar nicht pauschalisieren, bin ich eh kein Fan von. Auch nicht von halbleeren Gläsern oder Schwarzmalereien, aber Kruzifix nochmal, warum kann es nicht schön sein und bleiben? Frage ich, mit einem Bein trotzig auf den Boden stampfend, weil es unfair ist. Danke, Mr. Right. Mr. Not So Right. Ich gebe die Schuld ja so ein bisschen den Dreißigern. Hier ist der Rucksack, das „Päckchen“, was ein jeder so mit sich rumzutragen hat, schon relativ gut gefüllt. Will heißen: Wir schleppen uns mit Altlasten, schlechten Erfahrungen und unausgegorenen Ex-Beziehungen den Buckel krumm. Wie schön wäre es doch, hin und wieder den Reset-Knopf drücken zu können, um ganz neu und frisch anzufangen. Ohne Vergleiche zu ziehen oder Angst zu haben, was der/die Ex nun denken könnte.

Nun musste der Kurzzeitseelenverwandte also doch wieder raus aus dem Cornetto-Intermezzo. Wollte raus. Und was bleibt? Sofakissen, die noch immer nach ihm riechen, Musik, die man jetzt nicht mehr hören kann, weil man dazu Sex hatte. Urlaubsmitbringsel, die man ganz weit hinten im Schrank vergraben muss, ganz zu schweigen vom gemeinsamen Fotomaterial. Dabei war doch alles so vielversprechend und gut, und doch steht man sich selbst im Weg. Erkennt den Himmel vor lauter Geigen nicht und geht. Wow, das reimt sich sogar.

Mr. Right_5_Stefano Bosso

Nun ziehen Herz und Verstand erneut gegeneinander in den Krieg. Am liebsten würde man dem verlorenen Pseudogegenstück Memes und witzige Videos schicken. Darüber hätte man sonst zusammen Tränen gelacht. Geht aber nicht, denn der Verstand und alle bereits informierten Freunde sagen: „Lass los!“ Aber seien wir ehrlich, wie oft siegt schon das Hirn über das Herz? Da werden Rettungsringe ausgeworfen, doch man klammert sich an dünne Strohhalme, die doch untergehen müssen, weil sie einen nicht tragen. Die nichts weiter sind als Werkzeuge der Selbstgeißelung.

Dennoch ist es ein Prozess, der so lange dauern darf, wie er eben muss, um zu erkennen, was uns wirklich gut tut. Nur wir allein können entscheiden, wann die Seelennotbremse gezogen wird. Wir doch noch auf halbsteife, angesexte Nachrichten antworten, es vielleicht nochmal auf eine Cornetto-Verschmelzung ankommen lassen, bis wir doch einen klaren Schnitt machen. Um weiterziehen zu können.

Fotos: Stefano Bosso
Model:Vic Voltage

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