Die Schwester der Sirene: Minnie Matilda by Claudio Oliverio

By  |  0 Comments

Ein Text von Mimi Erhardt. 

„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar,
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldnes Haar.

Sie kämmt es mit goldnem Kamme,
Und singt ein Lied dabey;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodey.

Den Schiffer, im kleinen Schiffe,
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh‘.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Loreley getan.“
(Heinrich Heine: Das Lied von der Loreley, 1824)

Ob Minnie Matilda in einem früheren Leben die Loreley war, die Heine einst besang? Diese Sirene, die mit ihrem Gesang die Seemänner ins Verderben riss? Oder ihre kleine Schwester? Keine Ahnung. Was ich weiß, ist, dass in meinem Kopf alle Sirenen schon immer so aussahen wie sie. Fatal schön, fatal gefährlich, fatal lässig.

Minnie Matilda 8

Der Berliner Fotograf Claudio Oliverio hat Sirene Minnie Matilda für Mimi&Käthe fotografiert. Ohne Gesang, ganz still und dafür umso krasser. Aufnahmen einer starken, jungen Frau. Ich wüsste gern, ob Minnie Matilda sich diese Stärke erarbeiten musste oder ob sie schon immer da war.

„Ich freue mich, dass das so wirkt“, sagt die kleine Schwester der Sirene. „Doch natürlich sind Fotos immer nur eine Momentaufnahme, und ich mache sie, wenn ich mich gerade wohl in meiner Haut fühle. Das ist inzwischen auch die meiste Zeit so, aber das kam auf keinen Fall ganz von selbst. Gerade in meiner Teenagerzeit war ich nicht mit mir und meinem Aussehen im Reinen, und als ich nach Berlin gezogen bin, habe ich mit der Zeit mein Aussehen verändert – oder man könnte sagen, mehr mein Inneres nach außen getragen. Jetzt gibt es immer noch Tage, an denen irgendwie nichts richtig sitzt und man das Haus am liebsten nicht verlassen würde, aber so geht es sicher jedem mal. Ich glaube, der Fehler, den viele machen, ist, sich zu sehr mit anderen zu vergleichen. Deswegen versuche ich, das nicht mehr zu tun, sondern mich so zu nehmen, wie ich bin und mich gleichzeitig über die Schönheit der anderen zu freuen, mit denen ich mich sonst verglichen hätte.“

Und was ist dann Schönheit für Minnie Matilda? Sie denkt kurz nach, dann sagt sie:

„Schönheit ist für mich weniger ein Gesamtpaket als kleine Details, die jemandem etwas Besonderes verleihen. Sei es zum Beispiel eine Zahnlücke, eine tolle Stimme oder ein freches Grinsen. Wirklich schön ist es auch, wenn man sich selbst mag und das nach außen trägt.“

Minnie Matilda bei Instagram

Fotos: Claudio Oliverio  // Claudio Oliverio auf Facebook // Bei Instagram

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *