Bestseller-Autor Michael Nast: „Frauen sind das ewige Thema“

By  |  0 Comments

Ein Text von Antoinette Blume.

Michael Nast. Ein Name, der dieser Tage immer wieder dieselbe Reaktion hervorruft: „Ahhh! Das ist doch der, der ,Generation Beziehungsunfähig’ geschrieben hat!“ Ein Selbstläufer.

Ich selbst habe Nasts Texte auf dem Berliner-Singles-und-Liebe-und-Alles-Blog ‚im Gegenteil‘ gesuchtet, wie andere eine Staffel „Stranger Things“ auf Netflix. Ein Mann, der über die Probleme schreibt, die uns umtreiben: Beziehung, Nicht-Beziehung, Suchen, Finden, das bequeme Leben mit Unverbindlichkeiten – ihr wisst schon. Dauerbrenner, gerade in Berlin. Gerade bei mir. Schön zu wissen, dass es auch manchen über 40 nicht anders geht als mir, uns, euch. Dementsprechend ehrfürchtig war und bin ich, was das Interview angeht. Nicht nur ich, auch meine Freunde (auch Männer!) schienen schier beeindruckt, dass ich Nast für Mimi&Käthe so dies und das und jenes fragen werden darf. Denn Michael Nast hat nicht nur in meiner Facebook-Timeline Prominentenstatus erreicht, er füllt auch hier und da ein paar Lesesääle (aka ausverkaufte Lesetour) und hat einen Bestseller geschrieben.

Der Boi Michael Nast also. Kolumnist bei der „FREUNDIN“, selbstredend bei „im Gegenteil“, drei Bücher veröffentlicht. Erwähnte ich schon meine Ehrfurcht?

Am Tag des Interviews lege ich probeweise mein bestes Telefonstimmchen auf, schalte das ausgeliehene Aufnahmegerät ein und warte. 15 Uhr. Es klingelt. „Hallo, Michael Nast am Telefon“. Ohmeingott, sexy Stimme. Alter. Er hat wirklich diesen Berliner Dialekt! Mich beschleicht dieses Gefühl, das sich einstellt, wenn man im Urlaubsland wirklich die Dinge zu sehen bekommt, wie sie im Reiseführer beschrieben wurden. Wow. Irgendwie scheint da im Hirn das Belohnungssystem angefunkt zu werden, don‘t know. Aufnahmegerät spinnt natürlich, mein Handy muss ich laden, egal.

Michael Nast, Staatsschauspiel Dresden, 3. November 2016

Erste Frage: Was machst du so? Herr Nast kocht sich gerade einen Kaffee und hat schon Feierabend. Seit Januar säße er fünf Tage die Woche am Rechner und schreibe seinen Roman. Und da bist du jetzt schon fertig, um 15 Uhr? Es scheint okay zu sein, ihn zu duzen, also here we go, Michael. Ja, denn er sitzt jeden Tag ab 6.45 oder 7.45 Uhr (sechsuhrfünfundvierzig, wtf) vorm Rechner und tippttippttippt. Ein kurzer, kalter Schauer durchfährt mich beim Gedanken an 6.45 Uhr – wann bin ich das letzte Mal so früh aufgestanden? Ohje. So wird das natürlich nix mit uns werden, erstens weil ich schon einen Freund habe (jahahaha, der sich sehr bedanken wird für diesen Text), und zweitens sind das wirklich unvereinbare Aufstehzeiten. Na ja. Und überhaupt – Kopfkino wird ja wohl noch erlaubt sein, und da blende ich diese Kleinigkeiten einfach gekonnt aus.

Zweite Frage: Hast du Sex mit deinen Fans? Upsi, das war recht stürmisch, ne? Bekomme trotzdem eine Antwort: „Jein, gab es schon mal, wird es vielleicht auch wieder geben, ist aber nicht die Regel.“

Der Satz ist wohl selbsterklärend. Ja, Sex ist einfach. Und unverbindlicher Sex, unverbindliche Bekanntschaften, ja selbst unverbindliche Beziehungen sind einfach – zumindest einfacher. „Wir befinden uns in einem komplexen, bequemen Zustand der Unverbindlichkeiten.“ Im Tourleben habe er allerdings gelernt, dass die Realität dann doch weitaus unspektakulärer aussehe: Wenig Alkohol und wenig Schlaf, gepaart mit langen Terminen und umso kürzeren Essen beim Italiener. Daher geht Michael Nast auf Sexangebote direkt nach der Lesung  grundsätzlich nicht ein, findet es jedoch spannend, was auf die Zettelchen mit Telefonnummer als Einladungstext geschrieben wird. Wollen wir noch … aha, aha. Auch werde er keine Beziehung mit einer Leserin eingehen, einen kurzen Stop-Over vielleicht, Beziehung nein. Denn: „Sex ist einfach, Beziehung ist schwer.“

Ich kann die Mädels verstehen, die Nast ihr Nümmerchen zustecken und ihm dazu noch eins in Aussicht stellen. Ich würde es zwar nicht über mich bekommen und bin schlau genug, erahnen zu können, dass das tendenziell eher weniger fruchtbar ist, aber die Faszination und das Ich-kenne-ihn-doch-schon-so-gut-aus-seinen-Texten-Gefühl ist mir nicht ganz fremd.

Fototermin mit dem Berliner Autor und Kolumnist, Herr MICHAEL NAST für die Redaktion FREUNDIN am 22. Juli 2015 zum Thema: 6 Motive zur Bebilderung seiner Kolumne in der FREUNDIN (Magazin u. Online) Locationliste chronologisch: - Terrasse Hotel de Rome - Lounge im Hotel de Rome - Treppe auf dem ULAP-Gelände - Parkhaus - Restaurant Spreegold - Bebelplatz - Goldfisch-Bar - Spreeufer an der Oberbaumbrücke - Dachterrase Karl-Marx-Allee - Brunnen am Strausberger Platz beauftragt durch Heide Christiansen, Stellvertr. Leitung Bildredaktion freundin Verlag GmbH  digital fotografiert, 41,5 x 62,0 cm, 300 dpi Retuschiert Ready To Print APPROVAL © Steffen Jänicke 2015 Jeder Abdruck ist honorarpflichtig und bedarf der Absprache mit dem Bildautoren (Steffen Jänicke), Autoren (M. Nast oder seinem Management - Ulf-Gunnar Switalski von Omundo Media GmbH)

Michael Nast ist Bestsellerautor, unter anderem Kolumnist beim Magazin „FREUNDIN“ und ja, let‘s face it, Sexsymbol für viele Girls und Damen. Foto: © Steffen Jänicke 2015

Was hat sich noch so seit der Lesetour im letzten Jahr verändert? Der Beziehungsstatus (Single, natürlich) scheinbar nicht. Er sei aus dem sozialen Gefüge gerutscht, hätte seine Freunde sehr vernachlässigen müssen. Was er noch schnell anmerkt: „Und hätte ich den Erfolg, die Lesetour, das alles mit 21 erlebt, ich wäre ein Arschloch geworden.“ Die vorigen Jahre beinhalten nicht nur Erfahrungen aller  Art, die man eben so sammelt, bis man Anfang 40 ist, sondern auch eine Lektion in Sachen Demut. So geschehen, als ein Verlag seinen schon geschriebenen Roman nicht wollte. Keine Identifizierungsfigur, durchgefallen. Das hat den enorm schnellen Erfolg sicher wertvoller gemacht und ihn vor zu schnellem Überschnappen geschützt.

Noch etwas, das seit dem Label „Bestsellerautor“ und der erfolgreichen Lesereise nicht mehr so ist und vorerst auch nicht mehr so sein wird, ist das Ausgehen mit Freunden. Man wird erkannt, angesprochen, angeschaut. Angelächelt, angeflirtet – komm, es gibt schlimmeres, oder? Aber doch, durchaus, es könne auch nervenzehrend sein, nicht in Ruhe mit seinen Freunden ausgehen zu können. Vielleicht auch bespitzelt zu werden, um der Paranoia seiner Freunde noch ein wenig Futter zu geben.

MBN_Lesung_Berlin

Und was ist mit Sex und Pornos?

Emotionale Erotik komme schon mal vor, so Michael Nast. Auch mit einer der (ich vermute zahlreichen) Ex-Freundinnen wurde schon mal versucht, einen Porno zu zweit anzuschauen, das ging aber eher in die Hose. Literarisch immer am Thema vorbeigeschlängelt mit solch hübschen Sätzlein wie „Wir wissen alle, dass Sex eine sensible Angelegenheit sein kann“, soll es im neuen Roman aber eine heiße Sexszene geben. „Richtig 21. Jahrhundert, mehr darf ich leider nicht verraten.“ Aber ein Grund für mich, in seinem neuen Roman zu schnüffeln, denn Sex interessiert mich doch meistens mehr als schon wieder die Single-Beziehung-Ja-Nein-Vielleicht-Nummer. Das Romanprojekt itself hält eine Mischung aus Zeitgeist, Tinder, Berlinroman und einer Art therapeutischem Psychologiegehalt bereit – eine komplexe Story um ein Paar und zwei Singles. Hohe Erwartungshaltung von Verlag und Fans? Yayy, absolut. Aber was soll‘s, Nast sieht es damit gar nicht so eng.

Auf meine Frage, ob er eigentlich der erfahrene Seelsorger unter seinen Männerfreunden ist, antwortet mir Michael Nast: „Ob sich nun ein 18- oder 65-jähriger Mann mit seinen Freunden trifft, egal. Es geht früher oder später um Frauen. Frauen sind das ewige Thema.“

Schön gesagt. Und umgekehrt genauso wahr.

Michael Nasts Bestseller „Generation Beziehungsunfähig“ könnt ihr hier bestellen.

Michael Nast bei Facebook.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *