Mansplaining: „Kleines, Papa erklärt dir jetzt mal was“

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Ein Text von Virginia Heart.

„Wer, wie, was“ erklärt die Männerwelt. Ungefragt. Mansplaining nennt man das.

Der Begriff  Mansplaining, das australische Wort des Jahres 2014, geht auf die amerikanische Schriftstellerin und Journalistin Rebecca Solnit zurück. Im Jahr 2003 legte ein Mann ihr mit Hilfe fehlerhafter Zusammenfassungen und lückenhafter Anekdoten ein Buch ans Herz, dass sie selbst geschrieben hat. Solnit legte ihre angestaute Frustration über diesen und artverwandte Vorfälle in dem Essay „Men Explain Things To Me’“dar.

Die kurze Beschreibung von Solnits Begegnung mit ihrem unwissenden Fan enthält eigentlich auch schon alles, was man über Mansplaining wissen muss. Um es auszuformulieren: Der Begriff bezeichnet bevormundende Erläuterungen, die ein Mann an eine Frau richtet. Der Erklärende handelt aus einer Position selbsterklärter Überlegenheit, welche er sein Gegenüber (mehr oder minder bewusst) spüren lässt. Er geht schlicht von seiner Expertise aus.

Auf Buzzfeed gibt es einige praktische Beispiele:

„Ein Taxifahrer hat mal 20 sehr seltsame Minuten lang versucht, mich davon zu überzeugen, dass die Landessprache von Chile Französisch ist. Ich bin Chilenin. Die Landessprache ist Spanisch.“  

„Ein Mann hat mir gezeigt, wie ich Batterien in das Batteriefach einlege, wie ich sie positionieren muss und wie ich anschließend die Plastik-Abdeckung wieder befestige. Ich bin 22. Ich habe eigenhändig ein Boot gebaut.“

„Ein ehemaliger Buddy versuchte mal, mir das Aussehen, die Funktion und den Sinn eines Push-Up-BHs zu erklären.“

„Mein Mann erzählte mir von einem ,schrecklichen’ Mansplaining Vorfall auf der Arbeit. Basierend auf seiner Schilderung dachte ich nicht, dass es sich um Mansplaining handle. Da fragte er mich: ,Du weißt aber schon, was das ist, oder?’ Dann erklärte er mir den Begriff Mansplaining. Die Ironie dieser Situation war großartig, und er hat sie null verstanden.“

mansplaining 2

Nun gibt es sicherlich die berechtigte Frage, warum es ausgerechnet Mansplaining heißt. Schließlich kommt es auch vor, dass Frauen einem Mann etwas erklären. Die Antwort findet sich, wie so oft, in gesellschaftlichen Privilegien. Der Redeanteil von Männern in Meetings ist, wie Studien belegen, höher als der ihrer Kolleginnen. Männer werden außerdem während ihrer Beiträge seltener unterbrochen. Doch diese Dynamik wird nicht nur im professionellen Umfeld deutlich. Gerade in sogenannten „Männerdomänen“ wird Teilnehmerinnen ein inhärentes Unwissen unterstellt. Die Folge sind zum Beispiel für alle Beteiligten peinliche Kreuzverhöre zur Authentisierung der „Eindringlinge“. Man denke nur an all die Gamer Girls, denen mit Misstrauen und albernen Miniquizzes begegnet wird, sobald sie sich als Gamerinnen zu erkennen geben.

Sicherlich befinden sich in der Mimi&Käthe Leserschaft zum großen Teil Herren, die nie Teil der Erscheinung waren. Und doch fühle ich mich verpflichtet, zur allgemeinen Vorsicht aufzurufen. Hinterfragt kurz eure Intentionen, wenn es zum Erklären kommt. Geht es hier um eure Profilierung oder tatsächliche Wissensvermehrung der Gesprächspartnerin? Fragt, inwieweit eure Gesprächspartnerin über das Thema informiert ist. Wenn sie Anstalten macht, etwas zu euren Ausführungen beizutragen, gebt ihr die Gelegenheit. Seid nicht bevormundend. Seid cool. Wir wissen, ihr könnt das.

Fotos: Sarahlikesprettygirls

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