Ich wollte wie He-Man sein: Männer, Muckis, Mäusefäuste

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Text von Hans Pørnflake

Mimi fragte mich kürzlich, ob ich etwas von Männern, für oder über Männer schreiben wolle. Ich kann Mimi ganz sicher keinen Wunsch abschlagen, aber irgendwie hatte ich doch Bedenken. Ich denke, es wird viel zu viel von Männern, für und über Männer geschrieben. Dennoch wollte ich nicht kneifen und entschloss mich, zumindest etwas _über_ Männer zu schreiben. Schaden wird’s schon nicht.

Da ich inzwischen zu den etwas reiferen Semestern zähle, mir Koffein auf den Magen schlägt und mein Körper nach der letzten Zigarette vor nunmehr fast zwei Jahren sagte: „Fett gibt’s gratis dazu“, glaube ich, dass ich inzwischen durchaus etwas zu meinen Geschlechtsgenossen schreiben kann, ohne dass es wie der feuchte Erguss eines dauerspitzen Teenagers klingt. Mit Männern und mir ist es aber trotzdem etwas kompliziert.

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Unser sexuell wie emotional sehr ansprechendes Model ist NICHT Autor Hans Pørnflake. Der hat mehr Bart, ansonsten sind beide zum Anhimmeln schön und schmexy.

Ich bin aufgewachsen mit fast ausnahmslos männlichen Rollenvorbildern. Mit echten Männern, bärtig, muskulös, dominant. Mit Tom Selleck, B.A. Baracus, He-Man, GI Joe, Brian Ferry, Kurt Russel, Bud Spencer oder Bruce Campbell. Es wurde gezotet, gekloppt, gekillt und gefickt. Zumindest nahm man an, dass Tom Selleck keine Liebe macht, sondern bumst, so richtig. So wollte man auch sein, lange bevor man eine Idee davon hatte, wie man Sex für sich selbst und andere interessant gestalten könnte. Aber man würde es schon richten, ganz sicher reihenweise schöne Mädchen vögeln und ihnen dabei das Blaue vom Himmel herbei lügen. Danach würde man mit plötzlich vorhandenem Brusthaarteppich oberkörperfrei daliegen, das Girl eng an sich geschmiegt, eine tiefen Zug von der Kippe nehmend, und fragen: „War’s für dich auch so gut, Puppe?“

Als ich eines Nachts nach einer Party, betrunken und verunsichert, mit einer viel erfahreneren, zwei Jahre älteren Göre, zum ersten Mal fickte, hätte es von meiner Vorstellung nicht weiter entfernt sein können. „Tom, He-Man, B.A., ich habe euch enttäuscht. Schande über mich.“ Nun ja, eigentlich habe ich nur unendlich lange gebraucht, um mit meinem Schwanz das richtige Ziel zu treffen. Und nachdem das Mädchen mir nach einem langen Seufzer endlich zur Hand ging, war es eigentlich ganz okay. Trotzdem: Keine Kippe danach, kein Brusthaarkrauler, kein ewig langer Blick in ihre Augen, mit dem ich ihr Herz zum Schmelzen brachte. Es war ein stinknormaler, erster Fick.

Diese Erfahrung war eine derjenigen, die mich meine Rollenvorbilder langsam vergessen ließen. Nicht als Schauspieler, Musiker oder was auch immer He-Man machte, aber als Subjekte, an denen ich mich messen wollte. Ich würde nie so unfassbar lässig sein wie Tom Selleck es in „Magnum“ war. Ich würde nie Frauenherzen brechen, weil ich den Mädels nur lange genug in die Augen schaute. Ich musste dafür verdammt nochmal etwas tun. Also sagte ich mir irgendwann: Scheiß auf Rollenvorbilder. Scheiß auf Erwartungen, die nicht erfüllt werden und auf Wunder, die nicht passieren. Und vor allem, scheiß auf Männer, die mir sagen wollen, wie ich zu sein habe.

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Es gibt viel zu viele Männer, die anderen sagen, wie sie zu sein haben. Ich aber wollte nicht mehr. Das fand ich nach viel Nachdenken und vielen Gesprächen mit Freunden heraus. Ich war an dem Punkt angelangt, an dem ich frei war. Ich konnte sein, wer ich wollte. Ich ging durch die Straßen, und es war mir egal, was man von mir dachte. Persönliche, vollständige Freiheit. Da war kein Platz für andere Männer, die so viele andere immer weiter mit ihren Erwartungen erstickten. Die Horden von Männern, die ihre eigene Unsicherheit, ihre Selbstzweifel und ihren Selbsthass wie einen Buckel tragen, die unter der Last der Erwartungen der Väter, Brüder oder Fremder zerfressen sind und sich darum den stärksten Panzer bauen, den die Welt je gesehen hat.

Auch diese Männer haben Rollenvorbilder, die sie auf ihrem Weg begleiten, aber viele von ihnen werden sie nicht mehr los. Sie werden immer diesen einen Mann im Hinterkopf haben, der ihnen sagt, sie seien ein Versager, wenn sie sich etwas von einer Frau sagen lassen, Gefühle zeigen oder Verständnis für andere haben. Es sind diese toxischen Männer, die für einen so großen Teil des Leids dieser Welt verantwortlich sind. Und obwohl sie diese Stimme im Kopf haben, will ich ihnen ganz bestimmt nicht die Verantwortung absprechen. Scheiß auf diese Stimme im Kopf. Seit ich ihr den Hals umgedreht habe, bin ich freier, leichter, ich selbst. Ich weiß, was ich will, ich weiß, was ich anderen geben möchte, und ich weiß, warum ich Dinge tun kann, muss oder will.

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Wenn ich heute Magnum sehe, erkenne ich immer noch das Feuer, das solche Männer in mir entfacht haben, aber es glimmt nur noch vor sich hin. Starke Männer sind vor allem solche, die mit sich im Reinen sind. Die weit blicken und ihren Standpunkt hinterfragen. Die zärtlich sein können, ohne sich doof zu fühlen, die in aller Öffentlichkeit über Gefühle reden und trotzdem beim Fußball Bier saufen und fluchen. Ich denke, dass es auch diese Mischung ist, die Frauen mögen. Wer möchte schon einen Typen, der ausschließlich zart und verständnisvoll ist und euch mit sanften Bewegungen in den Schlaf bumst? Oder einen, der glaubt, dass er eben doch extrem cool wirkt, wenn er euch scheiße behandelt.

Doch Vielschichtigkeit muss man sich erarbeiten. Da reicht es nicht, sich einen Schnäuzer wachsen zu lassen und in Hawaii-Hemden rumzulaufen, sorry, Tom. Ich kann auch heute noch zu Männern aufsehen, aber ich lasse mir von ihnen nicht mehr diktieren, wie ich zu leben habe. Ich bin ein feministischer Mann, Death Metal hörend, bärtig, Vintage-Porn liebend, mit dem schönsten Penis der Welt. Da kann auch Tom Selleck nicht mithalten.

Fotos: Ika Fan // Ika Fan bei Facebook

5 Comments

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  3. Rheintochter Esme

    17. September 2016 at 13:44

    *trööööööööööööööööt* Partyhüte und -tröten satt für diesen Text, so sehr feiere ich ihn! Großartiger Text, 1 A Message – ich bin mal wieder im Fangirlhimmel, vielen Dank!
    Und ganz viel Liebe vom Rhein!

    • Der Ulli

      11. Januar 2017 at 21:40

      Da kann ich nichts mehr hinzuzufügen… Sau gut mal

  4. JudgeDark

    16. September 2016 at 16:14

    100 % Zustimmung und vielen lieben Dank für diesen herzerfrischenden weil ehrlichen Text!

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