Mädchenliebe – leichter lässig liebhaben

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Ein Text von Antoinette Blume.

Liebe unter Mädchen. Nicht im erotischen Sinne gemeint, möglicherweise im semi-erotischen.

Warum kann man eigentlich mit seinen Freundinnen so gut schmusen, sich den Kopf beim sonntagabendlichen Tatort-Schauen kraulen lassen, und überhaupt, einfach den Arm im Kino um die beste Maus herumschlingen und sich gemeinsam so leicht in Tränen der Freude, der Wut oder des Hasses ergehen? Tuchfühlung (de)light.

Ich nenne es vorsichtig Mädchenliebe. Es ist ein eigenes Konzept, das mit dem biologischen Geschlecht nicht zwingend viel bis alles gemeinsam haben muss und kann. Freundschaftliche Liebe eben. Aber feminin, tief, echt, und eben auch: körperlich. Busenfreundinnen. Freundschaft und Liebe. Freundschaft ist Liebe, und Liebe ist Freundschaft. Sagt man ja so.

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Diese körperliche Freundinnennähe habe ich erst neu für mich entdeckt. Oder wieder entdeckt – denn wenn ich so recht darüber nachdenke, den ersten Zungenkuss hatte ich nicht mit jemandem, in den ich verliebt war, nein. Stattdessen mit einer Freundin, die ich sehr mochte und mag und die ich heute immer noch ab und zu im Club küsse – aus Nostalgie, und weil sie einfach die Beste ist.

Vor den besten Freundinnen werden Nippelhärchen gerupft, der Schambereich gemeinsam blondiert, anschließend pink gefärbt oder Oberunterbekleidung getestet. Man duscht zusammen, wenn es ganz arg schnell gehen muss, oder badet gemeinsam, wenn es im Winter kalt, der Wein (zu) warm und die Gelegenheit günstig ist. Geradezu therapeutisch werden im Bett Zukunftspläne kuschelnd auseinandergenommen. Natürlich platonisch, non-erotisch, aber doch irgendwie mehr. Intim. Frei. Besonders, anders – ich möchte das nicht mehr missen.

Eine völlig andere Erotik als mit der/m Liebste/n – unaufgeregter. Denn mit dem Partner führt je nach sp(r)itz(ig)er Phase alles Körperbetonte und Nackte mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit zu Sex an Ort und Stelle.  Mädchenliebe ist dagegen dezent, schmeichelhafter und verklärt romantisch. Diese kleine (da wir doch immer nur von der großen Liebe schreiben oder von der nächsten, letzten, nie da gewesenen großen Liebe) feine, butterwolkenweiche Liebe unter Freund_innen* hat hiermit ihre verdiente Liebeserklärung bekommen. Voilà.

*Menschen.

Fotos: 440 Photography
Models: Lena und Nasti van der Weyden

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