„Heute Nacht gehörst du mir“ – Eine erotische Short Story

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Eine erotische Kurzgeschichte von Romy Dietrich.

Ich stehe vor seiner Tür, hebe die zitternde Hand und berühre den Knopf mit seinem Namen darauf. Hinter mir rauscht der Verkehr der Großstadt, selbst nachts um zwei schläft diese Stadt nicht. Lang bin ich nicht mehr hier gewesen. Jahre. Es fühlt sich an wie Jahrzehnte, ist doch inzwischen so viel passiert.

Eigentlich ist alles schön – ich mache steil Karriere, habe großartige Freunde und kann tun und lassen, was ich möchte, wann ich es möchte. Aber da ist dieses Bedürfnis, Lust, dieser Wunsch, sich vollkommen fallen zu lassen, ein Wunsch, den ich einfach nicht abstellen oder kontrollieren kann. Und nur dieser eine Mann, der ihn mir erfüllen kann.

Er, mit dem ich früher alle verrückten Dinge getan habe, die man so tun kann. Er, der mich, die starke Karrierefrau, beherrscht hat wie niemand sonst es wagen würde. Er, dieser schlanke, fast schmächtige Mann mit seinen dunklen Glutaugen und seiner manchmal recht merkwürdigen Ausdrucksweise. Er, dieser Mann, hat mir gegenüber eine Dominanz am Leib, die sich die wenigsten Männer mir gegenüber trauen würden, zu zeigen. Er, und nur er, kann Ruhe in meinen wirren Geist, kann Klarheit bringen, mich vergessen lassen und mich wieder zu mir führen.

Ich klingele. Er weiß, dass ich komme, dass ich Lust habe, ihn zu sehen. Er hat mich eingeladen, nachdem ich ihm spontan nach vielen Jahren der Funkstille geschrieben habe. Wir haben uns lang unterhalten, über dies und das, Smalltalk gehalten, uns in Kreisen dem Ziel genähert: dass wir Sehnsucht nach unserem Spiel haben.

Und heute schrieb er:  „Komm doch vorbei – wenn du dich traust“.

Die Tür geht auf. Er steht vor mir, in Shirt und Shorts, es ist heiß in der Stadt. Ein Bartschatten liegt auf seinem hageren Gesicht und am Mahlen seiner Kiefermuskeln kann ich erkennen, wie schwer es ihm fällt, mich nicht an sich zu reißen.

Ich weiß, wie ich gerade aussehen muss. Meine Haare sind hastig in einen Dutt geschlungen, Strähnen hängen mir auf die schweißige Stirn, und ich weiß, dass ich ihn gerade anstarre wie ein Reh das Scheinwerferlicht. Er bedeutet Gefahr. Hat er schon immer.

Er macht eine kleine Geste mit der linken Hand, die rechte krallt sich in die Tür. „Wenigstens packt dich das genauso wie mich“, denke ich mit einem Hauch Genugtuung. Ich kann nicht verhindern, dass sich ein kleines Lächeln des Triumphs auf meine Lippen stielt – und er sieht es. In dem Moment, in dem die Tür sich schließt, packt er meinen Nacken, zieht mich an sich und knurrt: „Freu dich nicht zu früh. Du gehörst mir, bis du diese Wohnung wieder verlässt!“

Mein Puls rast, ich habe Lust auf ihn, auf das. Deshalb bin ich hier. Aber ich habe nicht erwartet, dass es mich so kalt erwischt. Ich nicke, weiß ich doch, worauf ich mich eingelassen habe. Als ich seine Wohnung, sein Reich betreten habe, habe ich damit mein Einverständnis gegeben, für diese Zeit sein zu sein. Mit Haut und Haar.

Er dirigiert mich in Richtung Küche, die Hand immer noch in meinem Nacken. Löst meinen Haargummi, flüstert: „Du weißt, wie sehr ich es liebe, wenn deine Haare über deine Haut fließen.“ Ich habe das Gefühl, dass  jede einzelne Strähne meine Haut liebkost und erschauere.  Er dreht mich zu sich, drückt mich mit seinen Hüften gegen die Stirnseite des Küchentisches und legt die Hände rechts und links neben mir auf die Platte, sodass ich gezwungen bin, mich zurück zu lehnen und zu ihm hoch zu sehen.

Seine Stimme ist rau, als er sagt: „Ich frage dich das nur ein Mal. Wem gehörst du heute?“ Mein Hals fühlt sich an wie Schmiergelpapier, als ich leise flüstere: „Dir“. Er nickt zufrieden. „Komm mit“ sagt er und geht in sein Wohnzimmer. Dort steht Wein, den er gar nicht mag, und auf dem Tisch liegt eine Schachtel Zigaretten. „Du rauchst doch noch?“, fragt er mich. Ich nicke, wohl wissend, dass er das so wenig mag wie ich den Wein, aber genau weiß, dass ich später eine Zigarette dringend nötig haben werde. Abrupt bleibt er stehen, dreht sich zu mir und packt mich. Ich kann kaum reagieren und finde mich auf einmal über die Rückenlehne des Sofas gebeugt wieder. Eine Hand streicht über meinen Rücken, die andere hält erbarmungslos meinen Nacken fest. Seine Hand stoppt an meinen Rippen und krallt sich in meine Hüfte. Mein dünnes Trägertop bietet nicht allzu viel Schutz, und ich atme schmerzerfüllt ein. Er beugt sich über mich, seine Hüften an mich gepresst und raunt in mein Ohr: „Darum bist du doch hier.“ Ich nicke atemlos.

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„Wenn du mehr willst, musst du es nur sagen“, sagt er mit beißendem Spott in der Stimme. Er weiß, dass ich das nicht tun werde. Es ist ein Spiel zwischen uns, ein Machtkampf, nur, dass der Verlierer nicht wirklich verliert – am Ende werden wir beide haben, was wir wollen. Ich unterdrücke ein Knurren und drehe den Kopf, soweit es eben geht. Spöttisch hebe ich eine Augenbraue. „Ist das alles, was du zu bieten hast?“, frage ich. Sein Griff wird fester, und ich keuche auf. Er zieht mich hoch und schiebt mich über den Flur ins Schlafzimmer, während er mich fordernd küsst. Ich kann spüren, wie die Spannung zwischen uns steigt, wie lang unterdrückte Bedürfnisse aus dem Untergrund hochsteigen, in den wir sie beide gedrängt hatten.

Ich finde mich auf seinem Bett wieder, registriere, wie er mir die Sandalen von den Füßen zieht und seine Hände meine Beine hoch wandern, unter meinen Rock. Das geht mir alles zu schnell. „Hey, mach langsam!“, keuche ich und winde mich. Er hält inne und kommt weiter hoch, bis er über mir ist und mich ansehen kann.

„Mein Herz, ich dachte, wir spielen heute nach meinen Regeln?“,  sagt er, und grinst dabei auch noch süffisant.

Das bringt mich aus dem Takt. Ich weiß, dass er mich respektiert und nie etwas tun würde, was ich nicht will, dass er es genießt, wie sich meine Augen erschrocken weiten, dass es Part des Spiels ist, und das bringt mich dazu, vor Lust zu erschauern. Er lacht leise auf. Sagt: „Gut, das wäre dann wohl geklärt“, dreht mich um und verpasst mir einen schnellen Schlag auf den Hintern.  Ich seufze auf – das habe ich gewollt, dieses Machtspiel, in dem Wissen, dass ich ihm zwar gewachsen bin, es aber in diesen Momenten einfach nicht sein will – und auch nicht muss.

Er zeigt auf das Kopfende seines Bettes. Irgendwie hatte ich vergessen, wie stabil es ist. „Halt dich fest“, sagt er, „und wenn du loslässt, ist das hier sofort beendet.“ Ich nicke und greife nach den Stangen des Bettes, die dafür wie gemacht zu sein scheinen. Auch das war immer Teil unseres Spiels. Er hat mich nie mit Handschellen oder Seilen traktiert, sondern meinen Trotz dazu benutzt, mich zu fesseln. Wenn ich loslasse, ist es das Zeichen, dass ich genug habe. Er legt in meine Hand, wie weit er gehen darf. Doch heute bin ich hier, um den Kopf leer zu kriegen, und er weiß es. Wenn wir fertig sind, will ich nicht mehr denken können.

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Ich biege mich ihm entgegen, will mehr von ihm spüren, von seiner Lust, will seine Haut, seine halblangen Locken auf meinem Gesicht, aber er lässt mich zappeln. Als ich die Augen aufschlage wird mir klar, dass er mich betteln lassen will. Er will gewinnen, und ich ihn nicht lassen, also bleibe ich stur, schließe die Augen und ignoriere, dass mein ganzer Körper nach ihm schreit.

Schockiert höre ich, wie er den Raum verlässt. An der Tür dreht er sich um und sagt: „Ich hol mir was zu trinken – du kannst dir ja überlegen, ob du loslassen und das hier beenden willst, oder ob du einfach bitte sagst und bekommst, was du so sehr willst.“ Seine Worte, sein Tonfall, alles an dieser Verweigerung macht mich rasend, heizt aber gleichzeitig alles in mir an. Während ich ihn in der Küche höre, horche ich tief in mich hinein, erforsche meine Wünsche und fasse einen Entschluss.

Als er zurückkommt, beugt er sich über mich, kommt immer näher, und seine raue Stimme flüstert in mein Ohr: „Hast du dich entschieden, weiterhin mein zu sein?“ Ich erschauere, nicke, und weiß im gleichen Moment, dass das nicht reicht. Nicht, nachdem ich mich geweigert habe, ihm zu zeigen, wie sehr ich ihn will.

Sein Blick wird hart. Er zieht mich vom Bett auf den Boden, setzt sich auf die Bettkante und wartet. Lässt mich dort knien. Er weiß, wie er mich klein kriegt. Ich starre auf den Boden und bin wild entschlossen, nicht zu betteln, obwohl ich ihn so sehr brauche. Nach einer Minute spüre ich eine Berührung an meiner Wange und zucke zusammen. Seine Hand fasst mein Kinn und zwingt mich, ihn anzusehen. „Sag mir, dass du das willst“ sagt er sanft, doch ich kann nur nicken. „Ich will das hören!“, fordert er weiter. Ich schlucke meinen Stolz runter, verabschiede mich für heute von der toughen Frau des Alltags und hebe den Blick. Ich schaue ihm in die Augen und flüstere: „Ich will dich. Bitte mach weiter.“

Er hebt mich zurück ins Bett, zieht mich bis auf die Unterwäsche aus, legt meine Hände wieder über meinen Kopf um die kalten Stäbe des Bettes und lässt seine Hände über meine Haut gleiten, packt mein Gesicht und küsst mich, bis ich keine Luft mehr bekomme und aufkeuche.  Als er sich von mir löst, bäume ich mich auf, versuche, ihn wieder einzufangen, lasse aber dabei das Bett nicht los, um es nicht zu beenden und falle mit einem frustrierten Geräusch wieder in die Kissen. Er lacht leise, denn das ist es, was er wollte: das ich mich nach ihm verzehre, nach ihm bettle, mich so lang aufheize, bis wir beide uns endlich nehmen, was wir wollen.

Wir machen weiter, provozieren uns gegenseitig, bis wir fast platzen und dann endlich, endlich, sind wir zusammen, spüren einander, halten uns am anderen fest, gehen ineinander auf.  Manchmal lasse ich das Bett los, ein paar Mal mit voller Absicht, und fange mir dafür einen Schlag auf den Hintern ein, aber irgendwann ist auch diese Regel egal.  Danach senkt sich seine nackte Brust auf meine Haut. Er hüllt mich ein mit seiner Gegenwart, hält mich fest, fängt mich auf. Ich seufze auf und schmiege mich an ihn, fühle mich absolut leer und frei. Morgen werde ich heiser sein und vermutlich Muskelkater haben, aber das war es mir wert.

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Als ich am nächsten Morgen gehe, fühle ich mich wie ein neuer Mensch. Mir tut alles weh, denn irgendwie ist es nicht bei einem Mal geblieben, wir sind zusammen immer weiter gegangen, haben weitergemacht, bis wir nicht mehr konnten, getrunken, geredet, und dann unser Spiel von vorne begonnen. Mein Körper, mein Kopf, meine Lust, alles hat ihm gehört, und er hat mir dafür gegeben, was ich so sehr brauchte. Er hat mich beherrscht, mich von jeder Verantwortung befreit, außer der, es zu beenden. Er hat sich um mich gekümmert, auf die Art und Weise, die uns entspricht, und dafür war ich für diese Nacht nur sein. Ich fühle mich erschlagen, aber auch einfach gut.

Zum Abschied drückt er mir einen Kuss auf die Stirn. „Du weißt, ich liebe dich“, sagt er sanft. „Ich weiß“, sage ich und meine es auch so.

Fotos: Sarahlikesprettygirls // Mit freundlicher Genehmigung von KinKats.com

6 Comments

  1. Coco

    16. April 2017 at 8:49

    Das mit den Nägeln & der nicht wirklich vorhandenen Spannungskurve habe ich leider genauso empfunden..

  2. Kaylou

    15. April 2017 at 9:52

    Die Fotos dazwischen wären ansprechender, wenn der Mann nicht so ungepflegte Nägel hätte.
    Die Spannungskurve flacht auch schnell ab.
    Eher mäßig.

  3. JudgeDark

    15. April 2017 at 8:20

    Vielen Dank für diese inspirierende Geschichte!

    Und wenn sie so erlebt wurde, dann beneide ich dich ein kleines bischen, Romy Dietrich.

    • Romy

      18. April 2017 at 11:10

      So und so ähnlich ist das immer wieder geschehen, ja :)
      Vielen Dank!

      • JudgeDark

        18. April 2017 at 18:12

        Dann genieße für dich die „Spannungskurve“, die du dann sicher in deinen Erinnerung mit dir trägst. ;)

        • Romy

          6. Mai 2017 at 17:25

          Die Realität war sogar noch spannender – aber das können wir hier leider aufgrund verschiedener Umstände nicht publizieren. Deswegen die flachere Version *g*

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