Bock auf Liebe? Liebt euch erstmal selbst!

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Frohes Neues! Und, seid ihr auch schon grandios bei der Umsetzung eurer guten Vorsätze gescheitert? Na dann, willkommen im Club. Mindestens einen guten Vorsatz hat auch unsere Autorin Artie Shaww gefasst. Obwohl, nein, es sind vielmehr gute Gedanken, die sie aufgeschrieben hat. Für euch und uns, auf dass wir gut und vielleicht auch ein wenig besonnener als sonst in dieses neue Jahr starten. Lest und liebt, erst diesen feinen Text und die lovely Fotos, dann euch selbst :)

Von Artie Shaww

Das neue Jahr ist nun auch endlich angekommen. Ich habe gut reingefeiert, wobei es nicht nur Wermut im Glas gab, sondern auch einige Tropfen selbigens auf Gemüt.

Während der Silvestersause in einer meiner absoluten Lieblingsbars wurde ich von diversen männlichen Begleiterscheinungen angesprochen. Ein zukünftiger Ehemann vergällte meiner Freundin und mir den Jahresbeginn, als er uns zurief, dass er Frauen wie uns nicht verstünde und es nicht gut fände, wie wir uns verhielten: So allein unterwegs, besoffski und laut. Das wäre wohl auch der Grund, warum wir überhaupt allein seien. Ah ja. Danke fürs Gespräch. Darauf erstmal einen Ingwerschnaps.

Ich verstehe das nicht, dachte ich mir. Männer tätscheln mir ungeniert den verlängerten Rücken, und wenn ich mich dagegen ausspreche (!), mich dennoch, vielleicht sogar darüber amüsiere, definitiv und augenscheinlich Spaß habe, dann macht mich das nicht liebenswert?

Am nächsten Tag war ich nicht nur schrecklich verkatert, sondern auch deprimiert, weil mir diese Episode im Kopf herumschwirrte. War ich wirklich so? So nicht liebenswert? Wie kann es sein, dass mich ein wildfremder, noch dazu minikleiner, junger Mann so nachhaltig beschäftigte? Das konnte nicht allein der Neujahrsblues sein. Um den Kater zu vertreiben, duschte ich, machte mir Kaffee und stellte mich dann nur in Unterwäsche und mit verstrubbelten, nassen Haaren vor meinen Spiegel. Ich blickte mich an und studierte mich.

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Große Augen, große Nase, große Ohren, großer Mund, kurzer Hals, kleine Brüste, flacher Bauch, lange Arme, starke Beine, keine Taille, runder Po, kräftige Waden und kleine Füße. Kinderhände.

Ich stellte den Kaffee beiseite und zog mich aus. Nackt und bloß stand ich nun vor dem Spiegel.

Nichts hatte sich verändert. Ich war immer noch da. Ich umfasste Schultern, meinen Oberkörper, dabei blickte ich mich an. Ich streichelte meine Hüften, umschlang mich regelrecht. Tränen stiegen mir in die Augen, und ein Lachen kämpfte sich meine Kehle hinauf. Ich lachte mich an. Rieb meine Wangen, fuhr mir durch mein nasses Haar, hielt mit meinen beiden Händen meinen Nacken fest und lehnte mich dagegen. Spannte meine Bauchmuskeln an und drehte mich zur Seite. Ich drückte mein Kreuz durch und stellte mich auf die Zehenspitzen, griff nach oben in die Luft. Dann zog ich mich wieder an, setzte mich im Schneidersitz vor meinen Spiegel und sprach ganz ernst mit mir.

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„Artie, du bist eine wunderschöne Frau. Du bist sehr schlau und gewitzt. Du hast einen wunderbaren Körper, den du hegst und pflegst, den du endlich angenommen hast. Dass du allein bist, heißt nicht, dass du nicht geliebt wirst. Liebe dich selbst, dann fällt die Liebe auf dich zurück. Erfüllung in einer Partnerschaft hast du schon gefunden, du weißt also, dass man es mit dir sehr gut aushalten kann. Ebenso, dass du einen anderen Menschen rückhaltlos lieben kannst. Nur, dass du dich zunächst selbst lieben musst, ist viel wichtiger. Erkenne dich, und handele nach deinem Prinzip. Liebe dich.“

Liebe ist schön und etwas Einzigartiges. Ich liebe mich, und das ist schon einmal eine sehr gute Voraussetzung, um gemeinsam alt zu werden. Was nützt es mir, wenn ich den tollsten Menschen an meiner Seite habe, ich aber nicht imstande bin, ihn zu lieben, weil ich mich selbst nicht liebe?

Ich unterstelle dem jungen Mann aus der Bar nicht, dass er sich selbst nicht liebt. Aber ich verbitte mir, dass er über mich richtet, indem er mir indirekt vorwirft, ich würde mich nicht selbst lieben. Doch, das tue ich und zwar in vollen Zügen. Ich reise, ich lese, ich unterhalte, ich werde unterhalten, ich lehre, ich lerne, ich fordere, ich fördere. Und das alles mir zuliebe. Da kann ich schon mal in der Silvesternacht besoffen am Tresen hocken und Zungenküsse mit mir unbekannten Damen und Herren austauschen.

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Daher: Zieht alle mal blank, und schaut euch an. Liebt ihr das, was ihr da seht? Liebt ihr es, wenn ihr mit euch seid? Wenn ja, dann seid ihr bereit für 2016!

Foto: Sarah Bleszinski
Model: Lullu Gun

7 Comments

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  3. Claudia

    17. Januar 2016 at 3:17

    soisses, kommt mal klar, ihr Frischlinge! ;)

  4. Rheintochter Esme

    16. Januar 2016 at 1:55

    Sorry, el typo: es sollte „akzeptieren“ heißen.

  5. Rheintochter Esme

    16. Januar 2016 at 1:54

    Ich komme mir arg unkreativ in meiner Wortwahl vor, aber sei’s drum: Jau, so isses!!
    Wie kann ich andere akzeptieren, wenn ich nichtmal mit mir selber klarkomme? Geschweige denn, jemand andere/n lieben, wenn ich nicht bei mir selbst damit anfange?
    Erneut und begeistert: DANKE, Miss Shaww für dienen Text!!! Liebe vom Rhein!

  6. JudgeDark

    10. Januar 2016 at 15:26

    Danke Artie für diese wahren Worte, die einen doch sehr wach rütteln. Ich glaube viele Menschen (und da schließe ich mich nicht aus) achten zu sehr auf andere und was andere sagen und konzentrieren sich auch bei der Partnersuche zu sehr auf den anderen. Dabei verlieren sich viele selbst und das ist der falsche Weg. Genau wie du sagst muss man sich erst selbst mögen, vielleicht sogar lieben, um überhaupt mit anderen klar zu kommen oder besser auf andere als man selbst zuzugehen. Denn Klarkommen ist nicht das Ding … sich dabei aber selber treu bleiben und nicht zu sehr zu verbiegen ist die Herausforderung.

  7. Alexander Kroll

    10. Januar 2016 at 13:37

    Grandios! Ich habe das Lesen genossen.

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