Mein erstes Mal: Lesestoff für (Neu-) Feministen

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Ein Text von Christina, Girl Boss beim Blog Time For Girl Power.

Bei den Interviews auf meinem Blog Time For Girl Power gibt es in der Kategorie „Feminismus und Girl Power“ die Frage nach dem Schlüsselmoment, der alles verändert und dazu ermutigt hat, sich nicht mehr zu verstecken und stattdessen stark zu sein – für sich selbst und für alle anderen. Meistens war das dann auch der erste bewusste Kontakt mit dem Feminismus. Sozusagen das erste Mal!

Ich selbst erlebte diesen Schlüsselmoment vor ungefähr zwei Jahren, als ich mit einer meiner besten Girls in der Stadtbibliothek meiner Hood rumschlenderte und mich von den Bookcovern inspirieren ließ. Plötzlich kam mein Girl ganz entschlossen auf mich zu und schickte mich in die Abteilung für Frauen. Sie sagte mir, sie hätte dort ein Buch entdeckt, das mir ganz sicher gefallen würde und grinste wie ein Honigkuchenpferd. Ich, kritisch wie ich schon immer in Bezug auf Bücher war, ging in die besagte Abteilung. Und da stand es.

Auf einem kleinen Aufsteller präsentiert, stach es mir direkt ins Auge. Das Buchcover modern, neonfarben, poppig, strahlend. Mittig eine geballte Faust, selbstbewusst und kämpferisch. Dahinter die schönsten Blumen, die man sich vorstellen kann. „Stand Up – Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene“ geschrieben von Julia Korbik. Ich schnappte es mir sofort aus dem Regal und saß schon kurze Zeit später in meinem Lieblingscafé um die Ecke und verschlang Seite um Seite. Je mehr ich mich in das Buch vertiefte, desto mehr ballte auch ich meine Faust. Ich spürte mein Herz wild pochen, und eine Stimme in meinem Kopf schrie: „Was du brauchst, ist Feminismus.“ Erschrocken wie erstaunt über diese Eingebung, wurde mir bewusst, dass auch in mir eine kleine Feministin schlummerte, die nur auf dieses Buch von Julia Korbik gewartet hatte. Das Buch, das mir mein erstes Mal mit dem Feminismus beschert hatte.

Feminism reads

Illustration: Christina

Auch heute noch, zwei Jahre und unzählige Seiten voller feministischem Lesestoff später, ist das Buch von Julia Korbik mein All Time Favorite. Mein Nachschlagewerk Nummer eins, wenn es um kurze und knackige Informationen geht. Egal, ob ich mal kurz was nachschlagen möchte, um bei einer Diskussionsrunde mit feministischen Filmen zu punkten oder einfach die dritte Welle des Feminismus verständlich erklären möchte, ohne mich durch Tausendene Geschichtsbücher wälzen zu müssen. Mittlerweile ist mein Exemplar mit unendlich vielen Post Its gefüllt, die mir einen super Überblick über die einzelnen Kategorien geben. Denn das Werk von Julia Korbik ist ein Reiseführer durch den Feminismus-Dschungel, ein Aufklärungsbuch voller Fakten und Daten, mit Interviews und Popkultur-Tipps sowie tollen Infografiken und Illustrationen. Ein Buch, das uns zeigen soll, wo wir heute stehen und was es noch zu tun gibt. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht zu viel verraten und kann nur jedem empfehlen, es selbst zu lesen! Hier könnt ihr es bestellen.

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Ich war nach der Lektüre von „Stand up – Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene“ von Julia Korbik ganz besessen davon, noch mehr feministischen Lesestoff zu suchen, der meinen Wissenshunger stillen und meinen Horizont erweitern würde. Da ich schon immer ein großer Fan von Magazinen und kurzen informativen Artikeln war, besorgte ich mir im Kiosk meines Vertrauens das „Missy Magazine“, das „Fräulein“ sowie das „BLONDE Magazin“. Instinktiv und genau richtig war meine damalige Auswahl, denn alle drei Zeitschriften gehören bis heute zu meinen täglichen Begleitern und werden von der ersten bis zur letzten Seite gelesen und analysiert. Zuwachs haben sie in diesem Jahr vom „F Mag“ bekommen, ein neues Magazin, das definitiv eine Bereicherung für meinen heimischen Zeitungsstapel ist.

Für diejenigen unter euch, die die oben genannten Magazine noch nicht kennen, habe ich ein paar Fakten zusammen gepackt.

Das Missy Magazine beschreibt sich selbst so:
„Die Missy ist ein feministisches Magazin für Popkultur, Politik und Style. Wir schreiben über Transfamilien, Sexarbeit, Kathleen Hanna, Mösendampfbäder, Bike Polo, Fat Acceptance, Computerspiele, Vereinbarkeit, Sofia Coppola, Asyl und Alltag, The Knife, Anal Plugs, Katzen und Männer, Menstruation in Horrorfilmen, Achselhaare und Lena Dunham. Crafting und Kochen sind für uns ebenso Themen wie queere Pornografie oder Organisationen, die sich für sichere Abtreibungen einsetzen. All das passiert mit einer Attitüde, die beständig den Status quo mit einem Grinsen infrage stellt. Weil wir (noch) nicht in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben. Weil es noch viel zu diskutieren und zu verbessern gibt. Feminismus ist passé? We don’t think so. Deshalb Missy.“

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Darum geht es den „Fräuleins:
„Das Fräulein ist ein Magazin, das sich auf das Detail konzentriert. Es möchte in unserem immer schneller werdenden Leben wie ein Anker sein. Sich Zeit nehmen für Handarbeit, gründlich recherchierte Geschichten und innovatives Design. Fräulein bildet die Gegenwart nicht nur ab, Fräulein lebt in ihr und bezieht dabei eine klare Haltung. Wichtig in Fräulein ist darüber hinaus der serviceorientierte Inhalt. Deshalb informieren wir Sie in Fräulein von Ausgabe zu Ausgabe über die neuesten Trends aus Mode, Kosmetik, Musik, Kultur und Kunst. Fräulein spricht für starke und selbstbewusste Frauen, die mitten im Leben stehen, verzaubern und niemals langweilig werden. Intelligente, stilvolle und erfahrene Frauen, die wissen, was sie wollen und Wert auf feine Unterschiede legen.“

Fräulein Ausgaben

Foto: Screenshot

Und das hat es mit dem BLONDE Magazin laut Selbstauskunft auf sich:
„Das BLONDE Magazin erscheint viermal im Jahr, gefüllt mit Reportagen, Interviews, Modestrecken und News aus den Bereichen Fashion, Culture, Beauty und Movement. Es dient als Inspiration für junge Frauen mit eigener Meinung. Das BLONDE Girl liebt Mode und geht mit offenen Augen und hochgekrempelten Ärmeln durch die Welt. Es ist ständig auf der Suche nach Menschen mit guten Ideen, ungewöhnlichen Geschichten und spannenden Trends. Dabei gilt immer: Neue Wege statt ausgetretener Pfade. BLONDE Girls sind kreativ, mutig und individuell.“

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Zu guter letzt begeistert das brandneue F MAG mit dem Statement:
„Wir finden Politik sexy. Wir wissen, dass Sex manchmal politisch ist. Wir sind überzeugt, dass das Leben mehr Lametta braucht. Wir stehen auf gründliche Analysen und kluge Unterhaltung. Wir diskutieren gern, wir masturbieren gern, und wir lassen uns gern inspirieren. Wir halten nichts von Tabuthemen und noch weniger von Must-haves. Wir wollen nicht mehr lesen, was junge Frauen müssen, sondern zeigen, was sie draufhaben.“

F-MAG-Cover

Ich liebe jedes einzelne dieser Magazine auf meine ganz eigene Art und Weise. Aber auch DIY Zines, die bei uns gerade ihr Revival feiern, haben mein Herz erobert. Gerade arbeite ich selbst an einem neuen Zine mit, das noch diesen Monat erscheinen wird. Mein momentanes Favorite ist aber das Zine der lieben Anna, die mittlerweile schon die vierte Ausgabe ihres Femtrail Zines veröffentlicht hat. Immer voll gepackt mit Statements, Illustrationen und Geschichten aus dem Alltag, soll es den Leser dazu motivieren, über Feminismus zu sprechen und sich mehr darüber zu informieren. Checkt gerne mal meinem Blog und das Interview mit Anna, um mehr über das Zine und die Message dahinter zu erfahren.

Abschließend bleibt die Erkenntnis, dass feministischer Lesestoff hilfreich dabei ist, die eigene Nische zu finden, das eigene Wissen zu erweitern, über den Tellerand zu schauen, mit anderen Menschen Meinungen auszutauschen, über Sachverhalte zu sprechen und den eigenen Horizont zu erweitern. Das Standard-Werk für Neu-Feminist*innen von Julia Korbik, unzählige Magazine, Blogs und Bücher, die sich den verschiedensten feministischen Kategorien widmen, mit denen wir neue Sichtweisen erkunden können. Schwerpunkte wie Politik, Karriere, Zukunft, Gegenwart, Vergangenheit, Popkultur, Homosexualität sowie Geschlechterforschung ermöglichen es uns, mehr über unseren ganz eigenen Feminismus zu erfahren. Denn dieser beginnt erst so richtig im Kontext mit anderen. Egal, ob es beim Frühstück mit den Liebsten ist, bei einer lockeren Runde in einer Bar oder bei Diskussionsrunden auf Social Media Plattformen: Erst wenn wir darüber sprechen, beginnt die eigene feministische Aktivität so richtig und bringt uns und den Feminsmus weiter. Denn es muss immer noch und mehr als je zuvor drüber gesprochen, diskutiert und geschrieben werden!

1 Comment

  1. Greta

    13. April 2017 at 16:43

    Danke für den Beitrag! :)
    Was mich persönlich an dem Buch abschreckt, ist der Untertitel „für Anfänger und Fortgeschrittene“ – warum wird hier nicht auch die weibliche Form verwendet? Ich gehe nicht davon aus, dass die Autorin nur Männer anspricht, und für mich gehört auf jeden Fall zum Feminismus, endlich auch Frauen zu benennen – „Anfänger*innen und Fortgeschrittene“ zu schreiben.

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