„Legenden sterben nie“ – Jean Palletts Pornobeichte und eine Verlosung

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Machen wir’s kurz: Pornodarsteller Jean Pallett hat ein Buch geschrieben. Eins über sein Leben. Das mag nicht besonders aufregend klingen, kann doch heute jede Gewürzgurke ihre Biographie („Mein Leben im Glas“) raushauen. Bei Jean Pallett gestaltet sich die Sache anders. Denn der Mann mit dem Krummsäbel-Penis ist seit 20 Jahren dabei, im deutschen und internationalen Pornozirkus, hat mit Rocco Siffredi und Vivian Schmitt gedreht, aber auch mit Omis und fragwürdigen Gestalten. In seinem Buch „Legenden sterben nie“ erzählt der Duisburger, der eigentlich Dirk Moor heißt und heute mit seiner Familie auf Malle lebt, davon, wie er zum Porno kam, warum er dabei blieb, von großen und kleinen Malheuren. Und das in einer Art, die Bock und Spaß macht. Entspannt, witzig und ohne jegliche „Ich bin der geilste Ficker unter der Sonne“-Attitüde, wie sie gerade so en vogue ist. Und er thematisiert etwas, das nur wenige auf der Rechnung haben, wenn es um Pornographie geht – um den Druck, der lange Zeit in der Branche auf männliche Darsteller ausgeübt wurde und bis heute existiert, und dessen Folgen. Von mir gibt es deshalb eine Lese-Empfehlung mit Kusshand <3 Wenn ihr neugierig geworden seid, solltet ihr daher unbedingt das nun folgende Interview mit Jean Pallett lesen, denn wir verlosen 3 Exemplare seines Buches „Legenden sterben nie“. Was ihr dafür tun müsst? Die Frage am Ende des Posts beantworten :)

Lieber Jean, wie ist das Leben als Buch-Autor? Sitzt du jetzt nur noch in weiße Leinenklamotten gehüllt, im Garten deines großen Anwesens am Meer, siehst den Möwen beim Kacken zu und tippst Geschichten in deine Schreibmaschine?

Jean Pallett: Da muss ich kurz mal schmunzeln. Buch-Autor hört sich groß an, gestaltet sich im wahren Leben aber eher überschaubar prunkvoll. Kurz gesagt, es hat sich nichts verändert in meinem Leben. Die Buch Lesungen bereiten mir große Freude, da ich aus meinem Leben lese und dabei so sein kann, wie ich nun mal bin: verrückt und offen bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus. Mein Verlag plant tatsächlich weitere Bücher mit mir, das motiviert mich selbstverständlich. Mein Herz und meine Seele bleiben allerdings – außer bei meiner Familie – nach wie vor beim Porno. Daran wird sich auch in den nächsten 40 Jahren nichts ändern.

Wirst du anders wahrgenommen, seitdem „Legenden sterben nie“ auf dem Markt ist? Ich könnte mir vorstellen, dass der „normale“ Leser gerade deine Ehrlichkeit und die teils sehr intimen Einblicke spannend findet, dass aus der Branche aber gerade deshalb Kritik kommt. Immerhin offenbarst du vieles, was sonst totgeschwiegen wird, sei es der Druck auf die Darsteller, Drogen oder der Einsatz von Hilfsmitteln.

Jean Pallett: Die Rezensionen sind durchweg hervorragend, und ein Kritiker bezeichnete das Buch kürzlich als das lesenswerteste aus dem Genre. Das fand ich schon ausgezeichnet. Der „normale“ Leser ist auch zufrieden, amüsiert und geschockt. So war das vorgesehen. Ich habe lange überlegt, ob ich meine Einstellung zu Drogen offen äußern kann, bin dann aber zu der Entscheidung gekommen, dass es genug Märchenbücher auf dem Biografien-Markt gibt. Also wollte ich es mit Ehrlichkeit versuchen, auch wenn mir das ein paar schräge Blicke bringen sollte. Aus der Branche kam, bisher zumindest, auch nur positives Feedback. Ich muss auch klarstellen, dass ich die Branche in meinem Buch nie an den Pranger gestellt habe. Wie heißt es da so schön: „Ich fügte mich den Notwendigkeiten“, Betonung auf ICH. Ich hätte ja auch darauf bestehen können, anders weiter zu arbeiten und auf Produktionen verzichten können. Man hat die Entscheidung immer selbst in der Hand. Ich habe den Hals nie vollgekriegt und habe mich entschlossen, immer weiter zu machen, auch auf Kosten meiner Gesundheit.

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Das Hörbuch wird gelesen vom großartigen Martin Semmelrogge. Hartes Fangirlen hier <3 Foto: Mallorca-Paparazzi.com

Was mir besonders gut gefallen hat, ist, wie offen du über Hänger und Versagensängste sprichst oder darüber, dass du dir lange Jahre Erektions-Spritzen in den Penis gesetzt hast.

Jean Pallett: Naja, die Erektions-Spritzen, wie du sie nennst, waren ja über viele Jahre bei vielen Profis im Einsatz. Allerdings war ich der Einzige, der nie ein Geheimnis daraus gemacht hat. Wir sind doch nicht bei den Olympischen Spielen. Es geht nicht darum, Rekorde zu brechen. Das Einzige, worum es geht, ist wirtschaftlich und effizient zu arbeiten. Dem Produzenten war es im Regelfall egal, wie der Darsteller zu seiner Erektion kam. Den meisten war es recht, und viele bestanden bei ihren Stamm-Darstellern sogar darauf, dass das Präparat Paveron zum Einsatz kam. In Ungarn wird es bis heute eingesetzt. Das Label Magmafilm dagegen lehnte das Spritzen ab. Damit konnte ich leben, schließlich musste ich es nicht. Es erleichterte die Sache nur und beschleunigte so den Ablauf. Als ich 1994 mit dem Drehen anfing, drehte ich bereits die sogenannten Oma-Szenen, lange vor Viagra und Co. Und sehr, sehr lange vor Erektions-Spritzen .

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Jaha, Jean Pallett kann nicht nur bumsen, der kann auch super vorlesen :) Foto: RomanKasperski.com

Mal im Ernst: Ich hab nicht mal einen Penis, aber selbst mir bricht bei der Vorstellung, mir eine Spritze in den Schwellkörper zu jagen, der kalte Angstschweiß aus. Wie schlimm ist es? Und wie schlimm war vor allem das erste Mal?

Jean Pallett: Wie es im Prolog schon heißt: „Die Nadel war äußerst fein, der Einstich in meinen Schwellkörper war daher auszuhalten.“ Beim ersten Mal ist es eine Überwindung, später dann Routine. Was aber rückblickend das Schlimmste ist, ist: Es war überflüssig. Ich hatte mich entschlossen, diesen Weg zu gehen, obwohl es dafür keine Ursache gab. Es war einfach bequem. Fast fünf Jahre lang habe ich meinen „Finanzminister“ dieser unangenehmen Tortur unterzogen, ohne dass es nötig war. Aber ohne diese Zeit hätte der Zündstoff für den Prolog gefehlt, also schaue ich lächelnd drauf zurück.

Dein Buch heißt „Legenden sterben nie“ – siehst du dich selbst als Legende?

Jean Pallett: Keiner kann sich selbst als Legende bezeichnen. Die Presse hatte mir den Titel mal irgendwann aufs Auge gedrückt, und „Legenden sterben nie“ klingt einfach gut. Jetzt ist der Titel zu einem Markenzeichen geworden. Bei DSDS sucht ja auch keiner einen richtigen Superstar. Wenn mich jemand als Legende sieht, empfinde ich das als großes Kompliment. Mich selbst würde ich aber nie so bezeichnen.

Für mich sind mindestens deine Leistungen legendär. Während viele der Jungs, die gerade frisch ins Pornogeschäft eingestiegen sind, nur die hübschen Uschis knallen möchten, hast du wirklich alles gebumst: Extrem schwergewichtige Frauen, Frauen, die das mit der Analdusche nicht so ganz geschnallt haben und Omis. Wie geht das? Und sind das Dinge, die du bereust?

Jean Pallett: Es steht oberhalb meiner Brust seit 2014: No regrets, no compromises! Ich bereue nichts, denn alles, was ich im Leben tat, hat mich hierhin, an diesen Punkt gebracht. Als ich 1994 meine allererste Oma-Szene gedreht habe, war das schon spooky, aber über die Jahre relativiert sich alles. Das ist doch das Schönste an dem Job – du arbeitest mit Menschen. Klar, ich hätte auch lieber ausschließlich Szenen mit Frauen wie dir, aber es gibt halt nicht täglich Steak. Manchmal muss auch das Schnitzel reichen. Schönwetterficker hat die Branche reichlich, doch die braucht die Industrie ungefähr so, wie die Frau Flatulenzen vor dem Anal-Verkehr.

Hihi. Mir ist aufgefallen, dass es häufig Pannen mit, sagen wir mal, Kot gab. Hatte das Auswirkungen auf dich? Hast du vielleicht eine Dünnschiss-Phobie entwickelt? Also ICH hätte das!

Jean Pallett: Ja Mimi, das sind schon, vor allem vom Aroma her, einschneidende Erlebnisse. „Gut, dass es noch kein Geruchs-TV gibt“, war ein geläufiger Spruch bei dieser Art von Unfällen. Die Nummer aus Kapitel 8, „Microklist und seine Tücken“, war allerdings oscarreif (Anm.: In diesem Kapitel beschreibt Jean einen Unfall am Set, bei dem sich eine Porno-Anfängerin zwecks Darmentleerung ein Abführmittel per Mini-Klistier eingeführt hat, aber nicht abwartet, bis die Wirkung einsetzt). Was passiert, wenn man sich was in den Popo macht? Es muss auch wieder raus! Das gilt auch für dieses Präparat, das sicher nicht für den Pornofilm entwickelt wurde, aber bis heute gern am Set verwendet wird. Wenn man den Inhalt der kleinen Tube nur reindrückt und dann ans Set geht… Was dann passiert, kann man(n) oder frau im Buch nachlesen.

Man sieht: Du sprichst im Buch auch offen über die schattigen Seiten deiner Pornokarriere. Dennoch bist du seit 20 Jahren dabei. Was hat dich im Sex-Geschäft gehalten? Denn oft war dir ja nicht mehr zum Weitermachen zumute, wenn ich das recht verstanden habe…

Jean Pallett: In jedem Beruf gibt es Zeiten, in denen es nicht so viel Spaß macht, zur Arbeit zu gehen. Den meisten Menschen macht es eigentlich nie wirklich Lust. Bei mir kam das auch schon mal vor, aber die Porno-Industrie ist wie meine zweite Familie. Da kann ich nicht sagen, „So, das war’s.“ Ich bin jetzt 44 Jahre alt. Die Hälfte meines Lebens bin ich Darsteller in Pornos. Das ist in mir. Ich mache keine Pornos – ICH BIN PORNO.

Und du bist seit 20 Jahren dabei – was hat sich in der deutschen Pornoszene verändert, abgesehen davon, dass es kaum noch hochwertige, kostspielige Produktionen gibt und stattdessen die so genannte Amateur-Branche unverändert erfolgreich bleibt?

Jean Pallett: Das Leben muss sich nicht an uns anpassen, sonder wir müssen uns dem Leben anpassen. Ich drehe nach wie vor auch richtige Pornos. Dennoch muss man den Markt für Internet-Pornografie mit ins Visier nehmen. Wer das nicht macht, der nimmt zum Baumfällen auch noch die Axt statt der Kettensäge. Das nennt sich Fortschritt. „Amateur“ ist ja lange schon ausschließlich ein Titel. Das sind die Pornostars von heute, die sich unter diesem Titel vermarkten. Echte Amateure gibt’s kaum noch. Auch ich drehe jetzt Clips und vermarkte sie im Word Wide Web. Auf die Jahre bringt das finanziell mehr als der bezahlte Dreh beim regulären Film .

Deine Geschichte bzw. deine Beziehung zur Pornobranche erscheint mir wie eine ziemlich authentische Liebesgeschichte, mit allen Untens und Obens, die es so gibt. Siehst du das auch so?

Jean Pallett: Es ist definitiv eine Liebesgeschichte. Die Branche in den frühen 90ern und die damaligen Profis haben mich in ihre Familie aufgenommen und mich zu dem Darsteller gemacht, der ich heute bin. Jetzt bin ich halt der Herbergsvater, auch wenn ich im Herzen nie älter als 25 geworden bin. Durch meine offene und direkte Art polarisiere ich ein wenig. Das bringt nicht immer nur Freunde, sondern auch Neider. Aber auch das gibt’s in jeder Familie.

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Unbedingt lesen!

Heute lebst du mit deiner Frau Olga und eurer Tochter auf Mallorca – war das auch ein bisschen eine Flucht aus Porno-Deutschland?

Jean Pallett: Auf keinen Fall war das eine Flucht aus Porno-Deutschland. Wenn ich ehrlich bin, ist der Porno das Einzige, das ich neben meinen vielen guten Freunden an Deutschland vermisse. Für viele sind meine Anfahrts- oder Anflugs-Kosten schlichtweg nicht erschwinglich. Dadurch verliere ich hier und da Drehs. Bei den Drehs aber, bei denen ich erscheine, handelt es sich um High Class Filme mit gutem Budget. Das hat auch was. Jetzt leben wir auf der schönsten Insel der Welt, und es geht uns gut dabei. Meine Frau ist schon was ganz Besonderes, unvergleichlich in ihrem Charakter. Uns verbindet etwas, das stärker ist als gewöhnliche Liebe. Sie ist meine Seelenverwandte. Jeder, der uns bei Facebook folgt, wird das sehen.

Wie viele weitere Jahre wird uns Jean Pallett noch erhalten bleiben? Oder sattelst du doch irgendwann um und schreibst nur noch Bücher?

Jean Pallett: Natürlich werde ich weiter Bücher schreiben. Das nächste wird im kommenden Jahr erwartet. Worum es geht, ist noch mein Geheimnis. Jean Pallett selbst wird es geben, solange ich lebe. Er ist ein Teil von mir. In einem Interview sagte ich bereits: Nur tot bekommt man mich aus dieser Branche.

À propos tot – wann gehen wir eigentlich mal einen trinken, Jean?

Jean Pallett: It’s up to you, sweety, hätte ich fast gesagt. Wir sehen uns auf der Venus 2015 in Berlin. Dann werden wir das in Angriff nehmen. Ich freu mich drauf!

Und jetzt – VERLOSUNG! Wir verlosen 3 Mal ein Exemplar von „Legenden sterben nie“, dem Buchdebüt von Jean Pallett.
Beantwortet uns dazu folgende Frage:

Wie heißt Jean Pallett mit bürgerlichem Namen?

Ihr wisst die richtige Antwort? Dann kommentiert entweder diesen Text mit der Lösung und gebt eure E-Mail-Adresse an (die sehen nur wir!) oder schreibt uns eine Mail mit dem Betreff „Verlosung“ an kokolores@mimiundkaethe.com! Einsendeschluss ist der 6. September 2015, und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ihr wollt nicht abwarten? Dann könnt ihr das Buch als Taschenbuch für 14,95 Euro und in der Kindle-Version für 9,99 Euro hier bestellen.

Wer mehr über Jean Pallett erfahren möchte, besucht seine Website :)

16 Comments

  1. Pingback: Porno-Onkel, Camgirl-Nichten, Amateur-Tanten – die Venus 2015 - Mimi&Käthe

  2. Isabella

    2. September 2015 at 18:59

    Klingt sehr spannend das Buch.. Anscheinend sehr lesenswert!
    Und der gute Mann heisst Dirk Moor..

    Macht weiter so!

  3. Tino U.

    1. September 2015 at 20:10

    Dirk Moor ist die Antwort. Das Interview macht Lust mehr darüber zu lesen. LG

  4. Wazluv

    31. August 2015 at 22:58

    Hat mich neugierig gemacht…
    Dirk Moor ist der Autor und das Interview ist echt interessant geworden;) sehr nice.
    Fette Grüße!

  5. Frau Bommelborte

    31. August 2015 at 8:42

    Der gute hat den wundervollen Namen Dirk Moor! :) Gruß und kuss

  6. Steffi

    31. August 2015 at 3:18

    Auch wenn ich jetzt gleich in den Urlaub fliegen äh muss, mag ich noch mitspielen, juche <3

    Ich sage 'Dirk Moor' schnappe mir meinen Bikini und hoffe auf gute Nachricht :*

  7. Jens Consoir

    31. August 2015 at 0:58

    Dirk Moor heißt er

  8. Ilona B.

    30. August 2015 at 23:55

    „Dirk Moor“ lautet die Antwort!
    Bekomme ich jetzt ein Buch? =)
    Bidde bidde…

  9. Linda K.

    30. August 2015 at 22:59

    Guten Abend ihr wunderbaren Damen der Versextheit,

    ich lese Euch schon eine lange Zeit und bin ausnahmslos begeistert, dass Ihr kein Blatt vor den Mund nehmt und Euch für kein Thema zu Schade seid!

    Der Name des Autoren lautet eigentlich Dirk Moor.

    Bitte bleibt so lockere und sexuell entspannte Mädels ;-)

    Viele Grüße
    Linda

    • Mimi

      Mimi

      31. August 2015 at 11:10

      ui, 1000 dank, die dame:)

  10. Miss Bosheit

    30. August 2015 at 21:52

    Dirk Moor

  11. moria.d

    30. August 2015 at 21:37

    Das klingt auf jeden Fall lesens- und hörenswert. Dirk Moor heißt der Gute mit bürgerlichem Namen. Grüße!

  12. Kathinka

    30. August 2015 at 21:05

    Dirk Moor

  13. Florence

    30. August 2015 at 20:28

    Dirk Moor

    😘

  14. Andreas

    30. August 2015 at 16:48

    Dirk Moor

  15. JudgeDark

    30. August 2015 at 16:35

    Erstmal die Antwort auf die Quizfrage: Dirk Moor!

    Ansonsten ein interessantes Interview, danke dafür. Macht jedenfalls Lust auf das Buch, auch wenn ich beim Lesen der Überschrift etwas skeptisch war.

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