„Schmollmund game strong today“ – der Komplimente Guide

By  |  3 Comments

Ein Text von Esme van der Slampen.

Komplimente sind super. Oder? Ob nun offen oder nur klammheimlich: Wir alle freuen uns darüber, wenn ein anderer Mensch etwas Nettes zu uns sagt. Nur: Wie macht man anständige Komplimente? Was ist zu cheesy, was zu aufdringlich? Und wann sind so genannte Komplimente in Wahrheit gar keine?

„Echt mal, Esme, du siehst ohne deine Brille viel besser aus“, sagte neulich ein Kollege zu mir. „Ja, du auch“, antwortete ich und kommentierte den fragenden Blick des Herrn mit: „DU siehst viel besser aus, wenn ICH meine Brille nicht aufhabe!“

Ähnlich antworte ich mittlerweile standardmäßig auf derartige „Komplimente“, die eigentlich nur versteckte Nörgeleien sind. Warum? Nicht etwa, weil ich meine Brille zufällig heiß und innig liebe und mich mit ihr tatsächlich schön finde. Vielmehr finde ich, dass ein Komparativ niemals nie in ein Kompliment gehört. Genauso wenig wie „(Komma) aber (…)“. Völlig egal, was nach dem „aber“ kommt. Also, Lektionen Nummer eins und zwei: Nicht vergleichen, mit gar nichts, und auf keinen Fall das Kompliment einschränken. Sprich: Wenn du deinem Büronachbarn nicht ohne Wenn und Aber sagen kannst, dass er heute extra fancy aussieht, halt den Schnabel.

Bis hierhin ist es noch super einfach, oder? Szenenwechsel:

Kürzlich beim Bierchen mit zwei meiner Lieblingsmenschen, ein wundervoller Buddy und eine großartige Lady, die an besagtem Abend super aussah. Mein Buddy und ich konnten gar nicht anders, als der Lady Komplimente für ihr Outfit zu machen, aufrichtige Herzensbekundungen, die unsere Mitstreiterin gerne annahm. Als sie zwischendurch zum Händewaschen verschwand, beschwerte sich mein Buddy allerdings: „Es ist furchtbar schwierig, Frauen in diesen Zeiten Komplimente zu machen.“ „Wieso das denn? Hat doch super funktioniert“, entgegnete ich. „Ja, heute vielleicht. Aber ich weiß nie, was ich noch sagen kann, was ich kommentieren oder komplimentieren darf, ohne missverstanden oder für einen chauvinistischen Blödmann gehalten zu werden.“

k_komplimente1

Ich verstand, was er meinte. Viele Männer sind verunsichert, wenn es darum geht, einer Frau mitzuteilen, dass sie atemberaubend aussieht. Dabei ist es gar nicht so kompliziert, wie es scheint. Komplimente wie „Wahnsinnskleid!“, „Schickes Outfit!“ oder „Es gefällt mir, wie du deine Haare trägst“ gehen eigentlich immer. Auch ein „Der Lippenstift steht dir echt super“ wird gerne gehört. In meinen Bekanntenkreisen jedenfalls. Ebenso problemlos sind Aussagen wie „Heute Abend siehst du einfach umwerfend aus!“ – das ist charmant, aber allgemein gehalten und unglaublich schön zu hören. Im Falle meiner Lieblingsmenschen sollte ich noch erwähnen, dass wir uns vom Training kennen. Wir begegnen einander also meist in verschwitzten Trainingsklamotten und mit hochrotem Kopf. Gerade in solchen Fällen darf man darauf hinweisen, dass ein classy Abendoutfit ein willkommener Kontrast zu „sonst“ ist. Das ist eine legitime Bemerkung, auch wenn sie knapp am oben erwähnten Vergleich vorbei schrammt.

Aber ich gebe zu: Unter guten Freunden ist mehr erlaubt als beim Spontanflirt. Und beim Partner ist praktisch alles erlaubt, aber das wisst ihr ebenso gut wie ich.

k_komplimente2

Aber, liebe Männer, seid vorsichtig mit dem Komplimentieren körperlicher Aspekte, jedenfalls dann, wenn ihr euch noch in der Flirtphase befindet. Dass Sprüche wie „Geile Titten“ oder „Hammer Arsch“ gar nicht gehen, leuchtet jedem ein, oder? Das macht uns Frauen ungefragt zu sexuellen Objekten, und das solltet ihr euch abgewöhnen. Das Kommentieren körperlicher Attribute, auch, wenn ihr es noch so bewundernd und gut meint, gibt vielen Frauen ein schlechtes Gefühl, das Gegenteil von dem also, was durch ein Kompliment erreicht werden soll. Eine Ausnahme bildet das Gesicht, insbesondere die Augen. Die dürfen komplimentiert werden, bis der Arzt kommt oder es peinlich wird (ich verweise auf den Dating-Guide des wundervollen Barney Borderless). Auch das Haar geht, wie oben bereits angedeutet, klar, besonders dann, wenn eine ausgefallene Haarfarbe oder ein Undercut oder ähnliches zur Schau getragen wird. So etwas WILL schließlich bemerkt und im besten Fall wohlwollend zur Kenntnis genommen werden. Gleiches gilt für ein gelungenes Make-up. Von mir aus dürfen auch noch Hände, Finger und Fingernägel mit zu den Ausnahmen gerechnet werden. Wer kennt ihn schließlich nicht, diesen tapsigen Annäherungsversuch, bei dem man die eigene Hand mit der des angeflirteten Objekts der Begierde vergleicht, indem man die Handinnenflächen aneinanderlegt und guckt, wer die längeren Finger hat? Was, keiner? Hüstel…

Etwas forscher sein könnt ihr außerdem bei Ladys, die lässig bis offensiv mit ihrem Körper im Reinen sind (etwas, um das ich sie heimlich ein wenig beneide) und die ganz gezielt nach Komplimenten für ihre Brüste / ihren Booty / ihre langen Beine „fischen“. Denen darf man natürlich durchaus zustimmend antworten und somit das – gewünschte – Kompliment machen.

k_komplimente3

Es ist ein schmaler Grat zwischen wohlwollendem Zur-Kenntnis-Nehmen und gruselig bis abstoßend wirkendem Eindringen in die Komfortzone eines Menschen. Ein wenig Empathie schadet nicht, und ihr dürft euch durchaus herantasten. Vielleicht ist dies ein guter Rat: Haltet euch beim Komplimente machen an die gängigen Regeln des guten Geschmacks, sagt nur Dinge, die ihr selbst gerne hören möchtet, die euch selbst ein gutes Gefühl geben würden. Dann werdet ihr garantiert nicht missverstanden. Versprochen!

Aber, um Himmels Willen: Macht euren Mitmenschen Komplimente, dass sich die Balken biegen – wenn ihr sie denn ernst meint! Und bitte nicht nur dem Tinder-Flirt, nein! Auch eurer besten Freundin, eurem Kumpel seit Sandkastentagen, eurer Kollegin, die freitags immer so tolles Gebäck mitbringt. Wir alle haben Komplimente verdient. Viele. Immer. Herzlichen Dank.

Fotos: Sloan Jett <3

3 Comments

  1. JudgeDark

    22. Oktober 2016 at 12:43

    Danke Esme, schön geschrieben! :)

    Komplimente sind schön, aber ich finde es abartig, wenn sie nicht ernstgemeint sind und man das merkt. Und noch viel abartiger finde ich es, wenn der Komplimentierte das Kompliment relativiert, da hat man dann irgendwann keine Lust mehr Komplimente zu machen. :(

    • Rheintochter Esme

      24. Oktober 2016 at 18:04

      Vielen Dank! Was Du da ansprichst, kann echt ein Problem sein. Ich meine jetzt das Kompliment zu relativieren. Da kann ich Deine Sichtweise gut verstehen, bitte aber auch um Verständnis für alle „slightly awkward people“. Manchen Menschen fällt es echt schwer, Komplimente anzunehmen. Oder sie können nicht glauben, dass sie ein Kompliment „verdienen“. Klar ist das anstrengend, aber für beide Seiten. Mimi hat es schön von ihrer Oma gelernt (siehe die Vorstellung der fabelhaften Anneliese Moder hier im Blog) – und ich finde, diese Lektion sollten alle lernen. Verteilt ehrliche Komplimente und freut Euch, wenn Ihr welche kriegt – eigentlich könnte es so schön einfach sein. :-)

      Liebe vom Rhein!

      • JudgeDark

        25. Oktober 2016 at 17:42

        Ja, das Leben könnte wirklich schön einfach sein. ;)

        Ich beziehe das wirklich auf Leute, die das ständig machen obwohl sie wissen, dass man es ehrlich mit ihnen meint. Wenn das mal ist, kein Thema, hab ich Verständnis für. Aber wenn das z. B. beim Partner so ist oder beim besten Freund, dann ist das echt anstrengend und führt eben dazu, dass man sich die Komplimente spart … leider!

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *