Schlampe? No, Sir! Killerbabe? Yes, Ma’am!

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Vor einiger Zeit erreichte uns die Rohrpost einer feinen Mademoiselle. Sie habe jüngst ein Rendezvous gehabt. Zum Heiraten sei der Kerl nichts gewesen, aber Lust hatte sie auf ihn. Und er auf sie. So doll, dass sie am Ende des Abends knutschender- und blowjobbenderweise in einem dunklen Hauseingang landeten. Sexy war das, schrieb die Mademoiselle, gar unsexy dagegen das Gespräch, das auf das Rumgemache folgte. Was sie eigentlich suche, fragte der Kerl, und die Mademoiselle antwortete: „Na, die große Liebe!“ Die würde sie ja nie finden, wenn sie immer so eine Schlampe sei. Schlampe? Bums. Mitten auf den emotionalen Solar Plexus. Dann verließ der Kerl die Szenerie, um zu seiner Freundin zu fahren, die daheim auf ihn wartete und die er mit voller Absicht beschissen hatte, wie die Mademoiselle im Nachhinein erfuhr. „Bin ich tatsächlich eine Schlampe?“, wollte die Mademoiselle von uns wissen. Meine Antwort: Nein. Der Typ ist eine Schlampe. Und ein feiger Versager, der nicht mit coolen Fräuleins umgehen kann, dazu. Weil ich aber zu erbost war, um eine ordentliche Antwort zu verfassen, beauftragte ich Streetfighter-Babe Artie Shaww mit dieser Aufgabe. Gib’s den Verlierern, Artie <3

Von Artie Shaww

Ich bin ein Mensch, der unglaublich gerne Listen erstellt. Ich liebe Listen und führe über alles Mögliche eine. So auch eine Liste über sämtliche meiner bisherigen Sexualpartner, allerdings nur die Namen, die Vorlieben habe ich im Kopf.

Ich liebe Sex und mag es, wenn ich mir im Rausch mal so richtig mein Köpfchen frei vögeln kann. Wie ich meinem Bettgefährten nach einem harten Arbeitstag und einem noch härteren Fick mit ihm neulich sagte: „Vielen Dank, das habe ich so sehr gebraucht!“

Sex ist toll, macht Spaß, sowie Backen und Wangen rot. Sex klappt auch besser, je öfter wir ihn praktizieren. Dabei dürfen wir gerne mal den*die Gefährten*in wechseln. Wann und wie ihr wechselt, sei ausschließlich der eigenen Moral geschuldet – Verurteilungen im Stil von „Die vögelt ja mit jedem, so eine Schlampe!“ sind so passend wie die Hexenverbrennungen richtig waren.

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Schlampen gibt’s nicht. Dafür leider noch immer viel zu viele Neider und Spießbürger. Foto: Luna

Es ist mir ein ewiges Rätsel, woher sich gerade Männer, aber auch Frauen, das Recht nehmen, über das weibliche Sexualverhalten zu urteilen und sich über eine Zahl zu beschweren, die nichts, aber auch gar nichts mit ihnen zu tun hat. Folgende Aussagen habe ich zum Beispiel in verschiedenen Foren gefunden:

„Wer dauernd jemand Neues an sich ran lässt, verliert meinen Respekt, weil so jemand für mich keinen Selbstrespekt haben kann.“

„In einem Satz – ich bevorzuge die ,Unschuld vom Land‘ vor der ,Großstadtschlampe‘.“

„Zu viele sexuelle Erfahrungen finde ich irgendwie weniger schön, reichhaltige One Night Stand Erfahrungen sogar abstoßend.“

„Frauen mit viel Sex-Erfahrung haben sich häufig als zu routiniert mit zu konkreten Erwartungen herausgestellt. Da komme ich mir manchmal vor wie einer von vielen. Ich finde es toll, wenn man weiß, dass eben nicht jeder rauf darf und das Fallen aller Grenzen etwas Besonderes ist, das nur mir zuteil wird.“

Nach der Meinung dieser User sind also Frauen, die entweder viele wechselnde Sexualpartner oder auch nur einfach mal so Sex haben, Schlampen, die ihre Fotzen jedem hinhalten. Soso. Aha. Und ab hier gebe ich den Charles Bronson und sehe rot.

Ich möchte beim Lesen dieser Forenbeiträge aus der Hose springen und bin gewillt, nackt durch die Straßen zu rennen und zu schreien: „Fickt euch, ihr Arschlöcher, ich kann so viel Sex mit wem auch immer haben, so lange ICH es geil finde und ICH es will! Scheiß auf euch und eure beschissene, spießige Moralvorstellung! Schlampe – pah! Arschgeigenpack!“

Aus der Hose springen und nackt durch die Straßen rennen, das mache ich natürlich nicht. Ist ja auch noch zu kalt. Aber ich rege mich auf. Diese User beschimpfen indirekt mich und meinesgleichen als Schlampe. Viel schlimmer noch – in vielen weiteren Forenbeiträgen bezeichnen sie selbstbewusste Frauen wie mich als Menschen, die keine Ahnung davon haben, wie man eine richtige Beziehung führt, behaupten, MANN solle lieber seine Finger von mir lassen. Und das alles nur, weil ich gerne und viel Sex mit unterschiedlichen Männern (und Frauen) habe.

Diese Dame (!) spricht mir gar komplett meine Bindungsfähigkeit ab:
„Also, ich (w/42) finde, ab einer bestimmten Anzahl von Sexualpartnern wirkt es schon abstoßend, und man fragt sich, ob diese Person überhaupt mit einem Partner zufrieden sein kann.“

Komisch, da wird einiges verwechselt, was nicht zusammen gehört. Es gibt Zeiten, in denen ich mich in einer Beziehung befinde, und Zeiten, in denen ich ungebunden bin. Ob meine Beziehung monogam, polygam oder ein Melodram ist, hängt von mir und meinen jeweiligen Partner*innen ab. Nicht davon, mit wie vielen Menschen ich bislang das Bett geteilt habe.

Der beste Kommentar ist aber dieser hier:
„Ein guter Richtwert könnte um bis zu fünf Männer mit 30 Jahren liegen; viel mehr sollten es auch mit 45 Jahren nicht geworden sein. Sonst stimmt etwas nicht mit der Dame – und ich würde sie für billig halten, undiszipliniert, triebhaft, impulsgesteuert, entscheidungsschwach, verantwortungslos, egoistisch.“

Ich halte dagegen: Ich würde die Dame für wählerisch, neugierig, verantwortungsvoll sich selbst gegenüber, sowie kreativ und mutig halten. Warum auch nicht? Um Sex richtig genießen zu können, muss ich mich darin üben. Ich muss meinen Körper kennenlernen. Wenn ich mit jemandem schlafe, ist das immer ein intimer Moment. Denn ich bin nackt und verletzlich, egal, wie rauschhaft alles ist. Ich will dann diesen einen Menschen in mir, auf mir, will ihn küssen, seinen Körper anbeten und sei es nur für eine Nacht oder einen kurzen Wimpernschlag lang. Ich will ihm zeigen, dass ich schlucke, dass ich feucht bin, dass er mich nehmen soll.

In diesem Moment will ich nur ihn, den Menschen, diesen einen. Am nächsten Tag, wenn die Hormone wieder ruhig herumschwappen, kann ich mich fragen, was das war, was mit mir passiert ist.

Aber niemals, NIEMALS lasse ich zu, dass jemand anders mich deshalb verurteilt, mit dem Finger auf mich zeigt und mich eine Schlampe nennt. Wer das tut, den möchte ich niemals, NIEMALS (weiter) kennenlernen.

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Sexy, selbstbewusst, witzig und süß: Vielleicht ist diese Mischung einfach zu krass für viele. Uns Peng! Foto: Luna

Es ist meine Freiheit, die ich über meinen Körper habe und die ich genieße. Ich will nicht, dass mich ein Mann nach dem Akt anschaut, als wäre ich eine billige Fleischware, sondern, dass er mich so wahrnimmt, wie ich ihn wahrnehme: Als ein Geschenk für den Moment, dem man mit Achtung und Respekt begegnet.

Es kann doch nicht angehen, dass mir wildfremde Personen die Fähigkeit zu lieben absprechen, weil Sex so eine wichtige Rolle in meinem Leben spielt. Nur weil ich oft ficke, nutzt sich doch nicht meine Fähigkeit zu Liebe und Bindung ab. Aber anscheinend denken das so einige und glauben, sie dürften mich deshalb als „gestört“ und „charakterschwach“ bezeichnen. Nein. Dürfen sie nicht! Punkt. Denn: Bigotte Betschwestern müssen draußen bleiben.

Ich kann zwar niemandem einen Frei-Vögelfahrschein ausstellen, aber ich kann euch Frauen und Herren da draußen zurufen: Habt bitteschöndankeschön Sex so viel ihr mögt, so lange ihr es genießt, niemandem wehtut und euch selbst arg liebt.

An alle Männer und Damen da draußen, die sich nun immer noch einbilden, dass sie über Frauen urteilen können: Nein, könnt ihr nicht. Weil wir anders sind als ihr. Aber das werdet ihr nie verstehen. Schluckt alles runter, was ihr noch sagen wolltet, seid brav. Wir lassen uns eure verquasten Moralvorstellungen nicht mehr aufdrücken. Und schlafen müsst ihr mit „solchen“ wie uns ja auch nicht, wir würden euch eh nicht mal mit der Kneifzange anfassen.

Ich dagegen würde auch mit einem Menschen schlafen, der in seinem Leben nur einmal Sex gehabt hat. Oder noch nie. Weil es eben nicht auf die Anzahl der Sexpartner ankommt, sondern auf den Menschen. Dieser Jemand käme ebenfalls auf meine Liste. Damit ich ihn nie vergesse.

Die tollsten Aussagen habe ich übrigens hier gefunden. Und hier. 

9 Comments

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  5. Rob

    26. Mai 2015 at 15:11

    Schöner Text.
    Und bitte nicht den Unterschied der Geschlechter vergessen. Vögelt ein Typ alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, gilt er noch immer als Hengst. Macht die Dame es ihm gleich: Siehe oben.
    Lust ist gut und viel Lust ist besser. Sicher gibt es Zeitgenossen beider Geschlechter, der/die mit andauerndem Rumvögeln andere Probleme zu kompensieren versuchen. Aber das ist dann wohl eher ein grundsätzliches Defizit.
    Solange jede(r) mit sich im Reinen ist, sollte getan werden, wonach die Lust gerade so steht.
    Ich selbst mag sexuell erfahrene Frauen sehr. Die wissen, was sie wollen. Und auch, was nicht. Was Schöneres gibts kaum.

  6. Jess

    21. Mai 2015 at 11:14

    Netter kleiner Aufstand der zurecht gehalten wurde meine Gute!
    Viel mehr Frauen sollten Nackt durch die Straßen rennen, mit erhobenen Mittelfinger allen Spießern entgegen. Doch die Realität sieht ganz anders aus. Viel zu viele Frauen fühlen sich gewiss tatsächlich als Schlampe

    • Jess

      21. Mai 2015 at 11:19

      Und ich finde auch das Frau keine Kommentare per Handy tippen sollte, weil sie im Endeffekt mit ihrem Daumen nicht das erwählte Wort aus ihrer Vorschlagliste trifft, sondern“Kommentar abschicken“
      Jap, so sollte das nicht laufen ;)

      Fakt ist, das schon seit Jahren immer das gleiche Problem Guten Morgen sagt. Nämlich Frau+viel Sex=Schlampe
      Tze…. Danke für deine Zeilen. Tut sehr gut zu lesen.

      PS: Feddich… Ich drück jetzt „KKommentar abschicken „

  7. Kay

    17. Mai 2015 at 19:14

    Schön geschrieben, alle Achtung!
    Ich kann mich derer Meinung nur anschließen, werfe aber ein, dass ICH den Begriff schlampe gar nicht negativ seehe. Ich mag es gern etwas schlamppig und stehe auf Schlampen, bin auch gern selbst eine :-D
    Mir ist ein großer Erfahrungsschatz (schönes Wort, ha!) gepaart mit Experimentierfreude und Offenheit viel viel lieber als das „Landei“ mit null Ahnung von nichts, dafür aber unbefleckt – echt nicht schön. Hatte ich, finde ich doof :o°

    So denn, ein Herz für Schlampen mit Herz.

  8. JudgeDark

    17. Mai 2015 at 13:18

    Fein geschrieben … vielen Dank!

    Ich denke der Begriff „Schlampe“ ist ein Stück weit antiquiert, zumindest wenn es um Sexualität geht. Denn in unserer moralisch doch freieren Gesellschaft sollte jeder selber wissen, was in welcher Menge für ihn oder sie gut ist. Ich persönlich hab da noch so nen antiquierten Apendix, denn ich finde in einer Partnerschaft hat körperlicher Kontakt mit unterschiedlichen Menschen nichts verloren (außer man führt eine offene Beziehung auf die sich beide einlassen) … da könnte ich noch von einer Schlampe (männlich wie weiblich) sprechen. Ansonsten ist es wie Artie geschrieben hat, so zumindest meine Meinung.

    Und zu dem Typen aus der einleitenden Story … genau so einer ist ne Schlampe und ein Arschloch obendrein!

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