Keine Reue, keine Scham – auf unseren Sex 2017

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Ein Text von Artie Shaww.

Auf das Alte. Auf das Neue. Auf die Liebe. Auch wenn die komisch ist. Manchmal.

Sex ja sowieso.

Da lernt man sich in irgendeiner Bar, in einer schlimmen Schenke, einem gammeligen Club kennen. Man genehmigt sich einen Drink oder zwei, vielleicht auch drei oder vier und findet den Anderen mehr als apart. Zum Küssen und Niederknien schön. Und schon landet man – ehe man es sich versieht – verschmiert und verknotet zwischen runtergerollten Strumpfhosen und eilig in die Kniekehlen runtergeschobenen Unterhosen im Bett. Und friemelt einen fremden Penis in ein glitschiges Kondom, während fremde Finger in der Muschi wühlen.

Und es ist geil.

Es fühlt sich fantastisch an, wenn die Endorphine das Hirn überschwemmen und einem das Gefühl geben, die einzige begehrenswerte Frau zu sein. Man öffnet sich, windet sich, will mehr, schlürft gierig über die Haut des Fremden, saugt sich fest an Körperteilen und will nie wieder loslassen. Man presst sich an die Hüfte, schmiegt sich in den unbekannten Mund und schreit die Lust heraus, wenn sie einen denn überkommt. Bestes Gefühl.

Danach folgt meist ein Kater, der sich mit struppigem Fell an den Innenwänden des Schädels schubbert und das Schuldgefühlt zärtlich mit rauer Zunge abschleckt.

Die Scham ist groß, die Reue auch, wenn man morgens mit verschmierten Make-up und zerzauster Frisur Richtung Heimat wankt. Wenn der schöne Fremde fluchtartig das wohligwarme Bett verlässt und schleunigst den Heimweg antritt oder aber man den grässlichen Fremden, der gestern noch so verführerisch das Muschiwasser sprudeln ließ, aus den eigenen vier Wänden hinaus befördert.

Was ist das? Wohin verschwindet die meist in Alkohol eingelegte Lust? Und warum bleibt nach Nächten wie diesen meist der Geschmack eines schal gewordenen Astras zurück?

Woher kommt die plötzliche Reue? Und ist Reue gleich Scham?

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Sicherlich kann man viel bereuen – zum Beispiel die Dauerwelle Mitte der Neunziger, das Zungenpiercing und die Enthaarungscreme unter den Armen. Aber am meisten bereut man doch das, was man nicht getan hat. Dass man nicht die schnieke Kati damals nicht geküsst hat, als sie einem auffordernd ihr Mündchen entgegenstreckte oder aber, dass man Tobias links liegen ließ, obwohl seine Hand sich so gut um die Brust schmiegte.

Das sind Dinge, die ICH bereue. Okay, ich bereue auch, dass ich manchmal schlechten Sex hatte: Franjo war wirklich eine Wurst, und ich wahrscheinlich auch nicht besser. Aber schäme ich mich dafür?
Nein.

Ich will mich nicht für eine schlechte Erfahrung schämen. Lange Zeit tat ich das, weil ich viel und auch viel schlechten Sex hatte, aber heute begreife ich, dass diese Erfahrungen allesamt mich zu der Frau machten, die ich heute bin.

Ich schäme mich nicht mehr. Ich will mich nicht mehr dafür schämen, dass ich gierig nach Sex war und es manchmal noch bin. Durch diese unbändige Lust fühle ich mich gut und schön und stark und stolz, und durch meine Hingabe verstärke ich das Gefühl der Lebendigkeit. Und das soll schambehaftet sein? Dafür soll ich Reue empfinden? Nein.

Solange keiner der Beteiligten verletzt wird, kann, soll und werde ich mich in meiner Haut wohlfühlen. Ich will mir nicht einreden lassen, dass ich mich schamhaft zu fühlen oder zu bereuen habe.

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Meine Güte, es ist „nur“ Sex. Sex ist normal und dennoch besonders. Und keine Scham, keine Reue, eingezwängt in das gesellschaftliche Moralkorsett, sollte uns diese besondere Normalität nehmen lassen. Kosten wir doch einfach weiter und so lang es uns gut dabei geht. Reflektieren und lieben wir.

Auf die Liebe. Auf 2017.

Für mehr Liebe. Weniger Scham. Mehr guten Sex und weniger Reue.

Den Kater mag ich dennoch streicheln…

Fotos: Sarahlikesprettygirls // Sarahlikesprettygirls auf Tumblr

3 Comments

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  2. Rheintochter Esme

    7. Januar 2017 at 20:54

    Wunderbar geschrieben, wie schon so oft und hoffentlich auch noch ganz oft! <3
    Liebe vom Rhein! <3

  3. JudgeDark

    7. Januar 2017 at 12:25

    Das ist mal ne Art das Jahr 2017 zu begrüßen und zu feiern … auf Arties besonders pikante Art! ;)

    Danke für diesen inspirierenden Beitrag!

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