Darf er wirklich lecken oder lässt er’s lieber sein? Jein!

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Ein Text von Penny Calvet

Ich bin ein komplizierter Mensch. Eine simples Ja oder Nein geht mir nur selten über die Lippen, dafür gibt es haufenweise Ja, aber…, Nein, oder warte, vielleicht doch… und immer wieder Jein – Satzanfänge, die stets zu langwierigen, unnötigen Diskussionen führen. Einfache Entscheidungen zu treffen, überfordert mich, ein Leben ohne Jein ist nicht vorstellbar. Ich muss ein Kleidungsstück mindestens zweimal angezogen haben, ehe ich es kaufe. Meistens lasse ich es zurück hängen, grübele noch eine Weile weiter, kann mich jedoch nicht komplett dafür begeistern und ärgere mich ein paar Tage danach richtig, wenn ich mal wieder nichts Passendes zum Anziehen in meinem Kleiderberg finde. Gut, dass ich auf Fleisch und Fisch verzichte, sonst würde ich über jeder Speisekarte noch zehn Stunden länger als ohnehin schon brüten, und sämtliche Dinnerdates würden in einem Fiasko enden, weil meine Begleitungen vorzeitig aus Hunger das Weite gesucht hätten.

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Auch bei zwischenmenschlichen Beziehungen stelle ich mich meistens umständlich kompliziert an. Es ist nämlich so: Der Mann, den ich gerade date, ist ziemlich direkt und erwartet klare Antworten. Wenn er mich fragt, ob wir uns treffen, will er eine Ansage ohne großes Wenn oder Aber. Ich aber zögere Antworten bis zum Anschlag hinaus und opfere für die Grübelei über die einfachsten Dinge meine wertvolle Zeit. Woher meine Entscheidungsunfähigkeit kommt, weiß ich nicht genau, aber sie kann zur gigantischen Spaßbremse mutieren.

„Darf ich dich heute lecken? “, fragte mich der Mann gestern, als wir uns gemeinsam in seinem Bett eingemummelt hatten. Mir fiel partout keine passende Antwort ein. Eigentlich stehe ich total auf ausgiebige Zungenspiele, die meine feuchte Muschi in Wallung bringen, aber manchmal gibt es Tage, an denen ich zu empfindlich bin, um geleckt zu werden, oder einfach nicht in der richtigen Stimmung. Herauszufinden, ob mal wieder einer dieser Tage ansteht, dauert bei mir allerdings Ewigkeiten, und es geht auch nicht schneller, wenn ich wie gestern während des Nachdenkprozesses erwartungsvoll angestarrt werden und sich noch dazu eine eindrucksvolle Latte in mein Blickfeld drängt. Ein Nein wäre für den Mann völlig okay gewesen, aber keine Antwort war keine Option, ebenso wenig wie ein Jein. In meinem Kopf setzten Fettes Brot mit voller Hingabe zur Hymne meine Lebens ein: „Soll ich’s wirklich machen, oder lass ich’s lieber sein? Jein!“ Und was soll ich sagen? Die Antwort ließ dadurch nur weiter auf sich warten.

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Hach, in solchen Momenten wünsche ich mir eine Pausentaste für mein Leben, die mich kurz durchatmen und meine Gedanken ordnen lässt. So aber hauchte ich nach einer gefühlten Ewigkeit ein zartes Ja in die Welt hinaus, bereute das aber sofort wieder. Unfähig, den Lickjob zu genießen, zappelte ich wie ein Fisch auf dem Trockenen herum, bis der Mann enttäuscht aufgab. Die heiße Lecknummer hatte ich uns beiden gehörig verdorben. Zwischen meinen Beinen kniend, schaute er zu mir auf und fing dann aus heiterem Himmel an zu lachen. Ja, der Mann kann nicht nur lecken, sondern besitzt auch noch einen gesunden Humor. Er hat eingesehen, dass Ja bei mir manchmal Nein heißt und umgekehrt. Nichts ist eben so, wie es scheint, und nach diesem Fehlstart war uns beiden klar, dass wir schnell hart zur Sache kommen sollten. Die zärtlichen Schleckereien würde ich an einem anderen Abend in vollen Zügen genießen.

Der Mann stresst mich auch nicht, wenn es um essentiellere Themen geht. Seit ein paar Wochen hadere ich mit mir, wie wir denn unseren momentanen Status bezeichnen möchten: Sind wir zusammen? Ja, nein, vielleicht, jein? Oder daten wir nur exklusiv wie alle anderen Hipster in Berlin, die sich ihre Bindungsängste ganz groß auf die Stirn tätowiert haben und vor jedem Tinder-Date erst mal abklären, dass sie kein Interesse an einer ernsthaften, monogamen Beziehung haben? Für ihn ist die Sache klar: Wir daten nicht mehr, wir sind zusammen, die Regeln dürfen dabei noch ausgelotet werden. Ich bin total verliebt und freue mich über jede Sekunde, die wir zusammen verbringen, aber das auszusprechen, „Ja“ zu sagen und mich auf eine ausgesprochene Beziehung einzulassen, fällt mir schwer. Dabei würde sich, glaube ich, nichts großartig ändern.

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Der Mann, soviel ist sicher, hat eine ehrliche Antwort verdient, wenn er mich so lange über meine Entscheidung nachdenken lässt. Bis es soweit ist, versuche ich, einfache Entscheidungen nicht mehr lange aufzuschieben, sondern einfach mal aus dem Bauch heraus zu sagen, was ich will und was nicht. Und dann bin ich irgendwann bereit für die große, ehrliche Liebesbekundung – besser spät als nie!

Fotos: Sarahlikesprettygirls
Models: Princess Of Pain und Juliana

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