Filmemacher Jan Soldat: Gefühle, Schmerz und Sex im Alter

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Ein Text von Antoinette Blume.

Jan Soldat – Filmemacher, Dokumentarist, aha. Noch nie gehört. Mal googlen, was der so… Uh! UH! Krass. Berlinale and so on, Preise bekommen. Gleich mal nachhaken, ob der nicht Lust hat, mit mir für Mimi&Käthe über (seine) Filme, Sex und Pornographie zu schnacken.

So oder so ähnlich haben Jan und ich uns kennengelernt. Klassisch übers Internet, dann in ein japanisches Restaurant gegangen und drei Stündlein die Kellner verzückt, wann immer sie im Vorbeigehen einen Gesprächsfetzen belauschen konnten.

Bevor ich etwas von und über Jan Soldat preisgebe, kurz zur Sache: Was hat ein Dokumentarist mit Porno zu tun? Ganz einfach: Auch im Dokumentarfilm gibt es sie, die Tabubrecher und Sexnonkonformisten, die alles filmen, auch das, was erst einmal abseitig erscheint. Die Sex filmen, die Sklaven interviewen, Knastfetischisten aufsuchen und Männer über 70 bei GayRomeo kennenlernen, um Szenen aus ihrem Leben auf Film zu bannen.

Die schöne, illusorische Sexwelt vieler Pornos ist die gepimpte, ansehnliche Stiefschwester großer Hollywoodproduktionen. Explosionen, High Gloss und Vögeln ohne Makel. Die echte, manchmal frohe, manchmal traurige Sexwelt dürfen wir glücklicherweise in Dokumentarfilmen wie denen von Jan Soldat sehen. Naja, und anders als die Free Porn Clips im Internet, sind die Filme von Jan Soldat nicht auf Pornhub, sondern auf Filmfestivals, wie dem alljährlichen Pornfilmfestival in Berlin, zu finden und zu sehen.

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Szene aus dem Film „Der Unfertige“ (The Incomplete) von Jan Soldat.

Zwei Filme, die mir persönlich die aufregendsten und liebsten sind, könnten gleichzeitig verschiedener nicht sein – Trauer, Schmerz, Sklave-Sein vs. Scherz, hier und da ein paar (feste) Schläge mit der Peitsche und vordergründige Losgelöstheit. Der Unfertige (The Incomplete)  erzählt von Klaus, dem 60-Jährigen, der Sklave sein will. Der nackt putzt, im Sklavenlager von seinen Wärtern angepisst wird und sich selbst eine Kette im Bett anlegt. Der vor allem (und nicht trotzdem) die aktive Rolle einnimmt, desjenigen nämlich, der versklavt werden will.

Verschiedenes aus dem daily Fetischbusiness übersteigt unsere Vorstellungskraft, befinde ich. „Gerade deshalb zeige ich es. Ich möchte auch wissen, wie das funktioniert – Sklave sein. Ich bin einfach neugierig“, sagt mir Jan.

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Im Film „Ein Wochenende in Deutschland“ (A Weekend in Germany) von Jan Soldat geht es um den Alltag eines schwulen Paares. Und um Sex im Alter.

Ein Wochenende in Deutschland (A Weekend in Germany) ist happier. Zwei Männer um die 70, die das Leben und ihre Fetischvorlieben teilen. Mittags gibt es ein Stück Kuchen, nachmittags werden die Testikel mit Brennsesseln verwöhnt und liebkost (AUTSCH). Zuckersüß und herrlich lieb. Manfred, Jürgen und ihr Gastspielgefährte Rosie (im gleichen Alter) – purer Zucker, die Drei. Wirklich. So in etwa wünscht man sich das Dasein ab 50, 60, 70 – frei, freizügig und ein wenig hemmungslos, Sex in Kleingruppen, zwischen Käffchen und Latex.

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Manfred, Jürgen und ihr Gastspielgefährte Rosie leben ein Leben zwischen Käffchen und Arsch-Versohlen. Eine Szene aus dem Dokumentarfilm „Ein Wochenende in Deutschland“ (A Weekend in Germany) von Jan Soldat.

Wo ich nun meine Liebe zum Dokumentarfilm diesen Kalibers überhaupt erst entdeckt habe, frage ich mich: Geht es hier denn ums „große Ganze“? Um Gesellschaft, Sex im Alter, Tabus, Fetisch, Alles? „Es geht weniger um den gesellschaftlichen Globalkontext, als um das Portrait eines Menschen, einer Beziehung und den Alltag dieses Menschen“, erzählt mir Jan. Dieses persönliche,  „kleine Ganze“ wird uns durch seine Filme zugänglich gemacht. Die Hintertür zu einem Sujet, das mich im Porno beispielsweise eher abschreckt, das ich auf meinen Lieblingsseiten nicht anklicke, wird geöffnet – und Fetisch bekommt ein Gesicht, eine Geschichte, der man zuhören will.

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Vita
Preisträger//Pornfilmfestival
Jan Soldat bei Deutschlandradio Kultur

Jans Filme:
Der Unfertige (The Incomplete) auf Vimeo
Ein Wochenende in Deutschland (A Weekend in Germany) auf Vimeo

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