Heimlich trockenficken oder: Ist Sexting Fremdgehen?

By  |  8 Comments

*Achtung. Der folgende Text enthält eine sexuell seeeehr eindeutige Sprache. Wenn das nicht euer Ding ist, einfach weiterklicken. Zum Beispiel hierhin :) *

Ein Text von Artie Shaww.

„Was hast du an?“
„Nichts.“
„Was machst du?“
„Ich spiele an mir rum …“
„Ich möchte mit meinen Fingern in dich eindringen, ganz tief.“
„Fuck … Ich laufe aus, bin feucht, nass …“
„Mein Schwanz ist total hart, er ist so dick.“

Ein kleiner Auszug aus meinem letzten Online-Chat.

Cybersex, Online-Sex, Sexting. Alles ganz feine Kleinigkeiten, mit denen man sich gegenseitig auf Touren bringen kann. Und seien wir doch ehrlich: Wir stehen drauf. Wir mögen die Vorstellung, dass sich jemand irgendwo auf der Welt vor Verlangen nach uns windet. Oft kennen wir diesen Jemand nicht wirklich, aber so ein, zwei Fotos auf Instagram zeigen ein ansehnliches Menschenkind, auf das man doch recht gut kommen kann. Man beginnt, sich kleine Nachrichten zu schicken, die, erst harmlos und höflich, immer fordernder werden.

Die Worte umschmeicheln, fangen ein, machen besoffen, süchtig, du willst mehr, und schon längst hast du die Kontrolle über den Gebrauch deines Smartphones verloren.

Prinzipiell ist dagegen auch nichts zu sagen, zu schreiben. Was aber, wenn man in einer Beziehung steckt und der Partner nicht der Empfänger der sexuell übertragbaren Nachricht ist? Denn prinzipiell ist das, was wir da mit einem Menschen machen, Sex. Ist Sexting mit jemandem, den wir nicht lieben, also Fremdgehen?

Dank sozialer Netzwerke tut sich uns eine Palette der interessantesten Menschen auf, die der mediale Menschenkatalog zu bieten hat. Und soll dieses Umblättern da verboten sein? Soll man nicht gucken dürfen? Nicht einmal probieren, wenn der heiße junge Drummer einem seine Gedanken zum Fraß vorwirft und man ihn verschlingen möchte? Soll man die Libido zügeln, an die Kandare nehmen, wenn die verführerische Dunkelhaarige wollüstige Wörter mit eindeutigen Zwischentönen versendet?

Sexting 1

Wir ficken trocken, sexten und verlieren uns in der koitalen Kommunikation, verlieben uns schnell, tauchen in den anderen, die andere ein. Wir masturbieren, onanieren auf fremde Geschlechter, wischen unsere feuchten Finger trocken und fühlen uns wackelig auf den Beinen. Sei es, dass wir uns zum Cybersex mit Fremden verabreden und auf Gonzo69 total abfahren, sei es, dass wir versaute Nachrichten mit einer Lady tauschen, die die schönsten Boobs jenseits des Atlantiks hat.

Ist das verwerflich, wenn es doch niemals in der Realität zu einem Treffen kommt?

Das hat sich auch meine Freundin Anti gefragt, eigentlich und prinzipiell schon seit einiger Zeit in einer festen, sprich monogamen Beziehung. Da passt kein Blatt zwischen die beiden, Herr Penis und Frau Muschi können nicht genug voneinander bekommen. Der Sex sei gut, sie komme und habe Lust auf ihn, sagt Anti. Dennoch habe sie in letzter Zeit öfters Nachrichten mit sexuellen Inhalten und aufregende Fotos ausgetauscht, sei dem Sexting verfallen. Allerdings nicht mit ihrem Liebsten, sondern mit Fremden. Sie langweile sich keineswegs, sie genieße die Aufmerksamkeit und bereite sich einige gute Momente.

Huch.

Sicherlich könnte ich ihr raten, dass sie doch einfach mal die schlüpfrigen Nachrichten an ihren Boy schickt. Und dass es dann auch so ganz aufregend und spritzig sei. Aber da ich weder dem Dr. Sommer Team angehöre, noch eine Moralapostelin bin, beschränke ich mich auf die Frage: „Was gibt es dir?“ und verurteile, verdamme und verteufle – nicht.

Mich interessiert vielmehr die Frage, warum viele Internetforen Sexting, Cybersex, als Untreue sowie Fremdgehen bezeichnen. Die sexuelle Verantwortung liegt doch bei uns, es liegt bei uns, wie wir damit umgehen. Ob wir unseren Partner*innen den Chatverlauf offen darlegen oder ob wir schweigen, liegt an uns.

Sexting 2

Wie können wir damit umgehen, wenn wir den Moment der höchsten Lust erleben, nur, um uns danach mit dem Gedanken zu geißeln, wir hätten unseren Partner betrogen?

Sicherlich gibt es Typen, die brauchen keine sexuellen Nachrichtenaustauschverkehr, die sind fein raus, allerdings gibt es genügend Männer und Frauen, die sich heimlich, nachdem eine neue Nachricht eingegangen ist, im Bad verstecken, die Hand im Höschen, in der Buchse, um sich schnell, verstohlen zu befriedigen. Wie entwürdigend. Oh ja. Ja?

Nein. Denn für mich ist Sexting das nicht. Weder entwürdigend noch Fremdgehen.

Für mich ist Sexting eine weitere Spielform, die ich geschickt in mein aktives Sexualleben einbauen kann. Ich bereichere meine Sexualität, meine Vorlieben, wenn ich mir mit einem attraktiven Boy schreibe, ihn in meiner Phantasie benutze. Ihn Dinge tun lasse, die mich wiederum geil und feucht werden lassen. Und dann? Dann kann ich mich meinem Liebsten hingeben, so dass wir beide auf unsere Kosten kommen.

„Buuuuh“, mag es nun heißen. „Was aber, wenn dein Herzenhengst sich mit Tinder Dates oder versauten WhatsApp-Nachrichten auf Touren bringt?“

Dann, selbst dann, heiße ich es gut. So lange mich mein Mensch wie seine einzige Königin behandelt, mich nicht links liegen lässt, sondern mir jeden (Bett)-Wunsch von den Augen abliest, kann er sexten, ejakulieren und seiner Phantasie freien Lauf lassen. Sicherlich möchte ich nicht, dass er mich mit seinen Nachrichten behelligt, denn es ist seine Sexualität, nicht meine. Wer darauf steht, kann aber auch das in das gemeinsame Liebesspiel miteinbauen.

Es ist gibt so viele Spielarten, so viele Möglichkeiten, mit Sexting umzugehen, auch, gerade dann, wenn man sich eigentlich in einer festen Partnerschaft befindet. Es zu verteufeln und als Untreue zu brandmarken, halte ich für falsch. Wir leben in einer Zeit, in der wir sämtliche Möglichkeiten haben, uns sexuell frei zu bewegen. Nutzen wir diese Freiheit doch, um uns selbst besser kennenzulernen, um zu verstehen, was uns Lust bereitet.

Ich möchte, dass wir reflektierter mit Sexting umgehen, dieser kleinen Spielerei ihren Platz einräumen, wenn wir sie mögen und uns nicht dafür schämen. Ich jedenfalls schäme mich nicht dafür. Und schreibe daher gleich dem heißen Drummer von Instagram, dass er gerne mal mein Becken zum Klingen bringen darf.

8 Comments

  1. NightHunter

    23. Februar 2017 at 3:51

    Hmm Recht hat die Mimi…wobei es natürlich hier nicht um recht oder Unrecht geht. Alles hat mindestens 2 Seiten aber darum geht es doch. Sich jede Seite an zu sehen und sich diese zu nutze zu machen welche einem gefallen etc.

    Lasst uns mal ein kleines gedankenspiel wagen ;)
    Stellt euch doch mal vor ihr habt über eine Website eine Frau oder einen Mann oder beides entdeckt nach welcher/em ihr euch verzehrt. Eure Begierde schreit, wütet und euer verlangen brennt immer mehr sei es weil besagte Person eure intimsten Wünsche erfüllt und gar selbst so empfindet, sei es weil ihre Ausstrahlung oder ihre Art euch fesseln. 2 Unbekannte in den Fängen der Wollust vereint und obendrein auch noch save da alles kann und nichts muss VR sei Dank.

    Besagte Person in meinem Beispiel soll es eine Frau sein, trägt zb. ein Höschen eurer Wahl nur für euch und ihr wisst es. Dieses erotisch süße und doch auch verruchte Geheimnis das 2 fremde zu einem ganzen fügt. Sie in Geilheit getränkt in dem Wissen das Er später durch ihren Geruch kommen wird…
    Ein erotisches bitter-süßes Geheimnis welches euer leben grundlegend ändert und schnöde Barrieren des Alltags bricht. Euch beseelt, leben und genießen lässt auf eine völlig neue Art.

    All das und soo unglaublich viel mehr ist möglich. Doch was machen die meisten? Sie geißeln sich selbst, dulden längst veraltete Doktrinen einer vermeintlich „perfekten“ Gesellschaft die schon von Anfang an ihren Zenit überschritten hat. je mehr man sich geißelt statt zu genießen ja zu leben, je öfter wird man wohl verzagen.
    Man sollte all diese Möglichkeiten annehmen und probieren um sich und auch andere besser, intensiver und näher kennen zu lernen und endlich das Tier zu entfesseln was in einem jeden schläft.

    Ich rede nicht von fremd gehen. ich rede davon verdammt nochmal das zu machen worauf man Bock hat und dazu zu stehen. Statt hinter vor gehaltener Hand zu träumen bis man erkennt das man zu alt ist und seinen Schwanz etc. gerade mal zum Blüten bestäuben genutzt hat anstatt seine Phantasie in die Wirklichkeit zu holen und schlicht zu genießen ;)

    Cheers

    • Mimi

      Mimi

      23. Februar 2017 at 20:03

      Der Text ist nicht von Mimi, sondern von Artie Shaww :) Ich erzähle ihr aber von deinem Kommentar, der wird sie bestimmt freuen :)

      • NightHunter

        25. Februar 2017 at 17:47

        oh Verzeihung, dann ist mir ein Fehler im Eifer des Gefechts unterlaufen. Dann hat natürlich der Artie Shaww recht aber auch Mimi ist eine äußerst Interessante Person wenn mir diese Bemerkung am Rande gestattet ist.

        In jedem falle macht weiter so. ich lese stets gern und mir großem Interesse von euch.

        • Mimi

          Mimi

          25. Februar 2017 at 19:32

          Und wir freuen uns sehr, dass du dabei bist :) Welcome!

          • NightHunter

            25. Februar 2017 at 21:56

            Vielen Dank euch :)

            ja es ist wirklich mal etwas sehr angenehmes anderes offene und ehrliche Texte lesen und schreiben zu können ohne das einem ständig vermeintliche Moral etc. um die Ohren gehauen wird. Sondern einfach das schreibt was eben interessant ist und die eigene Sicht unverfälscht und ehrlich in all ihren Facetten darstellt.
            Aber vor allem endlich aus diesem schnöden Eintheitsbrei in tristem Grau ausbricht und es auf kluge und witzige Art versteht den Pinsel zu schwingen um Farbe auf die Leinwand zu bringen. Denn viel zu sehr lässt man sich wohl heut zu Tage ketten um sein ICH zu vergessen.
            Nun wie gesagt, vielen Dank und ich freu mich schon mehr von euch lesen zu dürfen.

  2. Peter

    5. Februar 2017 at 0:40

    Für mich persönlich ist das eine Vertrauenssache….Aufmerksamkeit und Zeit gebe ich gerne genug,das Vertrauen ist für mich sofort verblichen,so ging es los,während meiner Spätschicht ist die Olle dann für „mehr“ losgezogen.
    Darum lebe ich nun mit Katzen.
    Die Fotos von Dir finde ich allerdings schön.lg und alles Gute Mimi.

  3. JudgeDark

    4. Februar 2017 at 14:26

    Sehr schöner Text, danke dafür.
    Jut, jeder muss für sich entscheiden, ob das für einen selbst Fremdgehen ist oder nicht, hängt sicher auch mit dem Partner zusammen und wie man als Paar damit umgeht oder eben nicht umgeht. Es ist wie bei so vielen Dingen im Leben, denn „jeder ist seines Glückes Schmied“ und jeder muss selber beurteilen, wie er glücklich wird und wie nicht. Ist es vielleicht gerade der Reiz „des Verbotenen“, der die Sache so interessant macht oder ist es eine Sehnsucht nach etwas anderem? Die Gründe können so vielschichtig sein, wie eben das ganze Leben vielschichtig ist. Und man sollte jedem seine Meinung lassen und diese respektieren … !

    Btw. … sehr schöne Bilder, Mimi! ;)

  4. Der Ulli

    3. Februar 2017 at 21:28

    Der Wahnsinn… Wooohooo

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *