Liebevoll hingerotzt: Menschen-Bilder von Slinga

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Ein Text von Antoinette Blume.

Ich bin nie zu spät. Nie! Nienienienienie. Wer etwas anderes behauptet, der lügt. LÜGT. Außer Madame Slinga, Illustratorin, Künstlerin. Sie hat mich ein einziges Mal zu spät kommen sehen – mit Fangirltränchen in den Augen (Schneeregen in Leipzig) und wehenden Haaren kam ich zu spät. Ich wartete fälschlicherweise (und zwar pünktlich, natürlich) in einem anderen Café, bis mich nach fünf Minuten das beunruhigende Gefühl packte: There might be something wrong here. But anyway, wir trafen uns nach kurzem Hin und Her in der Mitte, und da ich bereits eine halbe Stunde hatte verpuffen lassen, redeten wir einfach zwei Stunden länger, schlürften heißen Schokoladenpudding, und ich durfte mich im warmen Antlitz dieser exzeptionellen Frau sonnen. Verstohlen baute ich eine Schutzmauer aus Tischen und Gläsern um uns herum auf, um ihrem Stimmchen zu lauschen und sie vorerst nicht teilen zu müssen. Zwei Sonderlinge auf zwei Sesseln, die sich über Menstruationsschübe, Liebhaberei und Haare jenseits des Kopfes unterhalten.

„Was genau bedeutet Slinga?“, frage ich die Frau vor mir, die eigentlich Lea heißt und vor neun Jahren nach Leipzig zog, um die Grafikerwelt ein Stücklein besser zu machen. Zumindest ausgefallener. Auf Umwegen wurde aus der anfänglichen Ausbildung ein Illustrationsstudium. Slinga bedeutet Schleife auf Schwedisch, übrigens.

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Seit sechs Monaten ist Slinga nun selbstständig und wird nicht nur von mir, sondern auch von ihren Followern bei Instagram, verschiedenen Blogs, darunter Bento und Spiegel Online, ihrem Freund (der nebenbei die Vorlage so einiger Zeichnungen ist) und der Mimi&Käthe Gang gefeiert. Und seitdem bereichert Slinga mich, dich, uns mit Zeichnungen von nackten und/oder menstruierenden Girls, pupsenden Pärchen und tanzenden Katzen. „Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht zeichne“, sagt Slinga. Eben dieses Kreativcredo und die damit verbundene Schaffenswut der schlauen und noch dazu wunderschönen Frau sieht man ihren vielen, vielen Arbeiten an. Immer lieb(evoll-)reizend wird uns da um so manche Ecke die ein oder andere Blume gereicht, auf deren Blättchen Messages zu Gender, Feminismus und Diversity geschrieben stehen.

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Was aber steckt hinter den versteckten Nachrichten? Warum zeichnet Slinga das, was sie zeichnet?

Die Gefühlszustände „unsicher“ und „unzureichend“ kommen den Menschen der Generation Y  vielleicht bekannt vor. Manchmal, öfter, dauernd. Und diese Fühleleien sind nicht so besonders arg schön. Gefühle, die beim Betrachten jeder Slinga-Illustration verschwinden dürfen und sollen. „Ich habe mir das zur Mission, meinem bescheidenen Auftrag gemacht – die Menschen sollen sich nicht für die Natürlichkeit des Mensch-Seins schämen“, so Slinga. Da gehört das Pupsen (jeder Analsex-erfahrene Mensch möge mir bitte zustimmen), das kleine bis mittlere, zeitweise auch größere Zugenommen-Bäuchlein nach in schokoladegetränkten Chipsresten und Knödeln in Jägersoße dazu, eben so wie die purpurnen Flüsse Teil eins und zwei im Badezimmer zu Zeiten des abnehmenden Mondkalenders und noch so dies und das und jenes. Der Mensch in seiner Vielfalt, Diversität und Natürlichkeit.

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Kann das denn so schwer sein? Sich NICHT für diese Dinge zu schämen? Gesellschaft, hallo, ich rede mit dir! Hm, scheint noch zu pennen.

An welcher Stelle die Gesellschaft ebenso immer noch zu schlafen scheint, ab und zu mal dösig-wach-erschrocken-hochschnarchend die Augen öffnet, bevor sie sich wieder in die Halb-Horizontale fallen lässt, ist die Thematik des Girls-Support. Die Ellenbogenmanier hat ausgedient, so befinden Lea et moi auf unseren Sesseln.

Draußen schneit und regnet es – was soll das, frage ich in mich hinein. Was soll das Lästern, Hassen, Streiten, vor allem unter Mädchen? „Jede will erst einmal die Besondere sein, diejenige, die was schafft, macht, kann“ antwortet Slinga mir. Anderen Girls helfen, was zu machen, zu schaffen, zu können? Immer noch nicht an der Tagesordnung. Dass wir Mädchen da eher rückwärts schlingernd in eine Einbahnstraße laufen, das widerum haben noch nicht alle da draußen entdeckt. Schluss! Aus! Ende. Hände reichen, ihr Girls mit langen Achselhaaren oder ohne Augenbrauen – helft euch. Supportet euch. Gebt was ab, ihr bekommt was zurück, I promise.

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Versucht es mal. Klatscht ein, trinkt einen Schnaps und malt euch Herzen auf die Wangen. So macht die Welt Sinn. Und mehr Spaß. Slinga malt euch eine Zeichnung dazu, ich schreibe es auf – damit es nicht so schnell vergessen wird.

Hier gibt‘s mehr von Slinga:
Slinga bei Instagram
Slingas Website und Comicblog 

Slinga bei etsy 

3 Comments

  1. Rheintochter Esme

    21. Januar 2017 at 23:15

    Å herregud, så utrolig flott! Ahem, ’schuldigung, da ist mir mein Skandinavien rausgerutscht vor lauter entzückter Begeisterung. Ich kann kaum an mich halten, so sehr bin ich aus dem Häuschen. Danke für diesen Text! Reiht mich mit ein in die Slinga-Fans, ich verspreche auch, dass ich niemanden schubsen werde!

    Liebe vom Rhein! <3

  2. Schrü

    21. Januar 2017 at 12:25

    Argh, ich bin auch richtig krass Fan der Illustrationen. Das ist nicht nur einfach schön und ehrlich und stellt einen Mehrwert dar, sondern ist auch perfekt, um es zu verschenken.

    Ich finde den Artikel sehr schön geschrieben.Danke.

  3. Antoinette

    21. Januar 2017 at 12:20

    Slinga ist die schönste, beste, schlauste Illustratorin <3
    Passt einfach hier her.

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