Ich bin prüde oder: Bis hierhin und nicht weiter, Boy

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Ein Text von Elsa Pilcher. 

Tach zusammen. Ich bin bis über beide Ohren prüde. Oder verklemmt. Wie auch immer ihr es nennen wollt. Ob ich dann hier bei Mimi&Käthe nicht total falsch bin, fragt ihr euch? Nein. Denn Liebe, Sex und Leidenschaft wollen wir alle – auch ich.

Ich stelle mich kurz mal vor: Elsa Pilcher der Name. Klein, vielleicht für meine Größe ein wenig zu pummelig. Aber wie sagt man so schön: Es sind die inneren Werte, auf die es ankommt. Wem dieses Charakterzeug nicht reicht, und wer nur auf die harten, schmutzigen Details aus ist: Körbchengröße 85F, 22 Jahre jung und eigentlich ein ganz friedliches Wesen. Vorausgesetzt, man lässt mir meinen Frieden.

Und ja, ich empfinde mich selbst als unfassbar verklemmt, als prüde. Ich kann nicht einmal sagen, warum das so ist. Vielleicht, weil mir von Haus aus beigebracht wurde, dass Sex zwar etwas Natürliches, aber in erster Linie zur Fortpflanzung gedacht ist.

Es ist nicht so, dass Sex mich nicht interessiert, im Gegenteil. Ich höre oft den Geschichten anderer zu und spanne meine Lauscher auf, erzähle aber nicht gern davon, was unter meiner Bettdecke passiert.  Denn da gibt es nicht viel zu berichten. Finde ich. Meine bisherigen Bettpartner sehen das etwas anders, habe ich mir sagen lassen. Als wild haben sie mich in Erinnerung. Als unkontrolliert und hingebungsvoll. Natürlich kann ich mich an die Male mit ihnen erinnern, war ja schließlich dabei. Aber wild und unkontrolliert?

Glück

Vor wenigen Tagen fragte mich jemand: „Na, aber auf was stehst du denn? Was magst du?“ Ich zögerte lange. Ich weiß es nicht. Manchmal dies, manchmal das. Die Liste der Dinge, die ich nicht mag und nicht ausprobieren möchte, ist wesentlich länger.

Wir finden raus, dass Analsex für mich nicht in Frage kommt. Nix mit Finger in‘ Po, Mexiko. Und auch nix anderes kommt mir da rein, denn mein Popöchen ist Sperrgebiet. Ist mir da hinten dann doch zu unhygienisch, und der Gedanke an eine Darmspülung ist alles andere als erfreulich oder gar sexy. Und in unserer übersexualisierten Welt keinen Analsex zu wollen, ist prüde. Oder?

Auch oral bin ich nicht besonders offen und entdeckungsfreudig. Heißt: Ich stehe einfach nicht auf Blowjobs, und das ist doch wohl der Gipfel der Prüderie. Beim Vorspiel geleckt zu werden, macht mich dagegen unendlich heiß, genügt mir aber nicht. Bis zum Orgasmus konnte mich noch keiner lecken. Aber das ist ein anderes Thema. Außerdem mag ich es, wenn mein Partner tief in mich eindringt.

Wir kommen auf Pet Play zu sprechen, und in mir dreht sich alles um. Sein Ernst? Klar, wer wird nicht gern hart geritten, aber das ist damit ja nicht gemeint. Ich möchte nicht an einer Leine gehen, möchte kein Halsband tragen. Und erst recht nicht möchte ich bellen wie ein Hund, miauen wie eine Katze oder brüllen wie ein Löwe, obwohl Letzteres sogar meinem Sternzeichen entsprechen würde. An dieser Stelle muss ich zugeben: Als ein Ex-Freund mich mal allzu sehr provozierte, habe ich ihn gebissen. Meinen Partner beim Sex zu kratzen oder zu kneifen, mag ich. Scheinbar gefällt mir diese Art von intensivem Zusammensein. Aber jemanden auf allen Vieren vor mir herum kommandieren? Nein, das ist sicher nicht mein Stil.

Prüde, ich sag‘s ja.

IkaFan-06

Den eigentlichen Grund meiner Selbst-Einschätzung sehe ich darin: Nackt bin ich ein offenes Buch. Ich bin verletzlich, gebe von mir alles, was ich habe. Und manchmal erwische ich mich manchmal dabei, wie ich beim Sex jegliche Kontrolle abgebe. Das macht mir Angst. Natürlich weiß ich, dass gerade dieser Kontrollverlust guten Sex ausmacht. Aber ich bin noch nicht soweit. Vielleicht, weil mich mein Kontrollverlust bisher zu viel gekostet hat. Zu oft bin ich verletzt worden, zu oft enttäuscht.

Aber was heißt das alles jetzt für mich? Bin ich wirklich prüde, weil ich Grenzen habe? Oder ist das ganz normal? Bin ich prüde, weil ich meine Sexualpartner mit 22 Jahren an einer Hand abzählen kann? Bin ich prüde, weil mir Gruppensex suspekt ist? Bin ich einfach nur verklemmt, weil ich mich nicht an Pornos heran traue?

Das Wichtigste, finde ich, ist, dass diese Dinge für mich okay sind. Und dass ich eingrenzen kann, was für mich gar nicht geht. Wenn man das als prüde bezeichnen möchte, dann ist das so, mich stört es nicht.

Wie seht ihr das?

Fotos: Ika Fan // Ika Fan bei Facebook // Ika Fan auf Tumblr

4 Comments

  1. hag bard

    6. März 2017 at 16:26

    danke für den tollen artikel!
    ich nenn das nicht prüde, gar nicht.
    das bist du und das ist ok.
    und von den medien was einreden zu lassen
    ist auch nicht mein ding.
    ich bin wie ich bin ob analoralodergarnicht
    und vor allem kommts ja auf den
    jeweiligen partner an, wo dass mensch
    sich öffnen magkann oder eben nicht.
    du bist normal ;-)
    (im positivsten sinn gemeint)

  2. Rheintochter Esme

    5. März 2017 at 19:56

    Grenzen zu haben ist super! Sie genau zu kennen, ist noch viel supererer, und sie gefälligst respektiert haben zu wollen, ist am allerallersupererersten! Wie schön, dass Du darauf pfeifst, ob Aussenstehende Dich „prüde“ nennen oder nicht, denn das ist die gesündeste Haltung, die Du haben kannst. Willkommen an Bord, meinen fetten Respekt an Dich und janz viel Liebe vom Rhein!

  3. JudgeDark

    3. März 2017 at 18:03

    Ein freudiges Hallo! :)

    So wie du es beschreibst kann ich nicht sagen, dass du in meinen Augen prüde bist; aber das liegt immer im Auge des Betrachters, jeder hat da so seine Meinung zu. Wichtig ist aber doch, wie du es siehst. Man muss ja nicht alles mitmachen, wenn es einem nicht gefällt … vielmehr ist das ein Zeichen von Stärke, wenn man das auch so sagen kann (finde ich zumindest).
    Du kannst davon ausgehen, dass sich in deinem Leben noch einiges ändern wird diesbezüglich … man traut sich vielleicht an andere Sachen dran, aus Neugier, weil man es sich mit dem Partner vorstellen kann, weil man es will, weil man geil drauf ist …. was auch immer. Aber sexuelle Vorlieben sind nicht immer starr, da kann sich auch mal was ändern. ;)

    • Vivien R.

      4. März 2017 at 21:02

      Ich finde es absolut okey. Man gibt jemanden ja keinen Blowjob nur um ihm zu gefallen. Das Gleiche gilt für Analsex. Ich glaube kein Mann findet es geil, wenn er merkt dass du das überhaupt nicht magst. Tu das worauf in erster Linie DU Lust drauf hast. Ob prüde oder nicht. Völlig egal. :-)

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