Ich bin pansexuell oder: Dein Gender ist mir peng

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Ein Text von Mimi Erhardt.

Ein Spielplatz in der nordrhein-westfälischen Provinz anno 1983. Klein Mimi hängt mit den Nachbarjungs in den Seilen eines überdimensionalen Kletternetzes, man spielt Pirat, Klein Mimi ist ganz vorne mit dabei, boxt sich mit den Piraten des gegnerischen Schiffes, der krasseste Freibeuter von allen ist sie, der Schrecken der sieben Weltmeere, ein gefürchteter… „Lasst die Lady in Ruhe“, sagt da eine Stimme, ruhig, ohne zu brüllen, ohne zu schreien. Klein-Mimi sieht sich um. Hä? Ne Lady? Wo? Da sieht sie im hölzernen Ausguckhäuschen ein Mädchen sitzen, das mit beiden Beinen einen der Jungs abwehrt. „Pfoten weg von ihr, habe ich gesagt!“, sagt es, diesmal lauter. Dann winkt es Klein-Mimi, ruft ihr zu: „Los Lady, komm her, ich rette dich!“ Und obwohl Baby-Mimi normalerweise jedem, der sie ein Mädchen oder ähnliches schimpft, mindestens auf die Füße rotzen würde, reicht sie der fremden Piratin die Hand und lässt sich von ihr ins Ausguckhäuschen, in Sicherheit ziehen. „Danke, echt nett von dir“, sagt Lady Mimi. Statt einer Antwort grinst das Mädchen und mustert Klein-Mimi, während diese sich fragt, warum sich das alles so schön und gar nicht bescheuert anfühlt und warum es da unten so hübsch kribbelt.

Willkommen in der Welt meiner verwegenen Ruhrpott-Kleinstadtkindheit.

Meine ersten Sexgefühle hatte ich mit Mädchen. Ob das Doktorspiele mit meinen Kindergartenfreundinnen waren, die gewagte Rettungsaktion der kleinen Piratenbraut, die ich nach dem Tag auf dem Spielplatz nie wieder sah oder der Anblick der Models, die im Quelle-Katalog Reizwäsche präsentierten.

Doch die Jungs holten auf, wenngleich nur langsam. Ich liebte es, mich mit ihnen zu kloppen, ihnen meine Fantasy-Karate- und „Ich kann Brennessel“-Skills zu zeigen, und ja, auch bei diesen Kämpfen fühlte ich manchmal dieses hübsche Kribbeln südwärts. Ich verliebte mich in Jungs und schwärmte für Mädchen, war heimlich verknallt in meine beste Freundin Rebecca, datete aber den schönen Sven aus der Oberstufe. Natürlich nur so lange, bis er mir sagte, er habe sich in mich verliebt. Pfui, das war mir zu viel Commitment, ich wollte frei sein.

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Als ich älter wurde, überholten die Jungs die Mädchen, Sexgefühle für Ladys hatte ich nur noch selten, und wenn, dann behielt ich sie für mich. Nachdem Rebecca mich einst nach einer besonders herzlichen Umarmung eine „voll schwule Lesbe“ gescholten hatte, wäre ich lieber gestorben, als die Welt an meiner Zuneigung zu anderen Mädchen teilhaben zu lassen. Ich wurde eine „normale“ Jungsfreundin, hetero as fuck, so schien es wenigstens.

Aber vergesst es, Mann. Ich bin nicht hetero, bin es nie gewesen. Und bevor ihr fragt: Lesbisch bin ich auch nicht.

„Also bist du bisexuell, Mimi?“

Nein, auch bisexuell bin ich nicht.

„Äh, ja was denn dann?“

Ich bin ungelabelt und möchte das gerne bleiben. Warum soll ich mir einen Sticker auf die Stirn pappen, nur damit andere mich besser und bequemer in Schubladen stecken können, in denen sich ohnehin niemand wohlfühlt, ich am allerwenigsten? Warum soll ich mich als heterosexuell, bisexuell oder lesbisch klassifizieren, wenn nichts davon zu mir passt?

Ich, Mimi Erhardt, Porn-Bloggerin, Knalltüte und Ex-Spielplatz-Piratin, liebe und begehre Menschen. Es ist mir schnuppe, ob der Mensch, für den mein Herz schlägt und der meine Muschi durch seine bloße Existenz glücklich und berauscht macht, ein Mann oder eine Frau ist. Ich war verliebt in Menschen, die sich als non-binary oder genderqueer bezeichnen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugehörig fühlen, war verliebt in einen – jetzt – Trans*Mann, der, als ich ihn kennenlernte, noch ein Mädchen war, das Tag und Nacht seinen Strap-On-Schwanz trug und nie wirklich glücklich war. Ich liebe Pornos mit Buck Angel in der Hauptrolle, dem Sexgott, der als „Man with a pussy“ berühmt wurde, finde Trans*Porn mit schwer behangenen Ladys extrem heiß. Ich war mal mit einer lesbischen Frau verlobt und verliebe mich immer wieder in Cisgender-Männer, Männer, die sich mit dem Geschlecht, in das sie hineingeboren wurden, identifizieren, das Gegenteil von transgender. Wenn du mir dennoch etwas auf die Stirn stempeln möchtest, dann merke dir das Wort pansexuell. Es bedeutet, dass jemand einen feuchten Furz auf die sexuelle Identität desjenigen gibt, den er gerne zu seinem Herzmenschen oder Fuckbuddy machen möchte.

Pansexuell bedeutet: Deine sexuelle Identität ist mir peng. Wenn ich dich mag, dich geil finde, mich in dich verliebt habe, dann ist das so. Dann habe ich mich in den Menschen verliebt, der du bist, nicht in das Geschlecht, das in deinem Perso notiert ist und das dir von der Natur per Lotterie zugeschustert wurde. So geht pansexuell.

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Klingt mega? Super tolerant und easy? Nach einem Leben ohne Begrenzungen, ohne Diskriminierung? Ach, schön wär’s. Denn auch, wenn ich den Part mit dem traditionellen Outing übersprungen habe, auch, wenn sexuelle Schubladen-Verweigerer wie ich in 2016 zu einem großen Teil mindestens geduldet werden, hatte ich dennoch oft mit den Ressentiments meines Umfeldes zu kämpfen. Viele lesbische Frauen, die ich kennengelernt habe, hatten ein Problem mit meinen grenzenlosen Sex- und Romantikgefühlen. „Was bist du? Pansexuell? Was soll das denn sein?“ Wie oft schon habe ich gehört, ich sei eigentlich nur eine verkappte Hete, die sich ausprobieren möchte und deshalb die Gefühle „echter“ Lesben missbrauche. Dass ich ohnehin eines Tages bei einem Mann landen würde, schließlich sei ich NUR bisexuell oder pansexuell oder als was auch immer ich mich bezeichnen würde. Das sei doch alles weder Fisch noch Fleisch und überhaupt lächerlich. Wie solle man da je wissen, ob ich treu sei, wenn doch quasi an jeder Ecke Versuchungen auf mich lauerten? Andere Frauen, Männer, den „Rest“ mal ganz außen vor gelassen.

Cis-Männer dagegen finden meine Offenheit und sexuelle Begeisterungsfähigkeit anderen Frauen gegenüber anfangs meist heiß („Pansexuell? Ist das dasselbe wie bisexuell? Geil, dann stehst du doch auch bestimmt auf Dreier mit anderen Girls!“). Wird es jedoch ernst zwischen uns, werden die anderen Girls nicht selten zum unbesiegbaren Rivalen im Geiste, denn: „Mit einer Frau kann ich nicht konkurrieren.“ Und wieder: So, wie ich sei, müsse man sich außerdem 24/7 Sorgen machen, dass nicht ein anderer des Weges käme und mich wegschnappe. Oder eine andere. Gefahren allerorten, wie solle man das nur aushalten?

Dies sind meine persönlichen Erfahrungen, ich möchte das nicht verallgemeinern. Trotzdem, von meiner Warte aus betrachtet: Come on, was ist nur los mit euch, die ihr mir und anderen sexuell nicht eindeutig klassifizierbaren Menschen über die Jahre derartige Sprüche geschickt habt? Das alles erinnert mich schwer an die homophoben Aussprüche unserer Großeltern, Eltern und sogar Gleichaltriger, die Begegnungen mit „schwulem Pack“ scheuten, da dieses sie selbstverständlich anbaggern würde. „Aber okay, so lange die Schwulis MICH nicht anmachen, sind sie mir egal.“ Natürlich, verständlich, denn schwule Jungs fühlen sich natürlich zu jedem Mann im Universum hingezogen, selbst wenn der Typ aussieht wie dreimal durch die Arschritze gezogen. Ähnlich verhält es sich auch mit Bisexuellen und pansexuellen Menschen wie mir. Wir wollen alles und jeden ficken und verlieben uns in Hinz und Kunz, denn immerhin stehen wir auf Männer und Frauen, also auf ALLE Menschen, und das ist ohne Frage wörtlich zu nehmen.

Aus dem normativ-sexuellen Orientierungsrahmen zu fallen, ist nicht einfach. Ob es dabei nun um sexuelle Orientierung oder Genderidentitäten geht. Und wir, die wir ein wenig anders ticken, müssen uns nicht selten mit einer Menge intoleranten Gewäschs abgeben, mit Vorurteilen und Diskriminierung. Helft uns lieber, indem ihr euch entspannt. Niemand tut euch was, weder die Schwulen, die Lesben, noch Leute aus der Bi-Community oder Menschen, die von sich sagen, sie seien pansexuell. Fragt nach, wie es sich mit der Bisexualität oder diesem Pansexuell Dingsi verhält. Wenn ihr dabei nicht mit dem Finger auf uns zeigt und höflich bleibt, beantworten wir eure Fragen gerne.

Ich mache dich auch nur an, wenn du mein Typ bist. Versprochen. Bist du es nicht, heul nicht rum. Ich bin sehr wählerisch.

Fotos: Sarahlikesprettygirls <3

30 Comments

  1. Narcotic

    17. September 2017 at 3:21

    Ich selbst identifiziere mich auch als pansexuell, wenn mich jemand fragt, aber im privaten ordne ich mich auch keinem „Genre“ zu. Etwas wie ein „Outing“ hatte ich auch nicht, da ich mit einer sehr offenen Familie und Freundeskreis gesegnet bin, die es, auf gut deutsch gesagt, einen Dreck schert.

    Ich fand Frauen immer sexuell attraktiver als Männer, aber meine Heterosexualität wirklich in Frage gestellt habe ich erst, als ich vor mehreren Jahren ein gewisses Mädchen kennenlernte, die jetzt ihre Sexualität auch in Frage stellt.
    Wir sind beide noch sehr jung aber waren schon immer der Meinung, dass Monogamie eine eher unnatürliche Lebensweise ist, die uns ziemlich unverständlich bleibt, und deshalb haben wir etwas, das als offene Beziehung definiert werden könnte.
    Ich für meinen Teil bin definitiv nicht polyamourös, aber ich habe kein Problem damit, außerhalb unserer Beziehung vorrübergehende körperliche Beziehungen zu pflegen. Wir erachten das beide als natürlich und es fällt natürlich manchmal schwer, die Eifersucht im Zaum zu halten, aber es ist machbar.
    Für mich ist der mit Abstand wichtigste Faktor in einer Beziehung die geistige Nähe, und solange ich die mit ihr teile und wir uns alles erzählen können, ist alles weitere Nebensache.

  2. Jule

    25. Juni 2017 at 17:08

    Bin gerade durch Zufall auf diesen Eintrag gestolpert und kann nur eines sagen: Danke!

    Dein Schreibstil ist super und ich hab mich so wieder finden können.. die Menschen verstehen es nicht, sind sich unsicher.. immer diese Vorbehalte „Aber was ist, wenn da ein Mann/ eine Frau kommt..?“. Was zur Hölle hat Pansexualität mit Treue zu tun? Das fuckt mich echt ab und macht traurig..

  3. Phoebe

    21. Juni 2017 at 14:26

    Mich würde ja mal interessieren, was passiert, wenn du dich in eine Person verguckst, die sagt „Ich möchte aber keine Beziehung mit jemanden, dem mein Gender peng ist.“?
    Ich bin z.B. transident und lesbisch und mir ist es schon wichtig, dass meine Ehefrau mich als vollständige Frau akzpetiert. Hätte sie gesagt, ihr ist es egal, was ich bin, dann hätten wir wohl nie geheiratet. Ich habe nichts gegen Offenheit, aber ich frage mich, wie grenzt man Offenheit von Gleichgültigkeit ab?

    • Mimi

      Mimi

      22. Juni 2017 at 12:36

      Das hast du komplett falsch verstanden. Die Aussage bezieht sich darauf, dass ich meine Partnerwahl (!) nicht vom Geschlecht einer Person abhängig mache. Verliebe ich mich in einen Mann, liebe ich, dass er ein Mann ist, mit all seinen körperlichen Features, mit seinem Geist, mit allem. Will ich eine Frau, verehre ich ihre Weiblichkeit/Mädchenhaftigkeit, whatever es ist, das mich an ihr fasziniert. Meine Haltung ist das exakte Gegenteil von Gleichgültigkeit.

      • Phoebe

        22. Juni 2017 at 22:58

        Ich verstehe es immer noch nicht, aber na ja, ich bin sowieso komisch, ganz besonders im Bezug auf meine Sexualität. Vielleicht bin ich einfach nicht die Zielgruppe für diese Antworten. Ich denke die meisten Menschen machen ihre Partnerwahl nicht vom Geschlecht abhängig, zu mindestens nicht so wie man es allgemein vermutet. Es gibt ja die Annahme, dass Menschen von Natur aus Bisexuell sind oder zu mindestens die Veranlagung dazu besitzen. Das heißt, dann wären Hetero- und Homosexualität oft nur eine Ausbildung des Vorziehens eines der Geschlechter. Ich denke mal, dabei wie sich die Vorlieben entwickeln könnte das Umfeld auch eine Rolle spielen. Außerdem muss man bei den Vorlieben auch immer die romantische Ebene und die Körperliche Ebene unterscheiden. Ich würde z.B. auf der romantischen Ebene mit einem Mann anfangen können, dass wäre viel zu langweilig, aber im Bett könnte es durchaus Sachen geben die Spaß machen könnten. Na ja, in der Theorie, in der Praxis bin ich verheiratet und wir stehen nicht auf Dreier. Das Klischee der sexbessenen, transidenten Frau, die zu allem bereit ist, kann ich leider nicht bedienen.
        Aber wenn man in der Situation ist, dass man früher bei den Männern eingeordnet wurde und heute bei den Frauen, dann entwickelt man zwangsweise eine eigene Sichtweise auf die Sexualität. Früher stand ich auf Frauen und galt als Hetero, heute stehe ich immernoch auf Frauen und gelte als Homo. Schon irgendwie verrückt, bei mir hat sich nichts geändert, wohl aber die Sichtweise der anderen auf mich. Irgendwann läßt man es dann alles definieren zu wollen, weil man merkt, dass man selbst bei vielen Dingen eine andere Ansicht hat als andere. Für andere mag das interessant sein, aber für einen selbst oder auch die Person mit der man eine Beziehung hat, ist der Wunsch alles erklären und definieren zu wollen irgendwann eine Belastung. Für die Beziehung ist es dann besser, wenn einige Dinge nicht erklärt werden brauchen und man freut sich einfach, dass man Spaß am Sex hat.
        Also mach dir keinen Kopf, wenn ich deine Sexualität nicht verstehe, ich verstehe meine eigene schließlich auch nicht wirklich. Dummerweise weckt die Konstellation Frau und transidente Frau, mit Penis, bei bei so vielen Leute eine unglaubliche Neugier und ich denke mir immer: Toll, jetzt wollen die was wissen, was ich selbst nicht verstehe. Was bei denen im Kopfkino läuft will ich nicht wissen.

        • Mimi

          Mimi

          23. Juni 2017 at 18:17

          Kein Ding, diese Sachen sind ja auch leider oft sehr verfahren. Wenn du Bock hast, mehr von dir und deiner Geschichte hier im Blog zu erzählen, let me know. Ich glaube, du kannst viel Spannendes erzählen!

          • Phoebe

            25. Juni 2017 at 16:12

            Klar, wenn jemand fragt, wie mein Leben verlaufen ist, habe ich kein Problem damit davon zu erzählen. Viele finden es eben spannend und sind neugierig, auch wenn manche Leute gewisse Details zu genau wissen wollen.
            Aber rückblickend kann ich sagen, dass ich schon sehr früh, da war ich ca. 6 Jahre, gemerkt habe ich bin anders als andere Kinder. Nur als Kind weiß man nicht viel über Geschlechtsunterschiede oder Sexualität und kann mit diesem Gefühl der Unstimmigkeit nichts anfangen. Auch Aussagen wie „Ich wäre lieber ein Mädchen.“ werden von anderen als kindliches Geschwätz oder Fantasien abgetan.
            In der Pubertät habe ich es dann richtig gemerkt, da verändert sich nunmal der eigene Körper und wenn man diese Entwicklung ziemlich abstoßend findet, merkt man schon welche Probleme man mit den eigenen Körper und der Geschlechtsidentität hat. Gleichzeitig war ich dann aber auch durch meine sexuelle Orientierung verwirrt, normale Frauen „müssen“ schließlich auf Männer stehen. Und die Informationen, die mir als Teenager zur Verfügung standen, waren leider ziemlich bescheiden. Damals war es noch gängige Meinung, dass sich Homosexualität und Transsexualität (wie es damals genannt wurde) gegenseitig ausschließen. Oder eben einfach gesagt, wer auf Frauen steht, kann nicht transsexuell sein. Außerdem gab es noch diese übermässige Konzentration auf die Abneigung gegen die eigene Geschlechtsteile. Das waren die beiden Hauptkritieren für Transsexualität, man musste Sex mit Männern haben wollen und lieber eine Vagina als einen Penis haben. Beides passte nicht bei mir, also sagte ich zu mir: Ok, was auch immer nun mein Problem ist, dass kann es nicht sein.
            Dann habe ich eben das versucht, was alle Männer in diesem Alter versuchen, nämlich irgendwie in der typische Männerrolle reinzuwachsen. Aber bei mir hat es irgendwie nie geklappt, was männliche Teenager gemacht haben hat mich nie interessiert. Im sozialen Umfeld habe ich nie Freunde gefunden und Beziehungstechnisch lief auch nie was. Teenager akzeptieren nun mal nur „coole“ Leute und nicht jemanden der wie ein Freak wirkt. Oder schlimmer noch, jemanden, der vielleicht schwul sein könnte.
            Irgendwann als ich Mitte 20 war hatte ich meine erste Beziehung zu einer Frau. Damit war zu mindestens das Thema der sexuellen Orientierung für andere geklärt. Die Beziehung hat aber nur ein Jahr gehalten, weil ich nun mal nicht wirklich den männlichen Part der Beziehung ausfüllen konnte.
            Zeitgleich wurde auch das Thema Transgender und Crossdresser bekannter und ich dachte mir: Gut, dann passt du wahrscheinlich in die Ecke.
            Der Nachteil war natürlich, sowas musste man vor allen geheim halten. Klingt komisch aber es ist doch so, niemand erzählt mal so frei heraus: „He, in meiner Freizeit ziehe ich Frauenkleider an und habe Spaß daran.“
            Dann hatte ich noch eine sehr kurze Beziehung mit einer Bekannten und danach habe ich dann auch schon meine Ehefrau kennen gelernt. Vor der habe ich das Thema dann erstmal drei Jahre geheim gehalten. Bis ich mir sagte, dass geht nicht, eine Beziehung mit Geheimnissen kann man nicht führen. Sie hatte damit weniger Probleme, solange das eben geheim blieb und nur phasenweise war.
            Das mit dem Geheim bleiben war schwierig, weil so ein Doppelleben zu führen ist verdammt anstrengend. Also haben nach und nach den Familien- und Freundeskreis eingeweiht. Aber die wußten auch nur, dass ich solche Crossdressing-Phasen habe, weil wir es ja selbst geglaubt haben. Die haben es alle mehr oder weniger gelassen aufgenommen, so nach dem Motto: „Na ja, ein ungewöhnliches Hobby, aber es gibt schlimmeres.“ Außerdem hatte ich Glück, dass ich schon damals eine recht weibliche und attraktive Erscheinung hatte, wenn man nicht völlig lächerlich aussieht nehmen die meisten Menschen das wohlwollender auf.
            Nur leider war es so, dass dieses Doppelleben, offiziell als Mann, privat immer öfter als Frau, bei mir massiv auf die Psyche ging. Das ist ganz einfach so, wenn da in Wahrheit doch Transidentität (oder nenn es von mir aus auch Transsexualität) dahinter steckt und man es nicht ahnt oder verdrängt hat.
            Ich sage immer, da geht die Schere zwischen Wunsch und Realität immer weiter auseinander und irgendwann spielt die Psyche nicht mehr mit. Als dann auch noch psychischer Stress im Beruf, inklusive Mobbing, dazu kam war, es dann so weit, dass ich entgültig in eine schwere depressive Episode abgeruscht bin und mein Umfeld gesagt hat: So jetzt ist Ende, jetzt suchst du dir therapeutische Hilfe, damit du die Sache mit deinem Beruf, deinem Geschlecht und deinem Leben allgemein auf die Reihe kriegst.
            Das ist im Grunde ganz typisch für einen transidenten Lebenslauf, dass dort irgendwann eine psychisch belastendes Schlüsselerlebnis auftritt, das zum Handeln zwingt.
            Ich habe dann auch relativ schnell einen Therapieplatz bei einer Psychologin bekommen, die sich mit der Thematik auskannte. Die hat dann sehr schnell die Diagnose auf Transidentität/Transsexualität gestellt. Wahrscheinlich war es für sie auch mehr als offensichtlicht, weil ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr freiwillig Männerklamotten angezogen habe. Und von der Erscheinung und vom Körperbau bin ich eher weiblich, ich brauch nur ein bißchen die Haare frisieren und ein bißchen Make-up und dann ist es schon verdammt schwer zu bemerken, dass meine Biologie nicht so ist wie die anderer Frauen.
            Na ja, die Therapeutin sagte mir auch auf den Kopf zu, dass ich mein Leben eigentlich nur in den Griff kriege, wenn so lebe wie ich wirklich bin, nämlich so wie andere Frauen auch. Also habe ich nach ein paar Therapiestunden gesagt: Dann mache ich das jetzt eben alles offiziel, mit Therapie und Namens- und Personenstandsänderung und Hormonbehandlung und allgemeinen Outing bei allen Menschen in meinem Umfeld.
            Ab habe ich dann mein Leben umgekrempelt und es wurde deutlich besser. Ich fühlte mich befreiter und offener, dadurch habe ich viel Lebensfreude gewonnen.
            Die Therapie ging dann drei jahrelang und hat mir sehr gut geholfen. Weil ich ja durchaus erstmal klären musste wie verändert sich nun meine Beziehung, wie entwickelt sich meine Sexualität. Es ist nicht ganz so einfach mit sich selbst und dem eigenen Körper klar zu kommen, wenn man einerseits bemerkt man ist eine Frau, aber man hat einen Penis und das findet man selbst nicht so furchtbar schlimm. Da muss man über viele nachdenken, viele Ansichten ändern und auch viel mit der Partnerin reden. Die muss über sich und ihre Sexualität ja auch nachdenken und sich selbst auch neu erfinden.
            Außerdem muss man auch damit klar kommen, dass andere Menschen einen selbst dann anders behandeln. Das braucht alles seine Zeit. Außerdem brauchen die offiziellen Dinge, wie die Änderung des Vornamens und des Geschlechtseintrages oder die Vorbereitung auf die Hormontherapie auf bürokratischen Wege sehr viel Zeit.
            Als Betroffene fand ich diese ganze Wartezeit oft sehr belastend, weil ich irgendwo Anträge gestellt habe und manchmal erst zwei Monate später die Antwort bekommen habe, dass die Sache bearbeitet wird. Da fühlte ich mich sehr oft vergessen und alleine gelassen. 2013 habe ich diesen Weg begonnen und erst jetzt habe ich die Rezepte für meine Hormone gekommen. Das ist nicht immer einfach, wenn man eine Frau ist, aber mit einem teilweise doch recht männlichem Körper leben muss. Ich hatte den Vorteil, im Alltag fällt die Biologie nicht groß auf, aber ich kann nicht sagen, dass es niemals auf gefallen ist. Und wenn es auffällt dann habe ich auch oft komische Reaktionen erlebt. Das waren eigentlich nicht die typischen offenen Hasskommentare, ich wurde nie auf offener Straße angepöbelt oder beschimpft. Aber es gab schon sehr oft unangenehme Fragen zu meinem Geschlecht und manchmal merke ich auch, das sehr oft Menschen hinter meinem Rücken über mein Geschlecht reden oder auch lästern. Mal schauen, vielleicht werden solche Situationen durch die Hormoneinnahme weniger, aber auch diese körperlichen Veränderungen brauchen wieder Zeit. Ich würde es mir wünschen, dass ich körperlich noch eindeutig weiblicher werde, vielleicht fragt mich dann irgendwann niemand mehr, ob ich nun ein Mann oder eine Frau bin, aber zu aller erst wünsche ich mir ein vernünftiges Brustwachstum. Weil das fehlt mir schon seit der Pubertät und ich persönlich finde diesen Unterschied deutlich schlimmer als jetzt unterschiedliche Geschlechtsteile. Ob eine Frau nun einen Penis oder eine Vagina hat, dass macht für mich keinen Unterschied, aber wenn sie keine vernünftig entwickelenden Brüste hat, dann finde ich das schon schlimm. Ich habe genug Nacktbilder von anderen Frauen gesehen, ob nun Cis oder Trans, um zu sagen, dass beides gut aussieht, solange der Körperbau und die Proportionen stimmen.
            Manchmal nervt der Penis im Alltag, den in engen Jeans oder Röcken zu verstecken ist keine leichte Aufgabe, aber auch das geht mit etwas Übung.
            Beim Sex stört er auch nicht wirklich, auch wenn es manchmal echt kompliziert ist. Manchmal laufen die körperlichen Funktionen und der Kopf nicht gleichzeitig ab. Ich schreibe das immer so, im Kopf bin ich noch beim Vorspiel, aber mein Körper und die Geschlechtsteile sind schon mit dem Orgasmus fertig. Das ist ziemlich unbefriedigend. Aber wenn das alles zusammen passt, ist das anderseits alles sehr angenehm. Wenn man transident ist, muss man viel ausprobieren, bis man die Sexpraktiken findet, die einem wirklich gefallen. Oder man sollte zu mindestens rumprobieren, weil man die eigene Sexualität nochmal neu entdecken muss. Ich habe dabei auch schon viele kuriose Sachen erlebt. Ich hatte z.B. schon einen Orgasmus ohne einen Samenerguss zu haben, oder auch anders rum, einen Samenerguss ohne Orgasmus. Oder Orgasmus und Samenerguss ohne Erektion. Wenn man das ganze Erwartungen angeht, ist Sex schon eine tolle Sache, aber da muss die Partnerin auch so offen sein. Meine Frau und ich haben z.B. rausgefunden, dass wir beide normalen Geschlechtsverkehr ziemlich langweilig und unbefriedigend finden. Das war so ein Dialog, der ging irgendwie so: „Ich spüre fast gar nichts und mir langweilt es.“ und „Ich finde es anstrengend und langweilig. Lass lieber etwas machen, was mehr Spaß bringt.“
            Andere mögen es vielleicht sehr anmachend finden, wenn eine Frau eine andere Frau mal so richtig rannimmt. Aber wenn man es selbst erlebt ist es gar nicht so toll. Na ja, zu mindestens meine persönliche Meinung, andere erleben das vielleicht anders. Ich kenne durchaus eine Frau, die hatte schon Beziehungen mit mehreren Transfrauen und die fand das doch sehr anregend so Sex zu haben.
            Generell sind Beziehungen mit transidenten Menschen nicht immer einfach, es muss ja nicht nur im Bett irgendwie zusammenpassen, sondern im Alltag steht man auch vor vielen Herausforderungen. Weil sehr oft die Rollen in einer Beziehung neu verteilen muss, dass liefert sehr oft Konfliktstoff. Außerdem muss man mit den Ups und Downs, die transidente Menschen durchleben, umgehen können. Und das kann sehr anstrengend sein.
            Meine Frau und ich sind jetzt 17 Jahre zusammen und zwei Jahre verheiratet, da haben wir mehr als eine Krise erlebt. Wir haben ja auch jahrelang darüber disskutiert, wie und ob wir unsere Beziehung rechtlich festmachen wollen. Eine normale Heirat, bei der wir für das Umfeld Braut und Bräutigam spielen, wollten wir nie. Aber wir auch nie eine Heirat auf dem Papier, sowas wäre absolut unromantisch. Dann hatten wir uns eigentlich schon auf die eingetragene Lebenspartnerschaft nach der Namens- und Geschlechtsänderung geeinigt. Bis ich dann im Zuge des Verfahrens für Namens- und Geschlechtseintragsänderung meine persönliche Anhörung vor Gericht hatte (ja ist vom Gesetz so vorgeschrieben) und die sehr verständisvolle Richterin zu mir sagte, ich könne selbst jetzt noch meine Frau heiraten, das alles hätte keinen Einfluss auf die Änderungen. Also habe ich mit meiner Frau darüber gesprochen und wir sagten beide, dann machen wir das jetzt noch schnell.
            Also haben wir innerhalb von 6 Wochen eine Hochzeit organisiert. Weil das war unser Wunsch bzw. mein Wunsch, wenn ich heirate will ich ein weißes Brautkleid, einen Schleier, eine festliche Zermonie (und wenn es nur im Standesamt ist), einen Fotografen und eine Hochzeitsfeier mit Freunden und der Familie.
            Das war ein echter Marathon: Einen Termin beim Standesamt machen. Ins Brautmoden-Geschäft und zwei Brautkleider finden, das war glaube ich das Lustigste, was die dort jemals erlebt haben, dass zwei Frauen reinkommen und sagen, wir beide heiraten einander, in 6 Wochen. Hat aber alles super geklappt, trotz Zeitdruck. Dann einen Fotografen finden, dann die Trauringe, dann einen Friseur, dann Floristen für die Brautstäusse und auch noch ein Hotel/Restaurant, was eine Hochzeitfeier ausrichten kann. Der Termin war ürbigens Ende November, dann wenn alle Veranstalter eigentlich nur noch Weihnachtsfeiern planen. Aber wir haben alles in der kurzen Zeit geschafft, wir hatten alles zusammen, was zu einer klassisch, romantischen Hochzeit gehört. Mit dem einzigen Unterschied, dass es eben zwei Bräute gab und keiner entscheiden möchte welche die hübschere war.
            Also das war schon ein sehr toller Moment in meinem Leben. Ich erwähne es einfach mal, weil ich denke nicht viele transidente Menschen haben das Glück ihre Traumhochzeit zu feiern, die viele ihrer Wünsche erfüllt.
            Im Alltag ist so eine Ehe auch nicht ganz so einfach, aber das hängt oft mit der Rollenverteilung zusammen. Zwei Frauen in einer Beziehung, da schon Tendenzen viele Dinge abzustecken, aber viele Dinge werden auch immer wieder neu verhandelt. Das machen andere lesbische Paare aber auch, so wie ich das sehe. Und andere Menschen werden manchmal hellhörig, wenn sie merken wir sind wirklich verheiratet und nicht verpartnert. Dann wollen sie ja natürlich wissen wie das möglich ist und wir müssen die ganzen Hintergründe erzählen.
            Anderseits wurden wir auch schon für Schwestern gehalten, offenbar gehen wir wohl so innig mit einander um, ohne dabei offensichtlich lesbisch zu wirken, dass man dachte wir wären verwandt. Ich mach mir im Alltag auch eigentlich wenig Gedanken, über meine Homosexualität oder Transidentität. Viele Menschen bemerken keines von beiden. Letztens beim Zahnarzt z.B. hieß es nur: „Wir brauchen noch die Versicherungsdaten von ihrem Ehemann.“. Wenn ich neue Menschen kennenlerne und nach meiner Beziehung gefragt werde, erzähle ich offen, dass ich mit einer Frau verheiratet bin. Nach meiner Erfahrung reagieren die meisten Menschen auf Lesben relativ gelassen, damit haben weniger Leute ein Problem als mit Schwulen und die meisten Menschen kennen den Unterschied zwischen verheiratet und verpartnert nicht. Wenn sie mich dann näher kennenlernen und über die ganzen biologischen Unstimmigkeiten stolpern, dann harken einige nochmal beim Geschlecht nochmal nach, gerade weil sie dann darüber stolpern, dass ich verheiratet bin. Aber bei vielen ist es dann so drine, dass ich eine Frau bin, dass ihnen meine Vergangenheit egal ist.
            Problematisch sind immer die Leute, die vorher von anderen irgendwelche Dinge hören, z.B. „Die war früher mal ein Mann.“ oder noch schlimmer „Die ist in Wahrheit ein Mann!“, die gehen mit einer sehr vorgefassten Meinung an die Sache ran und gehen auch extrem komisch mit mir um. Aber ich kann nicht kontrollieren was die Leute so alles über mich erzählen. Mit solchen Vorurteilen werde ich wohl immer Leben müssen.
            Gerade bei meinem Hobby ist das teilweise sehr nervig. Ich bin Mittelalter-Reenactorin. Das sind die Bekloppten, die sich historische Kostüme anziehen und Mittelalter-Märkte veranstalten. Na ja, jedenfalls benutze ich für die Kostümierung teilweise auch sehr viel Make-up und Haarteile, um mir den Aufwand zu sparen historische Frisuren zu flechten. Für Zuschauer und Fotografen wirkt das natürlich alles sehr gut, aber aus der Nähe wirkt das für andere oft etwas zu künstlich. Und Leute, die mich nur in historischer Kleidung kennen und nicht privat, denken wohl ich würde nur eine Frau spielen. Warum nun bei hunderten von regelmäßigen Teilnehmern ausgerechnet eine Person dabei sein soll, die durchgehend nur Rollen des anderen Geschlechts spielt, die Logik verstehen wahrscheinlich wieder nur Cis-Menschen, aber dass ist mir eben in dem Bereich meines Hobbys am häufigsten aufgefallen, dass da so viele Leute über mein Geschlecht reden oder mich danach fragen.
            Und wo es auch noch große Probleme gibt ist die Arbeitswelt. Wenn man transident ist und arbeitslos wird oder ist, ist es schon schwer einen Arbeitgeber zu finden, der mit dem Thema umgehen kann, ohne Vorurteile zu haben. Viele denken ganz einfach: Da bewirbt sich jemand und diese Person bringt wahrscheinlich Unruhe in die Firma, weil sie anders ist. Und die machen dann sofort einen Rückzieher, nur aus Angst es könnte Probleme geben. Dabei bin ich eigentlich ein sehr pflegeleichter Mensch. Aber diese Haltung habe ich in der Berufwelt schon sehr häufig festgestellt. Ich unterscheide mich in der Hinsicht ja von Menschen mit anderer Sexualität. Wenn die nichts davon erzählen, wird man bei einem Berwerbungsgespräch nichts davon merken. Klar, ich brauche auch nichts über diesen Teil meiner Vergangenheit erzählen, aber das bringt auch nichts wenn da ein Personaler mit scharfer Beobachtungsgabe sitzt und der ganz schnell die biologischen Unstimmigkeiten bemerkt. Dann heißt es meistens, wir haben uns für eine andere Bewerberin entschieden.
            Aber mit dem Thema Beruf könnte ich ganze Bücher füllen, ich hab das jetzt nur mal kurz angerissen.
            Ich denke mal, es reicht erstmal, wenn man sieht wie so privat, in der Beziehung, im Freundeskreis und im Alltag und in der Freizeit läuft. Da hat sich mein Leben sehr gut entwickelt, auch wenn es noch Verbesserungsbedarf gibt. Vorurteile und Missverständnisse, sowie Unverständnis, gibt es überall, auch ich bin davor nicht sicher. Aber ich denke solange ich mit den Leuten darüber rede kann man viel davon abbauen, außerdem ich gute Freunde, die mir dabei helfen.
            Letztlich bin ich eigentlich nur eine stinknormale Frau, mit ein paar körperlichen Anomalien. Nur ist es manchmal nicht einfach anderen das begreiflich zu machen.
            Ich glaube, wenn mehr Menschen deine Sichtweise teilen würden, wäre es einfacher. Also jetzt gar nicht mal auf die Sexualität bezogen, sondern darauf Menschen so zu sehen, wie sie sind. Wenn mehr Menschen pansexuell wären, dann hätte ich ja gar keine Argumente mehr, warum Männer gar nicht mit mir flirten sollen. Jetzt hilft es ja immernoch, wenn ich sage ich bin lesbisch oder zur Not auch meine Transidentität erwähne.
            Auch eines dieser vielen paradoxen Dinge, es gibt Männer, die flirten hemmungslos mit mir, merken aber nicht, dass ich transident bin. Dann gibt es wieder welche, die bemerken es und behandeln mich ganz komisch und dann gibt es wieder welche, die bemerken es oder wissen es und die behandeln mich auch nicht anders als andere Frauen. Bei Frauen ist das hingegen relativ gleichmässig, vielleicht ist das für die ein kleineres Problem als für Männer.
            Vielleicht ist das auch nur Einbildung, weil ich andere Frauen eher aus der Perspektive der Verheirateten sehe.

  4. MarC

    21. Juni 2017 at 12:02

    Eine gute frage an dich selbst könnte auch sein, ob du neben deiner pan-sexualität nicht eventuell auch dich mit dem thema polyamorie auseinander setzen willst? Es liesst sich etwas danach das dein herz einfach ein sehr offenes ist, was eventuell auch einfach so viel platz hat, das du mehrere menschen gleichzeitig lieben kannst. Monogamie ist ein gesellschaftszwang der sehr einschränkend sein kann. In Polyamorie kreisen sind die menschen oft viel offener für verschiedene sexuelle identitäten, unterstützen diese und haben auch nicht solche „Eifersuchtsgedanken“ die dir scheinbar oft begegnen. Die Beziehungen zwischen mehreren menschen im offenen Austausch miteinander sind oft sehr viel zwangloser und setzen sich einfach mit den Wünschen und Problemen in der Beziehung auseinander und finden somit leichter Lösungen für ein gemeinsames schönes Miteinander.

    • Mimi

      Mimi

      22. Juni 2017 at 12:39

      Ich danke dir für den Kommentar, aber NO, haha. So sehr ich allen anderen ihr Glück gönne, ob nun polyamor, monogam, ob Swinger oder offene Beziehung, HASSE ich den polyamoren Gedanken für meine (!) Person, das kannst du aber nicht wissen:) Lies gerne dazu diesen Artikel, den ich vor einiger Zeit dazu geschrieben habe: http://mimiundkaethe.com/ihr-kriegt-mich-nicht-oder-der-poly-zeuge-jehovas-der-liebe/

    • Silke

      10. August 2017 at 15:14

      Wow, Phoebe, das hätte für einen eigenen Blogbeitrag gereicht ;) Du hast eine angenehme, unaufgeregte Art zu schreiben.

      @Mimi; Auch dein Beitrag hat mir gut gefallen und ich kann nachvollziehen, dass du dich nicht in eine Schublade stecken lassen möchtest. Ich bin aber optimistisch und denke, dass Beurteilungen aufgrund der Sexualität eines Menschen, zukünftig immer weniger werden. Auch dank Beiträge, wie die Euren.

  5. Evetiger

    21. Juni 2017 at 9:20

    Ich frage mich grade, ob ich nicht vielleicht auch pansexuell bin. Die Sache ist nämlich so: ich bin mit einer Frau verheiratet und sehr glücklich mit dieser Beziehung. Trotzdem bin ich der Meinung, daß man sich in den Menschen verliebt und nicht in das Geschlecht, also bei mir ist es zumindest so. Eine Beziehung mit einem Mann kann ich mir aber beim besten Willen nicht vorstellen. Zumindest momentan nicht. Vielleicht so in 10-20 Jahren… Habe das mal genau so in ner lesben Gruppe bei Facebook erzählt, da hieß es: dann bist du bisexuell, meiner Meinung nach bin ich aber eindeutig lesbisch. Verstehst du was ich meine, mimi?

    • Mimi

      Mimi

      22. Juni 2017 at 12:54

      Ich versteh das gut. Weißt du, das ist ja das Problem, das ich mit diesen Labels habe. Warum musst du dich erklären und rechtfertigen für das, was du fühlst und willst? Und warum glauben andere, sie hätten das Recht, dich zu kategoriseren? Alles Affen Bébé, Hauptsache, du kannst das, was du willst, für dich definieren. Irgendwie :)

  6. Raimund Macek

    21. Juni 2017 at 5:16

    Danke es kommen Deine Worte wie gerufen ich habe heute den Entschluss gefasst wenn mich wer fragen will was ich bin dann sage ich ihm nicht mehr BI sondern Pansexuell nach reiflicher Ueberlegung und kam danach komischerweise sofort auf Deine Seite – Danke, Danke MIMI

    • Mimi

      Mimi

      22. Juni 2017 at 12:54

      Es ist mir eine Freude :)

  7. Cat

    20. Juni 2017 at 17:48

    Danke für den tollen offenen Text. Ich sehe noch sehr viel Schubladendenken in unserer „normalen“ Gesellschaft und hoffe das alle mal langsam aber ehrlich offener werden.
    Die Gesellschaft wo Angst und Dummheit vorherrschen. Wer sich richtig informiert verliert auch die angst vor Unbekanntem!!

  8. Thilo

    20. Juni 2017 at 14:27

    Die heute gebräuchlichste Definition von Bisexualität stammt von Robyn Ochs und lautet „“I call myself bisexual because I acknowledge that I have in myself the potential to be attracted – romantically and/or sexually – to people of more than one sex and/or gender, not necessarily at the same time, not necessarily in the same way, and not necessarily to the same degree.”“

    Bisexualität bezieht sich also nicht nur auf Männlein & Weiblein sonder auf „mehr als ein Geschlecht“ (im Deutschen machen wir keinen sprachlichen Unterschied zwischen „Sex“ und „Gender“, vielleicht „inneres“ und „äußeres“ Geschlecht).

    Der Ausdruck „Pansexualität“ ist trotzdem akzeptiert um das quasi zu verdeutlichen.

    • Mimi

      Mimi

      20. Juni 2017 at 20:04

      Ah ja, na da bin ich aber froh haha

  9. Katrin

    19. Juni 2017 at 8:26

    Mein Gott fühle ich mich gerade verstanden und gesehen… unglaublich toll geschrieben…
    Folge weiter dir und deinem Herzen!
    Du scheinst einen guten Weg für dich gefunden zu haben!
    Ich umarme dich

  10. Pingback: Tattoomodel Tara Joan: Share some love – seid stolz auf euren Sex! - Mimi&Käthe

  11. Pascal

    10. September 2016 at 9:23

    Wow, endlich mal Klartext. Es zählt allein die Sympathie. Genderquatsch und Schubladendenken auf Wiedersehen.

  12. Jay

    2. September 2016 at 16:01

    Ich habe mich lange als bisexuell gesehen. Bis ich auf den Begriff pansexuell gestoßen bin. Und da ging mir plötzlich ein Licht auf. Ich war offensichtlich doch nicht so alleine mit meinen Vorlieben wie ich jahrelang gedacht habe. Und irgendwann hören bestimmt auch die Fragen „Pansexuell – was is’n das? Machst du’s mit jedem?“ auf.

    Toller Beitrag!

  13. Pingback: Madame Miau: Nachts sind alle Miezen schau - Mimi&Käthe

  14. Marie le Parfum

    31. August 2016 at 14:00

    Ewige Piratin Mimi (1.Offizier) meines Herzen
    <3

    P.s. Der Offizier hat mehr zu sagen als der Kapitän, der liegt meistens nur betrunken in der Kajüte ;0) <3

    • Mimi

      Mimi

      1. September 2016 at 18:24

      Ick bin ja beides in Personalunion und meistens stocknüchtern :) Aber danke dir! :)

  15. FrolleinMiez

    29. August 2016 at 22:00

    Meine Liebe,

    was soll, was kann ich schreiben? Ich lerne mich mit den Jahren besser kennen und merke, dass ich mich nicht auf ein Geschlecht festlegen kann. Ich liebe Menschen. Ich möchte Beziehungen mit ihnen führen. Und nicht nur sexuell, sondern mich geistig weiter entwickeln. Sprechen kann wie streicheln sein. Wörter wie sanfte Küsse.
    Ich will mich von einer klugen Frau lieben lassen und ihr vorlesen. Mich dem anderen hingeben und alles nehmen.
    Und zwar weil es mir gut tut, weil ich mich einschränken lassen.

    Dein Text kam zu rechten Zeit, da ich kurz vor der Veränderung stehe. Danke. Ich bin noch nicht so weit wie Du, weil ich noch suche, aber ich bewege mich.

  16. Dirina

    29. August 2016 at 10:03

    Ich kann dich da voll und ganz verstehen, weil es mir sehr ähnlich geht wie dir. Habe mich auch lange als pansexuell bezeichnet und liebe einfach Menschen. Nur „einfach“ war das nie. Gab deshalb viel Ablehnung, niemand kannte das Wort und nachdem ich es erklärt hatte, haben sich die Flirtpartner immer gerne von mir distanziert. unter anderem mit Aussagen, dass jeder auf irgendwas stehe und ich probleme mit mir selber hätte, wenn ich mich nicht festlegen könne.

    Mittlerweile verwende ich wieder bisexuell. Immerhin kennt das jeder und kann sich was drunter vorstellen. Aber es kommt dann doch nicht ganz hin, weil „nur“ auf Männer oder Frauen stehe ich auch nicht, habe mittlerweile mit 5 verschiedenen Geschlechtern Beziehungen oder Freundschaften Plus gehabt.
    Und dabei meine ich noch gar nicht mal Trans*menschen, die sich ja zu einem der beiden in der Gesellschaft anerkannten Geschlechter zugehörig fühlen. Deshalb war der Transmann, mit dem ich lange eine Beziehung geführt habe, einfach nur ein Mann für mich.

  17. FredWieFeuerstein

    29. August 2016 at 5:18

    Ich kannte mal jemanden, der so war, bevor diese Bezeichnung an die Öffentlichkeit drang. Sie sagte mir dazu: „Der Körper ist doch eh bloß eine Hülle, man liebt den Menschen darin.“ Das fand ich damals wie heute wirklich total schön von ihr! Und ich beneide Menschen um diese Fähigkeit.
    Ich bedauere an diesen Tagen, dass wir uns für alles all zu betont in eine Schublade stecken (lassen müssen). Statt uns gegenseitig in unserem Dasein einfach einander anzunehmen, hat man ein schier endloses Repertoire an Stempel und Stempelkissen im Hinterstübchen – statt sich die Leute einfach nur anzusehen und die Begegnung miteinander zu genießen.

  18. Der ulli

    28. August 2016 at 19:46

    Hach wie sweet sehr toll zu lesen und informativ noch dazu…
    Danke hierfür
    Gruss und Kuss

  19. Rheintochter Esme

    28. August 2016 at 18:00

    Ach allerliebste, wundervollste Mimi, was für ein schöner, offener und wichtiger Text. Vorurteile sind das Allerletzte und Entspannung ist wieder einmal eine hervorragende Idee. Ich fangirle Dich härtestens vom Rhein! Ganz viel Liebe! <3

  20. JudgeDark

    28. August 2016 at 17:11

    Danke für die offenen Worte … ! Mir hilft es beim Verstehen, denn ich hatte bisher zu niemandem Kontakt, der sich selbst als pansexuell beschreibt. Finde es sehr schade, dass man dabei auch so seine Probleme mit anderen Menschen hat, eben weil man so fühlt wie man fühlt; erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht, es soll doch jeder so glücklich werden wie es ihm beliebt. Und nur weil man für Vieles offen ist, muss man doch nicht untreuer oder sprunghafter sein, als andere Menschen.

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