Hotel Desire – ist das Pornokunst oder kann das weg?

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Ein Text von Virginia Vox.

Der Film Hotel Desire von Regisseur Sergej Moya aus dem Jahre 2011 weiß nicht so recht, was er sein soll – Kunst oder Porno, Porno oder Kunst? Die gute Mimi hat mich beauftragt, dieser Frage auf den Grund zu gehen, und so habe ich mich näher mit dem Film befasst.

Das Besondere an Hotel Desire ist in erster Linie seine Entstehungsgeschichte. Denn die Produzenten waren keine solventen Geldsäcke, die mit Kohle nur um sich werfen können. Nee. Die Produktionskosten von rund 170.000 Euro sammelten die Macher teilweise per Crowdfunding über das Internet ein. Ihr wisst schon – ein virtueller Spendenaufruf für die gute Sache!

In Hotel Desire geht es um Antonia (Saralisa Volm), eine alleinerziehende Mutter, die während ihrer Arbeit als Zimmermädchen in einem Hotel auf den blinden Künstler Julius Pass (Clemens Schick) trifft. Die beiden landen spontan im Bett, und dann ist der Film nach knapp 40 Minuten auch schon wieder vorbei. Ob das nun Porno ist? Oder gar Kunst? Dieser Frage gingen die Kritiker bereits vor zwei Jahren kurz nach Veröffentlichung des Filmes auf den Grund. Die Produzenten schlugen eine innovative Lösung vor und nannten das neue Genre kurzerhand „PorNEOgrafie“ – übrigens absolut nicht zu verwechseln mit der Insel Borneo.

Leidenschaftlich geht es in Hotel Desire zu - schleck!

Foto: Sandra Schuck

Der Anfang ist vielversprechend. Eine nackte Frau steht unter der Dusche und seift sich, begleitet von klassischer Musik, am ganzen Körper ein. Nacktheit finde ich schon mal gut, und zusammen mit der Musik sind meine Erwartungen vom vielversprechenden Anfang eines klassischen Pornostreifens definitiv erfüllt. Doch dann wird das sexy Idyll leider unterbrochen durch eine Kinderstimme. Ungeil!

Ungeil bleibt auch das Motto in den folgenden 20 Minuten. Keine nackte Haut, keine Penisse, keine Vaginas. Stattdessen: Kinder, Anschiss vom Chef und ein Gespräch unter Freundinnen über sieben Jahre ohne Sex. Mittelmäßige Dialoge werden ebenso mittelmäßig geschauspielert – laangweilig! Der einzige Moment, der für ein bisschen Heiterkeit und Herzklopfen sorgt, ist ein Kuss zwischen Antonia, der Hauptdarstellerin und ihrer Zimmer-Service-Kollegin, gespielt von Joko-und-Klaas-Gespielin Palina Rojinski. Aber ob das bisschen Girl-on-Girl-Action reicht, um dem Film einen Porno-Status zu verleihen?

Die nächste Szene möchte den Film lieber in eine künstlerische Richtung ziehen. Antonia betritt die Hotel-Suite von Julius, schaut sich neugierig um, streicht mit der Hand über den großen Tisch in der Mitte des Wohnzimmers, in einer Vase sieht man ihr Spiegelbild. Blablabla. Alles langweilig. Doch hört man Julius im Badezimmer duschen, was mich sogleich in süße Vorfreude versetzte – hier wird gleich gevögelt.

Und tatsächlich. Julius kommt ins Zimmer, splitterfasernackt. Er bemerkt Antonia nicht. Sie verhält sich mucksmäuschenstill und, naja, er ist halt blind. Erst, als er beim Anziehen auf dem Fußboden nach seinen Schuhen tastet, ertastet er stattdessen Antonia. Ab jetzt geht es blitzschnell – mit der Hand am Bein hochgestrichen, ein inniger Kuss, ab aufs Bett, und los geht die Vögelei.

Der Fairness halber muss ich sagen, dass mir die Sexszene gefällt. Sie ist eher schüchtern und zurückhaltend, ihre Muschi sieht man nur selten und seinen Schwanz nur einmal ganz kurz. Ansonsten geht es in dieser Szene aus Hotel Desire leidenschaftlich, aber romantisch zu. Kein Rubbeldikatz und Rammeln wie bei den Karnickeln. Ganz gesittet haben die beiden Sex. Sieht schön aus.

Trotzdem lautet mein Fazit: Ein Porno ist Hotel Desire nicht. Dazu musste ich zu lange warten, bis es mal heiß her geht. Es wird auch viel zu viel geredet. Und in der Zwischenzeit verhunzen ein viel zu putziges Kind, Frederick Lau und ein schwitzender, homosexueller Jan-Gregor Kremp die Erotik.

Wenn ihr euch selbst ein Bild von Hotel Desire machen wollt, könnt ihr ihn hier bei Amazon bestellen.

3 Comments

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  3. Lotta

    1. April 2014 at 0:08

    Ach herrlich, endlich mal jemand, der den Film gesehen hat. Ich hab da nämlich eine merkwürdige Erfahrung gemacht: Was für mich alles, aber auch wirklich alles an Erregung zerstört (bzw. verhindert hat, welche aufzubauen) war die Filmmusik. Herzschmerzige Streicher sind so abtörnend! Reinste Rosamunde-Musik!
    Ich empfehle, den Ton abzustellen. Dann volle Konzentration auf die sehr schön inszenierten Körper.

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