Homo-Ehe für alle? Von wegen-popegen!

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Es gab eine Zeit, in der legte der Storch jungen Paaren rotbäckige Söhne und süße Töchter auf die „Tritt ein, bring Glück herein!“-Fußmatte. Die Jungs spielten mit Autos und Lego und verbrachten ihre Halbstarken-Jahre mit Kekswichsen und Fummeln mit der Nachbarstochter. Die Mädchen spielten erst mit Puppen, dann mit den Fummel-Jungs von nebenan. Die Jungen wuchsen zu Männern heran, die sich, nachdem sie sich die Hörner abgestoßen hatten, eines der Mädchen, die inzwischen Frauen waren, zur Gattin nahmen. Man kaufte ein Reihenendhaus, pflanzte einen Baum, und der Ehegatte schob seiner Angetrauten mindestens einen Braten in die eheliche Röhre, auf dass man eine Familie gründen konnte. So, wie es Mutti und Vati davor auch getan hatten. Männer, die nicht auf Frauen, sondern auf andere Männer standen, mussten ihrer Liebe im Geheimen nachgehen, denn bis 1994 (!) stand Homosexualität unter Männern in Deutschland noch zum Teil unter Strafe, der entsprechende §175 StGB wurde erst im Zuge der Gesetzesangleichung nach der Wiedervereinigung aufgehoben.

Dass diese homosexuellen „Freaks“ eines Tages dieselben Rechte beanspruchen würden wie die heterosexuelle Möchtegern-Elite, war unvorstellbar. Dass gar ein Schwuli einen anderen heiraten würde oder sich Lesben das Ja-Wort geben sollten, eine lächerliche Spinnerei. Eine Homo-Ehe, wie absurd!

Dann ging vor wenigen Tagen ein Ruck durch, nein, nicht Europa, sondern durch das sonst so konservative Amerika. Dort sprach der Supreme Court, der Oberste Gerichtshof der USA, homosexuellen Paaren landesweit dasselbe Recht auf Eheschließung zu wie heterosexuellen Partnerschaften. Es folgte ein Ruck durch Social Media Land: Sämtliche Profilbilder bei Facebook erhielten ein Regenbogenflaggen-Filter-Feintuning (die Regenbogenflagge ist das Symbol der schwul-lesbischen Community), Twitter feierte den Vorstoß in Sachen Toleranz unter dem Hashtag #LoveWins und meine Lesbenfreundinnen auf Instagram drehten vor lauter GayPride hart am Rad.

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Auch unser liebster It-Boy, Super-Fotograf und Mitbegründer des Blogs Pornceptual.com, Chris Phillips, zeigt Flagge <3 Foto: Chris Phillips

Und jetzt sage ich etwas, das ich mir bis zur landesweiten Legalisierung der Homo-Ehe in den USA niemals hätte träumen lassen: Deutschland, du alte, homo-skeptische Schwarte, nimm dir ein Beispiel an Amerika!

Hö, aber wir haben doch auch eine Homo-Ehe. In der Tat. Und irgendwie auch nicht. Zwar können in Deutschland gaye Paare eine „Eingetragene Lebenspartnerschaft“ begründen, doch ist dieses rechtliche Konstrukt von der Ehe zwischen straight Liebenden und den damit verbundenen Rechten so weit entfernt wie Bottrop-Boy vom Todesstern. Die Verbindung schwuler und lesbischer Paare ist hierzulande eine Art Ehe zweiter Klasse. Oder wie jetzt? Genau das habe ich Rechtsanwalt Florian Lahrmann, Fachanwalt für Familienrecht aus Berlin, gefragt und ihn, wo ich gerade dabei war, gleich weitergelöchert.

„Bis heute stellt der Artikel 6 des Grundgesetzes Ehe und Familie unter den besonderen Schutz des Staates. Die Ehe ist dabei definiert als verbindliche Lebensgemeinschaft zweier verschiedengeschlechtlicher Partner. Dabei steht nicht (mehr) die Fortpflanzungsfunktion im Vordergrund, sondern der Wert der Ehe als verbindliche Einstands- und Verantwortungsgemeinschaft“, so Lahrmann. „Die Lebenspartnerschaft in ihrer heutigen Form, also die verbindliche, gesetzlich geregelte und standesamtlich geschlossene Lebensgemeinschaft zweier Personen gleichen Geschlechts, ist keine Ehe und wird damit von dem besonderen Schutz des Grundgesetztes nicht erfasst. Daher die Forderung nach einer Homo-Ehe, also quasi die Änderung der Definition der Ehe, die damit eine völlige Gleichstellung von verschieden- und gleichgeschlechtlichen Paaren bedeuten würde.“ Soso, dann ist die „Eingetragene Lebensgemeinschaft“ nicht mal eine Ehe zweiter Klasse, sie ist gar keine. Lahrmann ergänzt: „Wenn die Ehe so auch für gleichgeschlechtliche Paare zugänglich wäre, dann wäre die ,juristische Krücke‘ der Lebenspartnerschaft überflüssig.“

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Unsere Freunde vom Art-Porn-Blog Pornceptual.com demonstrieren für Gleichheit, Toleranz und gleiche Rechte für alle, ob Heten, Schwule oder Lesben. Unterschreiben wir! Foto: Pornceptual.com

Warum verlebensgemeinschaften sich schwule und lesbische Paare dann aber? Der Symbolik wegen? Wegen der Party? „Weil die Lebenspartnerschaft schon heute rechtlich eine weitgehende Gleichstellung mit der Ehe aufweist“, werde ich aufgeklärt. „In fast allen Bereichen haben Lebenspartner heute die gleichen Rechte und Pflichten wie Ehepartner. Im Unterhaltsrecht, im ehelichen Güterrecht, im Erbrecht und im Steuerrecht etwa sind sie vollkommen gleichgestellt. Das war aber nicht schon bei Einführung der Lebenspartnerschaft im Jahre 2001 so, sondern wurde nach und nach ausgebaut.“

Und warum nun das ganze Theater, wenn eine Homo-Ehe fast genauso gut ist wie eine „echte“ Ehe? Weil uns das Wörtchen „fast“ im Wege steht. „Stimmt“, sagt Florian Lahrmann, „es gibt immer noch einige Unterschiede zwischen Ehe und Lebenspartnerschaft, die zumeist aber von sehr geringfügiger praktischer Relevanz sind.“ Als da wären? „Zentraler Streitpunkt in der aktuellen öffentlichen Debatte ist die fehlende Möglichkeit der gemeinsamen Adoption für Lebenspartner. Während Verheiratete gemeinsam ein Kind adoptieren können, können Verpartnerte dies nicht. Sie haben aber seit 2013 die Möglichkeit der so genannten Sukzessivadoption, das heißt, ein Lebenspartner kann das adoptierte Kind des anderen Lebenspartners adoptieren. Das gilt natürlich genauso für ein leibliches Kind des Lebenspartners.“

Ich bleibe dabei: Deutschland, nimm dir ein Beispiel an den USA! #LoveWins und so. Pro Homo-Ehe, Gleichheit, Toleranz und Liebeliebeliebelei <3

Hier gelangt ihr zur Website unseres reizenden und höchst kompetenten Ansprechpartners Florian Lahrmann, Berliner Fachanwalt für Familienrecht.

Die Fotos in diesem Post haben unsere Freunde vom Art-Porn-Blog Pornceptual geschossen. Hier geht’s zum Blog der Bande <3

3 Comments

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  3. JudgeDark

    1. Juli 2015 at 18:07

    Es ist schon albern, dass man hier in Deutschland so damit rumeiert und nur so „Halbschritte“ macht! Homosexualität gehört doch inzwischen zu unserer Gesellschaft, da soll man doch auch mal politisch bzw. rechtlich so handeln und ein klares Zeichen setzen. Klar wird es wieder Nörgler geben, gerne wahrscheinlich aus der Kirche, die wieder mit dem Fortpflanzungsgedöns kommt … aber mal ehrlich, wann gibt es keine Nörgler?!
    Man muss sich echt wundern, dass uns hier die Amis zumindest rechtlich voraus sind … allerdings in die Köpfe vieler US-Amerikaner muss das sicher noch Einzug halten und da sehe ich diverse Probleme … !

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