#HoldACokeWithYour BoobsChallenge – packt die Brüste ein!

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Eine meiner schönsten und frühesten Kindheitserinnerungen geht so: Es ist ein warmer Sommertag, Oma und ich sitzen zusammen auf der Hollywoodschaukel und trinken Coke. Echte Coke, die mit Zucker und Koffein. In meinem Glas, das mal ein Senfglas war, schwimmen eine Zitronenscheibe und drei Eiswürfel. Ich fühle mich mega erwachsen, fast wie fünf. Dass man mit Coca Cola etwas anderes machen kann, als sie fancy aus Senfgläsern zu schlürfen, wäre mir damals nie in den Sinn gekommen. Heute auch nicht, bis mich die ersten #HoldACokeWithYourBoobsChallenge Posts bei Facebook erreichten. Frauen, die Cola-Dosen zwischen ihre Brüste stecken und damit rumwackeln. Für einen guten Zweck natürlich. Oder ist das alles nur blödes Gequatsche und das Gewackel für den Arsch? Voll, sagt unser Mann Hans Pørnflake. Warum mein bärtiger Alltime Man Crush den angeblichen Sinn hinter der #HoldACokeWithYourBoobsChallenge sogar verwerflich findet, enthüllt er jetzt und hier.

Von Hans Pørnflake

Erinnert  sich noch irgendwer an die #IceBucketChallenge? Damals, in grauer Vorzeit, wollte jemand auf die Krankheit ALS aufmerksam machen, indem er Menschen dazu aufforderte, sich einen Eimer Eiswasser über die Rübe zu schütten. Das war am Anfang eine gute Sache. Es machten viele Menschen mit, und ein nicht geringer Teil spendete tatsächlich Geld an einige Organisationen, die mit ALS zu tun hatten. Das Ganze war sogar so erfolgreich, dass mehr als 100 Millionen Dollar zusammenkamen. Doch wie es nun mal mit dem Internet ist, wird alles, was mal gut war, irgendwann scheiße. Aus der Challenge wurde eine bigotte Idiotie, deren eigentlicher Sinn völlig aus dem Fokus geriet. Es entwickelte sich ein Facebook Hype, und hauptsächlich Teenager nominierten wild alle, die sie kannten, zur Teilnahme an der Challenge, gespendet wurde nur noch in den seltensten Fällen.

Nun, dachte sich der gewitze Porno-Scout Danny Frost, was die können, kann ich schon lange. Geboren war die #HoldACokeWithYourBoobsChallenge. Was als Witz startete, entwickelte ein seltsames Eigenleben – und obwohl nie jemand davon sprach, wurde diese Challenge plötzlich zu einer Aktion ausgerufen, die angeblich auf Brustkrebs aufmerksam machen wollte. Und wie es im Internet nun mal so ist, wenn es heißt „all aboard the hype-train“, verbreitete sich dieser Mist wie ein Lauffeuer.

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#HoldACokeWithYourBoobsChallenge? Wir trinken die Brause lieber, unser Model wärmt sie schon mal an. Foto: Ika Fan

Unzählige Frauen fingen an, sich selbst mit einer Dose oder Flasche Coke zwischen den Brüsten zu fotografieren. Ob diese Frauen wirklich daran glaubten, dass das ganze #HoldACokeWithYourBoobsChallenge Ding einem guten Zwecke diente oder ob sie tatsächlich etwas gespendet haben – keine Ahnung. Diese Challenge wurde – wie vorher die ALS-Challenge – zu einer Art Selbstzweck.

Allerdings unterscheidet sich die #HoldACokeWithYourBoobsChallenge von anderen Aktionen, zum Beispiel der #IceBucketChallenge, da sie nicht von Anfang an einem guten Zweck diente und dieser erst nachträglich drübergelegt wurde. Irgendwann aber wurde es einigen zu bunt. Eine Challenge, die auf Brustkrebs aufmerksam machen soll, indem sie etwas in den Fokus setzt, das viele Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, verloren haben?

Zum Glück gibt es Menschen wie Aimee Fletcher, die sich zurecht fragte, wie Menschen so unreflektiert sein können. In einem Interview sagte sie: „Brustkrebs ist nicht lustig oder sexy. Die Behandlung ist strapaziös und keinesfalls glamourös. Ich kann nicht verstehen, warum die Leute sich dazu entschließen, Fotos von dem Teil des Körpers zu machen, den der Brustkrebs zerstört.“ Fletcher weiß, wovon sie redet. Bei ihr wurde vor über einem Jahr Brustkrebs diagnostiziert, im Zuge der Behandlung verlor sie beide Brüste. Was sie nicht davon abhielt, selbst ein Foto zur Challenge zu schießen, inklusive Stinkefinger und einer Pepsi. Quasi ein doppeltes „Fuck you“.

wir haben bloß einen Screenshot - den Tweet in echt gibt's hier.

Wir haben bloß einen Screenshot, den Tweet in echt gibt’s hier. Foto: twitter.com/aimeefletch82

Fletcher entlarvte die Challenge als das, was sie ist: Ein Marketing-Gag einer Pornofirma, dem später der Deckmantel der guten Sache übergeworfen wurde. Sie zeigte auch, dass viele Menschen keine Ahnung haben, wie furchtbar Brustkrebs wirklich sein kann, und dass es nicht nur darum geht, eventuell seine Brüste zu verlieren. Es passt ins Bild, dass bekannte Organisationen, die sich dem Kampf gegen Brustkrebs widmen, etwa die „Breast Cancer Research Foundation“, die #HoldACokeWithYourBoobsChallenge weder unterstützen, noch Spenden in deren Namen annehmen.

Die Menschen, die täglich mit Brustkrebs zu tun haben, entweder, weil sie selbst betroffen sind oder waren, Angehörige unterstützen oder weil sie in Instituten oder Organisationen zur Bekämpfung von Brustkrebs arbeiten, sind sich einig: Man sollte den Kampf gegen Brustkrebs weder trivialisieren, noch sexualisieren. Beides ist dem Schrecken der Erkrankung nicht angemessen und eine Beleidigung für alle Frauen, die an Brustkrebs leiden, ihn erfolgreich bekämpft haben oder daran gestorben sind.

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Als Spaßaktion wäre die #HoldACokeWithYourBoobsChallenge völlig cool. Aber mit dieser Challenge auf Brustkrebs hinweisen zu wollen, ist geschmacklos. Buh. Foto: Ika Fan

Die Initiatoren der #HoldACokeWithYourBoobsChallenge verteidigen sich, indem sie angeben, die Challenge sei nie als Charity geplant gewesen und dass es im Endeffekt doch egal sei, wie Geld für den Kampf gegen Krebs zusammen kommt und zeigen damit nur, dass sie absolut nichts verstanden haben.

Wer wirklich etwas Gutes tun und Betroffenen helfen will, der sollte seine Titten schnell wieder einpacken, das virtuelle Scheckbuch zücken und sich auf die Seite der Deutschen Krebshilfe klicken: Hier geht’s lang!

7 Comments

  1. Fluffy

    16. Juni 2015 at 11:46

    Ich als sekundär Betroffener finde diese Aktion einfach nur Scheiße, die „fröhlichen“ Menschen die das ganze „angeblich“ unterstützen, würde ich gern mal besuchen um einen finalen Splatterfilm zu drehen, mich kotzt dieses Profilneurosen ausleben auf Kosten anderer, dermaßen an das ich ….arrrrrrghhhhhh….

    wäre ich noch Humanist würde ich mein Leben in Frage stellen, als Zyniker hingegen bleibt mir nur ein zu sagen „Ich hasse Menschen“ ….

    Danke Hans, für diesen Kommentar

    • Mimi

      Mimi

      16. Juni 2015 at 12:00

      finaler splatterfilm? na na, wir wollen doch die Höflichkeit wahren, nicht wahr?

      • Fluffy

        16. Juni 2015 at 14:08

        Sorry, „hochkochende“ Emotionen blockieren rationales Antworten … ich versuche friedlich zu bleiben aber es fällt mir unendlich schwer….

        • Mimi

          Mimi

          17. Juni 2015 at 14:05

          das versteh ich ja. aber die mädels, die bei der challenge mitgemacht haben, waren einfach zum teil uninformiert und wollten niemandem etwas böses. die sind die falsche angriffsfläche :)

  2. Camgirl

    15. Juni 2015 at 11:42

    Hi ihr lieben Damen!
    Ich bin froh,dass ihr nicht auf den Marketingzug aufgesprungen seid und das schön redet. Ich bin Camgirl und finde zb. die Aktion auf VisitX einfach nur schlecht!Diese Mail habe ich an den Support gesendet,aber leider keine Antwort bekommen.Aber ich bin froh über euer Statement! DANKE :)
    ( hier die mail)

    Hallo liebes Team,eure selfie aktionen sind bisher immer ganz lustig und evtl auch sexy gewesen,aber bei der Neusten Aktion würde ich mir mehr wünschen…: Auch die neuste Challenge hat einen durchaus ernsten Hintergrund. Die Teilnehmerinnen wollen nämlich auf die Notwendigkeit von Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchungen aufmerksam machen.Der Erfolg der Aktion sei aber bescheiden, berichtet Bild.de. Viele User lehnten die Challenge ab. Vor allem Frauen, die bereits einmal eine Brustkrebserkrankung durchmachen mussten, fänden sie «entwürdigend». ( http://www.blick.ch) Hier geht es um ein ernsteres Thema als primitive Selbstdarstellung und Fishing for compliments unter Tussis.Ich bin mir sicher,dass ihr in irgendeiner Form noch was intelligentes oder allgemeinnütziges aus diesem Unsinn machen könntet,indem ihr euch für Brüste engagiert und nicht eine Charityaktion zum Marketingwettbewerb ausnutzt.Im übrigen wurde bei der Icebucket challenge verschwiegen,dass für die Medikamente gegen ALS immernoch Versuche an Tieren durchgeführt werden,obwohl sie unnötig sind.Bitte propagiert keinen Schwachsinn.lg

    • Mimi

      Mimi

      15. Juni 2015 at 11:45

      ahoi, liebe dame :) wie gesagt, wäre es nur eine lustige aktion, wäre alles cool. der hintergrund macht das ganze aber tatsächlich problematisch. schön, dass auch andere solche challenges hinterfragen. man muss ja nicht alles mitmachen :) gruß und kuss, mimi

  3. JudgeDark

    14. Juni 2015 at 18:40

    Danke Mr. Pørnflake, sie sprechen das aus, was ich bei diesem Rotz immer schon gedacht habe!

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