Haten mit Hans Pørnflake <3 Heute: Hobby-Fotografen

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Wenn Käthe und ich etwas bekackt finden, hassen wir es mit viel Liebe in Grund und Boden. Doch so sehr mich Lästereien und Gemotze mit der Braut auch begeistern, muss ich zugeben – niemand hatet so schön wie unser Freund Hans Pørnflake. Heute trifft Hans‘ Missvergnügen eine Sorte von Mensch, die sich im Netz tummelt, wie die Kaulquappen im heimischen Familien-Gartenteich: Hobby-Fotografen. Was Hans an den Nicht-Foto-Profis so nervt und warum ihm ausgerechnet das Team „Hobby-Erotik-Fotografie“ hart an die Nieren geht, verrät er jetzt.

Von Hans Pørnflake

Früher wurde man, stellte man sich neuen Bekanntschaften als Journalist vor, meist mit einem anerkennenden Kopfnicken bedacht. „Echt? Journalist? Ist doch bestimmt aufregend, für eine Zeitung zu arbeiten, oder?“

Im Laufe der Jahre hat sich das ein wenig gewandelt. Die Zeitungen sind bald (hoffentlich und zu Recht) tot, und der Journalismus hat sich ins Internet verlagert. Und so ist das Netz voll von selbst ernannten Journalisten, denn sagen, man sei Journalist, kann jeder. Ja, auch der Typ, der in seinem Blog über die Gefahren für unser aller Leben durch Chemtrails oder Impfungen schreibt, oder der Experte, der Putin bis zu seinen Kniescheiben in den Arsch kriecht. Da „Journalist“ keine geschützte Berufsbezeichnung ist, hat also jeder Idiot, der eine Tastatur bedienen kann, das Recht, sich als solcher zu bezeichnen.

Das Schicksal des Journalismus hat inzwischen auch die Fotografie ereilt. Jeder, der unfallfrei eine Kamera bedienen kann, darf sich Fotograf nennen. Das Ergebnis? Überall wimmelt es von Hobby-Fotografen, die auf ihren Fotoblogs oder in bekannten Communitys jedes noch so schabrackige Foto als Kunst deklarieren.

Ganz besonders bestürzend ist dabei die Situation der Akt- oder Erotikfotografie: Wer schon immer mal seine Nachbarin mit den schlechten Tattoos in gruseligem Licht und völlig unpassendem Ambiente sehen wollte, ist in der Welt der erotisch motivierten Fotografie-Amateure genau richtig.

Um es gleich von Anfang an klar zu machen: Ich habe nichts gegen Hobby-Fotografen. Jeder hat mal klein angefangen, und es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, und pi und pa und po. Natürlich wird niemand als Profi geboren, aber es gibt eben nicht ohne Grund einen Unterschied zwischen Profis und Amateuren, die glauben, sie seien Profis, weil sie soeben eine 2000-Euro-Kamera bei eBay-Kleinanzeigen gekauft haben. Doch sind es genau diese Gestalten, die mit dem Selbstverständnis eines Helmut Newtons durch die Welt gehen und meinen, unser aller Netz mit ihren Fotos verschandeln zu müssen.

Kommt schon, ihr wisst genau, welche Fotos ich meine.

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Zum Dahin-Schmelzen schönes Foto, das Hans gefallen wird – geschossen von unserer Herzens-Fotografin Ika Fan. Die übrigens zum Profi-Lager gehört :) Foto: Ika Fan

Was früher der Schnappschuss auf der beige-braunen 70s-Couch für die Happy Weekend war, ist heute – natürlich viel künstlerischer – das Foto im extra dafür hergerichteten Studio oder an crazy Locations quer durch Deutschland. Dabei schaffen es die Hobby-Fotografen regelmäßig, ihr Model möglichst unvorteilhaft in Szene zu setzen. Sei es durch eine katastrophale Pose, schlechtes Licht oder den Fokus auf die falschen Stellen, die selbst Victoria’s Secret Models wie Fallobst wirken lassen.

Ganz besonders beliebt scheint im Land der Hobby-Fotografen die Fetisch-Fotografie zu sein. Jedenfalls das, was sich diese Herren (und es sind fast immer Herren, die in diesem Genre die Kamera bedienen) unter Fetisch vorstellen. Also Lack Klamotten aus dem Katalog, Handschellen, Augenbinde und Kerzenwachs.

Das Posing ist immer deutlich übertrieben, die Models räkeln sich schon fast schmerzhaft über das Set – vielleicht wurde der Fotograf zu sehr von Pornos inspiriert, in denen ja auch inbrünstig geposed wird. Dazu wird in der Regel eine Perspektive gewählt, die besonders sein soll, letztendlich aber nur dazu führt, dass das Licht schlecht ist oder das Model plötzlich aussieht wie ein Verkehrsunfall.

Um das Debakel perfekt zu machen, bedienen sich Hobby-Fotografen mit Vorliebe für erotische Momentaufnahmen noch einiger augefallener Accessoires. Neben den schon erwähnten „Fetisch“-Utensilien wie Handschellen, Augenbinde oder Kerzen, dürfen bei der Amateur-Erotik-Fotografie ein paar sexy Standard-Requisiten nicht fehlen. Obst zum Beispiel, das ganz unschuldig dazu benutzt wird, Muschis oder Nippel zu bedecken. Gerne wird auch Honig eingesetzt. Manchmal stellt der Fotograf ganz keck ein Glas Rotwein auf den Körper des Models. Niemand weiß so wirklich, was das soll, und auch nach halbstündiger Analyse erschließt sich der Sinn eines Glases Tüten-Sangria auf dem Arsch von Laura-Leonie zumindest mir nicht.

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SO, liebe Hobby-Terry-Richardsons, gehen gute Fotos. Faustregel: Lässige Inszenierung und entspanntes Model ergeben Bomben-Bilder. Foto: Ika Fan

Zu guter Letzt werden die Bilder am heimischen PC noch heftig bearbeitet, jedoch nie so, wie es sinnvoll wäre. Anstatt kleinere Unfeinheiten oder Makel zu entfernen, anstatt das Licht zu verbessern, wird tief in die Trickkiste gegriffen. Neben beliebten Photoshop-Filtern, die lieblos über das Bild gejagt werden, wird das Bild gerne auf Graustufen reduziert, um dann mittels Farbklecksen (der Rotwein!) einen wahnsinnigen Kontrast zu erzeugen. So bleibt das Model grau, wie es nun mal ist, und das wirklich Wichtige – in diesem Fall der Alk – wird in Szene gesetzt.

Wenn das Bild fertig ist, wird es voller Stolz auf dem eigenen Blog oder in einer Hobby-Fotografen Community hochgeladen und dazu mit einem schnittigen Namen versehen („Mitleid“, „Verblendung“, „Hass“, „Wahnsinn auf Haut III“). In der Community gibt es an dieser Stelle Lob von anderen Hobby-Fotografen, die es auch nicht besser können und wissen.

Um es zum Abschluss noch einmal klar zu machen: Ich bin der Letzte, der etwas gegen Amateurfotografie oder Hobby-Fotografen hat. Von mir aus könnt ihr knipsen, bis der Arzt kommt. Von mir aus könnt ihr auch unzählige Blogs betreiben, auf denen ihr eure Fotos präsentiert, aber hört damit auf, euch als Profis zu präsentieren. Profis sind nicht ohne Grund Profis. Sie haben den Mist, mit dem sie ihr Geld verdienen, gelernt. Spielt lieber mit offenen Karten und sagt den Frauen (oder Männern), die von euch fotografiert werden wollen, dass ihr Hobby-Fotografen seid und versprecht ihnen nicht Bilder, die ihr mit euren Mitteln einfach nicht erzeugen könnt. Dann verzeiht euch auch jeder die Fehler, die ihr macht, und ist auch mit durchschnittlichen Ergebnissen zufrieden.

6 Comments

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  5. ashyda

    2. Juni 2015 at 11:23

    Genauso gehts uns „Designern“ leider auch. Hach, was tümmeln sich da draußen Möchtegern-Grafiker, die „total tolle Logos“ für nur 30 € anbieten.
    Jo, so siehts dann halt auch aus. Sorgt aber dafür, dass Firmen entsetzt den Kopf schütteln, wenn sie erfahren, was so ein Logo von jemandem kostet, der das auch gelernt hat.
    „Was, sooo teuer? Der Sohn von der Gabi aus der Buchhaltung macht auch Logos und der will nur 30 € dafür haben!“

    Jeder hat so sein Päckchen zu tragen :‘)

  6. Bullet

    16. Mai 2015 at 23:43

    Unterschrieben!
    Ich selbst schwinge auch gern meine Kamera und ziele damit auf achtfünftel-nackiche Weibsen. Aber ich weiß, daß 90% aller meiner Klicks auf den Auslöser nur Schrott produzieren und manchmal selbst nach zehn Versuchen nicht das Bild rauskommt, was ich eigentlich haben wollte. Damit müssen wir (Täter UND Opfer) leben, aber am Ende sollen trotzdem wenigstens alle Beteiligten Spaß gehabt haben. „Knipsen“ würd ich mein Hobby zwar nicht nennen wollen, aber ein „Fotograf“ bin ich definitiv nicht.
    Wer sich mal richtig gruseln möchte, wenns darum geht, wer sich alles als „Fotograf“ bezeichnet (und damit auch noch Kohle einsacken will) und dann doch böse verkackt :
    http://www.youarenotaphotographer.com

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