HIV Skandal legt Porn Valley lahm – nicht

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„Weißte, Mimi, obwohl im deutschen Porno fast immer ohne Gummi gedreht wird, ist die Profi-Szene hierzulande ziemlich sicher sauberer als jeder Disco-Fick, den du je haben wirst.“ So ähnlich kommentierte einst mein heiß geliebter Harry S. Morgan, seines Zeichens legendärer und leider bereits verstorbener Pornopionier, die gummilose Realität der hiesigen Erwachsenenunterhaltungs-Szene. Und in der Tat –im absolut überschaubaren Profi(!)-Darsteller-Pool plantschen eben nicht immergeile Doofie-Ficker, die reinstecken und bangen, ohne nachzudenken. Sondern, so meine persönliche Erfahrung, Leistungssportler, die wissen, dass HIV und Konsorten eine reale Gefahr für sie sind, wenn sie mit Lümmel oder Vagina und Restkörper Schindluder treiben. Passieren kann dennoch immer etwas. So auch jüngst wieder im US-amerikanischen San Fernando Valley, auch bekannt als Porn Valley. Dachte man wenigstens!

Und das war passiert: Ein Darsteller war positiv auf HIV getestet worden. Eine schlimme Sache mit vermeintlich noch schlimmeren Auswirkungen für alle, die jemals mit dem guten Mann gedreht hatten. Dementsprechend war das Geschrei laut – verständlicherweise. Die BILD zitiert ein in der „L.A. Times“ erschienenes Statement von Diane Duke, Sprecherin des Darsteller-Verbands „Free Speech Coalition“, die überraschenderweise gar nicht schrie, sich aber um schnellstmögliche Schadensbegrenzung bemühte:

„Es gab einen positiven Test in einem unserer Zentren. Die bestätigenden Tests stehen zwar noch aus, aber wir ergreifen jede Vorsichtsmaßnahme, um unsere Darsteller zu schützen.“

Die Folge – ein freiwilliger Drehstopp, um die Verbreitung des Virus zu verhindern, laut BILD bereits der dritte Drehstopp innerhalb eines Jahres. Tote Hose also im Porn Valley. Nach einer zweiten Untersuchung aber stellte sich das positive Test-Ergebnis als Fehldiagnose heraus, und auch die Dreh- sowie privaten Sex-Partner des Darstellers wurden negativ auf HIV getestet. Daraufhin wurde die Porno-Produktion wieder aufgenommen, ohne mit der Wimper zu zucken, wie mir scheint.

Eine Kondompflicht ist in der US-Porno-Szene trotz dieser Vorfälle kein Thema, doch müssen sich Darsteller laut „L.A. Times“ alle 14 Tage auf HIV testen lassen. Immerhin etwas.

Kondome schützen vor HIV

Schützt vor HIV und anderen fiesen Krankheiten – das gute, alte Gummi. We <3 you!

Ich frage mich nun: Inwieweit unterscheidet sich die deutsche Porno-Szene von der ihrer US-Kollegen? Ist die deutsche Liebesfilm-Industrie tatsächlich so gesundheitsbewusst, wie es mir weiland Harry S. Morgan verklickern wollte? Diese Fragen stellte ich jemandem, der es wissen muss – Porno-Regisseur Tim Grenzwert.

Also Tim, Butter bei die Fische: Ist die deutsche Porno-Szene tatsächlich safe? „Da die amerikanische Porno Industrie größer ist als die deutsche, kann es dort natürlich häufiger vorkommen, dass sich die Darsteller mit Geschlechtskrankheiten anstecken“, so Tim Grenzwert. „Trotz scharfer Kontrollen und Tests kannst du die einzelnen Darsteller nicht kontrollieren. In Deutschland ist es ähnlich. Unsere Produktionen sind zwar kleiner und überschaubarer, aber wer weiß, wer mit wem vögelt, wenn die Kamera nicht dabei ist?“

Müssen die Produzenten also letztendlich auf das Verantwortungsbewusstsein ihrer Darsteller setzen? Tim Grenzwert denkt kurz nach, bevor er antwortet. „Ja, das müssen wir. Deshalb lassen wir auch nicht Hinz und Kunz drehen. Sobald ich merke, dass einer der Darsteller wahlloses Resteficken betreibt, und das am besten noch regelmäßig, ist er für uns tabu. Aber das muss man erstmal wissen. Wichtig ist natürlich auch ein aktueller Volltest, bei dem negativ auf HIV, Tripper, Syphillis, HCV und Chlamydien getestet wurde. Liegt der nicht vor, wird der Darsteller nicht für uns drehen.“

Porno-Regisseur Tim Grenzwert stand uns Rede und Antwort zum US-HIV-Skandal.

Porno-Regisseur Tim Grenzwert stand uns Rede und Antwort zum US-HIV-Skandal.

Wie würde die deutsche Porno-Industrie handeln, wenn die HIV-Erkrankung eines Darstellers bekannt würde? „Fakt ist, dass wir unsere Produktionen in solch einem Fall, wie aktuell in den USA geschehen, sofort stoppen würden, und dass die gesamte Industrie, inklusive Darsteller und Produzenten, alarmiert werden müsste“, sagt Tim Grenzwert. „In zehn Jahren hat sich aber noch niemand bei uns am Set mit HIV angesteckt“, so der Regisseur. „Mir ist kein Fall bekannt.“

Uff. Schwieriges Thema. Doch gibt es auch hierzulande in der Tat Versuche, die Penis-Gummimäntel im XXX-Film zu etablieren. So drehte Pornodarstellerin Texas Patti mit “One Night In Bang Cock” zum Beispiel einen 1A-Safer-Sex-Porno. Gut so, bitte mehr davon.

Schützt euch, liebe Leser. Und informiert euch über die Gefahren von ungeschützem Sex. Zum Beispiel auf der Seite der Deutschen AIDS-Hilfe.

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