Harry S. Morgans letztes Interview – Nostalgie galore

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Als ich neulich die kleine Liebeserklärung an Pornodarsteller Jean Pallett schrieb, pfiff mir plötzlich eine steife Brise Nostalgie um die Nase. Ich dachte daran, wie alles anfing mit dem Porno und mir und erinnerte mich an Harry S. Morgan, der eigentlich Michael Schey hieß, und der als Journalist für den Spiegel, den Stern und die BILD arbeitete, bevor es ihn 1988 als Regisseur in die ewig feuchten Gefilde der Porno-Industrie verschlug.

Mit der fabelhaftesten Ruhrgebietsschnauze jenseits von Bottrop-Boy und einem Händchen für, nun, sagen wir mal, humorvolle Pärchenfilme, wurde Harry S. Morgan zum Porno-Pionier, auch, wenn er das selbst nie zugegeben hätte.

Danke für gar wunderbare Porno-Unterhaltung, liebster Harry S. Morgan!

Danke für gar wunderbare Porno-Unterhaltung, liebster Harry S. Morgan!

Ein bisschen waren wir Buddys, und ich freute mich auf jedes Treffen mit dem alten Herrn. Die liefen dann meist so ab: Waren Porno-Kollegen anwesend, wurde gestrunzt und gebaggert, bis mir die Schamesröte fast die Ohren in Brand setzte: „Na Mimi, du kleines Luder, wusstest du, dass man mich den Muschi-Leck-Meister von Essen-Rüttenscheid nennt? Na? Hä? Bock???“ Sobald sich die anderen verpieselt hatten, rollte er mit den Augen, sagte „Wat’n Käse!“ und zeigte mir freudestrahlend Fotos seiner Oldtimer-Sammlung. Sogar zum Oldtimer-Treff auf Zollverein wollte er mich mitnehmen!

Leider kam es nie dazu, denn am 30. April 2011 verstarb Harry S. Morgan. Das war sehr traurig. Ganz anders als das Interview, das ich einige Zeit vor seinem Tod mit Harry aka Micha für das grandiose Giddyheft führte, eins meiner allerliebsten Pornomagazine auf der Welt, das ihr dringend abonnieren solltet. Im Ernst! Soweit ich weiß, war es das letzte Interview aller Zeiten mit Harry S. Morgan. Und weil Nostalgie manchmal eine wunderschöne Sache ist, teile ich diesen kleinen Schatz – in Auszügen – nun mit euch.

Hau rein, Harry. Käthe und ich werden dich immer lieben. <3

Harry S. Morgans letztes Interview erschien im Giddyheft.

Harry S. Morgans letztes Interview erschien im Giddyheft.

Ding-ding-ding! Es folgen Auszüge aus dem letzten Interview mit Harry S. Morgan für die siebte Ausgabe des Giddyhefts, die ihr hier nachbestellen könnt.

Mimi: Die Frauen haben in den letzten Jahren den Porno für sich entdeckt. Sind wir dabei, die Männer zu überholen?

Harry S. Morgan: Die Frauenwelt hat jahrhundertelang gebraucht, um sich zu emanzipieren. Dementsprechend lange hat es gedauert, bis sie ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse überhaupt formulieren konnte und eine eigene Sprache dafür entwickelt hat. Heute sagt ihr, was ihr wollt. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass so mancher Mann viele Dinge nur gezwungenermaßen, seiner Frau oder Freundin zuliebe, tut. Früher war das genau umgekehrt. Heute müssen wir Männer uns emanzipieren, wir müssen wieder lernen, unserer Frau zu sagen, was wir geil finden. Und was nicht. Diese Offenheit, die wir heute in vielen Bereichen an den Tag legen, sei es bei der Wahl des Bundespräsidenten oder bei meinen Statusmeldungen auf Facebook, fehlt komischerweise gerade oft in Partnerschaften.

Du drehst mit großem Erfolg deine „Debütantinnen“-Reihe, Filme mit Mädchen, die noch nie vor der Kamera Sex hatten. Was macht den Reiz des Amateurhaften aus?

Harry S. Morgan: Ich habe recht viele junge Zuschauer. Wenn jemand 18 ist, verliebt er sich nicht in eine 45-jährige Frau. Es reizt ihn viel mehr, Gleichaltrige zu sehen, mit denen er sich identifizieren kann, jemanden, mit dem er sich vorstellen kann, zusammen zu sein. Man weckt gewisse Träume. Dabei geht es gar nicht um den alten Voyeur. Das ist für uns kein Thema mehr. Man muss den Porno attraktiv für den Nachwuchs machen. In der Debütantinnen-Reihe ist es zum Beispiel ganz selten, dass ein Mädchen Analverkehr macht. Es geht um ganz normalen Sex und vor allem darum, zu sehen und zu merken, dass es den Mädchen Spaß macht. Der Zuschauer spürt sowas. Eine häufige Männerphantasie ist, dass er sie beim Sex dominiert, dass nur er sie mit seinem riesigen Schwanz befriedigen kann und sich die Frau oder das Mädchen dann in ihn verliebt. So denken Männer.

Ja?

Harry S. Morgan: Ja (er lacht, sehr sympathisch). Nach dem Motto „Ich hab den Größten, also lieben mich alle Frauen.“ Ist nur blöd, wenn sie den größten haben, sie aber trotzdem keine will. Und dann kommt einer mit einem kleinen Schwanz daher, und alle Mädchen verlieben sich in ihn. Das beste Beispiel dafür ist Conny Dachs. Connys Schwanz ist ganz normal, aber er punktet mit seiner Art. Er hat auch keine Probleme damit, zuzugeben, dass er an manchen Tagen nur einmal kann. Die Darstellerinnen lieben ihn für diese Offenheit.

Stichwort Offenheit. Wenn du neue Darsteller für Filme castest, liegt die Vorstellung nahe, dass Männer mit zu kleinen oder unschönen Schwänzen keine Chance auf eine Pornokarriere haben. Aber was ist mit den Mädchen? Hast du schon mal eine Anwärterin nach Hause geschickt, weil sie eine „hässliche“ – oder sagen wir lieber: nicht dem Pornoideal entsprechende – Muschi hatte?

Harry S. Morgan: Der liebe Gott hat ja eigentlich die Schamhaare erfunden. Und die finde ich auch immer noch gut. Wenn sie gepflegt sind, natürlich. Es gibt hässliche Schwänze, und es gibt vielleicht auch hässliche Muschis, wobei man das im echten Leben nicht so empfinden würde, gerade dann nicht, wenn man verliebt ist. Dann schließt man die Augen, und der liebe Gott senkt das Mäntelchen über alles. Aber die Kamera zeigt jeden Pickel. Wenn das der Fall ist, ist mein Rat: Schamhaare drüber wachsen lassen.

Du warst in Deutschland der Erste, der Pissfilme gedreht hat, der Erste, der in seinen Filmen Faustfick-Szenen gezeigt hat. Bist du ein Pionier?

Harry S. Morgan: Nein. Ich habe eine Zeit lang oft in Frankreich gedreht. Mein damaliger Produktionsleiter brachte eines Tages zum Dreh die „Pissing Queen“ mit, die eigentlich die „Queen of Table Waters“ war. Sie hat vor Aufnahmen fünf Flaschen Wasser getrunken und konnte anschließend fünf Minuten lang pissen. Sie hat sich mal auf das Dach eines alten Mercedes gehockt und es geschafft, vorne durch den Mercedes-Stern zu pissen! Das waren mindestens 1,80m! Und alle haben darüber gesprochen. Ich verbinde Porno gern mit komischen Elementen, weil ich denke, dass Sex vor allem Spaß machen sollte. Und je „komischer“ man perverse Dinge zeigt, desto mehr entschärft man sie.

Harry S. Morgan

Charmant, großmäulig und reizend zu seinen Darstellerinnen und Darstellern – Harry S. Morgan aka Michael Schey.

Was den Faustfick angeht – es gibt Frauen, die das mögen. Ich würde so etwas nie drehen, wenn die Darstellerin nicht darauf steht. Ich habe bei meinen Drehs mal eine junge Ärztin kennen gelernt, die keine Faust in ihrer Pussy wollte, aber sagte: „Du kannst mir die Faust gern in den Arsch stecken.“ Das konnte ich mir nicht vorstellen, also nahm sie ihre eigene Hand und steckte sie sich hinten rein. Ganz cool. Dolly Buster konnte das auch. Ach nee. Die konnte sich die Faust in die Muschi schieben.

Wenn ich dich jetzt so sehe und reden höre und das mit den Auftritten in deinen Filmen vergleiche, kommt mir das wie Tag und Nacht vor. Die Figur Harry S. Morgan ist ja schon sehr humoristisch angelegt…

Harry S. Morgan: Aber die Filme sind das, was ich denke. Natürlich werden die Filme beeinflusst von marktwirtschaftlichen Faktoren. Aber die Geschichten sind die, die ich im normalen Leben sehe. Ich liebe diese Ruhrgebietserotik, diesen bodenständigen Sex. Wenn du in Berlin lebst, denkst du ganz anders, abgedrehter. Berlin ist ein Sammelsurium von Bekloppten, im Ruhrgebiet gibt es das in dieser Form nicht. Wir gehen hier offen und ehrlich auf einander zu. Und genau das zeige ich in meinen Filmen. Der Porno muss für den Zuschauer nachvollziehbar sein, du darfst ihn nicht überfordern. Ich habe als einer der Ersten in Deutschland mit Rocco Siffredi gedreht, aber Rocco war für mich immer der Typ Mann, der bei mir nie zum Star geworden wäre. Erstens: Zu viel Macho, zu viel „Ich hab den größten Schwanz der Welt“ – obwohl das ja nicht mal stimmt. Zweitens: Ein junger Mann, der sich einen Film mit Rocco Siffredi ansieht, muss doch Angst kriegen. Der sitzt da, macht den Fernseher an, die Hose auf, sieht Roccos riesigen Schwanz, sieht seinen kleinen Hampelmann und hat plötzlich keine Lust mehr, überhaupt noch zu onanieren. Dann doch lieber Conny Dachs. Mit dem kann man sich wenigstens identifizieren.

Das superdupere Giddyheft

All hail the Giddyheft <3

Bock, das Interview in Gänze zu lesen? Dann bestellt euch die siebte Ausgabe des Giddyhefts hier!

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