Leder, Lendchen, Latex: Haben Frauen Fetische?

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Ein Text von Candy B.

Mal von Frau zu Frau und schamlos geplaudert: Wie ist das mit Fetischen unter Frauen? Haben wir Fetische oder fällt das „Verfallen an besondere Reize“ doch ausschließlich ins männliche Jagdrevier? Natürlich ohne den Diagnoseschlüssel der WHO zu bemühen, der dieses Thema „losgelöst von menschlichen Beziehungen und mit einem gewissen Leidensdruck“ kategorisiert. Denn ich leide unter meinen Kopfteufeln nicht im Geringsten, und die schärfste Lederhaut prallt an meinen Sensoren ab, wenn ich den Mann darunter nicht mindestens ebenso scharf finde. Aber es gibt sie eben doch, die kleinen und großen Reize, die sich direkt auf meinen Intim-Flüssigkeitshaushalt auswirken: Meine Fetische. Manche entspringen billigstem Klischee, wovon sich meine Lust seltsamerweise überhaupt nicht beeindrucken lässt.

Vielleicht versteht ja die eine oder andere Frau, was ich mit meinem kleinen „Börsenfetisch“ meine, also an gutgeschnittene Anzüge denke (übrigens ein Thema, über das Mimi&Käthe Autorin Esme van de Slampen erst kürzlich schrieb): Wertige Marken, lässig getragen, keinesfalls die zu kurz geratene Vertretervariante. Alternativ dazu: Hochgeschlagene Hemdärmel mit Weste und Seidenrücken … lecker, oder? Souveräne Verpackung eines Mannes, der etwas zu sagen hat und ebenso leicht Mogelpackung, wenn er dann doch ein Schwätzer wäre.

Eine Vielzahl meiner Sensoren erreicht Leder, das den optischen Kick noch durch Wärme und Kühle erweitert. Ja, ich bin eine Klischee-Fetischistin, wenn es darum geht, nackt den geliebten, komplett bekleideten Kerl in kragenhochgeschlagener Lederjacke zu umarmen. Riecht gut, schmeckt gut, fühlt gut, ist gut. Ganz nebenbei einer der Fetische mit „geilem Klang“, wenn sich bei verbundenen Augen leises Lederknirschen durch den Gehörgang langsam Richtung Unterleib schlängelt.

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Ein weiterer Fetisch: Uniformen! Fragt mich nicht warum, aber die Einheitstracht männlicher, gruppendynamischer Hierarchien bringt mich zum Schmelzen, und da bin ich bei weitem nicht die Einzige. Eine meiner weiblichen Bekannten hat sich früher rund die Hälfte ihres jungen Erwachsenenlebens hauptsächlich auf Demos herumgetrieben, weil sie die bösen (alternativ: guten) Jungs in ihren Turtle-Einsatz-Uniformen so unglaublich geil fand. Das wollen wir mal alles nicht überpolitisch korrekt sehen, gegen Fetische kannste ja nichts machen, die sind einfach. Nebenbei: Auch Ausgehuniformen à la Richard Gere können Schnappatmung hervorrufen. „Ein Offizier & Gentleman“, lange her,  aber unheimlich hot, oder? Kampftaucher! Himmel, Mädels, hattet ihr jemals das Glück, einen solchen Superfisch auf eure Tanzkarte buchen zu können? Mein lieber Fetischistentraum!

Es ist eben das schlimme Ding mit Macht und Ohnmacht, das so gerne fliegen lässt, und mehr als in allen gegenständlichen Attributen suche ich sie an menschlichen Körpern. In Männergesichtern, lieber deutlich gelebt als aalglatt, in Augen, die den Blick halten und Stimmen, die nicht ins Wanken geraten. Das Klischee-Weibchen liebt Kerle mit Schutzfaktor 30. Sie riechen nach Adrenalin, nach Männerschweiß und „Old Spice“, sie haben breite Rücken, schmalere Hüften und Oberarme, an denen man sich beim Ficken festsaugen möchte.

Wen wundert es jetzt noch, daß ich on top die Lende begehre? Zwei V-Stränge, die ich mit der Zunge nachfahren möchte und die in einem markanten, stehfreudigen Penis münden? Nein, das ist kein Fetischistentraum, sondern Pflichtprogramm. Ein ausgeprägter Schwanzfetisch gehört in die Realität, da kann frau sich Anderformatiges nicht schönreden.

Glaubt mir jetzt noch jemand, dass bei all diesen Bildern der größte Reiz, einer meiner ausgeprägtesten Fetische, die Hingabe eines wirklich starken Mannes ist? Zu wissen, dass Hände, die mit Leichtigkeit verletzen könnten, zärtlich berühren – das ist wohl das Geheimnis des kitschigen Kicks. Der Ursprung all meiner fetischistischen Wünsche, die in Bad Guys und Muskelspiel gründen. Und mein gieriges Klischeehirn schaut eben zu gern hin, knipst Kopf-Fotos von pulsierenden Körperausschnitten, wirft sich an starke Schultern und maunzt begehrlich ob des festen Griffes, der ganz langsam zärtlich und beschützend wird. Teufel ja, ein Kerl darf durchaus von auffälligen Venen durchzogene Unterarme besitzen – ich will sie pochen sehen, bevor sie mich umarmen, ihre Bahnen mit meinen Fingerspitzen nachziehen, mich satt sehen – nein, hungrig – und mich sicherlich erst dann ergeben.

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Keine Sorge, meine Bilder sind nicht losgelöst vom Menschen, von Persönlichkeit, Herz und Beziehungen. Ich giere im Büro keinem Kollegen hinterher, sabbere nicht vor Blendern, kann mich – ganz erwachsen – aus dem „erotisierbar Modus“ abschalten und bevorzuge Intellekt und Gespräch auf Augenhöhe. Aber wenn es um unverschämte und unzensierte Kopfteufel geht, die einen ganz prächtigen Job machen und hoffentlich niemals in Rente gehen werden, dann besitze ich vermutlich ebenso viele wie ein Mann. Wenn auch gänzlich andere und fernab der üblichen Fetischmaterialien. Und ich wette, ich bin damit weder alleine, noch eine ver(w)irrte, arme Seele.

Hand aufs Herz, Ladys. Wie sehen eure unzensierten Kopfteufel aus? Erkennt ihr die euren wieder? Habt ihr ganz andere? Keine? Bessere? Rockys hochgerissene Arme im grauen Kapuzenpulli vielleicht? Bad guy, good vibrations, oder doch lieber ganz anders? Überrascht mich, mein kleines, geiles Hirnareal für besondere Momente hätte noch Kapazitäten frei.

Candy B ist Autorin und lässt sich hin und wieder zu erotischen Wortexzessen hinreißen, die ihr hier nachlesen könnt.

Fotos: Sarahlikesprettygirls // Sarahlikesprettygirls bei Facebook

4 Comments

  1. Brigitta

    31. März 2018 at 23:50

    die klassische Coca Cola Werbung: enges T-Shirt, Jeans und cooler Gürtel, muskulöse Oberarme mit Tattoo und wenn Mann sein Shirt auszieht und Frau den Gürtel öffnet, wird’s interessant :-)

    und der Typ aus der Martini-Werbung, der sich mit dem Finger über die Lippen streicht inspiriert mit auch sehr :-)

  2. Lotta Love

    26. Dezember 2017 at 0:36

    Ich habe eine unerklärliche Schwäche für Sidecut Frisuren à la Richie Hawtin oder im Stil der 30er/40er Jahre, oben schön mit Gel oder Pomade zurückgestrichen und an den Seiten ratzekurz rasiert. Manchmal lässt mich das wider alle Vernunft an frühere Leben glauben.

  3. Miss Pickafight

    16. Dezember 2017 at 8:55

    Fetische betreffen schätze ich mal alle. Leider schämen sich viele dafür weil es ja als etwas falsches angesehen wird und je nachdem sogar als krank bezeichnet wird.
    Was mich angeht, ja ich liebe Uniformen auch. Einfach nur Yummie :D Hat auch was von Autorität, und das gefällt mir. Ich mag aber auch lange Haare an Männern, es gibt selten etwas schärferes ;)
    Solange man niemandem etwas gegen seinen Willen antut, ist doch alles okay :)

  4. theastern

    16. Dezember 2017 at 0:57

    Bärte, graue Haare, lange Haare oder Glatze, behaarte Beine, unterarme, Achseln, Brust! ganz schön haarig. :D
    Falten, Narben, Waden, Hosen die im Schritt n tacken zu eng geschnitten sind. Andersartigkeit. Und ist man mal ehrlich, Musiker! Und entgegen der Massenmeinung ist es nicht der Frontmann, nein Drummer oder Bassist muss es sein.

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