Kleingruppensex in Beziehungen – this is how we do it

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Text von Antoinette Blume

Beziehung – ja? Nein? Vielleicht? Unsere Leben drehen sich ehrlicherweise doch immer um diese Frage, im weitesten Sinne um Liebe, Sex, Nähe, Vertrauen. Um Beziehungen also. Beziehungen haben Regeln, engen ein, sind schön. Machen Beziehungen glücklich? Eher nein, denke ich. Sie sind erst aufregend und irgendwann eingefahren. Alles das. Irgendwie. Beziehung und Sex. Experimentierfreude, frei sein, vertraut miteinander sein. Hat man in einer Beziehung noch alle sexuellen Freiheiten? Jein.

Das soll nicht der hundertste Text zum Thema „Meine offene vs. monogame Beziehung” werden, den braucht die Welt (gerade) nicht – zett, bento, VICE, selbst die Süddeutsche haben schon darüber philosophiert, versucht, den Trend zu erklären, und auch hier, auf Mimi&Käthe, haben wir versucht auszuloten, was uns glücklicher, zufriedener macht. Es soll in diesem Text vielmehr um Pärchen gehen, die sexuell etwas exotischer vorgehen als andere, aber nicht in einer polygamen oder polyamourösen Beziehung leben. Wie (m)ein Freund es nennt: Team-Player. Man begibt sich auf abenteuerliche, erotische Reisen, aber eben als Team. Zu zweit. Man hat Gäste, Gespielinnen, Spielgefährten, Pärchenbesuch – alles im Rahmen des Doppels.

Heute, wo polygame Beziehungen en vogue sind, muss man häufig schon beim Kennenlernen nachfragen: Bist du gerade in einer (offenen) Beziehung? Was ist das mit uns, was könnte, darf, kann es werden? Ist es okay, wenn ich gerne hätte, dass du mir treu bist? Ich habe das wenigstens meinen Liebsten gefragt. Poly, Mono, Garnix? Sag’s mir. Die Antwort: „Monogam, aber als Team kann ich mir auch mal was Richtung Dreier, Vierer vorstellen. Wenn du dabei wärst. Und uns nach 100 Jahren, die wir zusammen sind, einfach mal danach wäre.“ Hui. Klingt gar nicht so bedrohlich, eher warm und intim. Überlegens- und eine kleine Recherche wert.

Die Fantasie nach Dreiern und Vierern in Beziehungen als Liebeserkärung an die Monogamie? Viel mehr also, als (nur) eine aus Pornos gespeiste, geile Sexpraktik? Oder erscheint es nur mir so, da ich mich in meiner Beziehung zu meinem Liebsten so wohl fühle? Ich frage der journalistischen Objektivität halber Moritz*, einen Freund, den ich erst kurz kenne, der mir trotzdem ohne Scheu Einblicke in seine derzeitige Beziehung gibt. Ausleben, austoben, ausprobieren – zu zweit, als Paar, mit anderen – für Moritz und seine Partnerin gehört das zum Beziehungsalltag dazu. Beide Partner sind dazu noch bisexuell, den Fanstastereien sind keine Grenzen gesetzt. Die beiden sind 21 und 25, seit einem Jahr zusammen, haben vom ersten Tag an ihre sexuellen Vorlieben ausgetauscht, und so kam es recht schnell zum ersten Ritt zu Dritt.

Moritz beschreibt mir den Mehrwert des Gäste-Habens für die eigene Zweierbeziehung so: „Du vertraust deinem Partner komplett. Er sieht dich, sieht beispielsweise, wie du auch mal dominiert wirst, während du sonst dominierst. Das Voyeuristische ist auch nicht ganz unbedeutend bei uns. Du teilst mit deinem Partner in diesen Momenten deine versautesten Vorstellungen und musst nichts zurück halten. Es gibt uns außerdem Gesprächsstoff – wir bereiten vor, sexten, werten aus – das alles würde irgendwie fehlen“. Dazu würde es Hemmungen abbauen, wie er mir freudig (erregt?) erzählt: „Früher war Rimming nichts, was ich sie gebeten hätte, auszutesten. Jetzt machen wir’s, nachdem sie bei einem Dreier gesehen hat, dass es mir sehr gefällt.“

Beziehungen und Gruppensex1

Dreier, Vierer, Gangbangs und Orgien zusammen mit dem Liebsten? Warum nicht?

Was mich noch brennend interessiert: Wo trifft man die Gespielinnen und Spielgefährten für Dreier und mehr in Beziehungen? In meiner Fantasie in einer durchtanzten, vielleicht verdrogten Nacht. Alles verschwimmt ineinander, der letzte Drink geht über in die Hände zweier anderer Menschen, Küsse werden zu dritt getauscht. Peng! Boom! Drei aufgegeilte, attraktive Menschen, alles ist spontan, erotisch und elektrisch. Hollywood. Aber die Antwort ist pragmatischer: Natürlich via Internet. JOYclub, Facebook, vielleicht auch mal über entfernte Bekannte. Es sei gar nicht so einfach, (bisexuelle) Männer für ein Spiel zu dritt zu begeistern, bei dem es auch zwischen den Jungs funkt. Man müsse jede Plattform nutzen, um zum Stich zu kommen, so Moritz.

„Es ist nicht immer toll, das ist klar.“ Trotz totaler Offenheit und Kommunikation gibt es also Reinfälle? „Ja, die gibt es. Es kann passieren, dass es im Bett trotz vorherigen Kennenlernens keinem so wirklich den ultimativen Spaß bringt.“

So denken auch Gretchen und Dr. Meier** (mit denen ich in meiner Singlezeit auch schon mal etwas neckischer und unbekleideter als gedacht kuscheln durfte – verbucht unter „Berlin“). Die beiden sind 25 und 38, haben sich „im Internet“ (aka Tinder) kennengelernt und waren ebenfalls von Anfang an befreit von Zurück- und Geheimhaltung ihrer sexuellen Vorlieben. Ihre Beziehung ist als „monogam + plus“ zu bezeichnen. Sie bevorzugen es, sich zu viert zu amüsieren, aber auch zu dritt ist es (oh ja!) sehr sexy und schön. Wie sieht in dieser Beziehung der Treuebegriff aus? „Wenn der Partner nicht dabei ist, ist es Fremdgehen. Punkt. Der Sex mit anderen darf gerne leidenschaftlich, intensiv sein. Aber der Sex zwischen uns bleibt – so blöde das vielleicht klingt – besonders“, so Gretchen. Verhütungstechnisch unterscheidet sich der Partnersex natürlich vom Gruppensex – bei Zweiterem wird für jedes Löchlein ein eigenes Kondom benutzt (Tipp: Hunderter-Packs ftw), beim Kopulieren zu zweit kuschelt man auch hüllenlos.

Bei diesem Pärchen ist der Teamsport zu dritt oder (bevorzugt) viert zur Freizeitaktivität geworden. Die (Sex-)Dates der vorigen Singlezeit werden nun zusammen organisiert und genossen. Das Kennenlernen, die Atmosphäre vor dem ersten Treffen, die Aufregung dabei und das euphorische Kribbeln in den Fingerspitzen, das alles mache das Unterfangen so reizvoll, erzählen die beiden. Sowieso haben Gretchen und Dr. Meier am liebsten Affären mit Menschen, mit denen sie sich unabhängig vom Bett, also über die Bettkante hinaus, gut verstehen, die gleichen Ansichten teilen und man sich mehr als nur sympathisch ist. Datingmaterial eben.

Der Anfang sei trotzdem und ehrlicher gesagt schwierig gewesen, „ein klein wenig überfordernd“, gibt Gretchen zu. Aber mit etwas „Übung“ und dem Vertrauen darauf, sich einlassen und treiben lassen zu dürfen, ist es liebens-, wenn nicht sogar lebensbereichernd für die beiden geworden.

„Habt ihr noch etwas, das ihr mir zum Thema (Klein-)Gruppensex in Beziehungen verraten möchtet?“, frage ich die zwei. „Wir wollen’s gerne nochmal mit dir treiben. Bring deinen Freund mit!“ Ach Mensch, ihr wieder.

*Name geändert
**Die Krankenschwester und der Oberarzt. Ich habe mir erlaubt, den beiden Schönheiten diesen (nicht ganz unwahren) Kontext zu geben.

6 Comments

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  3. Romy

    17. September 2016 at 10:49

    Oh ja! Ich hatte vor Jahren eine mehrere Monate andauernde Beziehung mit einem Paar, und es war ganz wunderschön! Die beiden hatten mich irgendwann mal zum Essen eingeladen und haben beim DVD gucken danach mit Blicken über mich hinweg kommuniziert, dass sie mich haben wollen – und dann wars um mich geschehen! Das war tatsächlich mit die beste Singlezeit, die ich je hatte – ich wusste, wo ich hingehe, wenn ich gut aufgehoben und befriedigt sein wollte, die beiden hatten miteinander einen grandiosen Umgang und ich gehörte eben ab und an dazu – es gab sogar Situationen, in denen sie auf der Couch saß (weil Tagebedingt nicht so ganz bumsbar) und uns beiden dabei zusah, wie wir es uns besorgt haben – was hat diese Diva das genossen, sie hatte quasi live-Porn direkt vor der Nase! Und natürlich hatte ich auch schon Beziehungen, in denen ich gemeinsam mit meinem Partner „jagen“ gegangen bin – vorzugsweise in Fetischclubs, da sind die Leute von vornherein schon aufgeschlossener.
    Ich würde diese Erfahrung nicht missen wollen, auch wenn es mittlerweile nicht mehr in mein Beziehungsmodell passt.

  4. Anonymus

    11. September 2016 at 20:39

    Sehr schöner Denkanstoß über das Thema was vielen, glaube ich, im Hinterkopf sitzt und insgeheim beschäftigt. Ich glaube würde in Beziehungen darüber offener darüber gesprochen werden…
    Beziehungen sollten eigentlich ja bereichernd sein und keine Einschränkung in der eigenen Lebensweise. Was man da als Einschränkung definieren könnte würde ich eher als „ein auf einander zu gehen“ betiteln. Oder Verantwortung übernehmen für den anderen und somit für das eigene Team.
    Und nur durch entsprechende Kommunikation kann Vertrauen und Freiheit und alles was damit zusammen hängt weiterhin ausgelebt werden. Egal in welcher Form. Wie die Autorin hier ganz schön beschrieben, als Team agieren.

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  6. ImmerNeugierigBleiben

    9. September 2016 at 22:34

    Höchst interessantes Konzept und sollte man mal gern weiter verbreiten :) … sehr schön geschrieben!

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