Gonzo und POV Porn – mittenmang statt nur dabei!

By  |  2 Comments

Ein Text von Mimi Erhardt.

Na, sitzt ihr auch gerade vor den Kategorien bei RedTube, YouPorn und Konsorten und fragt euch wieder einmal, was all diese exotisch anmutenden Begrifflichkeiten bedeuten? Kenn ich von früher aus meinen Zeiten als Porno-Elevin. Lasst mich euch daher zwei der beliebtesten Porno-Genres näherbringen, die irgendwie eins sind und doch irgendwie auch nicht – Gonzo und POV. Gestattet mir, zu diesem Zweck ein wenig auszuholen.

Manchmal, wenn ich fernsehe, werde ich traurig. Bei Kochsendungen zum Beispiel. Wenn sich das feine Sößchen ans Filet schmiegt, macht mich das zwar im ersten Moment ganz schnurrig, verschwindet die Köstlichkeit aber im Mund eines anderen, schnürt es mir das Herz zusammen. Warum? Weil ICH es sein möchte, die das besoßte Fleisch verschlingt! Ich! Ich! Ich! Ja – ich bin futterneidisch. Eine Art von Futterneid erzeugt in so manchem von uns auch das Betrachten von Pornofilmen. WIR möchten vor der heißen Milf knien, WIR wollen von Rocco Siffredi an die Kandarre genommen werden. Aber nein, statt so einer Mimi oder einem Hans-Uwe dürfen nur die ewig gleichen Pornofutzis ran. Wir sitzen blöde daneben und müssen uns im schlimmsten Fall noch durch einen miesen Plot quälen, bevor es endlich zur Sache geht. Doch halt, meine lieben futterneidischen, handlungsverachtenden Porno-Freunde, grämt euch nicht weiter. Denn an dieser Stelle kommen die Begriffe Gonzo und POV ins Spiel.

Das Genre „Gonzo“ bezeichnet in erster Linie Pornofilme ohne Rahmenhandlung, bei denen der Kameramann oder Regisseur (tritt aus Budgetgründen häufig in Personalunion auf) selbst Hand und Penis anlegt oder aber sich durch höfliche Nachfragen („Na, ist das ein lecker Schwanz, du süße Maus?“) und ambitioniertes Anfeuern am Geschehen beteiligt. Dämliche Porno-Dialoge gibt es auch hier, doch ist das Gonzo Gequatsche nicht gescripted, sprich, es gibt kein Drehbuch. Stattdessen geht es direkt ans Eingemachte – keine Vorspeise, dafür gleich vier oder fünf Mal den Hauptgang, der meist aus relativ roughem Sex besteht.

Gonzo_POV_2

Was für uns heutigen Pornoliebhaber zum Masturbations-Alltag gehört, war Ende der 1980er Jahre beinahe unbetretenes Terrain. Damals setzte die Porno-Industrie noch auf edle Hochglanz-Produktionen – Porno war kein Amateur-Vergnügen, sondern ein Handwerk, dem nicht jeder Vollhorst in seinem kacke eingerichteten Schlafzimmer in Herne-Süd nachgehen konnte. 1989 änderte sich das. In diesem Jahr machte sich der US-Amerikaner Jamie Gillis mit seiner Kamera auf, um ein neues Konzept zu verwirklichen: Er lud fremde Männer ein, es vor seiner Kamera an wechselnden Örtlichkeiten mit einem Pornostarlet zu treiben – ohne Drehbuch, ohne Umschweife. Daraus entstand die „On the Prowl“-Serie, mit der Jamie Gillis zum offiziellen Erfinder des Gonzo Genres wurde. Weitere Gonzo Pioniere waren Ed Powers, der mit „Bus Stop Tales” Porno-Geschichte schrieb, und John Stagliano, der mit seiner „Buttman“-Reihe meinem Helden Rocco Siffredi zum Durchbruch verhalf und dem Gonzo Porn seinerseits einen neuen Look verpasste – den POV Look. Dazu kommen wir aber gleich.

Gonzo Porn hat überraschenderweise nichts mit Hühnerliebhaber und Mega-Nase Gonzo aus der Muppet-Show zu tun. Dafür mit dem so genannten Gonzo-Journalismus, bei dem die herkömmliche objektive Sichtweise des Journalisten durch eine subjektive Perspektive ersetzt wird – der Schreiber ist also nicht nur neutraler Berichterstatter, sondern selbst Teil des Geschehens.

Das wiederum führt uns zum Gonzo Puzzleteil POV. POV ist die Abkürzung für „Point of view“ und bezeichnet eine im Film gebräuchliche Kameratechnik, bei der aus der Perspektive eines Akteurs heraus gefilmt wird. Das gibt dem Zuschauer das Gefühl, selbst aktiv am Geschehen teilzunehmen – mittenmang statt nur dabei. Und endlich, endlich kommen wir zum eingangs erwähnten Futterneid. Denn durch die POV Perspektive fühlt es sich mit ein bisschen Phantasie so an, als würden wir selbst vögeln, Ärsche versohlen und Blowjob nach Blowjob kassieren (kommt mir persönlich sehr zugute, denn neben Futterneid leide ich auch unter unregelmäßig auftretendem Penisneid!). Diese Art der Filmtechnik eignet sich natürlich ganz famos für Gonzo Pornos, bei denen – wie wir jetzt alle wissen – auf jeglichen unnötigen Schnickschnack verzichtet wird, um möglichst nah und authentisch am Gebumse dran zu sein.

Gonzo_POV_1

Und obwohl Gonzo und POV Pornos gerne in einem Abwasch genannt werden, ist es nicht dasselbe, wie ihr nun gelernt habt, liebe Schüler, sondern POV ist ein Teil des Gonzo Genres, ohne den Gonzo aber inzwischen undenkbar wäre.

Genug Porno Gonzo. Ich guck jetzt „Die Muppet Show“ und ess ‘ne Pizza. Guten Hunger!

Fotos: Ferdie Binger

2 Comments

  1. Pingback: Bonnie Rotten auf Mallotze - Behind the scenes mit Tim Grenzwert - Mimi&Käthe

  2. Pingback: Vokabularium: Gonzo - Mimi&Käthe

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *